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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-22 · Heft 21 (22.5.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 21 (22.5.1914)
Date
1914-05-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Hermann Gteincrt, erlag einer Operation in Berlin. Ter Dahingeschiedene gehörte seit 1891 dem hiesigen Repräsentantenkollegium an und war während der letzten sieben Jahre Vorsitzender desselben. Mit seltenem Fleiß und Pflichtgefiihl hat er die Interessen der Gemeinde stets vertreten, ebenso sich durch seine ganze Lebensführung die Achtung und Freundschaft aller, welche zn ihm in Beziehung traten, erworben. Von seiner Verantwortung durchdrungen, hielt er es als Lebensaufgabe, für das Wohl der Gesamtheit zu wirken. M o g i l n o. Herr Kaufmann Drucker wurde in der letzten Stadtverordnetensitzung einstimmig zum Magistratsmitgliede gewählt. — Bojanowo. In der Stadtvervrdneteusitzuug führte Herr Bürgermeister Mende den Beigeordneten und Stadtältesten Grunwald in sein Amt ein. — G n e s e n. Das hiesige Königliche Kaiser-Wilhelm-Ghmnasium mit Realschule i. (y. zählte am Anfänge des Schuljahres 513 Schüler. Davon waren 298 evangelisch, 265 katholisch und 40 jüdisch. — K r o t o s ch i n. Das hiesige Gymnasium zählte am Schlüsse des verflossenen Schuljahres 308 Schüler; davon waren 155 evangelisch, 123 katholisch und 30 jüdisch. —- B r o mb e r g. Im zweiten Semester besuchten das hiesige Lyzeum 118 evangelische, 71 katholische und 3! jüdische Schülerinnen. In der Vorschule waren 60 evangelische, 33 katholische und 13 jüdische Mädchen. - Kobyli u. Am 16. April vollendete die Schriftstellerin Klara Steinitz geb. Klausner m Berlin ihr 70. Lebensjahr. 1844 hier geboren, erhielt sie ihre Erziehung in Halle und verheiratete sich 1873 mit dem bekannten Publizisten Heinrich Steinitz in Berlin. 1904 wurde sie Witwe und lebt als freie Schriftstellerin. Außer verschiedenen Uebersetzungen aus dem Französischen, Italienischen und Englischen veröffentlichte sie mehrere Romane und Erzählungen sowie den Text zu 40 Kunstblättern zum „Ring der Nibelungen". —- I a n o w i tz. Am 15. v. Nt. verstarb Hierselbst der Kaufmann Herr Wolfs Schmu l im Alter von 69 Jahren. Der Verstorbene gehörte vom Jahre 1879 bis 1891 und von 1902 bis jetzt der Stadtverordnetenversammlung als Mitglied an. Ter Tahingoschiedene hat für das Gemeinwohl stets ein reges Interesse bekundet und an deu Aufgaben der städtischen Verwaltung mit großer Hingebung gearbeitet. Er stand länger als 30 Jahre an der Spitze der jüdischen Gemeinde und hat sein Amt mit seltener Hingabe, Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit verwaltet. Sein Tod bedeutet für die Gemeinde einen schwer zu ersetzenden Verlust. Auch war er jahrzehntelang Mitglied der Chewra Kadischa und hat auch hier seine Pflicht in-jeder Hinsicht treu erfüllt. M. Hamburg, 17. Mai. Wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, sind die seit längerer Zeit geführten Verhandlungen der Finauzdepntation mit der deutsch-israelitischen Gemeinde über deu Allkauf der Synagoge Kohlhöfen und der beiden daran grenzenden Schnlhäuser der Talmud-Thora-Realschule jetzt zuul Abschluß gelaugt. Vorbehaltlich der Genehmigung der Bürgerschaft erwirbt der Staat den-gesamten Kompler von der Gemeinde. Als Kaufpreis für das llmfangreiche Terrain lvird die Summe von 422 000 Mark genannt. Das eine der beiden Schulgebäude, die nach der vor zwei Jahren erfolgten Ilebersiedelung der Schule nach dem Grindelhof leerstehen, hat der Staat bereits vor einigen Monaten von der Gemeinde gemietet: es sind hier Bureaus der Krankenversicherung untergebracht. Tie Synagoge, die noch heute zu den schönsten jüdischen Gotteshäusern Deutschlands zählt, wurde in den Jahren 1857 bis 1859 errichtet, ihr Erbauer war der Hamburger Architekt Albert Rosengarten. Am 3. März 1857 wurde der Grundstein gelegt, und im September 1859 wurde sie unter Teilnahme der Behörden vom verewigten Oberrabbiner A. Stern eingcweiht. Ein tiefes Gefühl der Wehmut befällt einen, daß dieses herrliche Baumert zum Abbruch bestimmt sein soll; aber durch die Verschiebung der Wohnuugsverhältnisfe in Hamburg (die meisten jüdischen Mitbürger, die früher ihr Domizil in der Neustadt hatten, wohnen bekanntlich nicht mehr in der inneren Stadt, sondern in Harvestehude, Roterbaum ustv.), ist der Besuch dieses Gotteshauses sehr zurückgegaugeu, und scholl lange wird in der Gemeinde, namentlich im Synagogenverband, der Wunsch geäußert, noch eine zweite Gemeindesynagoge in der Nähe von Eppendorf, respektive Hoheluft Zll errichten. Durch den Verkauf der Synagoge an den Staat wird dieser Plan nun bald