Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 22 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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78. Jahrgang. Nr. 22 Berlin, 29. Mai 1914 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums. korrelpondrn-rn und Kschrichtrn. Seutschlsnd. Y. Berlin, 24. Mai. Der heutigen Sitzung der Repräsentant e n v e r f a m m l u n g , di-e um 10 Uhr beginnen sollte, ging eine nichtöffentliche Sitzung voran, die bis 1 Uhr dauerte. Die lange Dauer der geheimen Sitzung erklärt sich aus den lebhaften Debatten, die die Frage der Neuwahl eines A-eltest-en-Stellvertreters an Stelle des Herrn Geheimrat Prof. Dr. Landsberg hervorries. Alan erzählt sich, daß Herr Kommerzienrat Carl Leopold Netter seine Demission als VorstaudsnsitglieD erklärt habe für den Fall, daß -ein bestimmter, von der Kommission vorgeschlagener Kandidat von der Bersaunnllung gelvählt würde. Diese Kompli>kation mag dazu beigetragen haben, daß die ganze Angelegenheit der Borstandsergänzungswahl der Vertagung anheimsiel. Tenn als nach einigen geschäftlichen Abteilungen durch den Vorsitzenden, Herrn Louis S achs, die als erster Punkt der Tagesordnung zur Beratung stehende Vorlage, betreffend Wahl eines Aeltesten-Stellvertreters, znr Verhandlung kam, 'stellte Herr Justizrat Ignaz Cohn den Antrag, den Gegenstand bis zur nächsten Repräsentautensitzung zu vertagen. Dem Anträge wurde ohne jede Debatte von der Versammlung Folge gegeben. — Herr Adolf S l i w i n s >k i in Wil-nrersdorf hat der Gemeinde einen Betrag von 20 OOO Mart zur Errichtung einer Zinuner- Stiftnng in der Fraueuabtcitnng für innere Krankheiten des neuen Krankenhauses zugewendet. Die Versammlung beschließt die Annahme, desgleichen diejenige der Anwendung des vor kurzem verblichenen Fräuleins BiancaGins b e r g in Höhe von 2000 Mark. - Der am 26. März d. I. verstorbene Kommerzienrat Hermann Auerbach hat der jüdischen Gemeinde ein Legat von 30 000 Mark für Arnrenunterstützu n g s z l vecke vermacht, das gleichfalls angenommen nnr-d. —- Der Geschäftsbericht der Ehrenbealntentolmnission Pro 1913 wird znr Kenntnis genonunen. Ihn: ist zu entnehmen, daß Herr Kommerzienrat Netter sein Ehrenamt als Vorsitzender Ende Januar niederge'legt und Herr Sanitätsrat Dr. Feilchenseld an seiner Stelle gewählt wurde, ferner wurden für die ausgeschiedenen Mitglieder, die Herren Paul Schlochauer und Hermann Landsberger, die Herren Dr. ftir. Levy und Kommerzienrat Friedländer gewählt. Die Zähl der Mitglieder soll laut Gemeindebeschluß von zehn auf Avals erhöht werden. — Aus Anlaß des neunzigsten Geburtstages des Vorsitzenden des Gemeindevorstandes, Herrn Jul i n s I a c o b y, ist bekanntlich zu Ehren des Jubilars die Errichtung einer Juli u s - Iaco b h -Stift >u n g beschlossen, deren Zweck von dem Jubilar bestimmt werden sollte. Herr Jacoby hat nun den Wunsch ausgesprochen, die Stiftung dem Wohl der Gemeindebeamten zu widmen. Alle näheren Bestimmungen und Festsetzungen aber hat -er den Genreindebehörden überlassen. Vom. Gemeindevorstand wird nun vorgeschlagen, und die Versammlung stimmt dem zu: J. daß die Zinsen des Kapitals zu Beihilfen für diejenigen Gemeindebeamten verwendet werden sollen, die durch eigene Krankheit oder infolge von Erkrankung von Familienangehörigen, die zu ihrem Hausstand gehören, der Unterstützung bedürftig sind; 2. daß über die Verwendung der Zinsen ein 'Kuratorium entscheiden solle, das aus einem vorn Gemeindevorstnnd zu wählenden Mitglied des Vorstandes oder höheren Beamten als Vorsitzendem, zweien von der Nepräsentantenversammlung zu wählenden Nepräsentanten oder Repräsentautenstellvertretern und d r e i v o n den Ge m e indebe a m t e n s e l b st in direkter g e h e i m e r W a h l z u )v ä h i( e n d e n Gemeindeb e a m t e n bestehen soll. Die Wahl erfolgt für sämtliche Mitglieder des Kuratoriums ans drei Jahre. Die als Gemeindebeamt-en gewählten Mitglieder des Kuratoriums sind nach Ablauf einer Wahlperiode nicht wieder wählbar." Die Gemeindebeamten selbst haben also durch diese Bestimmungen ein weitgehendes Mitbestimmungsrecht bei der Verwendung der Stiftungsmittel. — Mit dem in der Synagoge L e v e tz o w st r a ß e einzuführenden Ritus hat sich die Versammlung nochmals zu beschästigen. Der Gemeindevorstand hatte seinerzeit beschlossen, daß für diese Synagoge das Gebetbuch der Synagogen Linden- und Lützowstraße mit der Maßgabe eingeführt werden soll, daß aus dem Gebetbuch der Synagoge Fasanenstrahe die