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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-12 · Heft 24 (12.6.1914) · p. Seite 287

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 24 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
Seite 287 (sequence 11)
Language
German
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;- 287 - Valeria: Wäre aber nicht vielleicht ein öfteres Zusammentreffen an dritter Stelle möglich? Du hörst doch, Frau Giuditta möchte auf den geistigen Verkehr mit dir nicht völlig verzichten. Edgardo (nach längerem Nachdenken). Daun wüßte ich nur — einMittel. Ich unternehme an Sonntagen mit Valeria Wanderungen zu den Schätzen, welche Natur und Kunst so reichlich in der ewigen Stadt und ihrer Umgebung bieten. Wollen Giuditta und ihre älteren Kinder dabei sein, so werden wir sie willkommen heißen. Durch ihre Fragen können sie nur anregend wirken. Wir werden euch vor jedem solcher Spaziergänge Nachricht geben. Giuditta: Der Gedanke ist köstlich, und den Vorschlag nehme ich hiermit sofort an. Darf ich auch sofort mit dem Programm zur ersten Wanderung kommen? Edgardo: Gern, Giuditta; sprich nur. Giuditta: Mein Nettester hat schon, oft den Wunsch geäußert, alle die Stätten Roms auszusüchen, welche an die Geschichte unserer Stanunesgenossen erinnern. Ich uruß aber bekennen, ich weiß nicht viel davon. Edgardo: Also treffen wir uns am nächsten Sonntag um vier Uhr nachmittag vor San Pietro in Vincolr, um uns die Statuen von Moses, Lea und Rahel von der Hand Michelangelos anzusehen. G i n d i t t a : Dann addio für heute und arrivederci nächsten Sonntag. Valeria wird so freundlich sein und mir jetzt beim Herausgehen die Auskunft geben, um die ich eigentlich hierhergekommen war. Von dir, lieber Edgardo, habe ich ja schon eine erhalten, an die ich wieder andere zwanzig lange Jahre zu denken haben werde. lkitrrsrilchr Milteilungkn. *= D i e A b f a s s u n g s z e i t der B a r a i t a der 32 Normen s ü r die Auslegung der Heilige n Schrift. Eine Untersuchung von Dr. Leo Bardowicz. Berlin 1913. M. Poppelauer. In der jüdischen Literaturgeschichte galten diese 32 exegetischen Regeln als ein Werk des am Anfang des zweiten Jahrhunderts lebenden Tannarten Elieser den Jose Haglili, oder man hielt ihn wenigstens für den Redaktor dieser Regeln. Zwar ist schon längst erkannt worden, das; Elieser ben Jose Haglili mit den Beispielen, welche die Normen erläutern sollen, nichts zu tun haben könne, weil diese Beispiele teilweise aus einer viel späteren Zeit herrühren, aber an der Autorschaft des Elieser, soweit die Formulierung der Regeln an sich in Betracht kommt, ist eigentlich niemals gerüttelt worden. Der Verfasser unserer Arbeit stellt nun die These aus, daß die 32 Auslegungsregeln ganz zu Unrecht mit dem Tannaiten Elieser ben Jose Haglili in Verbindung gebracht worden seien, und es ist ihm gelungen, starke und zwingende Beweise für seine Behauptung ins Feld zu führen. Die einzelnen Abschnitte des Buches bilden eine logisch geschlossene Beweiskette sür die vom Verfasser ausgestellte These und lassen Zugleich seine innige Vertrautheit mit der einschlägigen Literatur wie überhaupt mit dem talmndisch-midraschischen Schrifttum erkennen. Es sind nicht fadenscheinige Hypothesen, init denen der Autor dieser Schrift den Leser abfindet, sondern in ruhiger, wissenschaftlicher Denkarbeit gewonnene Resultate. Ein großer Teil der 32 Auslegungsregeln war den jüvischcn Waisen schon vor der Zeit des Elieser ben Jose Haglili bekannt, die 14. und 28. Norm kommen erst im amoräischen Zeitalter zur Anwendung und die 9. und 11. Auslegungsregel tauchen gar erst aus in den bibelexegetischen Arbeiten des Gaon Saadia. In der gesamten Traditionsliteratur findet sich eine „Baraita der 32 Normen des Elieser ben Jose Haglili" nirgendwo zitiert. Ein Schüler des Gaon Saadia ist es, den wir zum erstenmal von den „32 Pfaden", aber ohne Nennung eines Autornamens, sprechen hören. So kommt der Verfasser zu dem wohlbegründeten Endergebnis, daß die „32 Normen" weder als Baraita noch als ein Werk des Elieser ben Jose Haglili anzusprechen seien, das; sie vielmehr erst im Gaonäischen Zeitalter aus den; rabbinischen Schrifttum herausgehoben und vereinigt worden sind. In den Hochschulen Babyloniens trug dieses Werk der gesammelten Auslegungsregeln den Namen „Middot