verwirklicht werden. Auch das Gotteshaus der Tempelgemeinde, das sich in der Poolstraße befindet, wird bald seine Pforten schließen. Die Tempelgemeinde will gleichfalls ihren Tempel nach Harvestehude, Roterbaum verlegen, die Bausnmme ist bereits gezeichnet, doch ist die Plahfrage noch nicht gelöst. In einigen Jahren sieht die 'Tempelgemeinde auf ein hundertjähriges Bestehen zurück, bis zu diesem Zeitpunkt soll auch der neue Hamburger Tempel errichtet sein. Wie wir weiter zum Verkauf der Gemeindesynagoge erfahren, wird der Bürgerschaft schon in allernächster Zeit ein diesbezüglicher Antrag zugehen. Der größte Teil des Komplexes, den. der Staat jetzt ankaufen will, gehörte früher der alten Hamburger Familie v. Sienen, im Jahre 1856 kaufte die Gemeinde das Grundstück für 82 000 Spez. Banco. — Beimbitrg,15. Mai. Die Strafkammer des Landgerichts verurteilte wegen Grabschändung den 27jährigen Arbeiter Franz Ohme zu fünf Jahren Zuchthaus llnd zehn Jahren Ehrverlust und den 23jährigen Arbeiter Paul Voigt zu zwei Jahren und acht Monaten Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren. Beide hatten am 12. Februar d. I. auf dem jüdischen Friedhof in Bernburg das Grab eines wenige Tage zuvor beerdigten Kaufmanns ausgeschaufelt, den Sargdeckel erbrochen, aber natürlich nichts gefunden. Dann brachen sie in die Friedhofshalle ein, um auch hier nach Wertsachen zu suchen, aber gleichfalls ohne Erfolg. An beiden Orten hausten die Verbrecher wie die Bestien und zertrümmerten alles, was ihnen in den Weg kam. Mit der Leiche gingen sie in einer nicht wiederznaebenden Weise um. Das Gericht folgte in der Festsetzung des oben angegebenen Strafmaßes genau dem Anträge des Staatsanwalts. — Leipzig, 15. Mai. Tie internationale Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik in Leipzig wird auch eine Abteilung für Kulturgeschichte haben. Der Orient wird sehr gut vertreten und die ausgestellten Objekte werden von großer Wichtigkeit sein. Die Bibliotheken und Institutionen von London, Cambridge und Oxford sowohl, als auch Privatsammler fördern die Ausstellung in generöser Weise durch Ueberlassungen von Ausstellungsobjekten, und auch die Negierung nimmt offiziell an dieser Förderungstätigkeit teil. Dr. Bruno Schindler stellt soeben die der Ausstellung zn überlassenden Manuskripte und Dokumente fest. Soeben ist das Verzeichnis der syrischen, ätiopischen und graphischen Ausstellung erschienen, demnächst wird das mit großem Interesse erwartete Heft über die hebräische Paleographie erscheinen. Die Liste der Teilnehmer an der Ausstellung enthält zahlreiche Juden, unter anderen Professor Morris I a st r o m aus New-Pork, Jack M o s s e r i als Vertreter des jüdischen Museums in Kairo, Professor Goldziher aus Budapest, Professor Mittwoch, Berlin und Tr. Pahuda aus Madrid. 22 Augsburg, 15. Mai. In Gegemvart des Herrn Distriktsrabbiners Dr. Grün selb, der Mitglieder von Verwaltung und Ausschuß, der Architekten Landauer und Dr. L ö in p e l und der beiden Kantoren fand die feierliche Grundsteinlegung für die hiesige neue Synagoge statt. Da der schon zu ziemlicher Höhe gediehene Vau eine größere Ansammlung auf den Gerüsten nicht gestattete, muhte von einer Zuziehung der Behörden und Gemeindemitglieder abgesehen werden. Der erste Vorstand, Herr Justizrat Bauer, begrüßte mit einem warm empfundenen Rückblicke auf die Entstehungsgeschichte des Baues die Anwesenden und gab den Wünschen für eine gedeihliche Vollendung des Werkes Ausdruck. Herr Rabbiner Dr. Grünfeld vollzog in Worten, welche der Vergangenheit und Zukunft galten, die religiöse Weihe des Aktes und gedachte der von den Architekten geleisteten verdienstvollen Tätigkeit und des hervorragenden Opfersinnes der Gemeindemitglieder, wodurch die Erreichung des langersehnten Zieles ermöglicht wurde. Nach Verlesung der die Geschichte der Augsburger Juden und die Entwicklung des Baues in kurzen Zügen darlegenden Urkunde, welche neben anderen Dokumenten in den Grundstein eingeschlossen wurde, und nach mehreren von den Beteiligten unter Segenswünschen vollzogenen Hammerschlügen schloß die würdige Feier. 22 Hannover, 15. Mai. Eugenische Bestrebungen, die auf eine Erstarkung 'des deutschen Volkes in 'körperlicher und sittlicher Beziehung hi.nzielen, haben in den letzten Jahren sowohl von öffentlicher als auch von Privater Seite Verständnis und kraftvolle Unterstützung gesunden. Für uns deutsche Juden haben diese -eugeni-schen Bestrebungen aus Gründen, die nicht weiter erörtert zu werden brauchen, erhöhtes Interesse. In richtiger Erkenntnis dieser Zeitströmung hat die Großloge für Deutschland U. O. B. B. diesen

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