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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-12 · Heft 24 (12.6.1914) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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78. Jahrgang. Nr. 24 Der Gemeindebote. Berlin, 12. Juni 1914 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums. korrrlpmden?m und Aschrichten. SrvtschksnL. 22 Berlin, 9. Juni. Das Mitglied des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Herr Geheimer Regierungsral Professor D r. Hermann Cohen, wird vom 9. Juni an Dienstag abend 8 bis 10 Uhr, Vorlesungen über „Ethische Lehren nach den Quellen des Judentums", vom 10. Juni an, Mittwoch 11 bis 1 Uhr vormittags „Philosophische Hebungen über Maimonides" (Fortsetzung), ferner vom 10. Juni -an, Mittwoch 1 bis 2 Uhr „Hebungen über Psalmen" halten. Die Vorlesungen sind öffentlich und unentgeltlich. Meldungen wegen der Zulassung können im Sekretariat, Artillerieftr. 14, vormittags 11 bis 12 Uhr erfolgen. Berlin, 9. Jwui. Der Verein L -e h r l i ngshei m P anko w hielt gestern unter dem Vorsitz des Herrn Rudolf Mosse die diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Den -ersten Punkt der Tagesordnung bildete die Erstattung des Verwaltnngsberichts, der ein anschauliches Bild von der segensreichen Tätigkeit des Vereins zeigte. Entsprechend seiner Aufgabe, tüchtige Handwerker unter unseren Glaubensgenossen heranzubilden, hat der Verein in den 18 Jahren seines Bestehens 153 Lehrlinge nach vollendeter Gehilfenprüfung entlassen, die nun auf den verschiedenen Gebieten des Handwerks sich betätigen und mit gutem Erfolg ihren Beruf ausüben. Davor! entfallen auf das Berichtsjahr 11 Zöglinge, und zwar: zwei Tischler, zwei Tapezierer, ein Elektromechaniker, ein Schriftmaler, ein Schriftsetzer, ein Optiker, ein Schneider, ein Schlosser, ein Zahntechniker. In der Anstalt sind gegenwärtig 35 Zöglinge. Von diesen stamm-en sinifzehn ans Grosz-Berlin, einer aus Ostpreußen, acht ans der Provinz Posen, einer aus Brandenburg, fünf aus Schlesien, zwei aus Hessen-Nassau, zwei aus dem Königreich Sachsen, einer ans Palästina. Leider ist der Verein nicht in der Lage, den Ansprüchen zu genügen, die in immer größerem Maße an ihn herantreten. Es wird daher an unsere begüterten Glaubensgenossen die herzliche Bitte gerichtet, den Verein durch Zuwendung von Geldmitteln in seinen Bestrebungen zu unterstützen. An alle, die sich für die Heranbildung eines tüchtigen, gesunden, fleißigen, jüdischen Handwerkerstandes interessieren, ergeht zugleich die freundliche Einladung, das in Pankow, M'chleustraße 24, gelegene Lehrlingsheim zu besichtigen. — Bei den hierauf vollzogen-en Wahlen wurden die Herren Emanuel A p p e l und Jakob P a s ch als Revisoren und Herr Eduard G r o w a l d als Stellvertreter gewählt. Durch Zuruf erfolgte die Wiederwahl der turnusmäßig ansscheidenden Borstandsmitglieder. Hierauf wurde der Etat für das Jahr 1914/15 angenommen. Einstimmig beschloß sodann die Bersammlung, dem Anträge des Kuratoriums entsprechend, Herrn M. D. F e i l ch e n f e l d , der kürzlich seinen 80. Geburtstag gefeiert hatte, in Anerkennung seiner großen Verdienste um den Verein zum Ehrenmitgliede zu ernennen. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft, und mit Dankesworten an die Erschienenen schloß der Vorsitzende die Versammlung. In der sich anschließenden Knratoriumssitzung konstituierte sich der Vorstand wie folgt: Rudolf Bk o s s e, Vorsitzender; Oskar T i e tz, stell'vertretender Vorsitzender; Kraft, Justizrat, Schriftführer; Professor Dr. Strelitz, stellvertretender Schriftführer; Georg L a ch m a n n , Schatzmeister; Dr. I. G i n s b e r g , stellvertretender Schatzmeister; Dr. S. Feist, Bk. D. Feil ch e n - s e l d, Max Frankel, Oskar Oliven, Professor Dr. Paul F r i e d r i ch R i ch t e r , Kn rat o reu. Berlin, 9. Juni. Der V e r e i n f ü r A r b e itsna ch - w e i s, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., Monbijouplatz 10, schreibt uns: Der hauptstädtische Arbeitsnachweis für das .Handelsgewerbe wurde in den Berichtsmonaten April und M a i durch Schließung und Auslösung verschiedener umfangreicher Geschäftsbetriebe in ungünstigster Weise beeinflußt. Ein Kreis von mehreren tausend Personen ging plötzlich seiner Arbeitsstätte verlustig, wodurch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage sich für den Arbeitsuchenden noch weit