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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-29 · Heft 22 (29.5.1914) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 22 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
Seite 264 (sequence 12)
Language
German
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264 Aufgabe und Methode der Apologetik im jüdischen Religionsunterricht. Bon Dr. I. Wohlgemuth. Referat, gehalten auf der achten Generalversammlung der Bereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands. Berlin. M. Poppelauer. 1913. Siebenundvierzigster Bericht über den Religionsunterricht der Synagogengemeinde zu Königsberg i. Pr. für das Schuljahr 1913/14, erstattet von dem Dirigenten Dr. Bogelstein, Rabbiner der Synagogeugemeinde. Königsberg i. Pr., Hartungsche Buchdruckerei. Agndath Jisroel. Okede, gehalten am zweiten Tage des Sukkothfestes 5673 von Rabbiner Dr. I. Hvrovitz. Der Reinertrag ist für die israelitische Religionsschule bestimmt. Frankfurt a. M. 1912. Druck von M. Lehrberger & Eo. The Jewish Immigration Bulletin. Entered as second-elass matter January 17, 1913, at the P. 0. at New York, N. Y., linder the act of March 3, 1879. Vol. IV. February, 1914. No. 2. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin C 2, Au der Spaudauer Brücke 15. Schriftleitung: Dr. Bruno Blau, Berlin. 19. Jahrgang. Heft Nr. 3. Erscheint monatlich. Abonnementspreis für das ganze Jahr 6 Mark, sür das halbe Jahr 3,50 Mark. Sprrchsasl. Sehr geehrte Redaktion! Die Monatsschrift „Ost und West" brachte in ihrer jüngsten Mainmmner einen Angriff der Leitung der „Alliance Jsraelite Universelle" auf mich wegen meines Urteils über das Schulwerk der Alliance im Orient im „Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur". Ich sandte an „Ost und West" sofort eine Erwiderung; aber diese Zeitschrift verweigerte den Abdruck in ihrer nächsten Nummer. Ich will nun weder das Erscheinen der Erwiderung in das Unbestimmte verschoben sehen, denn dann verliert sie jede Wirkung, noch mich, wie ich wohl konnte, an das Gericht wenden, denn ich liebe es nicht, jüdische Streitigkeiten vor die breite Öffentlichkeit zu ziehen. So gestatte ich mir, mich an die oft erprobte Gastlichkeit der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zu wenden, mit der Bitte, wenigstens das Wesentliche meiner Entgegnung wiederzugeben: Gewiß kann man theoretisch über die Unterrichtsmethode verschiedener Meinung sein; aber praktisch entscheidet sich deren Wert durch ihre tatsächlichen Wirkungen. Und da mochte ich noch einmal die Herren Leiter der „Alliance" einladen, die Hauptorte der asiatischen Türkei zu besuchen. Sie würden sich dann sofort überzeugen, das; die soziale, intellektuelle und materielle Lage unserer dortigen Glaubensgenossen heute genau so traurig ist, wie ich sie wiederholt geschildert habe, und daß sie immer mehr hinter das griechische und armenische Element zurücktreten. Da ich aber überzeugt bin, daß unsere türkischen Glaubensgenossen von Natur nicht minder begabt sind als Griechen und Armenier, so kann die Schuld an diesem Zustande nur an den Mängeln ihrer literarischen und technischen Ausbildung liegen, wie sie solche durch die Schulen der „Alliance" erhalten, die seit beinahe einem halben Jahrhundert in den meisten Orten der Levante Palästina ausgenommen — das Unterrichtsmouopol für die Israeliten besitzen und üben. Ich habe seit neun Jahren direkt wie öffentlich darauf hingewiesen, daß diesen Uebelständen nur durch Errichtung von Mittel- und Handelsschulen, Gymnasien, technischen Lehranstalten und einer Universität abgehvlfen werden könne. Tie Leitung der „Alliance" bezeichnet in „Ost und West" diese Vorschläge als Schimären, die eines Historikers unwürdig wären. Wie denn? Haben nicht andere Verbände, wie der „Hilfsverein" und die Zionisten, seitdem die von mir empfohlenen Anstalten mit bestem Erfolge begründet, die Universität wenigstens angestrebt? Weis; davon die Leitung der „Alliance" nichts? Wie kann sie jetzt noch meine entsprechenden Vorschläge sür Ausgeburten einer kranken Phantasie ausgeben? Sollte man nicht vielmehr ihr Festhalten an einseitigen Uuterrichtsaustalten und fehlerhaften Methoden für die Folge der Bequemlichkeit und Unkenntnis halten? Mau sehe doch Aegypten. Dieses Land steht schon seit lange unter europäischer Einwirkung, und deshalb besuchen zahlreiche dortige Juden die höheren Schulen des Abendlandes; so erblicken wir in Aegypten eine zahlreiche und angesehene jüdische Oberschicht: Juristen, Aerzte, große Finanziers. Im Widerspruche mit den Behauptungen der „Alliance" finden also