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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-12 · Heft 24 (12.6.1914) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
Seite 288 (sequence 12)
Language
German
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288 diese Grundlage ein ganz neues Bild von der religiösen Entwicklung Israels gezeichnet. Zur Beurteilung dieser Schriften gehört natürlich eine umfassende wissenschaftliche Bildung, die nur der Fachmann besitzen kann, und Wellhausen hat daher gut daran getan, schon 1894 neben denselben seine „Israelitische und jüdische Geschichte" zu veressen'tlichen, -in der er ohne jedes gelehrte Beiwer-4 eine -auch für gebildete Laien verständliche Darstellung von der Geschichte und Religion des Bottes Israel bis zur Zerstörung des zweiten Tempels gibt. Dieses soeben in siebenter Ausgabe erschienene Werk muß wegen seines Ideenreichtums, seiner Warme und last not least seiner glänzenden Darstellung einem jeden Leser Bewunderung einflößen, auch wenn er auf dem Boden ganz anderer Anschauungen steht. Manche Stellen, namentlich in Rap. 15: „Die jüdische Frömmigkeit", gehören zu de:n Schönsten und Besten, was überhaupt über das Judentum je gesagt wurde. Am stärksten befremdet wird sich der jüdische Leser, gleichviel welcher religiösen Richtung er angehört, vom letzten Kapitel fühlen, das über „Das Evangelium" spricht. Bezeichnenderweise trägt dasselbe den Vermerk: „Ich habe dieses Kapitel stehen lassen, obgleich ich nur noch teilweise damit einverstanden bin." Also auch für diesen großen Kritiker, der um seines Wahrheitsmntes nullen einst aus der theologischen Fakultät in die philosophische gedrängt wurde, gibt es Grenzen, über die Hittaus er seine Kritik nicht ausdehnen will. Ist das nicht lehrreich und zugleich eine Rechtfertigung für die zahlreichen Inden, die trotz ihres Freisinns jeder Bibelkritik mißtrauisch odergar ablehnend gegenüberstehen ( Trotzdem Well Hausens Werk mit vielen liebgewordenen Vorstellungen .unbarmherzig ausräumt ltnb an manchen Stellen dem Judentum direkt nurecht tut, ist sein Studium doch eindringlich zu empfehlen. Wir müssen mm einmal Ernst machen und Stellung nehmen zu den Problemen, die sich durch die Bibelkritik für uns ergeben. Bor allem müßten die jüdischen Gelehrten statt der Ignorierung oder Verwerfung aller Resultate der Kritik sich selbständig an der kritischen Arbeit beteiligen. Gerade jetzt scheint die Bibelwissenschaft in ein neues Stadium einzutreten, indem statt der einseitigen Literarkritik die religiousgeschichtliche Methode immer mehr zur Herrschaft gelangt. Das letzte Wort der Wissenschaft über das Judentum kann und wird nur durch die vergleichende Religionswissenschaft gesprochen werden. Wird es von unserer oder von fremder Seite gesprochen werden: F . . . s. * — W i e s b a d e n e r S y n a g o g e n g e s ü n g e, eine Sammlung gottesdienstlicher Gesänge für Kantor, Soli, Gemeindegesang, gemischten Männerchor für den Wiesbadener Synagogengesangverein von verschiedenen Autoren komponiert, herausgegeben von Abr. Nußbaum ulld Otto Weruicke. Die Sauunl-ung „Wiesbadener Synagogengesänge" liegt nunmehr im Truck vor. Mehrere jüdische und christliche Musiker haben sich vereinigt/ um uns einen interessanten Einblick in die Geschichte des „Wiesbadener Synagogengesanges" zu verschaffen. Den Reigen eröffnet Edmund Uhl, der langjährige Organist an der Hauptsynagoge zu Wiesbaden, mit einem vierstimmigen Ma town für Chor und Orgel. Die Komposition zeichnet sich durch viele harmonische Feinheiten aus nud ruft eine der Einleitung des Gottesdienstes angemessene Stimmung hervor. Der jetzige Organist all der Wiesbadener Synagoge, Otto Weruicke, der mit dem Oberkantor der Wiesbadener Gemeinde das Verdienst hat, diese Gesänge der Oeffentlichkeit übergeben zu haben, hat die Sammlung mit fünf Piecen bereichert. Alle diese Gesänge, wie L'cho dodi, Kiddusch, Ki-lekach tow, Hajom haras olam 1 und II, verraten den tüchtigen und gewandten Komponisten, bem reiche Erfindungsgabe und wohlklingende Satzweise nachgerühmt werden können. Auch der Wiesbadener Hofkapellmeister W. Jahn steuerte eine Btussas-Keduscha für Kantor mit Orgelbegleitung nebst den Responseneinsätzen für gemischten Chor bei. Diese Komposition ist von hohem Reiz imd von einem Fug ins Große durchweht. (Wie wir ans dem Vorwort erfahren, wurde diese Piece mit untergelegtem deutschen