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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-29 · Heft 22 (29.5.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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S y n a g o g e L i n d e n st r n ß e, bei ihrer Einführung vor 22 Jahren eine der besten Berlins, erfordert, da sie nicht mehr den modernen technischen Anforderungen entspreche, nach den Ausführungen Sachverständiger eine Umänderung. Es soll ein größerer Umbau vorgenommen werden, dessen Kosten nach Maßgabe der mindestfordernden Firma sich auf 10 516,50 Mark belaufen. — Einer Anregung der „Wissenschaftlichen Bereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Berlin" zufolge, den Zöglingen der Lehrerbildungsanstalt die Erlernung des Orgelspieles zu ermöglichen, da es unter den heutigen Verhältnissen den jungen Lehrern außerordentlich erschwert sei, eine Anstellung zu finden und es sich daher empfehle, den musikalisch Begabten wenigstens eine weitere Erwerbsquelle zu erschließen, war man dem Gedanken nähergetreten, die Orgel in der Synagoge Lindenstraße in die Lehrerbildungsanstalt zu übernehmen und für die Lindenstraßensynagoge eine neue zu schaffen. Das hat sich aber aus Raumverhältnissen und anderen Gründen nicht ermöglichen lassen, weshalb beantragt wird, zum Umbau der Orgel den angegebenen Betrag und für den Bau einer Uebungsorget für die Lehrerbildungsanstalt weitere 4000 Mark zu bewilligen. Tie letztgenannte Summe für die Uebungsorgel erschien dem Ausschuß etwas zu hoch. Er beantrage daher, die 10 516,50 Mark für den Umbau der Orgel in der Synagoge Lindenstraße zu -bewilligen, dagegen die Bewilligung der 4000 Mark für die Ilebungsvrgel in der Lehrerbildungsanstalt zu vertagen nnd den Vorstand zur nochmaligen Prüfung zu veranlassen. Die Versammlung beschließt demgemäß. — Der jüdischen Reso r nt g e m e i n d e , die bisher eine Jahressubvention in Höhe von 20 000 Mark erhielt, soll diese Subvention nach dem Antrag des Vorstandes um 2000 Marl gekürzt werden, da sich aus der Rechnungsausstellung ergebe, daß eine höhere Subvention nicht erforderlich fei. Der Ausschuß hatte sich in gleichein Sinne schlüssig gemacht. Inzwischen aber hat der Berichterstatter des Ausschusses Herr Professor Türk Einsicht in den Ausgabenetat pro 1914 genommen, der ein anderes Bild als derjenige pro 1913, der der Berechnung der Vorstandsvorlage zugrunde gelegt war. ergibt. Der Ausschuß beantragt daher, der Vorstandsvortage auf Bewilligung von 18 000 Mark für 1914/15 und 1915/16 zuzustimmen und in einer Resolution die Erwartung auszusprechen, daß der Reform gemeinde weitere 2000 Mark jährlich nach-bewilligt werden. Herr Justizrat Lilienthal erklärt namens des Vorstandes, daß gegen die Annahme der Resolution nichts einzuwenden sei, und die Versammlung stimmte den Anträgen des Ausschusses zu. — Dem I sraeliti s che n R-elig ionsverein E h ä r l o t t e n b u r g (Bismarckstraße) wird für das Jahr 1914/15 eine Subvention in Höhe von 10 000 Mark bewilligt, ebenso stimmt die Versammlung dem Antrag des Vorstandes zu, dem I s r a e l i t i s ch e n Religivusve r e i u G e s u n d b r u n n -e u zu der ihm bereits bewilligten jährlichen Subvention von 7600 Mark für die Dauer der Etatsperiode einen weiteren Betrag von 600 Mark jährlich zur Honorierung des Organisten und von 200 Mark zur Erhöhung des Lehrergehalts zu bewilligen. — Dem B erba n d der jüdischen I u g e n d v e r e i n e D e u t s ch l a n d s war eine Beihilfe von 500 Mark bewilligt und von der Versammlung zugleich an den Vorstand das Ersuchen gerichtet worden, die Subvention um weitere 500 Mark zu erhöhen. Der Vorstand teilt nun mit, daß er sich zu seinem Bedauern „nicht in der Lage sieht, jenem Beschlüsse der Versammlung zuznstimmen". Die Versammlung nimmt debattelos von dieser Ablehnung Kenntnis. Schließlich wurde noch der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu den Kosten ihrer Fortbildungskurse für das Jahr 1914/15 wiederum ein Beitrag von 500 Mark bewilligt. Damit schloß die Sitzung, deren Verhandlungen zum erstenmal stenographisch ausgenommen wurden. 