Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-12 · Heft 24 (12.6.1914) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3224737-3229123-3229148--70493-3282841
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

03far Troplowitz eine wohltätige Stiftung gemacht. Sie wollen für die Zwecke der Krankenküche ein eigenes Heim errichten und mit vollständiger Inneneinrichtung der Stadt zur Verfügung stellen. Die ^tadt soll das Gebäude dauernd instand halten. Die Baukosten in Höhe von 46 700 Mark werden ebenso wie die innere Allsstattung von den Stiftern getragen. Die Vorlage des Magistrats wurde von der Stadtverordnetenversammlung mit Worten des Dankes an die hochherzigen Stifter angenommen. — Die seit länger als Jahresfrist vakante Stelle eines Gemeinderabbiners ist im Herbste v. I. dem Rabbiner Dr. Fr ei mann aus Hollischau (Mähren) übertragen worden. Der Gewählte hegte Bedenken, dem an ihn ergangenen Rufe Folge zu leisten, da der endgültigen Anstellung ein fünfjähriges Vertragsverhältnis vorangehen sollte. Nunmehr soll Rabbiner Dr. Freimann auf Lebenszeit angestellt und die behördliche Genehmigung hierzu sofort nachgesucht werden. — Görlitz, 5. Juni. Die Oberl-ausitzische Gesellschaft der Wissenschaften hat den Rabbiner Dr. Freund in Görlitz, der nach beinahe OOjähriger Tätigkeit als Geistlicher vor kurzem in den Ruhestand trat, zu ihrem Ehrenmitglied ernannt. Der Gesellschaftspräsident, der Landeshauptmann und königliche Zeremonienmeister v. Wiedebach und N o st i z - I ä n k e n d o r f betonte in seiner Ansprache, das; die Ehrung einstimmig beschlossen worden sei, und sagte unter anderem: „Unsere Gesellschaft als die alte Vertreterin der Gelehrsamkeit in der Oberlausitz und in Görlitz wünscht nun durch diese Ehrung zu bekunden, das; Sie nicht bloß als Geistlicher, nicht bloß als Stadt- und Staatsbürger und als vornehm denkender und charaktervoller Mann, sondern auch in wissenschaftlicher Betätigung die höchste Anerkennung verdienen." §2 Köln, 5. Juni. Di-e Abteilung „K r r ch l i ch e K u n st" in der WerkbundaU'sstellU'Ng in Köln bringt n.oben katholischen und protestantischen Kirchenräumen auch eine Synagoge, die dieser Tage eröffnet wurde. Der von dem Architekten Friedrich Adler, Lehrer an der Kunstgewerbeschnle Hamburg, geschaffene überaus weihevoll gestimmte Raun; findet die höchste Bewunderung aller Besucher und gewinnt für die neuzeitlichen Kunstbestrebungen sicherlich viele Freunde. Der durch zahlreiche, namentlich auf dem Gebiete der Keramik und Silberschmiedekunst liegende kunstgewerbliche Arbeiten rühmlichst bekannte Künstler hat es verstanden, bei genauester Junehaltung aller rituellen Bestimmungen nicht nur die Architektur, sondern alle Einrichtungsaeg.eustande des sakralen Raumes in ganz modernem Geiste zu gestalten. Der Blick wird zunächst durch einen, in edelster Keramik (Keramik-Manufaktur, Hamburg. Gerstenkorn u. Meinorstorf) ausgebildeten Vorhof auf das in gedämpftem Golde erstrahlende Allerheiligste mit dem blauen Vorhang des Thoraschreines gelenkt. Vor ihm hängt zwischen dem in Eichenholz reich geschnitzten Vorbeterpult und der Kanzel, die von der Firma Bruckmann-Heilbronn in edelster Silbertreibarbeit allsgeführte Ewige Lampe. Das in den beiden Ni schell rechts-und links vom Allerheiligsten stehende Gestühl, das sich durch schlichte strenge Formschönheit allszeichnet, ist für den Nabbiller mld je zwei Vorstandsmitglieder sowie für den Vorbeter bestimmt. Die durch neuartige Form sich anszeichnendeu sieben- und achtarmigen Leuchter, HauptacgenstÜnde des jüdischen Kultus, sind nach Entwürfen Adlers in MessincMß ansgeführt und habeil ihren Platz zwischen den Säulen des linkeil Seitenschiffes gesunden. In Vitrinen stehen zahlreiche Kultgeräte für den häuslichen Gebrauch, die gleichfalls dartun. das; es unsere Zeit nicht mehr nötig hat, sich in der künstlerischen Formensprache auzllktammern an überlieferte Stile, sondern ihre eigene Sprache sprechen. Von hervorragender Schönheit sind die von der bekannten Glasinalerei Gottfried Heinersdorff-Berlin nach Adlers Elltlvürfen ausgeführten Glasfenster, die dank einer Stiftung eines künstlerisch hochgesinnten Mitgliedes der hiesigen Synagogengemeinde Köln dauernd erhalten bleiben werden. Sie tragen wesentlich zur Steigerung der Stimmung des in der Farbengebung wohl abgehobenen Ramnes bei. Dem ganzen Werk wird der mit einem für das Schöne empfindsamen Auge bedachten Besllcher ansehen, daß sichhier ein hochbegabter Künstler mit voller Hingabe einer hohen Aufgabe gewidmet lind sie mit feinstem Einpsinden gelöst hat. y. Magdeburg, 5. Juni. Aus dem Verwaltungsbericht des Syllagogengellleindeverbandes der Provinz Sachsen pro 13/14 ersehen wir, daß der Verband auch im verflossenen Geschäftsjahre unablässig bemüht war, für