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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-05 · Heft 23 (5.6.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 23 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Frauenbad vor, zu dem 25 Stufen hinabführten auf drei Treppenläufer! von 96 Zentimeter Breite. Diese besah' auch die Badezelle, deren Länge 1,95 und deren Höhe bis zum Gewölbescheitel 1,85 Meter betrug. Ihre tiefe Lage, 5,67 Meter unter der Straße, gewährte dem Grundwasser und dem nahe vorbeiströmenden Rhein jederzeit Zutritt, so daß fließendes Wasser vorhanden und damit der rituellen Vorschrift für das Baden entsprochen war. Bei den wenigen alten „Indenbädern", die sich noch erhalten haben (Andernach, Worms, Speier, Friedberg u. a.), ist die Auffindung des Deutzer Bades von besonderem Interesse. y. Seesen a. H., 29. Mai. Die Jacobsonfchule versendet soeben ihren Bericht über das, Schuljahr 1913/14. Das Kuratorium der Anstalt, die aus einer Erziehungsanstalt und einer - Realschule mit angegliedertem Realprogymnasium besteht, bilden zurzeit die Herren Justizrat Dr. Julius Jacobson- Berlin, Bankier August Jacobson- Hamburg und Justizrat Dr. Emil B e r e n d - Hannover. Insgesamt wirkten im letzten Schuljahr 22 Lehrkräfte an der Anstalt, deren Direktor Professor Dr. N. F r i e d l a n d den sehr eingehenden Bericht erstattet. Der Schülerbestand, der am Anfänge des Schuljahres 304 (einschließlich einer Schülerin) betrug, belief sich« am 1. Februar dieses Jahres auf 300. Davon waren jüdischen Glaubens 115, evangelischen Bekenntnisses 182 und 3 Katholiken. Dem Heimatsorte nach waren 135 aus Braunfchweig, 139 aus Preußen, 14 aus anderen deutschen Staaten und 12 aus dem Auslande. Die Abgangsprüfung bestanden im Laufe des Schuljahres 42 Zöglinge. Aus der Geschichte der Anstalt ist vor allem zu erwähnen, daß Herr Professor Dr. H. Schäfer am 1. Dezeurber vorigen Jahres sein Jubiläum einer vierzigjährigen ununterbrochenen Lehrtätigkeit an der Jacobsonschule begehen konnte. In der 113jährigen Geschichte der Anstalt ist es der erste Fall, daß ein akademisch gebildeter Lehrer eine so lange Zeit im Dienste einer und derselben Schute steht. Es ist selbstverständlich, daß dieser Ehrentag des Jubilars ein Festtag zugleich der Anstalt, und daß Herr Professor Schäfer Gegenstand Zahlreicher Ehrungen war. Aus. dem Lehrkörper schieden die Herren Dr. A. Süßmann und Dr. Kalkum aus, und an ihre Stellen traten die Herren Dr. F. Markus und Eugen Herz in das Lehrerkollegium ein. Aus dem weiteren Bericht ist ersichtlich, daß auf die körperliche Ausbildung der Zöglinge großes Gewicht gelegt wird. Wandern und Turnen wurden fleißig gepflegt, Handfertigkeitsunterricht, Gartenbaukursus und Stenographiekurse eingerichtet, das Alumnat selbst nach mannigfacher Richtung mit modernen Neueinrichtungen ausgestattet. Zum Schluffe sei noch erwähnt, daß sich im Laufe des Schuljahres ein „Verein ehemaliger Jacobson-Schiller" mit dem Sitze in Seesen bildete, der infolge seines Zllsammellhanges mit der Schule und dank dem Ernste, mit welchem sich die Herren, die an der Spitze stehen, der guten Sache widmen, einen sicheren Bestand zu haben verspricht. S£2 Drez, 29. Mai. Droben am Schloßberg, am Fuße des Stadtwaldes, wo uralte Linden rauschen, liegt ein freundliches Gebäude, das Deutsch-Israelitische Kinderheim. Hier finden jüdische Knaben, denen das Elternhaus fehlt, eine zweite Heimat, hier werden sie zu einem Berufe fürs Leben vorgebildet. 25 Jahre sind nunmehr seit dem Bestehen des Kinderheims verflossen, und aus nah und fern waren Gönner und Freunde zir ' einer Feier zusannnengekommen, die kürzlich im festlich geschmückten Saale des Heims stattfand. Die Zöglinge sangen als Einleitung „Boruch habo", dann folgte ein Prolog. Der Vorsitzende, Herr Julius Goldschmidt-Franksurt a. M. begrüßte die stattliche Versammlung im Namen der Verwaltung, insbesondere die Vertreter der Stadt, sowie der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, der Neal- und Elementarschule und brachte dann ein Kaiserhoch ans, woraus die Nationalhymne stehend gesungen wurde. Die Festrede hielt Herr Professor Dr. Sulzbach-Frnnkfurt a. M. Er ging näher aus die Geschichte des Heimes ein, als dessen Vorläufer bereits 1887 von Herrn Lomnitz ein Privatunternehmer! mit 6 Knaben begonnen worden war. Seit 1893 steht das Heim unter Leitung des Hausvaters Kadden, die Schülerzahl ist seitdem nach und nach auf über 40 gestiegen. Die Glückwünsche der Stadt überbrachte Bürgermeister Scheuern, der als Andenken eine Radierung von Diez überreichte. Namens der Realschule sprach Dr. Liesau, Stadtverordnetenvorsteher Bühl als Baumeister, Hauptlehrer Grün namens der Volksschule, wobeier