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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-05 · Heft 23 (5.6.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 23 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 (]u erregen. Natürlich nur „der" Israelit, welcher den Hausierhandel fürchtet, unb „der" Christ, welcher die Konkurrenz der Hausierer gleichfalls abschaffen möchte. Eine Ausnahme machen Christen wie Juden daun, wenn die Hausierer ihre Kunden sind. Nun ist es aber vielen Leuten gar nicht möglich, eine andere als eine hansiermäßige Eristenz zu fristen. Sie haben weder Handwerksnoch Fabrikarbeit gelernt, noch können sie sich dort mit Aussicht aus klingenden, zufriedenstellenden Erfolg einarbeiten. Gar oft sind die Verhältnisse der Heimat der Hausierer so traurige, daß die Fremde ihnen, die kein genügendes Betriebskapital besitzen, Nahrung, Kleidung, Wohnung bieten soll. Man erinnert sich, mit welch großen Schwierigkeiten auch der Schweizer im Ausland zu kämpfen hat. Die kulturell höher stehenden Vertäuser treten mehr vorsichtig und taktvoll, die anderen mehr geräuschvoll und weniger vorsichtig auf. Beide Kategorien aber sind gezwungen, die größten Anstrengungen zu machen, wenn das Leben teuer und die Konkurrenz gewachsen ist. Zn diesem Konkurrenzkampf ist der tapitalbesitzende Händler natürlich im Vorteil, aber auch er holt seine Kniffe heraus, wenn er neue Kunden gewinnen muß. Tie Hausierer beziehen die Ware in letzter Instanz, lvenn auch indirekt, ans denselben Produt'tionsgeb.ieken (Fabriken), welchen Grossisten und Tekaillisken die Ware zwecks gewinnbringenden Wiederverkaufs abnehmen. Wenn somit die Zeitnngsorgane der Tekaillisken, Raballvereine ustv. immer wieder behaupten, die Hausierer verkauften mir Tchnndlvare, in der Meinung, daß die eigentlichen Kauflente »Konkurrenten und Hausierer) die bessere Ware verkauften, so entspricht das den Tatsachen nicht. Arik derartigen Preß-, erzengnissen und bedauerlichen Mitteln will man die Hausierer verächtlich, bei der Bevölkerung unbeliebt machen und den Staat dafür gensinuen, die Gesetze betreffend die Hausierer zugunsten der Konkurrenz der Hausierer, der Kauflente, zu verschärfen. - Gesterreich-Anssrn. K. Wien, '29. Mni. Mehr als hundert Teilnehmerinnen cm dem vor einigen Tagen hier stattgefnndenen internationalen Frauentag, meist Französinnen und Schweizerinnen, statteten am -5. Mai dem neuen Schnlinskitute des Israelitischen Mädchenunterstütznngsvereins in der Seegasse einen längeren Besuch zu Jnsormationszwecken ab. Tie auswärtigen Damen wurden von der Präsidentin des Vereins, Frau Dr. Schußler, und mehreren Borstandsdameu empfangen und begrüßt. Tie Anstaltsleikerin, Frau Direktor llllmann, führte die Gäste durch das Schulgebäude. Zunächst wurden die Räumlichkeiten der .Frauengewerbeschule besichtigt. Tie auswärtigen Damen fanden viele anerkennende Worte für die modernen und überaus praktischen Einrichtungen des Instituts, dessen hohe, lichte und gesunde Räume besondere Aufmerksamkeit fanden. In den Lehrzimmern waren auch Arbeiten der Schülerinnen ausgestellt und außerdem wurde während des Besuches der Schulbetrieb nicht eingestellt. Tie Besucherinnen lobten die guten Leistungen, die vor ihnen geboten wurden, sowie die zweckentsprechenden Unterweisungen der Lehrerinnen. Nachdem die Tarnen auch die Handelsschule des Vereins besucht hatten, schrieben sie sich in das aufliegende Gästebuch ein rrnd drückten beim Verlassen des Instituts der Präsidentin und den Vorstandsdamen für das ihnen Gebotene ihre« Tank und ihre Anerkennung aus. — Am 26. Mai statteten mehrere auswärtige Tarnen dem Israelitischen Altersversorgungsheim einen längeren Besuch ab, wo ihnen von einigen Vertretern der Kultusgemeinde Erklärungen über die sozialhumanitären Bestrebungen der Gerneirrde und des Altersversorgungsheims geboten wurden. Besonderes Interesse erregte der an das Heim angrenzende alte jüdische Friedhof durch seine historischen Denkwürdigkeiten. Auch die Reformschule auf der hohen Warte wurde von etwa 70 Damen besichtigt, ebenso die Gartenschule für Frauen. Die Führung dieser Gruppe hatten Frau Aurora Pollak und Frau Fritz Men dl iune. — Bor einigen Tagen weilte König Ludwig von Bayern auf seinen Besitzungen in Sarvar (Ungarn). Bor seiner Abreise ließ der König den jüdischen Großgrundbesitzer Baron Bela Hatvany- Deutsch zu sich bitten und überreichte ihm persönlich den St. Michaelorden mit der Krone. Der König