Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- Seite 252 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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252 Zur Darstellung zu bringen und zu zeigen, welchen Einfluß Buchgewerbe und Graphik auf das Geistesleben der einzelnen Perioden ausgeübt haben, und in welcher Weife sich dieses in ihren Erzeugnissen widerspiegelt. Da das hebräische Schrift- und Buchwesen in der Kulturgeschichte eine hervorragende Rolle spielt, hätte es der hohen Bedeutung des Hebräischen wohl am besten entsprochen, in der Halle der Kultur eine besondere Abteilung für dieses Stoffgebiet zu schaffen. Zu unserem Bedauern aber konnten wir wegen Raummangels nicht die hierher gehörigen Hebraica in vollem Umfange zu einem Ganzen vereinigt unterbringen, sondern mutzten uns die Beschränkung auserlegen, hebräische Ausstellungsgegenstände in die verschiedenen Gruppen zu verteilen und auch da nur in engbegrenzter Auswahl zuzulasfen. Da wir jedoch der Ueberzeugung sind, datz eine in sich geschlossene, gesonderte und übersichtlich geordnete Darstellung des gesamten einschlägigen hebräischen Stoffgebietes ein klareres, zutreffenderes und wirkungsvolleres Bild des Ganzen ergeben würde und den großen Einfluß des Hebräischen in Schrift und Druck auf die Gesamtkultur besser zu veranschaulichen und zu beleuchten vermöchte, begrüßen wir mit Freude den Plan, in einem dafür aus Privatmitteln zu schaffenden, räumlich der Halle der Kultur benachbarten, im übrigen jedoch gesonderten Pavillon sämtliche hebräischen Allsstellungsgegenstände, nach wissenschaftlichen und praktischen Gesichtspunkten geordnet, auszustellen. Gern erklärt sich die Leitung der Ausstellung bereit, diesen Gedanken bestens verwirklichen zu helfen. Da die noch zur Verfügung stehende kurze Zeit, innerhalb deren der Pavillon fertigzustellen wäre, zu langen Beratungen und langsamen Entschließungen nicht mehr ausreicht, wird es erforderlich sein, die Entscheidung schnellstens herbeizusühren und die für die würdige Ausführung und Durchführung nötigen Geldmittel in Höhe von ungefähr 20 000 Mark möglichst schleunig zu beschaffen. Wir geben uns der zuversichtlichen Erwartung hin, datz es zur Aufbringung dieser Summe an opferwilligen Spendern nicht fehlen wird. Tie beste Gewähr für alles Weitere erblicken wir darin, daß Herr Rabbiner Dr. Porges Hierselbst, dessen hervorragende Gelehrsamkeit und Sachkunde auf dem Gebiete des Hebräischen, insbesondere des hebräischen Schrift- und Buchwesens, anerkannt ist, und Herr Dr. Schindler, der im Hebräischen sehr bewandert und in Ausstellungssachen praktisch erfahren, auch bereits in unserer Weltausstellung als Mitarbeiter auf. verschiedenen Gebieten mit Erfolg takiK ift, sich erboten haben, alles Erforderliche zum Zwecks einer' hehMsHerk Sonderausstellung zu leisten bzw. zu veranlassen' und zu überwachen. Wir hegest den lebhaften Wunsch, daß diese unsere Zeilen wesentlich dazu beitragen mögen, das geplante Unternehmen allen denen zu tatkräftiger, rascher und reicher Unterstützung ans Herz zu legen, die für das hebräische Buch- und Schristwesen ein warmes Interesse und edlen, opferwilligen Sinn für höhere Kultnrzwecke haben. Das Direktorium der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik, Leipzig 1914. (gez.) Tr. L. Bolkmann, Präsident. Die Leitung der Kulturgeschichtlichen Abteilung der Ausstellung, (gez.) Prof. Tr. Lamprecht, Kgl. Sachs. Geheimer Hofrat. Diesen Aufruf begleitet Herr Tr. Porges mit einem Briefe, dem wir folgendes entnehmen: „Ich betrachte es als eine Ehrenpflicht