Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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T—«T Z" übertragen, ihre Kompetenz also zu erweitern. Die Versammlung stimnit diesem Antrag zu. - Angenommen loird ferner der Antrag, die Gräber des früheren Inspektors der Altersversorgnngsanstalt, Louis Grün bäum und seiner Ehefrau, auf dem Friedhofe in Weis;-ens.ee in G-em-eindepflege zu nehmen; der hierfür erforderliche Jahresanfwand wird bewilligt. — Für die Speisung der Gefangenen während des letzten Pessachsestes war ein Gemeindezuschus; von 17(Kl Mark etatmäßig vorgesehen. Die tatsächlichen Ansgaben aber beliefen sich diesmal auf 2084 Mark. Der hiernach erfolgte Mehrverbrauch von 384 Diarf wird nachträglich bewilligt und zugleich Entlastung erteilt. — Es folge,.: dann einige Wahlen. An Stelle des ausgeschiedenen Herrn Oscar R a t h e n a u wird in die Armenkouunission Herr H e r nt a n n L e h m a n n , an Stelle des verblichenen Herrn Siegmund Landsberg Herr Julius Fried l ander zum Bvrstandsmitgliede der Synagoge Kaiser strafte gewählt. Nach einem Gemeilwebeschluß soll die Zahl der wahlfähigen Gemeindemitglieder der Ehrenbeamtenkcnnmission von 10 ans 12 erhöht werden. Es untren danach 2 Mitglieder neu zu wählen. Da wegen einer Stelle noch Berhandlnngeen schweben, wird heute Herr D r. Oscar S a l o in o n zunächst als eines der beiden noch zu wählenden Mitglieder der Ehrenbeamten-Kommission gewählt. — Einem Anträge des Borstandes zufolge beschließt die Versammlung, für die laufende Etatsperiode zur V e r a n st a l t u n g von I u g e n d s p i e l e n an de r \\ ii a b e n s ch u l e der Gemeinde einen Betrag von jährlich 150 Mark zu bewilligen. — Ueber den Antrag des Vorstandes, die Subvention der L i PP m a n n - T n u ft - S y n ag o g e für die Jahre .1014/15 und 1915/16 von 8000 Mark auf 9000 Mark zu erhöhen und außerdem zur Erhöhung der Lehrergehälter für die beiden Jahre je weitere 500 Mark zu bewilligen, referiert Herr Lewinski, der Namens des Ausschusses die Vertagung beantragt. Es sollen zunächst die Bücher- und Kassenausweise eingefordert werden, ehe man zu einer Beschlußfassung schreitet. Die Versammlung nimmt den Ausschußantrag an und vertagt die Beschlußfassung. — In einer früheren Vorlage, in der für die Deutsche Z e n t r a l st e l l e f ü r j ü d i s ch e W a n d e r a r m e n s ü r s o r g e zwar für das Halbjahr bis 1. April dieses Jahres 2500 Mark bewilligt wurden, die Weiterbeivilliguug der Subvention aber davon abhängig gemacht ivurde, daß ein ausführlicher durch Ziffern belegter Bericht der Zentralstelle eingereicht werde, war bekanntlich eine gewisse Unzufriedenheit mit der Wanderarmenzentrale zum Ausdruck gelangt. Inzwischen hat die Verivaltung der Zentralstelle der Aufforderung der Gemeinde entsprochen und einen ausführlichen mit Zahlen belegten Bericht dem Gemeindevorstand und der Repräsentantenversammlung eingereicht. Aus demselben haben die Gemeindeverwaltungskörperschäften sich von der ersprießlichen Tätigkeit dieser Institution überzeugt und der Vorstand hat infolgedessen nunmehr beantragt, der Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge für das Jahr 1914/15 einen Beitrag von 5000 Mark zu bewilligen. Die Versammlung schließt sich dem Anträge an und-spricht die Bewilligung aus. Damit schloß die Sitzung. &&& Berlin, 10. Juni. Uns wird geschrieben: Nicht allgemein bekannt dürfte es in jüdischen Kreisen sein, daß in Berlin der Anstellung jüdischer Fachlehrerinnen an städtischen Schulen nichts mehr im Wege steht. Da zurzeit ein Mangel an Fachlehrerinnen besteht, so bietet die Ausbildung zur Turn- und Handarbeitslehrerin für gebildete Jüdinnen, die für diese Fächer begabt sind, günstige Aussichten als Lebensbernf. Auch für Zeicheulehrerinnen ist die jüdische Konfession kein Hindernis mehr. Ein Beweis, daß auch gute Leistungen jüdischer Lehrkräfte von der Berliner Schulbehörde anerkannt werden, kann darin erblickt werden, daß eine jüdische Fachlehrerin soeben als Lehrerin für Turn- und Nadelunterricht von der Volksschule an ein Lyzeum versetzt lomrde und vom Provinzialschulkollegium bestätigt worden ist. Vielleicht ermutigt dieser Hinweis auch iu anderen preußischen Städten jüdische junge Mädchen, die sich zum Lehrberuf eignen, sich zur Fachlehrerin oder auch zur Gesang- oder Zeichenlehrerin auszubilden. 