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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-22 · Heft 21 (22.5.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 21 (22.5.1914)
Date
1914-05-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 -eugenischen Bestrebungen ihr Interesse zugewandt und >ei.nen besonderen Ausschuß für Eugenik eingesetzt. Der verstorbene Konsul S i m o n hat, weitblickend und seiner Zeit voranseil-end, solchen -eugenischen Bestrebungen sein ganzes Leben, seine Arbeitskraft und seine reichen Mittel gewidmet. Die Erziehungsanstalt in Ahlem, die Unterrichtsanstatt in Peine und das- Lehrgut Steinhorst verdamken diesem seltenen Manne ihre Entstehung. Institute, welche segensreich wirken, und ohne Ueberhebung Musteranstalten genannt werden dürfen. Die Zion-Loge Hannover «betrachtet es als eine Ehrenpflicht, auch den Söhnen bemittelter jüdischer Eltern, in vierwöchentlichen Ferienkursen, einer im Monat Juli und einer im August, in geeigneter Weise zu zeigen, was Fleiß und Energie auf diesem Gebiet, dem wir Juden durch frühere «gesetzliche Beschränkungen entfremdet wurden, zu leisten vermögen. Die Zion-Loge wird also in diesem Jahr Ferienkurse für jüdische Schüler mittlerer und höherer Schulen im Alter von 12 bis 18 Jahren -einrichten und hat zu diesem Zweck bereits Kräfte engagiert, welche die Knaben beaufsichtigen und ihnen Anweisungen im Garten- und Gemüsebau erteilen sollen. Direktor S i l b e r b e r g, der verdiente Leiter der Erziehungsanstalt Ahlem, hat bereits ein Grundstück dicht bei der Anstatt gepachtet mtb wird sachgemäße Anleitung erteilen und in jeder Beziehung mit Rat und Tat beistohen. Ein genaues Programm ist bereits ausgearbeitet und durch Direktor Silberberg zu beziehen. Für Wohnung und streng rituelle Verpflegung in einer geeigneten schön gelegenen Pension in gesunder Lage Hannovers ist Sorge getragen. Neben der Beschäftigung mit Gartenarbeit in Ahlem sind geplant: Besichtigung der Anstalt in Peine und des Lehrgutes Stieinhorst, ferner Ausflüge in den Deister und in den Harz, Wanderungen durch die Heide .und das Kalisalzgebiet. Die Zahl der Teilnehmer kann tn diesem Jahr nur höchstens Zwölf für jeden Kurs betragen. Der Preis beträgt für vier Wochen alles inbegriffen 150 Mark. Anmeldungen sind möglichst bald zu richten an die Zion-Loge in Hannover. J. W. Stuttgart, 15. Mai. Am 25. v. M. fand hier im Restaurant Bloch unter zahlreicher Beteiligung die 40. Generalversammlung der Chewra Kadischa statt. Der Vorstand, Herr Kommerzienrat A. Wolf, erösfnete die Generalversammlung mit einer Begrüßungsansprache und gab einen Rückblick über das verflossene Vereinsjahr, welches mit einem guten Erfolg abgeschlossen wurde. Es sind 24 neue Mitglieder eingetreten; demgegenüber sind durch Tod und Wegzug dem Vereine mehr Mitglieder abgegangen; insbesondere gedachte der Vorstand des durch Tod abgegangenen langjährigen Ausschußmitgliedes und Kassierers sowie Ehrenmitgliedes Herrn Eppstein, und wurde dessen Andenken durch Erheben von den Sitzen besonders geehrt. Der seit 40 Jahren als Ausschußmitglied angehörige Fritz Rt. Kahn wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Herr F. M. Kahn dankte herzlich für diese Ehrung und gab einen kleinen Rückblick seit Erstehen der Chewra Kadischa. In Vertretung des Kassierers Herrn M. F l e g e n h e i m e r gab Herr Schriftführer Leopold Levi einen Bericht über das Vereinsjahr. Nach einigen lebhaften Debatten wurde die Versammlung geschlossen. * ÄuhlanÄ. L. T. Petersburg, 14. Mai. Die kurze Zeit, die Geheimer Regierungsrat Professor Hermann Eoh en aus Berlin in unserer Gemeinde verweilte, wird aller!, die das Vergnügen hatten, an den ihm zu Ehren getroffenen Veranstaltungen teilzunehmen, unvergeßlich bleiben. Am 7. Mai besichtigte der greise Gelehrte die öffentliche Bibliothek und die Eremitage, am Abend desselben Tages fand bei Baron Alexander H. v. Günzburg große Gesellschaft statt, zu der die angesehensten Vertreter unserer Gemeinde, Gelehrte, Schriftsteller usw. erschienen waren. Am 8. Mai fand in der Religionsphilosophischen Gesellschaft im Museum namens N. I. Pirogow eine öffentliche Sitzung statt, in der Professor Hermann Cohen in deutscher Sprache seinen Vortrag: „Das Wesen der jüdischen Religion" hielt. Es schloß sich daran eine lebhafte Diskussion in deutscher und russischer Sprache, in der die wissenschaftliche Bedeutung des Vortragenden mit begeisterten Worten betont und ihm der Dank der Gesellschaft ausgesprochen wurde. Zu dieser Sitzung hatten auch