Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1914)
- Date
- 1914-06-26
- Page
- Seite 307 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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307 gab Schvttlaender Ende des Jahres 1906 seinen gesamten Buchverlag, einschließlich „Nord und Süd", nach Berlin weg, woselbst ersterer jetzt unter der Firma „Schlesische Verlagsanstalt (vorm. Schvttlaender), G. m. b. H." weitergeführt wird. „Nord und Süd" dagegen wurde mit dem Beginn des Jahres 1912, als Prof. Dr. Ludwig Stein Herausgeber der Zeitschrift wurde und sie völlig neu gestaltete, von Schvttlaender wieder zurückgenommen, der auch seit Anfang des laufenden Jahres, da er die ihm liebgewordene Verlegcrtätigkeit auf die Dauer nicht missen wollte, sich wieder dem Buchverlag zuwendete. Die rührige Kraft, mit der diese seine jüngsten buchhändlerischen Unternehmungen einsetzten, legt deutlich Zeugnis ab von der Rüstigkeit und Frische, deren sich der Jubilar erfreut, und die ihm noch eine lange Reihe von Jahren erhalten bleiben möge! In dem Verlage Schottlaenders sind viele Judaiea erschienen: einzelne Romane und belletristische Schriften, z. B. von Max Viola und Ludwig Jacobowski; eine Reihe Wissens chaftlicher Monographien von S. Stern, S. Heller und I. Ziegler, A, Wiener und A. Frankl-Grün; fünf Jahrgänge der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums wurden bei Schvttlaender veröffentlicht, zwei Schriften von Graetz, je drei von Joel, Lazarus und Ludwig Philippson, dessen gesammelte Schriften in 2» Lieferungen gleichfalls bei demselben Verleger herauskamen. S. Schottin cnder, der Königlich Griechischer Konsul ist, bekleidet seit dem Jahre 1880 das Amt eines Amtsvorstehers in Klein-Saegcwitz, Kreis Breslau, der eiu- Bekehrung der Ehasaren, das S. Schechtcr auf Seite 181 bis 219 veröffentlicht und beleuchtet. Ein Fragment von vier, zum Teil beschädigten Seiten wird in Photographie, Umschrift und englischer Uebersetzung mitgetcilt; es enthält einen bisher nicht bekannten und auch nirgends erwähnten Bericht über die Bekehrung des Königs und Volkes der Ehasaren. Für dieses in der jüdischen Religionsgeschichte einzig dastehende Ereignis, das Jehuda Halevi seinem Kusari zugrunde legt, dient uns als hebräische Quelle der Brief, welchen der Chasarensürst Joseph um das Jahr 960 an Ehisdai ibn Schaprut in Cordova gerichtet hat; dieses Schreiben ist auch zige Jude, der dieses Amt im Kreise Breslau versieht. Schottlaendcr hat seine Zugehörigkeit zum Judentum stets betätigt. Wir wünschen dem verdienstvollen Manne, der Körpers und Geistes seinen geht, eine lauge, ungetrübte den meisten Ausgaben des Kusari vvrangestellt. Nachdem seine Authentie lange angezweifelt war, nachdem es durch gelehrte Nachweise aus griechischen und arabischen, russischen und georgischen Quellen gelungen war, die Echtheit des Inhalts zu bekräftigen, erscheint nun dieser neue Fund, der wiederum geeignet ist, schwere Bedenken gegen die Glaubwürdigkeit jenes Schreibens zu erregen. Auch das neue Fragment gibt sich als ein Brief; gerade da, wo es abbricht, ist die Briefform sich tue meinem Herrn zu wissen) deutlich erkennbar, das Schreiben bietet ebenfalls Nachrichten über das Land und den Umfang der Herrschaft der Ehasaren, aber seine Angaben widersprechen denen des bisherigen Briefes. Sie wollen auch nur im Aufträge des Königs Joses gemacht sein, nirgends aber wird der Anschein erweckt, als wären sic auch von seiner Handverfaßt. Was aber mehr ins Gewicht fällt, ist die völlig abweichende Erzählung von der Geschichte der Bekehrung. Gewiß steht auch hier eine Disputation im Mittelpunkt, aber das Religionsgespräch bildet nicht den Anlaß zur Bekehrung, vielmehr nur das Mittel zur Erseiirer so segensreichen Tätigkeit. mit voller Rüstigkeit des Ehren- und Freudcntag be- Fvrtsetzung und Entfaltung I.. 6. Keues von den Ehakaren. Von I. EIbog e n. Unter den zahlreichen gelehrten und fesselnden Aufsätzen im dritten Bande der „Jewish Ouarterly Review"J gebührt unbestreitbar das größte Interesse einem Dokument über die ’) The Jewish Quarterly Review News Series, vol. III, 1912/13, 1>. 598 fl. Philadelphia, Dropsie College. Haltung und Stärkung der l ä n g st angenommenen und bekannten jüdischen Religion. Unser Bericht erzählt, daß vor langer Zeit das Volk der Ehasaren oder wenigstens ein beträchtlicher Bruchteil desselben zur jüdischen Religion übertrat, daß aber dann ein Rückschlag eintrat, daß die Ehasaren zwar nicht zu ihrem alten heidnischen Bekenntnis zurückkehrten, aber doch der neuen Religion recht lau gegenüberstanden. Nun aber hatte die Nachricht von der Aufgabe des Heidentums durch das Volk eine beträchtliche Zahl von Juden veranlaßt, in das Chasarenland einzuwandern, und sie wurden von der allgemeinen Lauheit angesteckt, so daß sie zwar noch den Sabbat und den Bund Abrahams beobachteten, im übrigen aber „ohne Thora und Schriften" blieben. Durch Mischehen mit den Bewohnern des Landes wurden sie ganz in deren Treiben hineingezogen, es drohte ein allgemeiner