2^ Berlin, 16. Juni. Am 8. d. M. fand im Genesungsheim zu Lehnitz die 13. ordentliche Aiitalied-erversammlung des Vereins Jüdisches Genesungsheim, Berlin statt, an der sich, trotz der ungünstigen Witterung, zahlreiche Gönner und Freunde beteiligten. Auch in dem -abgelaufenen Geschäftsjahr — so führt der Vorsitzende Herr Sanitätsrat Tr. Wilhelm Feilchenseld aus — wurde 507 Pfleglingen vier bis sechs Wochen hindurch Aufnahme gewährt. Die erzielten Erfolge waren durchweg gute, es konnten Gewichtszu¬ ■v~7 - --■> . - - - r -'’V ' nahmen bis zu 15 Pfund verzeichnet werden. Die große Belegzifser lieft sich nur dadurch ermöglichen, daß in den Sommermonaten au£= schließlich solchen Pfleglingen die Aufnahme gewährt wurde, die durch ihre geschäftliche Tätigkeit an einen bestimmten Urlaub gebunden waren, wahrend solchen Personen, die nach Art ihres Berufes auch zu anderer Zeit abkömmlich sind, der Vorteil einer Kräftigung nur in den Frühjahrs- und Herbstmonaten zuteil werden kann. Obwohl cs durch besondere Sparsamkeit der Oberin und durch größere Erträgnisse des Gartens möglich wurde, ein wenig billiger als im Vorjahre zu wirtschaften, hätten doch die Mittel nicht ausgereicht, wenn nicht eine große Reihe von Gönnern ihr Interesse durch Mitgliederbeiträge und Spenden bekundet hätte, was auch in Zukunft erwartet werden muß, wenn das Heim weiterhin seine bedeutende soziale Aufgabe erfüllen soll. Nach Erledigung des geschäftlichen Teils fand eine Besichtigung des Heims statt, an die sich ein gemütliches Beisammensein der Gäste, die in freundlichster Weise bewirtet wurden, anschloß. 2XD Berlin, 16. Juni. Eine Besichtigung des jüdischen Genesungsheims Lehnitz veranstaltete am 10. Juni die Anskunft-sstelle des Verbandes für jüdische Wohlfahrtspflege. Das herrliche am See gelegene Haus, das .inmitten eines ausgedehnten Waldparks steht, enthält genügend luftige, gesunde Räume, itm 65 erhoknugsbedürftige Frauen undjunge Mädchen gl-eichzei.tig -beherbergen zu förniew. Den Besuchern sichtbar sind auch die Erfolge der guten Verpflegung: Erholt und erfrischt sehen die Pfleglinge ans, die sich schon längere Zeit in dieser schönen Schöpfung gütiger Menschen aushalten. Gleichzeitig sei darauf hingewiesen, daß die Auskunftsstelle am M i t t w o ch, den 2 4. b. M., mn 4 % lt h r bei jedem Wetter im Restaurant Tiergartenhof (Station Tiergarten) ein zwangloses geselliges Beis-ainineusein' veranstaltet. Im Anschluß daran findet daselbst um 6 Uhr ein Dortrag von Fräulein D r. Margarete Jacob s o h n über „Arbeitslosigkeit und Arrnenvflege" statt. Gäste sind sehr willkommen. W. Posen, 12. Juni. Ter Verein jüdischer Lehrer in den Ostprovinzen hielt am 2. d. M. hier seine 26. Jahresversammlung ab. die gut besucht war. Als Gäste waren erschienen die Herren: Kaufmann Israel Friedländer namens des Vorstandes der Synagogengemeinde, Kaufmann Manasse Werner im Austrage der Repräsentantenversammlung und des Verbandes der Synagogeng?mein'den des Regierungsbezirks Posen, Justizrat Tr. Kaempfer, als Vertreter des Denksch-Jsraelitischen Gemeindebundes und Gemeindorepräsentant Friedenthal. Der Vorsitzende, Lehrer Beck er - Wollstein, begrüßte die Erschienenen und gedachte dabei des vor einigen Wochen in Wreschen verstorbenen Lehrers Map Eohn, Mitbegründers des Vereins. Aus dem vom Versammlungsleiter erstatteten Jahresbericht geht hervor, daß das verflossene Jahr dem Verein besonders viele Kämpfe brachte; Zunächst den Konflikt des Verbandes mit dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, die Erhaltung bzw. Neugründung jüdischer Volksschulen betreffend. An dieser Frage ist der Verein ganz besonders interessiert, weil nächst Rheinland-Westfalen — unser Vereinsbezirk die meisten öffentlichen jüdischen Volksschulen bzw. jüdischen Lehrer an paritätischen Volksschulen aufweist. Leider standen die jüdischen Lehrerganz allein in diesem Kampf, denn der Verband der Synagogengemeinden des Regierungsbezirks Bromberg schloß sich dem bekannten Votum des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes an, während der Shnagogenverband Posen sich neutral verhielt. Demgegenüber war das dankenswerte Eintreten des Provinzial-Rabbinerverbandes für die jüdische Volksschule ohne den gewünschten -Erfolg, weil -er in dieser Frage nicht die nötige Autorität besitzt. — Drei jüdische Volksschulen sind im Laufe des Berichtsjahres wieder eingegangen; es sind dies die Schulen zu Gostyn, Samotschin und Rakowitz. Gostyn und Rakowitz wegen mangelnden Schülermaterials, Samotschin infolge der Pensionierung des Lehrers Senger daselbst. Die Ursachen des Rückganges unserer jüdischen Volksschulen sind allzu bekannt. Hier kann nur eine große Hilfsaktion, welche für die Bodenständigkeit der jüdischen Bevölkerung in der Ostmark eingeleitet werden soll, helfen. — Auf dem Breslauer Verbandstage wurde infolge der heftigen Schulkämpfe eine schiedlich-sriedliche Trennung vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund einstimmig beschlossen. Eine Folge dieser Trennung ist die Erhöhung der Verbandsbeiträge, die unseren Verein veranlaßte, eine Erhöhung der Mitgliederbeiträge auf 5 Mark jährlich zu beschließen. Der Wunsch, an den Sitzungen der Synagogenbezirksverbände mit Sitz und Stimme teiluehmen zu dürfen, ist