Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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gelegt. Die Grabsteine befinden sich neben dem Terrain des alten Friedhofes -als Fundamente eines nicht mehr vorhandenen Hauses. Es ist bekannt, daß bei den Judenvertreibungen (die letzte fand 1520 statt) die Friedhöfe demoliert und zu allerhand Bauzwecken benutzt wurden. Es sind bis jetzt etwa 40 Grabsteine bloßgelegt worden, dank dem freundlichen Entgegenkommen des Herrn Bürgermeisters von Rothenburg. Ueber die Unterbringung der Grabsteine wird später berichtet werden. Die Steine stammen alle aus den Jahren 1275 bis 1400. Der interessanteste von den bisher entzifferten trägt in der Uebersetzung folgenden Wortlaut: ' Mit bitterer Seele eine bittere Klage; Weil wir die früheren Leiden vergaßen. Habe ich, um ihrer zu gedenken, auf steinerner Tafel eingegraben die Märtyrer Rothenburgs, die gemordet und verbrannt wurden für die Heiligung Gottes. Im Jahre 55 19. Taumus und in der Veste außerhalb der Tore vernichteten sie und legten Feuer und töteten die Söhne der Stadt, llnb da schwand von uns Alt und Jung. Am 12ten des 5. Monats im sechsten Tausend hörte auf meine Wonne und am 3ten Tage möge er uns in die Freiheit entsenden, dann wird kommen mein Erlöser und mein Heiliger. Es ist also ein Gedenkstein an eine Verfolgung aus dem Jahre 1285, also vor den Rindfleisch-Exzessen. Weitere Publikationen werden im Interesse der Lokalgeschichte Rothenburgs voraussichtlich iu der Zeitschrift des Vereins Alt-Rothenburg erscheinen, nebst einer Uebersetzung der oben erwähnten Elegie. Vorläufig noch die Mitteilung. daß aus anderen Grabsteinen noch der Name Peter (vgl. den gleichen Namen bei einem Tossafisten) und der Name Meitlin Vorkommen. Slrastburg i. Ms., 12. Juni. In seiner jüngsten Vorlesung über die „Physiologie des Nervensystems" führte Herr Professor Dr. Ewald bei Besprechung der Blutversorgung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark) folgendes aus: „Sobald die Blutzufuhr zum Gehirn aufhört, tritt Bewußtlosigkeit ein. (Daher die sofortige Bewußtlosigkeit bei einem Erhängten.) Das Schächten, wie es zum Beispiel die Juden ausführen, ist eine sehr humane Art der Tötung, wenn es auch schlecht aussieht. Es hat einen Kampf h-ervorgebracht von Leuten, die es nicht verstehen, nnd zwar wegen der Krämpfe, die eintreten. Die Tiere bekommen Krämpfe, und das sieht für den Laien aus, als ob sie Schmerzen hätten. Aber bevor die ersten Krämpfe eintreten, ist schon vollständige Bewußtlosigkeit vorhanden." Gestrrretch-Nngarn. K. Wien, 12. Juni. Am 7. d. M. starb hier Hofrat Professor Dr. Adolf Lieben im Alter von 78 Jahren. „Die Wiener Universität itnb mit ihr das gesamte geistige Wien," so schreibt die „N.Fr. Pr." in ihrem Nekrolog, „beklagen den Tod dieses hervorragenden Gelehrten. Hosrat Lieben war nicht nur ein bedeutender Fachmann auf wissenschaftlichem Gebiet, sondern auch eine feingebildete, an allen sozialen, politischen und kulturellen Vorkommnissen hervorragend interessierte Persönlichkeit. Die Akademie der Wissenschaften verteilt alljährlich einen Lieben-Preis für hervorragende wissenschaftliche Leistungen, und diese ist eine Stiftung der Familie Adolf LLebens. Seine Mutter war mit Grillparzer befreundet, und der Dichter tut ihrer in seinen Tagebüchern Erwähnung. Als Knabe stand der Verblichene unter dem idealen Einfluß des Dichters Moritz Hartmann, der als Erzieher in seinem väterlichen Hause wirkte. Durch seine in vorgeschrittenen Jahren geschlossene Ehe mit Baroneß Thilde Schey trat er in verwandtschaftliche Beziehungen zu Joseph Unger. Seine feinsinnige Gattin machte ihr Haus! zu einem Mittelpunkt der vornehmsten Wiener Geselligkeit. Nach dem Ableben von Theodor Gomperz und Joseph Unger war es insbesondere das Haus Adolf Liebens, wo sich die Spitzen der Wissenschaft, daneben auch Politiker, Künstler, Schriftsteller nnd hervorragende Kaufleute zusammenfanden. Hofrat Lieben war lebenslängliches Mitglied des österreichischen Herrenhauses, wirk- Oie Gagen der Juden Gesammelt und bearbeitet von Micha Josef bin Gorion Soeben ist erschienen:! Band 2: Die Erzväter jüdische Sagen und Mythen j Geheftet M. 7.— In Halbleder gebt». M. «.50 In Leder gebt». M. Vorzugsausgabe M. 3S.-! Mel der einzelnen Abschnitte: Die Erneuerung / Die Völker der Erde / Von den ersten Völkern und vom Totenreich / Nimrod ) Der Giern Abrahams / Der Turmbau / Späteres vom Turmbau / Von der Völkertafel / Aus zwei Chroniken / Die Kämpfe k! Abrahams mit den Götzen / Erzählungen über Abraham / Arabijeh—jüdische Mären / Die Schöpfung Abraham / Kanaan und Ägypten / Don den Kriegen Abrahams / Älteres über die Kriege Abrahams J Oie Verheißung / Von 3smael / Der Abrahambund / 3m Haine Mamre / Don Sodom und Gomorra / Ältere Sodomgeschkchten / 3m philisterlande / 3saak und Ismael / Abrahams Heil / Von der Opferung 3saaks / Vom Tode Saras / Oie Freiung Rebekkas / Älteres / Von den wei-; teren Nachkommen Abrahams / 3akob und Esau / Der Tod Abrahams / Um die Erstgeburt / 3saak und Abimelech / Um den j Vatersegen / Der Ausbruch der Feindschaft.! Früher ist erschienen: Vatlb Die llrzeit (Schöpfung - Sintssut) Geheftet M. 6.- In Halbleder gebd. M. 7.50 In Leder gebd. M. io— Vorzugöausgabe M. 35.— j Verlag Rütte« & Loening / Frankfurt am Mai« j