die liberalen Berufe im Oriente wohl eine Betätigung. Man sehe ferner die auf den christlichen Hochschulen des Orients ausgebildeten griechischen und armenischen Juristen, Aerzte, Finanzleute, Fabrikanten und Reeder in Smyrna, Beirut, Damaskus und anderen Städten, die prächtige Häuser in schönen, reinlichen Straßen bewohnen und überall die höheren Massen ausmachen, und vergleiche damit die schmutzigen, engen, von einer armseligen Menge bewohnten Judenviertel derselben Orte. Der abendländische Jude, dem dabei nicht der glühende Wunsch erwächst: hier muß eine Aenderung eintreten — der hat eben kein jüdisches Herz. Ungerecht ist der letzte Vorwurf gegen mich: ich spräche nur vom ^chulwerk der „Alliance", als ob diese nicht auch eine anderweite Tätigkeit zugunsten der Juden entfalte. Das ist geradezu unwahr: ich erkenne vielmehr (S. 5 des diesjährigen „Jahrbuchs") ausdrücklich ihre hohen Verdienste um den Schutz und die Sicherheit unserer orientalischen Glaubensgenossen in vollem Maße au. Denn ich schreibe nicht aus persönlichen Beweggründen, sondern der Sache halber und aus bitterem Kummer um die geistige und materielle Not unserer türkischen Glaubensgenossen. M a r t i n P h i l i p p s o n. Berlin-Wilmersdorf. * 3n dem so lebhaft geführten Streite für und wieder die jüdische Volksschule, dessen Sie, geehrter Herr Redakteur, in Nr. 20 bei der Besprechung des 2. Teiles: „Die jüdische Volksschule in Süddeutschland" gedenken, hak Schreiber dieses sich lange besonnen, ob er als Nufer in diesen bedauerlichen Bruderzwist eingreifen solle oder nicht. Nunmehr, wo dieser, wie Sie richtig bemerken, in ruhigere Bahnen einzulenken scheint, liegt mir nichts ferner, als den Streit von neuem anzufachen. Es sollen nur einige Punkte rein sachlicher Natur besprochen werden, die meines Wissens von beiden Parteien entweder gar nicht oder nicht genug gewürdigt worden sind. Alles nun, was in der betreffenden Broschüre seitens der Herren Direktor Dr. Adler und Lehrer S. Dingfelder verlang! wird, wo die Errichtung einer jüdischen Volksschule auf unüberwindliche Schwierigkeiten stößt, als „öffentlich christlich-jüdische Schulen, gleichberechtigte Anstellung jüdischer Lehrer an christlichen Volksschulen bzw. an solchen mit simultanem oder paritätischem Charakter", kam: von jedem unbedenklich unterschrieben werden. Nun gestatte ich mir, zu den: so heftig angefochtenen Punkte: Errichtung jüdischer Volksschulen an Orten, wo sie seit vielen Jahren eingegangen sind oder noch gar nicht bestanden haben, einige sachliche Bemerkungen zu machen. Gesetztenfalls, es gelänge, eine jüdische Volksschule mit etwa 20 bis 30 Schülern ins Leben zu rufen — wer aber bürgt dafür, daß diese Zahl auf der Höhe bleibt, deutlicher ausgedrückt, daß sämtliche Schüler bis zur Schulentlassung verbleiben? Ja, vor 40 bis 50 Jahren, wo der Drang zur höheren Schule noch nicht so stark war, wo der jüdische Lehrer das Schülermatericit als ein Ganzes in seiner Hand hatte, da war es eine Lust, zu unterrichten und tüchtige Erfolge zu erzielen. Jetzt aber, wo die besseren, will sagen die fähigeren Schüler dem Lehrer genommen werden gerade dann, wo er hofsk und sich freut, auf der von ihm geschaffenen Grundlage weiter bauen zu dürfen, was da noch zurückbleibt — den Nachweis zu führen, erübrigt sich von selbst. Und Ware der Lehrer noch so tüchtig und leistungsfähig, dem Trieb nach besserer Schulbildung kann er doch nicht Einhalt tun. Einsender hat blühende jüdische Schulen mit 50 bis 60 Kindern gekannt, die im Laufe der Jahre teils durch Verzug, teils durch den Besuch höherer Lehranstalten bis auf ein Minimum von Schülern herabgesunten waren. Weiter. Sind denn die Herren wirklich so naiv, zu glauben, die Kommunen, die ohnehin mit der Aufbringung der Unterhaltungskosten nur für die Volksschulen mehr als überbürdet sind, wären so leicht zu bewegen, für eine Schülerzahl von 20 bis 30 Kindern, um mehr handelt es sich, wie bereits bemerkt (mitunter noch weniger), mit Ausnahme der Großgemeinden, in der Regel nicht, durch Schaffung einer jüdischen Schule mit allem Zubehör sich noch mehr zu belasten? Schreiber dieses kann darüber aus'eigener Erfahrung berichten, welch ungeahnte Schwierigkeiten sich dem entgegenstellen. Das mögen die Herren wohl bedenken, und deshalb kann man nur der Schlußbemerkung des Herrn Redakteurs zustinnuen: ihre ganze Kraft dafür einzusetzen, die einmal bestehenden jüdischen Schulen lebensfähig zu erhalten, und ferner, daß möglichst viele jüdische Lehrer au öffentlichen Schulen angestellt werden. Sapienti sat. Worms. 0 . . r.

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