22 Berlin, 26. Mai. Ter Verein znr Bekleidung a r m er jüdischer Kinder E. V. hielt vor kurzem seine Generalversammlung ab, in welcher mit Genugtuung festgestellt wurde, daß auch im vergangenen Jahre annähernd 600 Kinder eingekleidet worden sind. Hierdurch sind natürlich die Vereinsmittel aufs äußerste angespannt, und gerade jetzt sind die Anforderungen besonders groß durch diejenigen Kinder, die in eine Ferienkolonie ausgenommen sind, deren Eltern aber die hierzu nötige Ausstattung nicht anschaffen können. Der Verein bittet daher alle Menschenfreunde, ihn in seinen wohltätigen Bestrebungen zu unterstützen, sei es durch eine einmalige Spende oder durch Beitritt als Mitglied (Mindestbeitrag 3 Mark). Das Bureau befindet sich Bülowstraße 105 (Amt Lützow 1442). §2 Berlin, 26. Mai. Die Ruderabteilung der Vereine Jüdischer Studenten hat in Oberschöneweide das Grundstück Ostendstraße 25 bezogen. Sie besitzt dort neben ausreichenden Bootsmh Klubrümnen einen großen Garten, der den Aufenthalt im neuen Bootshaus besonders angenehm macht. Da die Abteilung in diesem Jahr ihr Bootsmaterial wesentlich vermehrt hat — es wurde unter anderem ein Rennvierer mMschafst —, ist sie in der Lage, ihre Tätigkeit wesentlich zu erweitern. Es sind auch bereits eine größere Anzahl neuer Mitglieder ausgenommen, deren Ausbildung gute Fortschritte macht. Die erforderlichen Bauarbeiteil am neuen Bootshaus sind von Dipl.-Jng. Fritz Schlesinger ansgeführt worden. — Berlin, 26. Mai. Das Israelitische Kranken hei m, das vor fünf Jahren das mit allen Errungenschaften der medizinischen Hygiene eingerichtete eigene Haus in der Elsässer Straße 85 bezogen hat, nahm vor einigen Wochen eine neue wesentliche Erweiterung seiner Organisation vor. Zu den bereits bestehenden chirurgischen, gynäkologischen und inneren Stationen ist jetzt eine Röntgen-Abteilung zugekommen, die mit modernsten Apparaten ausgeftattet wurde und alle Anforderungen, die jetzt an die Röntgendiagnostik (Momentaufnahmen usw.) und Röntgentherapie (Oberflächen- und Tiefenbestrahlung) gestellt werden, erfüllen kann. Außerdem sind auf dem Nachbargrundstück Polikliniken für unbemittelte Kranke eingerichtet worden, und zwar eine solche für innere und eine für Frauenkrankheiten. Die Röntgenabteilung ist auch Patienten zugänglich, die sich nicht im Krankenheim befinden; für diese ist es täglich (außer Sonnabend und Sonntag) von 9—11 Uhr und 3—5 Uhr geöffnet. 6. Frankfurt a. Oder, 22. Mai. Aus unserer Gemeinde läßt sich über die Wintermonate nur Günstiges berichten. Im November des vorigen Jahres wohnte unser Rabbiner Dr. Salo m o n s k i auf Grund der mit dem Divisionskommando getroffenen Vereinbarung im Ornat an der Seite der anderen Geistlichen der allgemeinen Rekrutenvereidigung bei. Im gleichen Monat wurde der Vorsteher der Gemeinde, Herr Louis Simon, zum Stadtrat gewählt. Im Dezember bildete sich auf Veranlassung unseres Rabbiners und der Frau Betty Ger so n ein jüdischer Jugendbund, der unter der Leitung des Herrn Rechtsanwalts A r o n - heim aufs beste gedeiht und über 100 Mitglieder zählt. Die ersten Monate des Jahres 1914 gehörten der von unserem Rabbiner ins Leben gerufenen Loge des U. O. B. B. Nach erfolgreicher Borarbeit fand die Gründung am 22. März in Gegenwart des Großlogenpräsidenten, Herrn Geheimen Justizrats Timendorfer, nnd vieler Vertreter aus ganz Deutschland statt. Das jüngste Glied des Ordens erhielt den pietätvollen Namen Hardenberg-Loge. 65 Herren aus Frankfurt nnd Umgegend gehören ihr bereits an. Im April erregte die Tagung des „Wandervogels" berechtigten Unwillen. Man wußte vorher, welchen Geist die berüchtigte Resolution atmen würde, und darum war es eine gute Abwehr, daß am zweiten Pessachtage von der Kanzel unserer Synagoge gegen das hetzerische Gebaren Front gemacht wurde. Unsere alte Andachtsstätte, die vielleicht in nicht zu ferner Zeit einem neuen Gotteshause weichen soll, sah vor acht Tagen die hier nach langer Zeit wieder erstandene Mädchenkonfirmation. Unter Teilnahme der gesamten Gemeinde ging die eindrucksvolle Feier vor sich und lieferte den Beweis, daß der in unserer Gemeinde obligatorische Religionsunterricht von besten Erfolgen gekrönt ist. © Aus Westprerrtzen, im Mai. Am Sonntag, den 10. d. M., fand in Danzig der XIII. Verbandstag der Synagogengemeinden W e st p r e u ß e n s statt, der ziemlich Zahlreich aus der Provinz besucht war. Neben der Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten und Linern ausgezeichneten Vortrage des Herrn Rabbiner Dr. K a e l t e r in Danzig über den gegenwärtigen Stand des Judentums in Deutschland, von dem man nur wünschen chnn, daß er durch Veröffentlichung eine weitere Verbreitung fände, wurde auch über eipen Antrag der Synagogengemeinde Neumark verhandelt, der für unsere Gemeindebeamten von Interesse ist und von ihnen beachtet zu werden verdient. Der Antrag ging dahin, eine Kommission oder den Ausschuß des Verbandes Zu beauftragen, nochmals die Frage wegen des Beitritts der Gemeinden zur Ruhegehalts¬ und Witwen- und Waisenkasse der Westpreußischen Kommunalbeamten zu prüfen und darüber alsbald zu berichten. Es handelt sich hier, wie der Berichterstatter ausführte, um dieselbe Angelegenheit,

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