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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-26 · Heft 26 (26.6.1914) · p. Seite 304

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 26 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
Seite 304 (sequence 4)
Language
German
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Herrn Nahum, veranlaßt, an den Imam von Hemen, den derzeitigen Herrn des Landes, zu schreiben und das in seinem Lande zu begründende Alliancewerk seinem Schutze zu empfehlen. Der Imam hat darauf Herrn Nahum ein ausführliches Schreiben zukommen lassen, in dem e& zum Schlüsse heißt: „Gegen die Begründung einer Schule für die Israeliten in Sanaa haben wir nichts einzuwenden. Die selbstverständliche Voraussetzung dafür ist, daß sie sich nicht in Dinge mischen, die ihnen nicht vom Gesetz zugestanden sind; daß sie die Erlaubnis dazu mit allgemeiner Zustimmung in schriftlichen Gesuchen erfordern und diesen Gesuchen vorher keine große Publizität geben, damit keine Empfindlichkeit erregt werde, die ihnen ünabwendlichen Schaden zufügen könnte. Vielleicht wäre es für den Unterricht der L>chüler und für die bessere Ausbildung und den Fortschritt ihrer Anschauungen vorteilhafter und angenehmer, wenn man sie nach bisherigem Brauch ihren Lehrern zuführte. Wir erbitten von Gott den Erfolg und die Führung auf den rechten Weg." Das Zentral-Komitee hofft, im Oktober 1914 die Schule in Sanaa eröffnen zu können. — Von den jungen Leuten, die alljährlich die Schulen verlassen, gibt die Alliance eine große Anzahl in die Lehre und berücksichtigt dabei vornehmlich das höhere Handwerk, das etwas geistige Anstrengung erfordert, gegenüber den Berufen mit sitzender Lebensweise, denen die Israeliten im Orient bisher den Vorzug gegeben hatten. Die Lehrlingswerke der Alliance bestehen bereits an 39 Orten, und erfreuen sich unter der Bevölkerung des besten Rufes. Das sehr interessante Bulletin der Alliance enthält zum Schluß einen Auszug aus den Tabellen der Schulen nach Ländern und ein Kapitel betitelt „Das Landwirtschaftswerk", in dem ausführlich über den gegenwärtigen Stand der Ackerbauschulen in Jaffa und Djedeide berichtet wird. Der Schülerbestand betrug am 31. Oktober 1913: In Jaffa, einschließlich der 11 Schüler von Or Jehuda 93, in Djedeide 47. — Die kulturelle Tätigkeit der Alliance kann nicht hoch genug eingeschätzt werden; sie ist von den schönsten Erfolgen gekrönt und gereicht der Leitung dieser ersten großen jüdischen Organisation zum Ruhme. A. K. Sir Wache. Berlin, 24. Juni 1914. eber den Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung sür Deutschland gebe ich den Spezialbericht der „N. I. K." wieder: Leipzig. Am 14. Juni wurde im K r y st a l l p a l a st in Anwesenheit von 120 Delegierten und mehr als 400 Gästen der XIV. Delegiertentag der Zionistischen Bereinigung für Deutschland eröffnet. Der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Arthur H a n t k e, Berlin, erstattete einen ausführlichen Bericht über die Entwicklung des Zionismus in Deutschland in den letzten zwei Jahren. Wir entnehmen dem Bericht folgende Angaben: Die äußere Geschichte des deutschen Zionismus seit dem 13. Delegiertentag iu Posen zeigt uns mehr denn je eine Zeit des Kampfes, der Abwehr, aber auch des Erfolges. Wir haben uns aber nie auf den Kampf beschränkt. Tie Resolution des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" gegen den Zionismus beantworteten wir nicht nur mit einer Gegenresolution, sondern wir gründeten beu Reichsverein der deutschen Juden und schufen uns und unseren nichtzionistischen Freunden so ein Instrument, um unseren Kamps gegen jüdischen und nichtjüdischen Antisemitismus zu führen. Ihm verdankt das deutsche Judentum den einzigen mannhaften Protest gegen den Beilis-Prozeß und die Abwehr der Angriffe der Liberalen gegen das Wahlrecht der ausländischen Juden in Preußen, wobei sich der Reichsverein der tatkräftigen Unterstützung der Orthodoxie zu erfreuen hatte. Den Kampf um das Technikum beantwortete die zionistische Organisation mit der Schaffung eines autonomen hebräischen Schulsystems in Palästina. Den antizionistischen Annoncen folgte eine Versammlungsaktion, bei der in wenigen Tagen in 87 Städten Deutschlands in größter