Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 292 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■■ -- l i j -i . .. - 292 --- Es wäre höchst erwünscht, wenn die dabei zum Ausdruck gebrachten Meinungsäußerungen in der Tagespresse erörtert oder aber dem Londoner Zentralbureau der I. T. O. übermittelt werden. Es ist klar, daß nur, wenn die jüdische Oesfentlichkeit in dieser Weise ihre Ansichten kundgeben wird, daß nur dann die Beschlüsse der Territorialistischen Konferenz mit den Interessen der gesamten Judenschaft in Einklang stehen werden. Mögen alle, die so oft ihre Sympathien mit den territorialistischen Bestrebungen zum Ausdruck gebracht haben, nicht versäumen, in diesem ernsten Augenblick ihre Pflicht zu erfüllen. * Die anti-defamation-lcague in Chicago hat an den Herausgeber des „Western Catholic" einen Brief gerichtet, in dem sie die Verunglimpfungen des früheren Bürgerm e i st e r s N a t h a n in Rom zurückweist. Sie weist nach, wie lächerlich es sei, davon zu sprechen, daß der Papst zu lebendigem Tode von den Nachkommen derer verurteilt sei, die Christus zum Gang auf den Kalvarienberg zwangen. Sie zeigt, wie töricht es sei, Nathan, den römischen Bürgermeister, zum Sprecher der Juden zu machen, da er weder als Jude noch für die Juden gesprochen hätte. Man dürfe nicht die Gesamtheit verantwortlich machen für das, was der einzelne tut, wenn er zufällig dieser Gemeinschaft angehört. Wenn ein Amerikaner den Katholizismus angreife, weil ein Katholik etwas llebles getan, so sei das Bigotterie, Unwissenheit und Unduldsamkeit, desgleichen, wenn ein Katholik es wage, das Judentum zu verhöhnen, weil ein Jude etwas getan oder gesprochen, was einem Nichtjuden nicht behagt. Die Tagung der Gelelllchatt?ur Förderung der WMrnlchakt des Judentums in Frankkurt s. M. eute, den 3. Juni, begann hier die Tagung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft der Juden. Um 6 Uhr vereinigte die öffentliche Versammlung die Freunde und Mitglieder der Gesellschaftern großen Saale der Frankfurt-Loge. Direktor Dr. Adler begrüßte die Erschienenen im Namen des Ortsausschusses. Er wies auf die Begeisterung hin, die in Frankfurt geherrscht haben, als vor zwölfJahren die Gesellschaft gegründet worden sei. Die Gesellschaft tage diesmal wieder in Frankfurt, das sich anschicke, in kurzer Zeit eine Universität zu eröffnen, die wohl auch der für das Geistesleben der Menschheit so bedeutungsvollen Wissenschaft des Judentums den ihr gebührenden Platz einräumen werde, dabei der Mahnung gedenkend, daß sich die gesamte Bürgerschaft ohne Unterschied der Konfession in der Pflege idealer Güter zusammenfinden müsse. Er bedauerte, daß der erste Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Dr. PH il ipps o n-Berlin, durch seinen Gesundheitszustand verhindert sei, an der Tagung teilzunehmen. Der Redner erwähnte dann, daß Professor Philippson für seine unermüdliche Tätigkeit eine Ehrung in Gestalt einer Plakette zuteil werden soll, die der Frankfurter Bildhauer Mar Lewy ausgeführt habe. Dann begrüßte er den Oberbürgermeister Voigt als Vertreter der Stadt Frankfurt a. M., den Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde, die Vertreter auswärtiger Shnagvgengemeinden und -verbände. Dann dankte er dem Komitee, das der Gesellschaft r>000 Mark überwiesen habe zur Förderung der Bestrebungen des Vereins, und Herrn Benas L e v h - Berlin, der den Mitgliedern eine Broschüre „Die Juden in Worms" gestiftet habe. Oberbürgermeister Voigt-Frankfurt a. M. wies darauf hin, daß die Vergangenheit des Judentums Tausende von Jahren umfasse, daß die Wissenschaft des Judentums sich daher ,eine große Aufgabe stellt, wenn sie sich die Erforschung dieser Kultur zur Aufgabe stelle. Schon zur Zeit der homerischen Dunkelheit habe das jüdische