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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-29 · Heft 22 (29.5.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 mitten Mauten. Seme Arbeiten weisen, wie hiesige Blätter melden, erfrenliche Fortschritte ans. Bor allem ist mm das alte Stadttor herausgearbeitet wie noch kein anderes antikes Palästinisches: es ist ein dreifaches Tor, von sechs auf gewaltigen Fundamenten ruhenden Türmen flankiert mit zwei Torhöfen. Im Innern der Stadt fand man die berühmte kanaanitische Skadtburg stark ansgeplündert, aber doch in den Fundamenten trefflich erhalten. Reiche Ausbeute von Einzelfunden haben die vielen jüdischen und samaritanischen Privathänser ergeben, die in verschiedenen Sumpfgräben aufgedeckt wurden. Tie Ausgrabung, die schon jetzt eine kräftige Bereicherung für die Archäologie Palästinas bedeutet, muß demnächst wegen der Ernte abgebrochen werden, wird aber im August oder September fortgesührt. Wie die „R. Fr. Pr." zu melden weiß, hat der deutsche M a i s e r sich bereiterklärt, die Hälfte der Kosten für die Arbeiten Sellins beizusteueru. - Tr. S. F r a n tfurte r ist zum Professor des Bölkerrechtes an der Harvard-Universität in Cambridge ernannt worden. Tr. Frankfurter entstammt einer angesehenen Rabbinerfamilie in Mähren und ist der Reffe des Direktors der Universitätsbibliothek, Regieruugsrat Tr. Frankfurter in Wien. * Lutzlsnd. Z. Petersburg, 22. Mai. Tas neueste Faktum der russischen Politik, das Ergebnis der Stolhpiuschen ,,Agrarreform", ist die zunehmende Auswanderung der russischen Bauern. Daß das russische Landproletariat die eigentliche Basis des oskpreußischen Ackerbaues ist, das; aus Russisch-Polen und Wolhynien gegen zwei Millionen Landarbeiter jährlich über die deutsche Grenze ziehen, ist eine hinlänglich Dekanute und sattsam erörterte Tatsache. Weniger bekannt ist aber die Emigration russischer Bauern nach Amerika. Bekanntlich besteht die Einwanderermasse, die aus Russland alljährlich nach Amerika strömt, zum grössten Teil ans Juden. Tie russische Reaktion, die wütende, unmenschliche Behandlung der jüdischen Bevölkerung seitens der russischen Regierung, treibt immer größere Blassen von Juden über den großen Teich. So betrug die Ueberseewandernng ans Rußland in den Jahren 1870 1879 je 4600 Personen, 1900-1909 150 000, 191 :i *200 000. Davon bildeten (1000 1910) die Inden 4:3,8 Prozent, die Polen 27,6 Prozent, dann kamen Letten, Finnen nsw. Die eigentlichen Russen standen bisher an letzter Stelle. Aber nun beginnt sich die Fahl der emigrierenden Russen immer mehr zu steigern. Im Jahre 19OO bildeten sie nur 2 Prozent der genannten Auswanderermasse, im Jahre 19O6 6,6 Prozent, 1911 11,2 Prozent. In Zahlen ausgedrückt: 1901 672 Personen, 191:3 3608, 1911 18 721, 1912 22 558. Das will sagen, daß sich alljährlich eine gewaltige Anzahl russischer Bauern nach den Ueberseeländern (Amerika, Kanada, Australien) begeben muß, weil sie in ihrem immensen Vaterland keine Erlverbsmöglichkeiten finden kann. Der Zustrom dieser kulturlosen' Männer, die noch tief in der traditionellen russischen Lebensart stecken, die keinen Begriff von Freiheit, Menschenwürde, keine Kulturgewohnheiten haben, ist zweifelsohne für die Immigrationsländer sehr schädlich. Es ist deshalb gar nicht zu verwundern, daß diese, besonders die Bereinigten Staaten, die Immigrationsbedingnngen möglichst zu verschärfen suchen. Dazu kommt noch der Umstand, daß die slawischen Einwanderer aus Rußland nur Saisonwanderer siitd. Sie leben eiitfach menschenunwürdig, drücken die Arbeitslöhne und sparen Geld, um dann in ihre Heimat zurückzukehren. Während zum Beispiel die jüdischen Einwanderer beinahe ausnahmslos (95 Prozent) in Amerika sich für immer niederlassen, treten die Russen in der überwiegenden Mehrheit (80 90 Prozent) nach einigen Jahren der Fronarbeit in Amerika die Rückwanderung an. Das bedeutet also für Amerika einen großen Verlust an Geld und eine Herabsetzung des allgemeinen K ulturniveaus. Es ist also zu erwarten, daß die Bereinigten Staaten bald gegen dieses neue Einwandernngselement dieselben Maßregeln ergreifen werden, wie gegen die Chinesen und Japaner. Und was tut die russische Regierung gegenüber dieser neuen, volkswirtschaftlich schwerwiegenden Tatsache? Das einzige, was sie' bisher auf diesem Gebiete getan hat, war — die Auslieferung der armen Auswanderer an die russischen Schiffahrtsgesellschaften. Das Handelsministerium hat nämlich eine neue Gesetzesvorlage