Nichtmitglieder freien Zutritt. Der Gottesdienst in der Hauptsynagoge am Sonnabend, den 9. Mai, an dem der hohe Gast mit regem Interesse teilnahm, gestaltete sich zu einer erhebenden religiösen Feier, der sämtliche Führer unserer Gemeinde, die Notabeln der Petersburger Judenschast und neben den einheimischen auch viele fremde Glaubensgenossen beiwohnten. Der Festgottesdienst in der Synagoge bildete einen Ehrenakt nicht nur für den gefeierten Gast, sondern auch für die russische Judenheit, die nicht minder als ihre deutschen Glaubensgenossen die wissenschaftliche Bedeutung Hermann Cohens zu würdigen weiß und ihn mit Stolz „einen der unsrigen" nennt. Den Abschluß der Feierlichkeiten bildete ein im Hause des Barons Günzburg Sonnabend abends stattgefundenes Bankett, zu dem auch hervorragende Nichtjuden geladen waren. Von den besten Wünschen der Petersburger Judenschaft begleitet, reiste Hermann Cohen am daraus folgenden Tage nach Moskau ab. * Von Ash und Ifrrn. — lieber die mit einem Betrage vou einer Million errichtete Stiftung der .F a m i l i «e B l e i eh r ö d e r macht der Direktor der Medizinischen Klinik der Eharitö, Geheimrat Kraus, in der „Deutschen medizinischen Wocheuschrist" nähere Angaben. Mit Hilfe der Stiftung soll bedürftigen kranken Personen, insbesondere auch des Mittelstandes, eine zweckdienliche ärztliche Behandlung, hauptsächlich mit Hilfe der physikalischen Heilmethoden ermöglicht werden. Ein Teil der Stiftungsmittel ist zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung aus diesem therapeutischen Gebiete bestimmt. Beide Zwecke sollen in der zweiten medizinischen Klinik und der mit ihr verbundenen Poliklinik verfolgt werden. Die Unterrichtsverwaltung wird einige Laboratoriumsräume im Bau der neuen Poliklinik, der seiner Vollendung entgegengeht, für solche wissenschaftliche Arbeiten bereitstellen. Für die Krankenbehandlung werden nur Patienten angenommen, die von ihrem Arzt der Stiftung zugewiesen werden. Nur auf Grund mündlicher oder schriftlicher Konsultation mit dem behandelnden Arzt werden an den Kranken die verabredeten zweckdienlichen Heilsaktoren in Anwendung gebracht. — Aus Posen wird uns geschrieben: Herrn Albert Goldstück-er, Prokurist der Firma Adolf Asch, der Anfang Januar sein 40jähriaes Jubiläum feiern konnte, wurde der Kronenorden 4. Klasse verliehen. Die Ordensauszeichnung wurde ihm durch den Vertreter des Regierungspräsidenten Negieruugsrnt Walter mit einer Ansprache überreicht. — Der bekannte Großindustrielle Kommerzienrat S a l l y H e h m a n n in Görlitz ist tut 76. Lebensjahre verschieden. — Der Rentier Magnus K a tz e n st e t n in Gelsenkirchen beging am 13. d. M. seinen hundertsten Geburtstag in körperlicher Rüstigkeit. —' Anläßlich der Anwesenheit Seiner- Königlichen Hoheit des Großherzogs von Oldenburg im Fürstentum Birkenfeld wurde beim Empfang auch Landrabbiner Dr. S t r a ß - bürg er vorgestellt und zur Tafel geladen. Diese große Ehre, die Herrn Rabbiner Dr. Straßburger zuteil wurde, hat bei den Israeliten des Fürstentums große Freude hervorgerufen. — Unter Teilnahme der Behörde ist am 10. d. M. das Altersheim des Israelitischen K r e i s a s y l v e r e i u s in Neustadt a. Hardt eingeweiht worden. Rabbiner Dr. Einstein-Landau hielt die Weiherede und Dr. Reiß-Speyer, der Vorsitzende, die Festrede. - Kommerzienrat Seligmaun, der Direktor der Coutiueutal-Caoutchouc-Gcseljschaft in Hannover, ist zum Geheimen Kommerzienrat ernannt worden. --- In Frankfurt a. M. starb, 72 Jahre alt, der hervorragende Musikpädagoge Gostas A s ch a s s e n b e r g , ein außer durch musikalische Befähigung, durch Herzensgüte und Wohltätigkeitssiun ausgezeichneter Mann. — Der Verein für jüdische K r n n k e n p f l e g e r i nn e n in Frankfurt a. M. vollzog kürzlich in eiuer intimen Feier, an der sich nur die Verwaltung und Schwesternschaft beteiligte, die Weihe seines neuen Hauses in der Bornheimer Landstraße. — Der langjährige Vorsteher der israelitischen Kultnsgem-einde in Wiesbaden, Stadtverordneter Simon Heß, erhielt bei seinem Scheiden aus dein Amte den Kronenorden vierter Klasse. - - In Mühlhausen (Elsaß) starb der in lveiten Kreisen angesehene Fabrikant Jules Bernheim, der langjährige Sekretär der israelitischen Kunst- und Gewerbeschule, im Alter von 65 Jahren. - Aus Metz wird uns geschrieben: Dem Rechenschaftsbericht der hiesigen Zentralkasse für Wanderarmenfürsorge entnehmen wir folgende Einzelheiten: 517 Arme haben die Kasse in Anspruch genommen, davon wurden 362

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