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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-05 · Heft 23 (5.6.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 23 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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W? 2 bie zum Teil schon am Bahnhof durch die Deputierten der Zoppoter Gerneinde begrüßt wurden. Es waren anwesend der Landrat Graf v. Ban.dissin, Oberregierungsrat Dr. Kamecke - Danzig, Oberpräsidialrat v. L i e b e r m a n n, Vertreter der Neustädter Synagogengemeinde, Bürgermeister W o l d m a n n, die Pfarrer B o w i e n und Weiße, einige Stadträte und Stadtverordnete von Aoppot. Außerdenr hatten sich viele Danziger Glaubensgenossen und Freunde der hiesigen Judenschaft mit der vollzählig versammelten Gemeinde selbst eingefunden. Oberregierungsrat Kam ecke überreichte dem Stifter der Synagoge, Herrn Silberftein, den Kronenorden vierter Klaffe. Mit Uebergabe des Schlüssels wurde gegen >212 Uhr die Feier eingeleitet. Architekt B i e le s e l d t überreichte als Bauender dem Bauherrn, Herrn Silberstein, die Schlüssel zur Synagoge, Herr Silberstein -übergab die Schlüssel der Gemeinde Zoppot. vertreten durch ihren Vorsitzenden, Sanitätsrat Dr. Lindemann. Dieser richtete an Herrn Silberstein warm empfundene Worte des Dankes für die Stiftung. Auch Oberpräsidialrat v. Liebermann und Oberrcgierungsrat Kamecke sprachen einige Worte freudiger Anteilnahme an diesem Tage. Dr. Lindemann überreichte die Schlüssel nun dem amtierenden Rabbiner Dr. Kaelter, der nunmehr die Pforte mit einem Segensspruch aufschloß. Nach Gesang des Danziger Synagogenchors unter Leitung seines Dirigenten Friedländer erfolgte das Anzünden der ewigen Lampe, worauf der Chor Jesaia 60,20 saug: „Es wird nicht untergehen deine Sonne und dein Mon-d sich nicht Zurückziehen, denn der Herr wird dir sein zum ewigen Licht." Illach Gesang der Psalmen 118 und 24 erfolgte das Einheben der Thorarollen, stimmungsvoll vom Gesang des Kantors Oswald der hiesigen Gemeinde und des Chors umrahmt. Schöne Sologesänge von Frau Dr. Wallenberg bildeten den Höhepunkt der reichen melodischen Gerden dieser Feier. Hierauf hielt Rabbiner Dr. K a e l t e r- Danzig die Weiherede, die durch Inhalt und Form gleich ausgezeichnet ans die zahlreichen Zuhörer einen erhebenden Eindruck machte. Die geistreiche Predigt schloß mit dem Gebet für Kaiser und Reich und dem Segen für die Gemeinde. Mit weihevollem Sologesang und Schlnßchor klang die erhebende Feier in Psalm 36,6 aus: „Herr, deine Güte reicht so weit, so weit der Himmel ist, und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen. Hallelujah!" Ein Festdiner schloß sich dem feierlichen Weiheakt folgend im Kurhaus an. — Beuthen O.-S., 20. Mai. Die hiesige jüdische Gemeinde besitzt eine historische Grabstätte. Alls dem alten jüdischen Friedhof an der Kaiserstraße liegen in einem gemeinsamen Grabe die beiden ersten Rabbiner der hiesigen Gemeinde. Wie die Inschrift auf dem Grabsteine besagt, ruhen daselbst der Rabbiner Moses Israel Freund, gestorben 22. April 1813, und der Rabbiner Menachem Mendel Cohn, gestorben 4. Dezember 1828. Darunter stehen die Worte: Dem ehrenden Andenken der beiden ersten Rabbiner unserer Ge- : metnde, gewidmet von der Chewra Kadischa 1849. W. Aus der Provinz Posen, uu Mai. P 0 s e n. Das lebhafte Interesse für den Ostmarkenflug 1914 zeigt sich auch bei hiesigen jüdischen Mitbürgern. So spendeten je 12 50 Mark Fabrikdirektor Dr. Franz Kantorowicz, Kaufmann Rudolf Petersdorff, 5 00 Mark.Firma I. Katzenellenbogen, 335 Mark Firma Siegfried Zadek u. Co., je 165 Mark Kaufmann Gustav Haase, Kaufmann Bernhard Jafso, 3 00 Mark Kaufmann I. Priwin, 50 Mark Kaufmann Heinrich Epstein, Spezialarzt Dr. Marcus, 30 Mark Kaufmann Fritz Kantorowicz, 20 Mark Kaufmann Max Aronsohn, Möbelfabrikaut Leo Danziger, Kaufmann Adolf Priwin, 10 Mark Kaufmann Ludwig Ettinger, Likörfabrikant A. Moral, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Placzek, je 100 Mark Geheimer Kommerzienrat Herz, Geheimrat Nagory Kantorowicz, Stadtrat Dr. Orgler, 50 Mark Kaufmann Siegfried Zadek, 30 Mark Stadtrat Arthur Kronthal, 10 Mark Likörsabrik Friedmann u. Alport. Ian 0 witz. Es fanden hier Neuwahlen innerhalb der jüdischen Gemeinde statt, und es wurden gewählt als Vorstandsmitglieder: Kaufmann Leo Schm ul, Kaufmann Isidor Schlome, Kaufmann Meyer Marcus; zu Repräsentanten: Kaufmann Moritz S ch m u l, Kaufmann Simon M a r c u s, Kaufmann Wolfs Moses und Ziegeleibesitzer Josef Mannheim. — Mosch in. Nach langem Leiden starb hier der Gemeindebeamte Ephraim Simoni im 76. Lebensjahre. Treu und gewissenhaft hat derselbe eine lange Reihe von Jahren sein Amt verwaltet und sich dadurch die Achtung aller Mitglieder erworben. Die drei letzten preußischen Kriege