Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Interesse die Tatsache registriet, daß die Berliner Jüdische Gemeinde dieses neue Krankenhaus errichtet, das die ganz besondere Anerkennung und den Dank des Staates verdiene. Er könne sich den Worten des Herrn Rabbiners Tr. Weiße nur nnschkießen und im Flamen der Staatsregierung nur den Wunsch aussprechen, daß das neue Krankenhaus blühe und gedeihe. Herr Bürgermeister R eicke: Auch die Stadt Berlin über bringe die herzlichsten Glückwünsche. Der Herr Oberbürgermeister sei leider verhindert, selbst zu erscheinen, weshalb er die Glückwünsche übermittele. In edlen Formen, die schon seit Monaten die Vorübergehenden nnsprachen, erhebe sich der Bau, wie aus einer Insel — nicht etwa die Insel der Seligen —, bald nmslntet von dem auch in dieser Gegend wachsenden Verkehr. Das Hans wird, trotzdem es weit ans der Stadt liegt, viel gesucht werden, vielfach auch aus weiter Ferne. Das neue Krankenhaus sei ein edles Zeichen für die Gesinnung seiner Gründer. Möge der herrliche Sonnenschein, von dem diese Feier umflutet ist, ein gutes Vorzeichen sein, daß auch in diesem Hause Sonnenschein walte und aus diesem Hause Sonnenschein hinausflute. Stadtverordnelenvorsteher Michel et: Es sei nicht das erstemal, daß er seitens der Stadtverordneten der jüdischen Gemeinde Gruß und Glückwunsch darzubringen habe. Hier tue er es besonders gern, weil es sich um eine Schöpfung handele, die von allen Menschenfreunden warm begrüßt werden müsse. Das jüdische Krankenhaus habe sich stets eines sehr guten Rufes erfreut. Mög-e der gute Ruf auch auf das neue Halls übergehen. Der Segen des Himmels möge über dem Hause walten. Zum Schluß sprach Professor Tr. I s r ael, der an die große Vergangenheit des Krankenhauses unter v. L a u genbeck und Dr a u b e erinnerte, die jungen Aerzt-e zu ernster wissenschaftlicher Arbeit ermahnte und die besten Wünsche für die neue Allstatt zllm Ausdruck brachte. SLUtt dem Vortrag des „Halkelujah" durch den Ehor war der feierliche Akt beendet, und es folgte dann noch die Besichtigung des mustergültig eingerichteten neuen Hauses. y. Berlin, 23. Juni. Das neue Heim des „V e r e i n s s ü r j i'l d i s ch e K r a n k e u p f l e g e r r u u c h" wurde am 21. d. M. durch eine würdevolle Feier seiner Bestimmung übergeben. Das neue Schwesternheim mit seinen hellen, hohen und hübsch ansgestatteten Räumen präsentiert sich als ein schmucker Ball, dessen innere Einrichtungen allen modernen hygienischen, technischen und ästhetischen Anforderungen vollauf genügen. Das meiste, das sich neu neben den aus dem alten S ehlveskernheim he rü b e r ge n o m me neu Geb rauchsgegenständen präsentiert, ist von wohltätigen Gönnern des Vereins gestiftet worden und von gediegenster Güte. — Ter Einweihungsakt selbst, dein eine außerordentliche Fülle geladener Gäste, der Vorstand der jüdischen Gemeinde fast vollzählig, die ineisten Repräsentanten sowie eine Anzahl von Schlvestern, soweit sie von: Dienst befreit waren, beiwohnten, lvnrde bitrd) einen vorzüglichen gesanglichen Solovortrag des Fräulein Opfer eingeleitet. Sodann trug Schwester Helene einen von Artur Si lber verfaßten Prolog vor, worauf Rabbiner Dr. Baeck die Weiherede hielt. Er begann mit bem üblichen Segensspruch, dankte den Männern, die das Werk ermöglichten und empfahl das Haus dem Schutze des Ewigen. „Aus der halbdunklen Enge des alten, so liebgelvonneueu und podieumsponnenen alten Hauses sei mau nun in diese hallen, hohen, lichtdnrchsluteten Räume über gesiedelt. Und dennoch, ist es nur das alte Licht, das hier nur weiter zu leuchten begann, das Licht der Liebe und selbstlosen Hingabe an die Leidenden. Für die Krankenschwestern sei Gottvertrauen die eigentliche Lebenskraft. Es ist einmal gesagt worden, alles Genie sei eine große Geduld, er möchte' sagen, in der Geduld liegt so etwas wie ein Genie. Das mache das Genie des Judentums aus, der Ausdruck großer Geduld: Jude sein, heiße: nie müde und matt werden." Er schloß mit dem Prophetenwort: „Die auf den Ewigen vertrauen, gewinnen immer neue Kraft, sie gehen ihren Weg und werden nicht müde." — Namens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde brachte Herr Geheimer Sanitätsrat Tr. Stern die herzlichsten und wärmsten Glückwünsche dar. Er verwies aus das herzliche Einvernehmen, das immer zwischen Gemeindevorstand und dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen bestanden habe; des sei auch das neue Heim Zeugnis. Möge in ihm derselbe gute Geist walten, der im alten Hause war. Er gedachte sodann des edlen Stifterpaares Louis Sachs' und seiner Gattin, wünschte dem Verein, daß ihm das Wohlwollen, das er bisher überall gesunden, auch in Zukunft