Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 19. Juni 1914 78. Jahrgang. Nr. 25 Der Gemeindevme. Vrilsgr zur „Allxemelnrn Leitung des Judentums". korrelpondkn-m und Kschrichten. Srutschland. y. Berlin, 14. Juni. Der heutigen Sitzung der Repräfentantenversammlung ging eine nicht öffentliche Verhandlung voran, in der u. a. der Bericht des zur Vorbereitung der Wahlen von Gemeindeältesten eingesetzten Ausschusses erstattet wurde. Die öffentliche Sitzung wurde durch Herrn Louis Sachs mit einigen geschäftlichen Mitteilungen eröffnet. Zur Verlesung gelangte ein Schreiben des Herrn Ros enstein, des Pressevertreters des „Israelit", in welchem er unter Bezugnahme auf eine Bemerkung im „Hamburger Israelitischen Familienblatt" und in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", daß infolge der stenographischen Aufnahme der Verhandlungen die Plätze am Pressetisch'e von den Stenographen besetzt und die Vertreter der Presse anderweitig plaziert seien, Wert darauf legt, festzustellen, daß er weder Verfasser noch Veranlasser jener Bemerkung sei. (Wir haben diese Notiz nicht gebracht. D. Red.) Herr Louis Sachs betont, daß er doch gewiß stets entgegenkommend gegenüber der Presse sei. Bedeutsamer erscheine, daß das „Hamburger Blatt" Mitteilungen aus den geschlossenen geheimen Verhandlungen gebracht habe, die vielfach nicht zutreffend seien und von denen man nicht wisse, wie sie zur öffentlichen Kenntnis gelangt seien. Man werde sich an das Blatt wenden, damit es in Zukunft solche Dinge nicht bringe. — Hierauf erfolgten die Vorstandswahlen. Da nicht nur der erste Vorsteher Herr Julius I a c o b h, sondern auch Herr Kommerzienrat Netter und früher schon Herr Geh. Rat Landsberg ihre Aemter niedergelegt haben, sind drei neue Vorsteher zu wählen. Vor Beginn des Wahlaktes widmet Herr Louis Sachs namens der Nepräsentantenversammlung Herrn Julius Jacoby herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung für die großen Dienste, die der scheidende Erste Vorsteher in seiner 42 jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit der Gemeinde geleistet hat. (Die Herren Repräsentanten erheben sich von ihren Sitzen und hören die Ansprache stehend an.) Nach kurzer Darstellung des ehrenamtlichen Werdeganges verweist Herr Louis Sachs auf die große Arbeitsleistung des nun Scheidenden. Was er geleistet, liege allen klar vor. Scharfsinn und Energie vereinigten sich in dem verdienten Manne. Jacoby war ein Kämpfer, und in der Kämpsernatur lag es, daß er auch ein scharfes Wort zuweilen gebrauchte, aber immer handelte es sich für ihn dabei um das Wohl der Gemeinde und durch seine Rednergabe und Ueberzeugungskraft hat er oft Widersacher überzeugt. Er war zugleich ein hervorragender Organisator. Die Umgestaltung der Rechnungsführung verdanke man ihm; in finanziellen Fragen war er hervorragend. Dankbarkeit gebührt ihm, daß er andauernd die wachsenden Bedürfnisse der Wohlfahrtspflege zu befriedigen und die soziale Fürsorge im modernen Geiste auszubauen bestrebt war. Obwohl er selbst ein liberal denkender Mann war, legte er doch das allergrößte Gewicht darauf, daß den religiösen Bedürfnissen aller Richtungen Rechnung getragen wurde. So stand er selbst an der Spitze der Ritualkommission. Die Aera Jacoby, so etwa schloß Herr Louis Sachs, werde ein dauernder Merkstein in der Geschichte der jüdischen Gemeinde Berlins bleiben. Möge es unserer Gemeinde nie an solchen Männern, wie Julius Jacoby, fehlen! — Dem Anträge des Bureaus der Versammlung, Herrn Julius Jacoby ein Dankschreiben zu übermitteln, dessen gedanklicher Inhalt sich ungefähr mit dem deckt, was Herr Louis Sachs ausgesührt hat, wurde unter lebhaftem Beifall der Repräsentanten zugestimmt. Das Schreiben soll von den Herren Repräsentanten unterschrieben werden, und in ihm sollen auch die besten Wünsche für Gesundheit und dauerndes Wohlergehen sowie die Erwartung zum Ausdruck gelangen, daß Herr Jacoby trotz seines Scheidens auch fernerhin in wichtigen Angelegenheiten der Gemeindeverwaltung ein Berater sein werde. — Im Namen des Vorstandes dankt Herr Kommerzienrat Eisner für die warmen und anerkennenden Worte des Vorsitzenden der Versammlung, die auf den Vorstand einen guten Eindruck gemacht hätten. Wer mit Julius Jacoby, wie der Gemeindevorstand, zusammen-gearbeitet habe, wisse am besten, was er geleistet. Seine. Tätigkeit war reich an Mühen und Arbeiten, aber auch reich an schönen Erfolgen. Er besitzt hervorragende Eigenschaften und hat Großes geleistet. Er wußte sich, obwohl er oft als Finanzminister der Gemeinde bezeichnet worden ist. in alle Zweige der Verwaltung einzuarbeiten, ein frischpulsierendes Leben in allen Verwaltungszweigen zu wecken und dauernd zu erhalten. Groß sind seine Verdienste, die er sich um das Schulwesen der Gemeinde, um die Förderung der Wohlfahrtspflege, so um das eben einzuweihende neue Krankenhaus, erworben hat. Wir wünschen ihm, so etwa schloß Herr Komm.