äußerte sich bei dieser Gelegenheit in Worten der größten Anerkennung über die Juden seines Landes. * Sutzland. L. T. St. Petersburg, 26. Mai. Am 14. d. M. hielt Geheimer Regierungsrat Professor Hermann Cohen auch in Moskau eine Vorlesung über das Thema: „Der ethische Inhalt der jüdischen Religion." Der Saal des pädagogischen Museums war überfüllt; mehr als zweitausend Personen, darunter die hervorragendsten christlichen Gelehrten, wohnten der Vorlesung bei und spendeten dem Redner reichen Beifall. Am 15. d. M. sprach er über dasselbe Thema in der Moskauer philosophischen Gesellschaft. Auch hier war die dem Vortracenden und seinen Ausführungen zut-eilgewordene Aufnahme eine ungemein herzliche Am selben Tage gab Herr Tschukine zu Ehren des greisen Gelehrten ein Bankett, an dem die Vertreter der Moskauer literarischen Welt und Gemeindevertreter in großer Anzahl teilnahmen. — Am 18. Mai hielt Herr Geheimrat Cohen eine öffentliche Vorlesung in Riga, wo gleichfalls ihm zu Ehren ein großes Bankett stattfand. Bon hier begab er sich nach. Warschau. Tie hebräische Tageszeitung „Hazesirah" kündigte die Ankunft des Philosophen in einem besonderen Artikel au und feierte mit trefflichen Worten sein schaffen und Wirken im Tienste der Wissenschaft und des Judentums. ¥ Von MH und Lern. — Tes Stndtrats H e r m ann I acoby , der am 22. Mai dnhingcschieden ist, gedenkt der Magistrat von Berlin im Gemeindeblattmitfvlgenden Worten: „Durch ausdrückliche letztwillige Anordnung des Berstorbenen ist uns die Pflicht anferlegt, von allen Ehrenbezeugungen Abstand zu nehmen, mit denen es sonst Lebenden vergönnt ist, den Heimgang eines geliebten Menschen zu begleiten. Mit schmerzlicher Wehmut ehren wir dieses Gebot und schweigen. Ein treues und dankerfülltes Gedenken ist dem teuren Toten in unserm Kreise auch ohne alle Worte gewiß!" - Tie kürzlich verstorbene Frau Malgonia Stern, Gattin des ebenfalls verstorbenen Direktors der Nationalbank für Deutschland, hat, wie „Der Cvnfeetionair" erfährt, in ihrem Testamente bestimmt, daß aus ihrem hinterlassenen Vermögen eine Summe von annähernd einer Million Mark für ein in Alt-Geltow zu errichtendes Angestelltenheim verwendet werden soll. Der verstorbene Direktor der Nationalbank für Deutschland, Herr Julius Stern, der durch seinen Kunst- und Wohltätigkeitssinn bekannt geworden ist, hat unter anderen erheblichen privaten Stiftungen in seinem Testamente der Künstler besonders gedacht, indem er die Zinsen eines Kapitals von 500 000 Mart für bedürftige Künstler ausgesetzt hat. — Frau Helene R v s e n t h n l geb. Bnrchardt hat der Stadt Berlin in ihrem Testament 50000 Mark vermacht zur Errichtung einer nicht selbständigen R os en t h a l - B u r ch a r d t - S t i f t u n g. Der Verliner Armendirektion sind überwiesen worden: 40 000 Mark von Prof. Magnus Meyer mit der Bestimmung, daß die Zinsen zur Begleichung von Krankenhauskosten armer Patienten dienen sollen. Ferner 4000 Mark vom Kommerzienrat L e v p. Alex. Friedm nun, 50 000 Mark vom verstorbenen Handelsrichter O. N e l k e. — Ter Stiftungsdeputation des Berliner Magistrats sind überwiesen worden 8000 Mark als Vermächtnis des Kaufmanns Ferdinand Hirs ch für llnterstützungszwecke, 8000 Mark cnls einem Vermächtnis des llniversitütsprofessors Georg Böhm in Freiburg i. B. für die „Simon- und Ella-Böhin-Stistung" und 5000 Mark von Frau Cäcilie Lieber m a n n für die „F.- und C.-Liebermann-Stiftung. — Herr- Egon S. F ü r st e n b e r gder Seniorchef der Firma Albert Rosenhain, Leipziger Straße 72/74, ist zum Handelsrichter ernannt worden. - Oskar B i n m enthal und Mar B e r n stein haben im verflossenen Winter zusammen -an einem Lustspiel gearbeitet, das jetzt vollende! ist. Das Stück führt, wie verlautet, den Titel „Die .große Parese" mkd soll m der nächsten Spielzeit in Berlin die Uraufführung haben. Das Denkmal für Otto Lilienthal, den Pionier der deutschen Fliegerkunst, wird in der zweiten Hälfte des Juni in Groß-Lichterselde in den Anlagen am Teltow-Kanal enthüllt werden. Der Schöpfer des Werkes, Professor Peter Breuer, hat das große. Modell der Anlage vollendet, und es ist bereits im Guß. Aus einerglatten Steinpyramide wird sich die überlebensgroße Figur eines Jünglings erheben. An der Steinpyramide wird vorn ein gleichfalls in Stein anszusi'chrender, stelenartiger Ausbau das Reliesbild Lilienthals tragen, der in der Nähe, bei Steglitz, bei seinen Flugver-

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