Oeffentlichkeit die zionistische Idee dargelegt und tausenden deutscher Juden ——1 "1 1 1 -- < «— ’v 304 - nähergebracht wurde. So führten wir unseren Kampf stets mit positiver Arbeit, so wurde jede Abwehr die Quelle neuen und fruchtbaren zionistischen Tuns. Die Zahl der organisierten Zionisten stieg in Deutschland in der letzten Kongreßperiode von 7830 aus 9867. Die zionistische Presse Deutschlands verfügt bereits über fünf Organe. Allgemeine Anerkennung in der Presse hat das im vergangenen Jahre herausgegebene jüdische Gemeindejahrbuch gefunden. Die Sammlungen für den jüdischen Nationalsonds überschritten im Jahre 1913 zum ersten Male die Summe von 100 000 Mark. Daneben gaben wir dem Zionistischen Aktionskomitee außer dem Schekel im Jahre 1912/13 12 000 Mark, im Jahre 1913/14 60 000 Mark. Rechnen wir hierzu unsere Ausgaben für unsere Landeszentrale, für unsere Presse, sür unsere Jugendorganisationen, sür unsere Institutionen in Palästina, so können wir konstatieren, daß wir zurzeit jährlich etwa 240 000 Mark sür zionistische Zwecke aufbringen, abgesehen natürlich von den Kosten der lokalen Vereine. Unsere Organisation ist denn jetzt auch in 450 Orten Deutschlands vertreten. Nicht ganz im Einklang mit diesen Zahlen stehen die Kapitalsanlagen deutscher Zionisten in Palästina. Hier sehen wir noch die Folgen der früheren Jahre, in denen der persönliche Zusammenhang der deutschen Zionisten mit Palästina ein geringer war. Doch beginnt sich auch hier ein Umschwung bemerkbar zu machen. Der Redner bespricht sodann eingehend die Frage der Jugenderziehung und erklärt bei dieser Gelegenheit in bezug auf den bekannten antisemitischen Beschluß des Wandervogels in.der Judenfrage: Wir Zionisten haben von vornherein unsere Aufgabe in der Gründung eigener Jugendorganisationen gesehen und nach Einfluß in: Wandervogel nie gestrebt. Das Programm des Wandervogels aber war an sich dazu angetan, auch uns Juden sür die Erziehung unserer Kinder neue Wege zu weisen. Um so energischer müssen wir gegen die antisemitische Entwicklung des Wandervogels Stellung nehmen. Wir erheben öfsentlichen P rote st gegen die unerhörten Beschimpfungen, denen das Juden- 1 u in in der Presse des Wandervogels ausgesetzt war, und sprechen unsere Empörung über die Vers u ch e aus, den jüdischen N a t i o n a l g e d a n k e n z u r V e - g r ü n d u n g ä r g st e n Radau an ti s e m i t i s m u s heranz u z i e h e n. Im Namen des Aktionskomitees begrüßte Herr Dr. Ts chlen o w den Delegiertentag. Die Königlich-Sächsischen Behörden hatten schriftliche Begrüßungen gesandt; der Rat der Stadt Leipzig ließ den Delegierten ein geschmackvoll ausgestattetes Werk über die Stadt Leipzig als Ehrengabe überreichen. In der Debatte wies Rechtsanwalt Dr. Klee - Berlin darauf hin, daß es dem „Reichsverein der d e u t s che n I u de n" gelungen ist, die in einigen jüdischen Gemeinden, zum Beispiel Duisburg, von antizionistischer Seite versuchte Beschränkung der Gem e i n d e r e ch t e ausländischer Juden durch einen Erlaß des preußischen Ministers des Innern zu vorhin d e r n.. Aus der Generaldebatte sind besonders die Ausführungen des Herrn Kurt Blumenseld, der über den jüdischen Nationalismus spräch, und des Herrn Dr. Franz Oppenheimer, der demgegenüberseine Anschauung von deutschem Volks- und jüdischen! Stamrnesbewnßtsein entwickelte, hervorzuheben. Rach lebhafter Debatte wurde der Leitung fast einstimmig das Vertrauen votiert. In. der Abendsitzung erstattete Herr Leo M o tz k i n, der soeben von einer mehrwöchigen Inspektionsreise nach Palästina zurückgekehrt ist, ein vorzügliches Referat über „Das neue Palästina". Montag vormittag erstattete Dr. Z l o c i sti-Berlin sein Referat über die A ch u s a h bewegung, ein Zuerst von Amerika aus mit großem Erfolg unternommener Versuch der Ansiedlung kleiner und mittlerer Bauern in Palästina auf genossenschaftlicher Grundlage. Nach eingehender Debatte über die Palästina-Propaganda beschloß der Delegiertentag die tatkräftige Förderung der Achnsahbewegung. Einen großartigen Ausdruck fand die Palästinastimmung der Tagung in der Sammlung für die Palästina-Landentwicklungsgesellschaft. lieber 700 Aktien (14 000 Mark) wurden gezeichnet.

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