-Rat Eisner, daß er sich noch lange Jahre der Erfolge freuen möge, wir aber werden uns bemühen, in seinem Sinne zu arbeiten. (Lebhafter Beifall.) Sodann schritt man zur Wahl. An Stelle des Herrn Geh. Baurat Prof. Dr. Landsb e r g wurde als Aeltesten-Stellvertreter Herr Justizrat Dr. Julius Magnus gewählt, und zwar einstimmig mit allen 17 abgegebenen Stimmen. — Die Ersatzwahl für Herrn Kommerzienrat Netter, der sein Amt niedergelegt hatte, ergab die gleichfalls einstimmige Wiederwahl des Herrn Netter. Als Mitglied des Vorstandes an Stelle des Herrn Julius Jacoby wurde einstimmig Herr Salomon S e l i g s o h n, der dem Vorstand bisher als stellvertretendes Mitglied angehörte, gewählt. (In einer, wie wir hören, für Mittwoch abend anberaumten Sitzung wird der Gemeindevorstand ans seiner Mitte den Ersten 'Vorsitzenden wählen.) Dann erfolgte zunächst die Annahme einer Reihe von Zuwendungen. Herr Dr. James S im o n hat dem neuen Krankenhaus zur Anschaffung von Untersuchungsapparaten für die innere Abteilung und das zu dieser Abteilung gehörige Laboratorium den Betrag von 5000 Mark Zugewandt. Die Versammlung stimmt der Annahme der Zuwendung zu. Desgleichen der Annahme des Legats der verstorbenen Frau Flora Messow geb. Schwarz in Höhe von insgesamt 2000 Mark (1500 Mark zu Grabeserhaltungszwecken, 500 Mark für die Altersversorgungsanstalt) und des Legats der verstorbenen Witwe Johanna S e e l i g geb. Friedländer in Höhe von 2200 Mark zu Gräbeserhaltungszwecken. — Da Zweifel darüber bestehen, ob bei der Abstimmung der vorigen Sitzung über die Grundsätze für die Julius Jacoby-Beamtenstistung nur die Vorlage des Vorstandes oder auch der Antrag des Ausschusses, der das Wahlrecht der Beamten für das Kuratorium der Stiftung von einer längeren Karenzzeit abhängig macht, angenommen worden ist, wird nach kurzer Debatte, an der sich die Herren Geh. Justizrat Veit Simon, Justizrat Dr. Ignaz Cohn, Direktor Minden, der Vorsitzende, und vom Vorstandstisch Herr Justizrat Lilienthal beteiligten, nochmals über den Ausschußantrag abgestimmt und dieser angenommen. — Von Herrn Beuas Lev y ist der folgende Antrag gestellt: „Die Repräsentantenversammlung wolle beschließen: Die Bedingungen, die jetzt für die Erneuerung der Plätze für die Synagogen und Betlokale maßgebend sind, einer Prüfung zu unterziehen und diese Prüfung der neu gebildeten Deputation (Antrag Emil C o h n) zu überweisen." In der Ausschußberatung dieses Antrages, so wird berichtet, habe der Vorstand prinzipielle Bedenken gegen den Antrag erhoben, er greife in die Kompetenz des Vorstandes ein, da es sich hier um eine reine Verwaltungsmaßnahme handele. Man habe die Richtigkeit dieses Bedenkens anerkanut. Aber nach dem Judengesetz von 1847 ist die Nepräsentantenversamnllung berechtigt, ihre Kompetenzen zu bestimmen und insbesondere in Form einer Resolution Wünsche an den Vorstand zu richten. Einem solchen Resolutionswunsch würde der Vorstand entsprechen. Aber die Ueberweisung dieses Antrages an die Deputation zur Beratung des Antrages E m i l C o h n, der etwas ganz anderes, nämlich die unentgeltliche Hergabe der Plätze in den Betlokalen bezwecke, habe der Ausschuß abgelehnt und denMntrag zu stellen beschlossen, in Form einer Resolution dem Wunsche Ausdruck zu leihen, der in dem Antrag Benas Levy liege. Dieser Ausschußantrag wird angenommen und daher nur die Resolution zum Beschluß erhoben. — Da es vielfach als ein Mißstand empfunden werde, daß die unter Aufsicht stehenden Koscherfleischwarenhändler gezwungen sind, rituelle Waren, wie z. B. Pflanzenfette und Suppenwürfel zu verkaufen, die unter der rituellen Aufsicht auswärtiger Gemeinden hergestellt werden, und sich besondere Schwierigkeiten auch bei der Beaufsichtigung der rituellen Restaurants ergeben, die abgesehen von Fleisch alle übrigen Waren, insbesondere Back- und Kolonialwaren, von Geschäften beziehen mußten, die unter Aufsicht auswärtiger Gemeinden oder der Adaß.Jisroel stehen, so ist der Antrag gestellt worden, der Koscherfleischkommission alle Aufgaben einer Kaschruth-Konunission