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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-06-05 · Heft 23 (5.6.1914) · p. Seite 268

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 23 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
Seite 268 (sequence 4)
Language
German
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268 hier lebhaft bemüht ist. Auf die Frage des Königs, welchen Eindruck Spanien auf ihn gemacht habe, antwortete Dr.?)ahnda, er habe hier alle Vorurteile, die er früher gegen Spanien gehegt, verloren, worauf Ton Alfonso meinte, auch in Spanien herrschten noch viele Vorurteile gegen das Ausland, und ein gegenseitiger Besuch sei das beste Mittel, damit hüben und drüben die irrigen Vorstellungen aus der Welt geschafft würden. * Aus New Aork wird geschrieben: Wie nicht anders zu erwarten war, haben sich, gleich als die Feindseligkeiten zwischen Amerika und Mexiko ausgebrochen waren, zahlreiche Juden freiwillig für den Kriegsdienst gemeldet. Zahllos sind die Briefe, welche der Kriegsminister von jüdischen Freiwilligen erhalten hat und noch täglich erhält. Zu den interesfantesten gehört zweifellos der Brief, den der jüdische Oberleutnant Charles Hoffman, der an dem Kriege gegen Spanien teilgenommen hat, an den Kriegsminister richtete. Er ist kurz und lautet folgendermaßen: „Tie jüdischen Veteranen des spanischen Krieges, 250 Manu an der Zahl, welche ehrlich und tapfer im Kriege gegen Spanien sowie beim Aufstand ans den Philippinen und dem Boxeraufstand in China dem Vaterlande gedient haben, melden sich jetzt zum Dienste und sind bereit, zu gehen, umhin man ihnen befiehlt, wie und wo die Regierung für nötig hält, die Ehre unseres lieben Vaterlandes in diesem Streite mit Mexiko zu schützen und zu verteidigen." Wann itt Los Wochenfelt? Von Dr. Rudolf Lefzynfki. outt das Wochenfest ift, steht in jedem Kalender. Wen es interessiert, der schlage dort nach. In den jüdischen Kalendern ist sogar die Stunde angegeben, wann es beginnt und wann es endet, bis auf die Minute genau, und die meisten Menschen sind damit wohl zufrieden und machen sich keine weiteren Gedanken darüber. Warum sollten sie auch? Der Herr, der den Kalender gedruckt oder das Kalendarium in den Zeitungen verfaßt hat, wird es wohl schon wissen. Für den frommen Juden, der am Wochenfest in die Synagoge geht, ist die Frage einfach lächerlich, man könnte mit demselben Rechte fragen, wann der erste Januar ist. Für Kalenderprobleme, Mond- und Sonnenberechnungen, Schaltmonate und alles, was damit zusammenhängt, hat man beim besten Willen kein Verständnis. Es bleibt also dabei, daß das Wochenfest am sechsten Tage des jüdischen Monats Sivan ist, und wir, die wir nicht in Palästina wohnen, feiern auch den siebenten Tag noch mit dazu. So haben wir es in der Schule gelernt, und so ist es auch. Merkwürdig ist nur, daß es Juden gibt, die anscheinend so gar nicht an die Unfehlbarkeit unseres Kalenders glauben wollen. Jeder von uns hat einmal etwas von den Falaschas gehört. Mitten im dunklen Afrika, abgeschnitten von der gesamten anderen Jndenheit, haben sie seit vielen Jahrhunderten ihr Judentum bewahrt und an ihren eigenen seltsamen Sitten festgehalten. Ihre Traditionen weichen vielfach von den unseren ab, das Wochenfest feiern sie sechs Tage später als wir. Und dann gibt cs noch etwas, das uns stutzig machen könnte. Tie christlichen Feste entsprechen bekanntlich den jüdischen, aus denen sie hervvrgegangen sind. Weihnachten am Vorabend des 25. Dezember ist das jüdische Weihefest Ehannkka, das wir am Abend des 25. Kislev und den folgenden Tagen begehen. Pfingsten ist das Wochensest, sogar der Name erinnert daran, denn das Wort Pfingsten ist das verstümmelte griechische Pentekoste, zu deutsch: der fünfzigste Tag. der Tag nach den sieben Wochen. Es gibt auch eine jüdische Sekte, die Karäer, von denen die meisten in Südrußland, einige im Orient leben, sonst haben sie herzlich wenig