einen geordneten Religionsunterricht in seinen Verbandsgemeinden und für das Zustandekommen eines würdigen Gottesdienstes besonders an den hohen Festtagen nach Möglichkeit Sorge zu tragen. So sandte der Verband in die Gemeinden Bitterseld, Eisleben, Staßfurt und Stendal zu den Herbstfeiertagen Prediger und Hilfsvorbeter, der Gemeinde Schwarza wurde für das Engagement eines Borbeters eine Beihilfe und ebenso der Gemeinde Genthin für die Synagogenmiete gewährt. In acht Gemeinden läßt der Verband 22 Knaben und 23 Mädchen Wanderreligionsunterricht erteilen. Des weiteren teilt der Bericht mit, daß der Verband auf der Generalversammlung des Verbandes der deutschen Juden in Hamburg, auf dem Deutsch- Israelitischen Gemeindetag und dem 6. Gemeindeverbandstag vertreten war, und daß er in der strittigen Frage der Errichtung jüdischer Volksschulen eine Entschließung einbrachte, daß die Frage nicht vor den Gemeindetag gebracht werden möge, vielmehr jeder einzelnen Gemeinde die Freiheit der Entschließung Vorbehalten bleiben müsse. Dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß sich die Einnahmen einschließlich des Kassenbestands am 1. April 1913 in Höhe von 2086,98 Mark auf 4970,43 Mark, die Ausgaben auf ^2086,98 Mark beliefen, so das; sich der vorjährige Kassenbestand um 63,02 Mark erhöht und am 1. April d. I. also 2150 Mark betrug. Angeschlossen sind dem Verband 23 Gemeinden, die Zahl der außerordentlichen Mitglieder beträgt 340. Vorsteher des Verbandes ist Herr C. Heynemann in Magdeburg. 22 Hannover, 5. Juni. Am 1. d. M. ist der frühere Direktor der Tierärztlichen Hochschule, Geheimer Oberregierungs- und Medizinalrat Dr. Damm a nn, im Alter von 75 Jahren verschieden. Der Verstorbene hat es verdient, daß auch in jüdischen Blättern seiner ehrend gedacht werde. Das Judentum ist ihm zu großem Dank verpflichtet für die außerordentlichen Dienste, die er ihm in seinem Kampfe gegen die Angriffe ans das rituelle Schächten geleistet hat. Schon im Jahre 1886 hat er in einer besonderen Schrift, die später in dem 1894 erschienenen Gutachten über das jüdisch-rituelle Schächtverfahren nochmals abgedruckt worden ist, die gegen die rituelle Schächtmethode und die ihr vorangehenden Vorbereitungen erhobenen Angriffe mit wissenschaftlicher Gründlichkeit widerlegt und nachgewiesen, daß dieselbe gerade vom Standpunkt der Humanität aus sehr zu empfehlen ist. Das Eintreten Dammanns für die jüdische Schächtart war aber deshalb von besonderer Bedeutung, weil gerade seine Meinung bei den staatlichen Behörden außerordentlich ins Gewicht fiel. Es dürfte vielleicht wenig bekannt sein, daß, als in demselben Jahre die Genfer Tierschutzgesellschast diese Angelegenheit betreffende Vorschläge dem Reichskanzleramt machte, Dammann von dieser unter allen deutschen Fachmännern allein dazu ausersehen wurde, sich hierüber gutachtlich zu äußern, und daß er dadurch gerade bei den amtlichen Stellen aufklürend gewirkt hat, welche für die weitere Behandlung dieser Frage ausschlaggebend waren. Auch späterhin ist er überall, wo es, sei es im ganzen Reiche oder in einer einzelnen Stadt, versucht wurde, das rituelle Schächten zu diskreditieren, diesen Versuchen mit dem ganzen Gewicht seiner Persönlichkeit wirksam und erfolgreich entgegengetreten. Unvergessen wird es ihm bleiben, wie er, als auf dem tierärztlichen Kongreß zu Bern im Jahre 1894 ein starker Vorstoß gegen das Schächten geplant worden war, lediglich aus dieser Veranlassung nach Bern reiste und durch die Macht seiner überzeugenden Worte den wohldurchdachten Plan vereitelte und einen vollständigen Umschwung der Ansichten herbeiführte. Der Name dieses warmen Verfechters von Wahrheit und Recht wird in der jüdischen Gemeinschaft stets in Dankbarkeit genannt werden. §2 Frankfurt a. M., 5. Juni. In einer hiesigen tierschützlerischen Berbandssitzung wurde kürzlich vor Beginn der Sitzung von Klein-Lennep, dem bekannter; Agitator der Schachtgegner, aus eigene Beranüoortung und ohne Auftrag des Verbandes ein Film vorgeführt, der zeigen sollte, daß das Bewußtsein des Tieres bei dein Schächter; wesentlich länger anhalte als bei anderen modernen Tötungsarten. Gegen diese Auffassung wandte sich ein von anderer Seite zur Verteilung gelangtes Flugblatt, das daraus hinweist, das; der vorgeführte Film überhaupt nicht das richtige Schächten darstelle. Die Veranstalter des Films hätten mit der Sekunde des Schächtschnitts den Tieren die Freiheit gegeben, wobei Laus und Austritt des Blutes gehemmt und die sonst in wenigen Sekunden eintretende Blutleere des Gehirns verlangsamt worden sei. Einzelne Tiere seien sogar, dem Religionsgefetz entgegen, stehend geschachtet worden. Ferner sei die Schächtung durch einen Metzgerburschen, nicht aber

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.