Chachamim", „Die Regeln der Weisen", unter denen die 9. und 11. Regel von Gavn Saadia zum erstenmal geprägt und für die Auslegung von Bibelstellen fruchtbar gemacht wurden. Die Frage, wie der Tannaite Elieser beu Jose Haglili zum Autor einer Jahrhunderte nach ihm entstandenen bibelexegetischen Normensammlung gestempelt werden konnte, beantwortet der Verfasser am Ende seiner gelehrten und aufschlußreichen Untersuchung in einleuchtender Weise. Die fleißige Arbeit Bardowicz' bedeutet eine Förderung der jüdischen Wissenschaft. Man freut sich seiner klaren, lichtvollen Schreibweise und folgt ihm gern auf seinen Gedankenwegen. Wenn man bedenkt, daß der Alltor ein mit schweren Amtspflichten beladener Rabbiner ist, so gebührt ihm für seine tüchtige, ergebnisreiche Leistung um so mehr Dank und Anerkennung. Dr. G r ü n t h a l. 3fr — S. Grone mann, Genealogische St u d i e n über die alten jüdischen Familien Hannovers. Im Aufträge der Direktion des Wohltütigkeitsvereins (Chewra Kaddischn) der Synagogengemeinde Hannover an der Hand der Inschriften des alten Friedhofs bearbeitet. Berlin. Verlag von Louis Lamm. 1913. 8». 160 + 146 S. Das Interesse für jüdische Familiengeschichte, das sich stärker als früher, aber nicht immer in erfreulicher Weise äußert, hat in Gronemanns Studien eine vortreffliche Leistung gezeitigt. Auf eine Einleitung über den alten Friedhof (Seite 1 bis 12) folgt in 13 Kapiteln die Geschichte der Familien oder einzelner, zum Teil nach Familien gegliedert, zum Teil sachlich (Landrabbiner usw.) gruppiert (Seile 14 bis 160); dazu kommen einige Stammtafeln und dann in einer zweiten Abteilung (Seite 1 bis 146) die Grabinschriften mit Registern. — Es ist viel mehr als Genealogie, was hier geboten wird. Die Beziehungen der hannoverschen Familien verzweigen sich über ganz Deutschland. Die Namen allein machen ein gut Teil Siedlungsgeschichte offenbar, und in der Geschichte der Familien treten im einzelnen der Ausbau der Gemeinde, die wirtschaftliche, soziale, kulturelle Entwicklung ihrer Mitglieder und anderes hervor. Man könnte das Buch eine Geschichte der Gemeinde, unter dem samiliengeschichtlichen Gesichtswinkel betrachtet, nennen. Durchweg wird der Eindruck umfassendster Nachforschung und genauester Bearbeitung hervorgerufen. Der Verfasser betont im Vorwort, daß es sich in seinem Buche nicht lediglich um einen Akt der Pietät gegen die Toten handelt, sondern daß er den Lebenden die Vergangenheit nahebringen und sie mit ihren Idealen erfüllen will. Diese Absicht konnte leicht zu Abirrungen führen. Um so mehr ist hervorzuheben, daß sie die Darstellung nicht geschädigt, sondern gehoben hat. Die persönliche Empfindung geht belebend durch Zahlen und Namen, ohne doch mehr als diese selbst reden zu lassen. Neben dem Forscher wird darum auch der weitere Kreis an jüdischer Geschichte Interessierter an diesem Buche hohe Befriedigung finden. Dr. E. T ä u b l e r. 3fr — I. Wellhausen , Israelitische und jüdisch e G e - sch i ch t e. Siebente Ausgabe. Berlin, Georg Reimer. 1914. IO Mark, geb. 12 Mark. Der Name Well Hausen bedeutet seit mehr als einem Menschenalter ein P r o g r a m m , um das leidenschaftlich gestritten wird, und zwar durchaus nicht nur in Fachkreisen, sondern auch unter Laien, die vielleicht nie eine Schrift von Wellhausen in der Hand gehabt haben. Verkörpert doch dieser Mann kurzweg den Begriff Bibelkritik, so daß den Traditionsglüubigen bei seiner Nennung gelindes Grauen überläuft, während der Aufgeklärte ihn als einen Befreier des Geistes verehrt. Seiner wirklichen Bedeutung wird man jedoch weder mit der einen noch mit der anderen Stellungnahme gerecht, da sowohl von ihm als auch gleichzeitig mit ihm eine Reihe bedeutender Forscher ganz in gleicher Weise die Methode der geschichtlichen Kritik aus die Bibel angewandt hat. Nicht die Tatsache, daß Wellhausen Bibelkritiker ist, sondern die Resultate, zu denen er gelangt ist, und die hinreißende Kraft, mit der er dieselben darznstellen verstand, haben ihn und die Bibelkritik überhaupt so populär gemacht. Seit 1878 hat Wellhansen in einer Reihe größerer Werke die vor ihm namentlich schon von Graf vertretene Anschauung verfochten daß die mittleren Bücher des Pentateuchs (das sogenannte „Priesterkodex") erst in nachexilischer Zeit entstanden seien, und auf

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