machte er mit Auszeichnung mit, was die vielen Orden, die er mit Ehren getragen, bewiesen. Der Landwehrverein stellte die Leichenparade. Eine beträchtliche Zahl Juden und Nichtjuden begleitete den Heimgegangenen zu seiner letzten Ruhestätte. M. Hirrnbilrg, 29. Mai. In der letzten Sitzung der Bürgerschaft kam es anläßlich der Beratung eines Senatsantrages, der die Herstellung von Neueinrichtungen für die Schlachtung von Schweinen auf dem Schlachthof bezweckt, zu einer bemerkenswerten, lebhaften Schächtdebatte. Herr Rohde (Linke) gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß der Gebrauch des Schweinehakens auf dem Hamburger Schlachthof nun abgeschasft werden und einer besseren Schlachtrnethode Platz machen soll. Er weist dabei eine Resolution des Vereins für Frauenstimmrecht, die Fräulein Lydia Gustava Heymann dem Vorstand der - Bürgerschaft eingesandt hat, als eine Unverschämtheit zurück. Diese Resolution Wendel sich in Schmähungen gegen die bisherige Einrichtung beim Schlachten der Schweine in Hamburg. Der Schlachrhosdeputierte Reimer (Linke) wendet sich gegen das Schächten der Tiere. Wenn die Frauenrechtlerinnen sich persönlich auf dem Hamburger Schlachthof von der Verwendung des Schweinehakens überzeugt haben, wird ihnen jedenfalls nicht entgangen sein, daß das Schächten eine viel größere Tierquälerei ist als die Anwendung des Hakens. (Sehr richtig! rechts.) Würden die geschächteten Tiere eine Kehle zum Schreien, haben wie die Schweine, daun würde es unmöglich sein, in der Gegend des Schlachthvfs Wohnungen zu vermieten. In dieser Zeit, wo man in Glanbenssachen einen so fortschrittlichen Standpunkt einnimmt, sollte das Schächten der Tiere verboten werden. Zum Schluß seiner weiteren Ausführungen spricht Redner die Hoffnung aus, daß das Schächten der Tiere in Hamburg endlich verboten werde. (Laute Bewegung.) P laten (Vereinigte Liberale) warnt, über die Schächtsrage in der Hamburger Bürgerschaft zu entscheiden. Die Schächtsrage kann von Laien überhaupt nicht erledigt werden. Dr. Cohen (Linke) weist aus das Gutachten Birchows hin, daß das Schächten die verhältnismäßig schmerzloseste Todesart sei. Im Interesse des Tierschutzes ist eine Aenderung nicht zu empfehlen. Herr K ö st e r (Linkes Zentrum) betont, daß das Schächten eine mosaische Religionsvorschrift sei. Bewährte Fachleute, deren Urteil maßgebender sei als das des Herrn Reimer, haben sich für das Schächten ausgesprochen; diese Todesart sei durchaus keine Tierquälerei. Das dabei erforderliche Niederwerfen der Tiere hat den Vorzug, daß das Blut viel besser den Adern entrollt, als es bei den anderen Schlachtmethoden der Fall ist. Herr R e i m e r erklärt, daß er trotz aller dieser Ausführungen für eine Abschaffung des Schächtens eintreten werde. — Die ganze Debatte hat in der jüdischen Bevölkerung berechtigtes Aussehen erregt, namentlich, da Herr Reimer Mitglied der Schlachthosdeputation ist. K. Y. Köln, 29. Mai. Die hiesige Anlage der rechtsrheinischen Rampe zur neuen Straßenbrücke erfordert die Beseitigung einer ganzen Reihe von Häusern an' der Südseite der Freiheitstraße in Deutz. Diesem Abbruch ist die dortige alte Synagoge zum Opfer gefallen. Die Synagoge nahm die Stelle einer älteren ein, die am 28. Februar 1784 durch lleberschwemmung und Eisgang völlig zerstört wurde, und bestand aus einem Vorderhause, das Wohn- und Schulzwecken diente, dem sich die eigentliche Synagoge anschloß. Es Mar ein durch zwei Stockwerke reichender 17 Meter hoher smAartiger iKnitm von 5,60 Meter Breite und 9,45 Meter Länge, an drei Seiten von einer Galerie umgeben, bestimmt zur Ausnahme der am Gottesdienst teilnehmenden Frauen. Die Ausstattung des stimmungsvollen Raumes war einfach, nur der in der Mitte sich erhebende Almenwr und der Thvraschreiu trugen reicheren Schmuck zur Schau, letzterer besonders in der umgebenden Architektur und den Thoravorhängen. Lolche besitzt die Syuagogengemeinde eine ganze Reihe, zum Teil durch Stoff und Stickerei wertvolle Stücke, deren Atter bis in das erste Drittel des 18. Jahrhunderts reicht, besonders bemerkenswert durch die schön gearbeiteten Inschriften. Ein interessanter Ausstattungsgegenftand ist eine Beschneidungsbank, eine Stiftung von » 1787. Unter den Manuskripten verdient ein Memorbuch von 1581 I Beachtung durch die Aufzeichnungen über die Verstorbenen der Ge- I meinde und die Gebete für die jeweiligen Landessürsten, die Kölner I Kurfürsten Maximilian Friedrich und Joseph Clemens. Es ist zu I hoffen, daß die wertvollen Bestünde der alten, nun abgebrochenen I Synagoge bei dem in nächster Zeit zu erwartenden Neubau im Innern I passende Verwendung nach pietätvoller Wiederherstellung finden. Bei > den Abräumungsarbeiten fand sich ein wohlerhaltenes rituelles M

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