erhalten bleibe, daß die Krankenschwestern hier eine neue liebe Heimat finden mögen lind die Flammen echter Nächstenliebe in diesem Hause dauernd weithin leuchten. Namens der Aerzteschast des Krankenhauses sprach dann Herr Professor Strauß warme und anerkennende Worte den Krankenschwestern und die besten Wünsche zmn neuen Heim aus. Dann bestieg als letzter Redner Herr Louis Sachs das mit reichem Blumenschmuck umrahmte Podium und sprach zunächst allen denen seinen Dank aus, die das Werk gefördert hätten, insbesondere den Gemeindebehörden und den Erbauern des Hauses, den Herren R e i m e r und Körte, die in entgegenkommendster Weise alle Wünsche zu erfüllen bemüht waren. Er dankte ferner bellendie zu der Einrichtung Geschenke beigesteuert haben, den Aerzten des Krankenhauses, die sich der Mühe der Ausbildung der Krankenschwestern unterzögen, schließlich anch der Verwaltung des Krankenhauses und besonders lvarm der unermüdlich im Dienste der Nächstenliebe tätigen Frau Dr. Frankl rmd der Oberin Rosa Blau, der er eine noch recht lange Wirksamkeit zum Segen der Schwestern wünschte. „In der Luft des Ghetto," so führte Herr Sachs aus, „könnten solche edlen Blüten sich nicht entfalten. Jüdische Krankenschwestern gibt es erst in neuerer Zeit. 1893 wurden die ersten drei Krankenschwestern im jüdischen Krankenhaus ansgebildet, von denen zwei, die Schlvestern Therese und Bianca, noch heute im Kranken-- pflegedienst tätig sind. Da man aber die Schwestern zum theoretischen Unterricht nicht zuließ, ging man daran, sebständig zu werden. Alan begründete hier in Berlin den Verein für jüdische Krankenpflegerinnen, nachdem kurz vorher ein gleicher Verein in Frankfurt am Main ins Leben getreten war. Der erste Aufruf brachte 1000 Mitglieder mit 14 000 Mark Jahresbeiträgen." Herr Sachs erzählte, welchen Zweifeln man damals begegnen mußte. Ein Gememdevorstandslnitglied 'habe ihm damals gesagt, man werde zum Krankenschlvesternbernf keine jüdischen geeigneten Mädchen finden, die auch den physischen und geistigen Anforderungen gewachsen wären, vor ackern auch keine, die diesen Berns würden ergreifen wollen. Heute sei das alles überwunden, der Verein hat bisher 300 Mädchen ausgebildet und trete mit 100 Krankenschwestern in die neue Aera. Die Schwestern bat er, auch fernerhin Vertrauen zur Leitung zu haben und den guten Namen, den sie bisher -erworben, auch fernerhin zu bewahren. Er schloß mit den drei Sätzen, die er beim Hammerschlag zur 'Grundsteinlegung des neuen Krankenhauses seinerzeit gesprochen: „Heil dem, der sich der Leidenden anninnnt. Der Lohn der Krankenpflege ist unbegrenzt. Auf den Werken der Menschenliebe steht die Welt." — Damit war die Einlveih-nngsfeier beendet, der eine Besichtigung des neuen Heims folgre. L2 Berlin, 23. Juni. Die von dem verstorbenen Geheimen Medizinalrat, Professor Dr. Joseph Meyer testamentarisch begründete Iulius - Adelheid - Stiftnng hat für das Kalenderjahr 1915 ein Stipendium im Betrage von 240 Mark an einen würdigen und bedürftigen Studierenden des Baufachs jüdischen G l a u b e n s zu vergeben. Geeignete Bewerber werden aufgefordert, ihre Gesuche bis zum 15. Juli d. I. an das Kuratorium genannter Stiftung zu Händen des Prof. Dr. K a l i s ch e r , Berlin W 15, Könstanzer Straße 1, einzureichen und ihnen beizufügen: einen kurzen Lebenslauf, eine Urkunde, daß Bewerber jüdischen Glaubens ist, ein amtliches Bedürstigkeitsattest, ein Führungsattest von der Technischen Hochschule, ein Zeugnis über Fleiß und Fortschritte während des Studiums. 22 Koslarr, 19. .Juni. Dieser Tage beging die hiesige jüdische Gemeinde das Jubiläum ihres 100 jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß fand eine erhebende Feier auf dem Friedhof statt. Den Hauptakt bildete die Festfeier in der Synagoge. Der elektrisch erleuchtete Tempel, der sinnreich geschmückte Almemor, die menschengesüllte Synagoge, boten ein erhebendes Bild. Der Festrede des hiesigen Lehrers und Kantors Gruschke waren die Worte aus „Köhelet" zugrunde gelegt: „Ein Geschlecht geht, ein anderes kommt, und nur die Erde bleibt ewig." Es schloß sich an den gottesdienstlichen Akt ein Festessen, bei welchem u. a. als Vertreter des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Herr Rechtsanwalt K o st e r l i tz — der Verbandsvorsitzende Herr Justizrat Berger, Königshütte, war durch Trauer am Erscheinen verhindert — der Gemeinde die besten Wünsche des Gemeindebmldes überbrachte. W. Aus der Provinz Posen, im Juni. Die Maschinenfabrik Gebrüder L ess er, Hierselbst, hat anläßlich des Jubiläums des Landwirtschaftlichen .Kreisvereins Posen der Landwirtschaftskammer den Betrag von 5000 Mark als „Gebrüder-Lesser-Stistung" zugunsten der