mit der christlichen Kirche gemein, aber das Wochenfest feiern sie genau wie die Christen stets an einem Sonntag. Diese eigenartige Uneinigkeit über das Datum eines Festes rührt von einem einzigen Satze der Bibel her, um den schon Ströme vvn Tinte geflossen und weitschichtige Abhandlungen und Bücher geschrieben sind, ein einziges unklares Wort, das eine ganze Literatur aggressiv und apologetisch hervorgebracht hat — gleichzeitig ein drastisches Beispiel für die ungeheuere Wertschätzung unserer Bibel für die Menschheit. Im dritten Buche Mose sind nämlich die Feste, die das Volk Israel seit uralten Zeiten zu feiern pflegte, endgültig mit ihrem Datum sestgclegt: das Frühlingssest am 15. Nisan, das Schofarsest am 1. Tischri, der Versöhnungstag am zehnten dieses Monats und so fort. Nur allein das Wochensest bekommt keinen festen Platz, sondern nachdem das Fest der ungesäuerten Brote behandelt ist, heißt es dann weiter: am Tage nach dem Sabbat solle der Priester die Erstlingsgarbe des neuen Getreides darbringen, an diesem Tage nach dem Sabbat solle man dann anfangen zu zählen, sieben volle Wochen, nnd am fünfzigsten Tage das neue Fest, das Wochensest, feiern. Wann aber dieser Sabbat und der Tag nach dem Sabbat ist, vermag kein Mensch in der Welt zu sagen. Die alten Rabbinen behaupteten, mit „Sabbat" sei der erste Tag Pessach gemeint, die Christen glauben, der „Sabbat" sei der Sabbat des Pessachfestes, nach ö:;i Falaschas und der alten syrischen Uebersetzung der Bibel ist der „Sabbat" der letzte Tag des Pessach, aber welcher Ansicht man auch ist, und wie man sie auch dreht und wendet, es erheben sich Schwierigkeiten über Schwierigkeiten, denn wer Sabbat sagt, der meint nun einmal nicht damit Festtag, und ebenso willkürlich ist es, unter diesem Sabbat gerade den Sabbat des Pessachfestes zu verstehen. Wer nicht Apologetik treibt, muß einfach zugeben: es ist hier eine Lücke im Gesetz, vielleicht der letzte Ueberrest einer Zeit, in der die Feste noch nicht genau fixiert waren, da man noch — je nach dem Stande der Ernte — das Frühlingssest beging, wenn die Gerste anfing reif zu werden, und sieben Wochen später, wenn auch der Weizen reifte, für einen kurzen Tag die Arbeit unterbrach, um der Gottheit das neue Opfer darzubringen. Leider waren in alter Zeit die Inden nicht so tolerant, den Streit auf seinen wahren Ursprung zurückzuführen und die Unklarheit des Gesetzes durch die autonome Volksgesetzgebung zu beseitigen. Wenn jemand einmal eine Geschichte des Wvchenfcstes schriebe, dann würden wir auf manchen Blättern von Zwist und Hader lesen, den das unschuldige Fest angestistet hat, von den Pharisäern und Sadduzäern, die nicht allein mit Wort und Feder über diese und ähnliche Fragen stritten, von Bürgerkriegen und Schlachten, in denen Juden gegen Juden standen, von dem Hohn und Spott, mit dem man den Gegner überhäufte — häßliche Bilder, die so gar nicht zu dem friedlichen Fest passen, weder zu dem frohen Erntetag noch zu der Gesetzgebung auf dem Sinai, die von der — selbst nicht ganz sicheren — jüdischen Tradition auf diesen Tag verlegt wird. Aber daneben würden wir auch auf manche freundlichere Schilderungen stoßen, hat doch sogar das Wochensest einmal eine gewisse Rolle in der Weltgeschichte gespielt. Als der Syrerkönig Antiochos Sidetes im Jahre 130 vor der üblichen Zeitrechnung gegen die Parther zu Felde zog, „lagerte er zwei Tage auf Bitten des Juden Hyrkan wegen eines von den Vätern ererbten Festes, an dem es den Juden vom Gesetze verboten ist, zu marschieren". Es war nämlich, fügt der Geschichtsschreiber Josephus, dem wir diese Nachricht verdanken, hinzu, das Pfingstfest nach dem Sabbat, und es ist uns weder an den Sabbaten noch an dem Festtage erlaubt, einen Weg zu machen. — Die Rücksicht, die hier auf die jüdischen Hilfstruppen des Antiochos genommen wurde, ist ein leuchtendes Beispiel heidnischer Toleranz. Wir

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