Volk eine geistige und kulturelle Höhe erreicht, die man heute noch bewundern müsse. Keine Wissenschaft könne sich heute aufbauen, ohne sich auf die Erforschung des Judentums vor Tausenden von Jahren zu stützen. In der Entwicklung des Judentums spielte auch die Frankfurter Gemeinde eine bedeutende Rolle, und wir werden heute noch aus berufenem Munde über die Entwicklung der Frankfurter Gemeinde belehrt werden. Der Magistrat der Stadt Frankfurt aber läßt durch mich der Gesellschaft seine besten Glückwünsche zu der Tagung aussprechen. Im Namen der Frankfurter Israelitischen Gemeinde begrüßte Justizrat Dr. Blau die Versammlung. Er sprach den Wunsch aus, daß die Frankfurter Universität, die durch die Opferwilligkeit der Frankfurter Bürger, nicht zum geringen Teil auch der israelitischen Bürger, gestiftet worden sei, auch eine jüdisch-theologische Fakultät erhalten werde. Dafür müßten alle Gelehrten und Gebildeten eintreten. Eine derartige Pslegestätte jüdischen Geisteslebens müßte selbst von christlicher Seite gefordert werden, denn das Studium der christlichen Theologie baue sich auf der viel älteren des Judentums auf. Jahrhundertelang sei das Studium der jüdischen Wissenschaften vernachlässigt worden, und erst in den letzten Jahrzehnten mache sich ein neuer Geist bemerkbar, die Erforschung der jüdischen Wissenschaften werde eifriger betrieben. Das Judentum sei dies aber auch seiner glorreichen Vergangenheit schuldig, und auch von ihr gelte der Spruch: „Nur der verdient die Achtung anderer, der sich selbst achtet." Die Gemeinde Frankfurt erkenne dankbar die Bestrebungen der Gesellschaft an und habe als äußeres Zeichen dieser Dankbarkeit drei Exemplare der „Urkundensammlung der Frankfurter Juden" von Professor Dr. Kracauer der Gesellschaft gestiftet. Professor Hülsen überreichte für das Komitee zur Erhaltung und Wiederherstellung jüdischer Baudenkmäler einen Band des Beerdigungsregisters der jüdischen Beerdigungsgemeinde. Rabbiner Dr. S e l i g m a n n überbrachte die Glückwünsche des Rabbinerverbandes. Der zweite Vorsitzende der Gesellschaft, Professor Dr. Guttmann-Breslau, verbreitete sich dann in längeren Ausführungen über die Zwecke und Ziele der Gesellschaft. Er betonte, daß die Frankfurter israelitische Gemeinde einen großen Anteil an der Entwicklung des Judentums und der jüdischen Wissenschaften gehabt habe. Bis jetzt habe die jüdische Wisienschaft aus jede Unterstützung des Staates verzichten müssen. Keine Universität habe Lehrstühle für die jüdische Theologie, keine Akademie und keine gelehrte Gesellschaft unterstütze ihre Bestrebungen. Deshalb sei die Gründung der Gesellschaft zur Förderung der Wisienschaft des Judentums eine Notwendigkeit gewesen. Ihr Zweck sei es, die Existenzberechtigung der Erforschung der jüdischen Vergangenheit nachzuweisen. Es sei ein schwerer Kampf, den man aber führen müsse, denn man könne die Wisienschaft als beste Waffe nicht entbehren. Professor Dr. Kr aca u er-Frankfurt a. M. hielt hierauf einen Vortrag über die geschichtliche Entwicklung der israelitischen Gemeinde Frankfurts. Nachdem der Vorsitzende, Direktor Dr. Adler, allen Rednern gedankt hatte, vereinigten sich die Teilnehmer zu einem Festmahle im kleinen Saale der Frankfurter Loge. Am Donnerstag früh fand eine Festfahrt nach Worms statt, wo die Mitglieder durch den Vorstand der israelitischen Gemeinde begrüßt wurden. Im Anschlüsse an die Tagung hat die Frankfurter Numismatische Gesellschaft eine öffentliche Ausstellung von jüdischen Münzen und Medaillen in der Frankfurt-Loge veranstaltet. Die Ausstellung umfaßt: Abteilung I. Münzen der Juden. (Münzen, von den Juden geprägt, von der Makkabäerzeit ab bis zum zweiten Aufstand unter Varkochba gegen Hadrian.) Abteilung II. Die Münzen des Talmuds und dergleichen. Abteilung III.