vorbereitet, wonach für Auswanderer das geltende Paßsystem abgeschafft wird, aber nur für solche, die russische Schiffe (von Libau aus) benutzen. Ob diese „Erleichterung" die Abschaffung der Pässe aufwiegt, ist sehr zweifelhaft. Diese Maßnahme — die wiederum bloß chauvinistischen Interessen dient und den einzigen Zweck hat, den deutschen und englischen Schiffahrtsgesellschaften Abbruch zu tun — ist aber auch die einzige, die die russische Regierung ersinnen konnte. Sonst bleibt alles beim alten. Die russischen Bauern werden weiter in steigendem Maße nach Amerika nsw. wandern, bis ihnen die Tore dieser Nebcrseeländer'vor der Nase glattweg verschlossen werden. Und diese Zeit scheint nicht mehr fern zu sein . . . * Von Moh und ffern. — Die Grabstätte des im Jahre 1874 hier verstorbenen hochverdienten Borstandsmitgliedes Jacob F l a t a u e r auf dem alten israelitischen Friedhof in der Schönhauser Allee, dem seine zahlreichen Freunde seinerzeit ein schönes Grabmvnnmeut hatten sehen lassen, das im Laufe der vergangenen vierzig Jahre leider sehr stark gelitten hatte, ist jetzt vom Borstande völlig erneuert wurden und bildet wieder eine Zierde dieses schönen Friedhofes. Wie wir hören, ist ferner beim Vorstand der Jüdischen Gemeinde von privater Seite augeregt worden, die gänzlich verfallene letzte Ruhestätte des Malers Jakob Liebmann, gestorben 1866 Hierselbst, des Erfinders des Lelgemäldedrncks, wieder in einen würdigen Instand zu versetzen. — Die Herren Iuskizräle Dr. Ignatz Cohn, Repräsentant der jüdischen Gemeinde zn Berlin, nnd Stadtverordneter G a l l a n d sind zu Notaren ernannt worden. — Zu Sanitätsräten wurden ernannt die Aerzte Dr. Simon IHM er, Direktor der chirurgischen Abteilung des städtischen Krankenhauses in Pantpw, Tr. Ludwig Herzog, Schöneberg, Tr. Neinhold Lederin a n n , Berlin, Dr. Leo S i l b e r st ein. Schöneberg, Sanitätsrat Dr. Louis St reis and wurde zum Geheimen Sanitätsrat ernannt. - Am 18. d. M. verschied sanft und unerwartet Herr Direktor M a x, M a y, der Gatte der wegen ihrer gemeinnützigen Tätigkeit in weiten Kreisen unserer Gemeinde bekannten Frau Henriette May. — Kommerzienrat Gustav Man heim er. früherer Inhaber der Firma V. Manheimer, erhielt den Raten Adlerorden 4. Klasse, Tr. Falkenheim, außerordentlicher Professor der medizinischen Fakultät in Königsberg den Kronenorden 3. Klasse. — Ter Berliner Stadtrat Hermann I a c o b y, Borstandsmitglied der Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft, ist hier nach längerer Krankheit, nachdem er Heilung un Süden gesucht hatte und anscheinend gekräftigt zurückgekehrt war, un Alter von 72 Jahren gestorben. Der Verstorbene war 1902 zum unbesoldeten Stadtrat gewählt und wurde 1908 wiedergewählt. Er war unverheiratet, Kaufmann und Handelsrichter. Der Verstorbene erfreute sich allgemeiner Wertschätzung. — Aus Lissa i. P. wird uns geschrieben: Auf Veranlassung des Rabbiners Tr. Gelles hinterließ der kürzlich verstorbene Rentier Gustav Bolak int Verein mit seinem Bruder ein Vermächtnis von mehreren tausend Mark. Die Zinsen aus diesem Legat sollen jüdischen unbemittelten Kindern die Möglichkeit geben, die hiesigen höheren Schulen zu besuchen. Die Stiftung führt den Romen .,Rabbiner-Dr.-Gelles-Gebrüder-Bolak- Stiftung." - Die in Krotoschin unlängst verstorbene Frau Baumeister Koeppel, die der evangelischen Gemeinschaft angehört hat, hat auch dem dortigen jüdischen Frauenverein ein Legat von 500 Mark vermacht. — In Ausführung der Beschlüsse der städtischen Körperschaften zu Grätz, Herrn Geheimen Medizinalrat Dr. Rubensohn anläßlich seines Ilebertrikts in den Ruhestand wegen seiner langjährigen Verdienste um die Stadt zum Stadtältesten zu ernennen, wurde ihm dieser Tage das Diplom durch den Bürgermeister hiesiger Stadt feierlich überreicht. — Alts Hamburg wird berichtet: Paul Marburg, Mitinhaber der Firmen Kuhn, Loeb 6c Eo. in New J)ort und M. M. Marburg & Go. in Hamburg, ist zum Mitglied des atnerikanischen Federal Reserve Board ernaltnt worden. Die F. R. B. ist mit der Aufsicht über die Buudesreservebanken und dadurch mittelbar über das ganze Kreditwesen der Vereinigten Staaten betraut. Marburg hat auch auf dem Gebiet der jüdischen Wohlfahrtspflege schon Bedeitteitdes geleistet. — Die jüdische Gemeinde in Köln hat eine öffentliche Bibliothek eingerichtet, welche nicht nnr moderne jüdische Belletristik und schöne Literatur, sondern auch populär-wissenschaft-

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