Ueberleitungen zum Kaddischgebet und die deutsche Fassung des Olenugebets übernommen werden. Das gleiche wurde für alle Orgelsynagogen bestimmt und zugleich die Bestimmung getroffen, daß der Rabbiner, der die Ueberleitungen zum Kaddischgebet spricht, auch das Kaddischgebet -selbst vorträgt. Abweichend hiervon hatte die Versammlung sich dahin schlüssig gemacht, -daß für die Synagoge Levetzowstraße das Gebetbuchder Synagoge Fasanenstraße eingeführt werden soll und am Eingang des 'Sabbat der Psalm 95 in Hebräisch vorgetragen wird. Daraufhin hat der Vorstand hierüber Gutachten der Gemeinderabbiner eingeholt, die nicht einhellig lauten, aber den Vorstand veranlaßten, zu beantragen, daß der Psalm 95 nicht hebräisch, sondern deutsch zum Vortrag gelange, und daß das Kaddischgebet nicht vom Rabbiner ans der Kanzel, sondern vom Kantor gesagt werden solle. Tie Versammlung schloß sich dem an. Für den Ritus der Synagoge Levetzowstraße ist danach nur beschlossen, daß das Gebetbuch der Synagoge Fasanenstraße eingeführt wird. In den Ritus sämtlicher Orgelsynagogen werden zugleich aus dem Ritus der Synagoge Fasauenstraße die Ueberleillmgen zum Kaddischgebet und die deutsche Fassung des Oleuu übernommen. Herr Gewerbernt Platte, stellvertretender Vorsteher der Neuen Synagoge, bittet, den hebräischen Vortrag des Psalm 95 znzulassen, da dies von vielen Synagogenbesnchern gewünscht werde. Die Herren Benas Levy und Professor Blaschte wenden sich dagegen und schließlich, nachdem sich noch die Herren Justizrat Jgn. Cohn und Lewinski geäußert haben, wird die Borstandsvorlage unverändert angenommen. Bei der Gelegenheit bittet Herr Benas Levy zugleich den Vorstand, möglichst bald eine Neuauflage des Gebetbuches der Synagoge Fasauenstraße veranstalten zu wollen, da sich in dem jetzt in Benutzung genommenen viele Flüchtigkeits- und Druckfehler finden, und Herr Professor Blaschte wünscht bei der Gelegenheit zugleich auch eine Revision der Uebersetzungeu, die gleichfalls erforderlich sei. --- Dem Beschluß der vorigen Versammlung bezüglich des Au träges Emil Cohn und Genossen: „in gemischter Deputation darüber zu beraten, ob ein anderweitiges Verfahren bei V e r g e b u n g d c r P lätze i n d e n Gemeind e s y n a g o g e n u n d V e t l o k a l e n an den hohen Feiert a g e n zu empfehlen ist", ist der Vorstand beigetreten. Er hat seinerseits in diese Deputation die Herren Vadt und Geheimrat P i e cf entsandt. Von der Versammlung werden in die Deputation die Herren Justizrat Jgn. E o h n, Willibald L v w e n - th a l, Lew i u s k i und Professor Blas ch k e gewählt. Dem Antragsteller Emil Cohn bittet der Ausschuß die Zulassung zu den Beratungen zu gewähren. — lieber die ordentliche Revision der Kassen und des Depositorimns berichtet namens der Nevisiouskommissivu Herr A. Lewinski. Bei der ummgemeldeten Revision habe inan olles ordnungsmäßig vorgesundeu. Die Versammlung nimmt von denn Bericht Kenntnis. — Zur Bestreitung der durch die Feier anläßlich der Einweihung der Synagoge Levetzowstraße entstandenen Kosten werden nachträglich 3047,75 Mark bewilligt. - Bereits wiederholt ist von den Leitern der Knaben- und Mädchenschule und auf deren Veranlassung von dem Schul- und Talmud-Dhora-Borstand der Antrag gestellt worden, die beiden Anstalten statt mit Gaslicht mit elektrischer Beleuchtung auszustatten. Infolge der Notwendigkeit, im Winter dauernd Kleinsteller brennen zu lassen, dringe viel halbverbranntes Gas in die Räume, das die Luft verschlechtere und Kopfschmerzen, zuweilen sogar Uebelkeit bei den Schülern Hervorrufe. Der Vorstand beantragt nun für die Einrichtung der e l e k t r i s ch e n B e l e n ch - t n u g in der K nabenn n d 3Jt ä d ch e n s ch u 1 c insgesamt 11 000 Mark zu bewilligen. Die Bersamnllnng stimmt dem Antrag debnttelos zu. — Umfangreiche Reparaturarbeiten an der S y n agog e K a i s e r st r a ß e, die nunmehr zum Abschlüsse gelangt sind, haben einen Kostenaufwand von insgesamt 24 876,34 Mark verursacht. Die Baukonnnissiou gibt der Ansicht Ausdruck, daß durch diese ansehnlichen Reparaturarbeiteu der Bestand des Hauses für absehbare Zeit sichergestellt ist. Die verausgabten Kostenbeträge werden in der angegebenen Höhe nachträglich bewilligt. — Für die Gewährung einmaliger Beihilfen von je 100 Mark an bedürftige Veteranen jüdischen Glaubens wird ein weiterer Betrag von 1000 Mark bewilligt. Damit erreicht die von unserer Gemeinde für Veteranenbeihilfe bewilligte Summe den Betrag von 9600 Mark. — Die Orgel in der