unerfreulicher, als in den Vormonaten gestaltete. Die ungünstige Witterung vor dem Pfingstfeste bedeutete für den Detailhandel verschiedener Geschäftszweige einen fühlbaren Ausfall, und hatte -eine Einschränkung des Geschäftsbetriebes .und eine Zurückhaltung in Nenengagements zur Folge. Unter diesen Erscheinungen hatte auch die Vermittlung des Vereins für Arbeitsnachweis derart zu leiden, daß bei weitem nicht alle Gesuche um Arbeit entsprechende Berücksichtigung finden konnten. Immerhin sind in der Berichtzeit 3 7 1 (26 Stellungen mit Sabbatheiligung) Vermittlunge n zustande gekommen, und dadurch 107 Handlungsgehilfen, 136 weibliche und 128 gewerbliche Arbeitskräfte in zumeist dauernde Stellungen gebracht worden. Der Verein für Arbeitsnachweis, der rein h u m a n wirkt, und seine Dienste Arbeitgebern und -nehmeru völlig kostenlos zur Verfügung stellt, würde noch erfolgreicher arbeiten können, wenn ein weit größerer Kreis von Unternehmern die i ni Ges chästöbe t r i e b e v orto m m ende n Vakanzen z u r n m e l d u it g bringen w ollt e. Eine wesentliche Förderung der Vereinszwecke wird auch durch die Erteilung von Aufträgen für S ch r e i b - und Maschinenarbeiten aller Art, Versand von Reklamen usw. erreicht. Diese Arbeiten werden in der Abteilung Schreibstube von vorübergehend stellungslosen Kaufleuten unter sachkundiger Aussicht schnellstens und zu billigsten Preisen ausgesührt. a. Arrrswalbe, 8. Juni. Am 7. d. Mts. feierte der Vorsitzende des Vorstands der hiesigen Shuagogengemeiude, Herr E. A r n h o l z, den 7(1. Geburtstag. Die Feier beschränkte sich jedoch nicht nur ans die Häuslichkeit des Jubilars, auch die Gemeinde nahm lebhaften, freudigen Anteil an derselben. Galt es doch dem verdienstvollen Manne, der sein reiches Wissen und Können hingebungsvoll dem Dienste der Gemeinde widmet, dem nur allein wir ihren blühenden Fortbestand zu verdanken haben, herzliche, dankbare Anerkennung zu bezeugen. Am Vormittag des Jubeltages erschienen Vorstand und Repräsentanten mit ihren Damen im Hause des Jubilars. Der Vorsitzende des Reprüsentantenkollegiums, Herr E. A b r a h a m v w s k y, sprach in herzlichen, tiefbewegten Worten dem Jubilar den Dank der Gemeinde aus und hob die Treue und selbstlose Hingebung hervor, mit der Herr Arnholz seit einer langen Reihe von Jahren die Gemeinde leitet und ihr-e An-gelegenheit-en verwaltet, und überreichte dem Jubilar das von der Gemeinde gestiftete Ehrengeschenk. Der Gemeindebeamte schilderte hierauf in einer längeren Ansprache das segensreiche Wirken des Jubilars, wie er es so wohl verstanden, Frieden und Eintracht in der Gemeinde zu wahren und sie auch in religiöser Richtung vorbildlich auszugestalten. Bköge es dem verdienstvollen Bk-anne vergönnt sein, noch recht viele Jahre in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische so segensreich wie bisher zum Wohle der Gemeinde weiter zu wirken. W. Posen, 5. Juni. Nach dem soeben erschienenen' statistischen Jahrbuch für -den preußischen Staat ans das Jahr 1913 waren in der Provinz Posen rund 806 000 Deutsche vorhanden. Unter diesen befanden sich rund 635 000 Evangelische, 140 000 Katholiken, 26 000 Israeliten und rund 4000 andere oder unbekannten Bekenntnisses. Polen wurden zu demselben Zeitpunkt rund 1,27 Millionen gezählt, von denen 9000 evangelisch, 1,26 Millionen katholisch, 22 mosaisch und 332 anderen oder unbekannten Bekenntnisses waren. Keine Zunahme, sondern im Verhältnis eine überaus starke Abnahme ist sowohl bei den deutschen wie bei den polnischen Israeliten eingetreten. Die deutschen Israeliten sind von 35 000 im Jahre 1900 ans 26 000 im Jahre 1910, die polnischen Israeliten von 176 im Jahre 1900 auf 22 im Jahre 1910 Zurückgegangen. Für den Rückgang der deutschen Inden ist wohl zum erheblichen Teile die Tatsache ausschlaggebend geworden, daß die Boykottierung deutscher Geschäfte in den Städten der Provinz Posen durch die Polen die Erwerbsmögtichkeiten erschlverte und verschlechterte. — Um die Ausgestaltung und den Betrieb der Wohlfahrtseinrichtung von Krankenküchen hat sich seit dem Bestehen derselben Frau Medizinalrat Dr. Teresa lau* kiewicz verdient gemacht, die in diesem Monat ihren 70. Geburtstag feiert. Aus diesem Anlaß haben ihr Sohn, Gerichtsassessor Dr. Otto Hans Mankiewicz, Besitzer der chemischen Fabrik P. Beiersdorf & Co., Hamburg, und ihr Schwiegersohn Dr. Phil.

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