Text bereits am 12. November 1880 in einem Synagogenkonzert zu Wiesbaden vor dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und seiner Gemahlin von dem Synagogengesangverein mit großem Erfolge aufgesührt.) Auch das sogenannte Chasonus, eine nncrschöpsliche Oltelle erhebender, religiös-musikalischer Ideeil, hat in der Sammlung volle Berücksichtigung gefunden. So finden wir hier ein L'cho dodi von dem Hamburger Oberkantor Henke. Diese für Kantor und Orgelbegleitung bestimmte Komposition zeigt in Erfindung und Form den vornehmen Sänger und gediegenen Musiker. Dann sind Melodien auf Zadik katomor und Adannoj moloch von dem rühmlichst bekannten ehemaligen Oberkantor Berggrün, Hannover, vertreten, zu welchen der Herausgeber, Herr Nußbaum, eine sinngemäße Orgelbegleitung geschaffen hat. Weiter finden wir wertvolle Melodien von den Kantoren Karninfki und Mannheim, denen Oberkantor Nutzbaum durch Ton- und Orgelsatz einen besonderen musikalischen Reiz verliehen hat. Auch die eigenen Kompositionen des Wiesbadener Oberkantors legen beredtes Zeugnis von dem ernsten Streben und der musikalischen Begabung ihres Schöpfers ab. Wir nennen den Nußbaumschen Adannoj moloch, Schachris K'dufcha, B'seser chajim und El no. Alle diese Kompositionen zeigen den trefflichen Sänger, feinfühligen Musiker und den mit alten jüdischen Sangesweisen vertranten Chasan. Die dem Wiesbadener Synctgogellgesangverein gewidmeten Piecen W'schom m und Ma nomar l'fonecho im N'ila von Tennenbaum, Stuttgart, und Birnbaum, Königsberg, fesseln ebenfalls die Aufmerksamkeit in hohem Grade. Die T.sche Komposition ist von lebendigem Ausdruck und großem Reichtum an Harmonien. Die B.sche Komposition gibt Kunde von der Vielseitigkeit des schllffensfreudigen Komponisten unb ist als eilt wahres Kabinettstück in der Shnagogengesangsliteratur anznsehen. Den Schluß der Sammlung bilden ein Liederzyklus von Professor v. Wilm tlnd von Musikdirektor Weruicke und ein KönigsPsäTw von dem ehemaligen Dirigenten des Synagogenchvrs Heuß. Der Liederzyklus enthüll 18 Predigtlieder für Sabbat und Festtage. Alle diese Lieder, zwei-, vier- und sünfftimmig komponiert, sind mustergültig -wegen ihrer einfachen Melodik und ihres weihevollen Wohlklanges. Der Psalm 21, Königspsalm — frei und metrisch übersetzt von A. Nußbaum komponiert für Kantor, Chor und Orgel von Heuß, ist ein sehr dankbares Vortragsstück und von modernen Ideen erfüllt. — So ist die Herausgabe der Sammlung mit Freuden zu begrüßen, und den Herausgebern gebühren für ihre große Mühe Dank und Anerkennung. In dieses Lob schließen wir auch den Vorsteher des Synagogengesangvereins Benedikt Strauß mit ein, der mit lebhaftem Interesse die Beröffentlichung der Sammlung gefördert hat. A. Fried nt a n n , Köln gl. Musikdirektor, Berlin. Sprechsaal. Hinterbrühl bei Mödling, 81. Mai 1914. Sehr geehrte Redaktion! In dem Bericht Ihres geschätzten Blattes vom 15. d. M. über die Genera loersammlurrg der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wauderarmetlfürsorge" war attch eines von mir erstatteten Referats Erwähnung getan. In demselben soll ich bemerkt haben, daß die Tätigkeit des „Galizischen Hilfsvereins" ein Fiasko bedeute und eher schädigend als nützlich war. Sie wurden mich durch folgende Feststellung zu großem Dank oerpflichten: Ich habe allerdings in jenem Referat meiner Ueberzeugllng Ausdruck gegeben, daß dem jüdischen Massenelend in Galizien nicht durch Hausindustrien, von denen einzelne sich nicht beloährt haben, sondern nur durch Großindustrie, welche neue Handelswerte schafft, gesteuert werden könne. Ich habe jedoch die Tätigkeit des „Galizischen Hilssvereins" in Wien und dessen Unterstützung durch den „Hilfsverein der deutschen Juden" ausdrücklich als eine verdienstliche bezeichnet und weder von einem „Fiasko" noch gar von einer „Schädigung" gesprochen. Für diese ges. Richtigstellung im voraus herzlich dankend, mit Vorzuglicher Hochachtung Siegfried Fleische r Sekretär der „Oesterr. Isr. Union", Wien. * Mitteilung der Redaktion. Infolge des Artikels über die Juden im Innern Chinas m den Nummern 11 und 12 b. I. der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" gingen von Herrn Dr. S. Weißenberg aus Elisabethgrad (Rußland) 5 Mark ein». Diesen Betrag haben wir dem Verfasser des Artikels. Herrn Bruno Schindler, Leipzig, zur weiteren Beranbassung übersandt.

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