sich anerkennend über die Erziehungsmethode äuhdrte. Herr Goldschmidt dankte allen Rednern. Hausverwalter Kadden dankte für die freundlichen Worte, die seiner Tätigkeit gezollt wurden, und überbrachte die Glückwünsche von früheren und heutigen Zöglingen. §2 Heidelberg, 29. Mai. Einen Nachruf für den am 20. d. M. im 65. Lebensjahre verstorbenen Professor Dr. E m a n u e l Leser hielt der Prorektor Geheimrat G o t h e i u zu Beginn seiner Vorlesung über Bolkswirtschastslehre am 22. Mai. Er führte aus: „Am vergangenen Mittwoch ist der Senior der Professoren der Volkswirtschafslehre an unserer Universität, Emamrel Leser, gestorben und bereits heute morgen beerdigt worden. Es entsprach dem Sinne und dem Wunsche des Geschiedenen, daß sich das Leichenbegängnis in aller Stille vollzog, und so konnte audj ich nicht als Prorektor am Sarge Abschiedsworte im Namen der Universität sprechen. Aber als Fachgenossen und ältesten Kollegen Lesers geziemt es mir an dieser Stelle vor Ihnen, den Studierenden der Volkswirtschaft, seiner dankbar zu gedenken. U e b e r v i e r z i g Jahre hat Leser als Dozent unserer Universität angehört; mit immer gleichem Eifer, inuner gleicher Liebenswürdigkeit sich seinem Lehrfach, seinen Kollegen und Schülern gewidmet. Aus jenen ersten Jahren feiner Lehrtätigkeit steht er mir vor Augen als der jugendlich heitere, bescheiden überall zurücktretende, schon damals auch in abgelegenen Gebieten seiner Wissenschaft erstaunlich belesene, immer mit seinem Wissen hilfsbereite Gelehrte. So ist er zeitlebens geblieben, stets erfreut mit seinen Kenntnissen oder mit den Schätzen seiner Bibliothek, die er liebevoll gesammelt hatte, die ihm ans Herz gewachsen war, Fachgenossen oder Zuhörer bei ihren Arbeiten zu beraten. Auf seinem eigentlichen Arbeitsgebiet, der Geschichte der nationalökonomischen Wissenschaft, hat er eine Reihe fein augefeilter Arbeiten, die mit philologischer Exaktheit und historischer Gerechtigkeit den Werdegang zumal der englischen Nationalökonomie verfolgten, überall klärend eingriffen, uns geschenkt. Die Anfänge des modernen Handels und Geldverkehrs hat er beleuchtet; auch gerade jenes Thema, das unsere heutige Vorlesung behandelt, die englische Gesetzgebung und den maßgebenden Einfluß, den sie auf die Theorien der Nntivnalvkonomen geübt, hat er gern behandelt. Hohe Ansprüche stellte er an seine eigenen Arbeiten, er verwarf, was ihm nicht völlig ausgereift schien, und so ist dieses fleißige Forschtet'leben durch verhältnismäßig wenige Veröffentlichungen bezeichnet. Aber alles, was er der Herausgabe für inert erachtete, ist auch bleib e über G e w i n n d e r Wissenschaft, und immer unvergessen wird uns bleiben, lvas er uns als Kollege, Ihnen als Lehrer gewesen ist." * Schum?. V. Zürich, 29. Mai. Jur „Israelitischen Wochenblatt", welches in Zürich erscheint, wurde aus einen Zeitungsartikel des Organs der Rabatlvereine aufmerksam gemacht, der sich mit den Hausierern im allgemeinen und mit den jüdischen Hausierern im besonderen beschäftigte. Die daraus folgenden Einsendungen drehten sich in der Hauptsache um die Frage, ob es recht sei, den jüdischen Hausierer als solchen zu bekämpfen. Die Kritik schien scholl deshalb fragwürdig, tuet( es in der Tat jüdische wie christliche Hausierer gebe, deren Geschäftsgebaren im Interesse der übrigen Juden und Christen mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgt werden müsse. Unangebracht fei die Kritik insofern, als sie durchblicken lasse, daß man wiederum den Juden eins zu wischen gedachte. Uns scheint, daß die Herren eine wichtige Seite des Hausierverkehrs und -Handels übergingen, nämlich die Tatsache, daß der christliche loie der jüdische Hausierer kaufmännische Konkurrenten hat, die sowohl dem Christentmn wie dem Judentum augehören. Diese Konkurrenten reichen sich in der Regel die Hände, wenn die Hausierer die Dörfer nusverkaufen und dort Umsätze erzielen, von welchen die Konkurrenten der Hausierer (tatlfmännisch geleitete Unternehmungen) nicht gern hören. So kommt es, daß die sogenannten weniger reell auftretenden Hausieret mit grellen Farben beleuchtet loerden, ohne der Hausierer 31t gedenken, die auf reelle Weise gute Ware verlausen. Man lvill eben die letzteren in der Kritik mittresfen, denn es gibt eine große Anzahl von Detailgeschästen und Reisegeschäften (Reisebetrieb und Privatkundschaft), welche glauben, sie allein hätten das Recht, viel Ware abzusetzen. So sucht der christliche Geschäftsmann bei den übrigen Christen Stimmung zu machen, so sucht auch der jüdische Kaufulantl, wenn er die Konkurrenz des Hausierers empfindsam zu spüren bekommt, bei den Christen und Juden Stimmung gegen die Hausierer

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