für uns Juden, dafür zu sorgen, daß der große Anteil des hebräischen Schrift- und Buchwesens an der Gesamtkultur voll und würdig in einem Gesamtbilde übersichtlich vor aller Welt zur Darstellung gebracht werde. Dazu aber bedarf es einer Mindestsumme von 20 000 Mark. Um diese Summe zu beschaffen, ist es bei der Kürze der hierfür zur Verfügung stehenden Zeit nicht mehr möglich, an viele einzelne heranzutreten. Nur an wenige Großgemeinden und großzügige Geber wollen^ wir uns wenden. Aber auch Männer vielvermögenden Einflusses brauchen wir, die im Interesse der Sache sich der großen Mühe unterziehen, edle Spender zu gewinnen. Ich hoffe zuversichtlich, daß auch Sie gern mithelfen werden, diesen Plan bestens auszuführen und zur Ehre des Judentums durchzuführen. Wenn erst die Mittel beisammen sind, wird die Herstellung des Pavillons höchstens 14 Tage erfordern." Ich gebe diesem Aufruf gern hier einen Platz, empfehle ihn meinen Lesern aufs dringendste und würde mich freuen, Zum Gelingen des schönen und kulturgeschichtlich hochbedeutsamen Planes etwas beitragen zu können. L. G. * 8 e h r geehrter Herr G e h e i m r a t! Wollen Sie mir gefälligst gestatten, zu dem vortrefflichen Artikel des Herrn Dr. Ziegler in Nr. 18 dieses Blattes über Chamberlain und das biblische ^remdengesetz eine kurze Bemerkung zu machen. Ehamberlain behauptet, das Gebot „Du sollst nicht stehlen" beziehe sich nur auf Menschendiebstahl, und beruft sich auf eine Stelle im Traktat Sanhedrin f. 86a. Mit Recht beweist Dr. Ziegler, daß Ehamberlain, der zu dem famosen Schluß gelangt: „der Jude sei demnach frei, nach Herzenslust zu übervorteilen", wissentlich den Talnmd gefälscht und bewußt gelogen hat. Er hat absichtlich den Nachsatz in der zitierten Talmudstelle unterschlagen, wonach das Gebot „Ihr sollt nicht stehlen" (Leviticus 19, 11) sich ausdrücklich auf Gelddiebstahl bezieht. Wollte man all die talmudischen Vorschriften, die sich aus das Verbot des Gelddiebstahls beziehen, nur teilweise anführen, so müßte man einen großen Teil beider Talmude zitieren. Denn gerade auf diesem Gebiete haben die Mischna- und Talmudlehrer ihren ganzen juristischen Scharfsinn angewendet, um nicht nur die llebertretung des Verbots des Gelddiebstahls zu verhüten, sondern alles zu verbieten, was selbst in ethischem Sinne einem Gelddiebstahl oder einer Uebervorteilung gleich käme. In dieser Hinsicht braucht der Talmud einen Bergleich mit dem Strafgesetzbuch selbst eines modernen und kulturell hochstehenden europäischen Staates nicht zu scheuen. Daß der Talmud das Gebot „Ihr sollt nicht stehlen" nur auf Gelddiebstahl bezieht, ist auch aus Traktat Baba Mezia k. 61b klar er-, sichtlich. „Ihr sollt nicht stehlen" — dazu bemerkt der Talmud: „Ihr* sollt nicht stehlen, um jemanden zu kränken tfS Ihr sollt nicht stehlen — selbst in der Absicht, dem Bestohlenen das Doppelte zu ersetzen" obüb Mit anderen Worten: der Talmud verbietet den Diebstahl in jeder Form, den Diebstahl als solchen, unabhängig und losgelöst von der Form und der Absicht des Steh lens. Mag die dem Diebstahl zugrunde liegende Absicht noch so schön und edel und vom ethischen Standpunkt einwandfrei sein (vgl. Rasch z. St.), es bleibt trotzdem ein Diebstahl, und der Diebstahl ist in jeder Form und in jeder Absicht verboten, da es heißt: „Ihr sollt nicht stehlen!" Klarer und deutlicher kann das Verbot des Gelddiebstahls nicht interpretiert und präzisiert werden- VasEernennt noch eine Art Diebstahl, die Herrn Chamberlain leider gänzlich unbekannt zu sein scheint, und die auch kein noch so modernes Strafgesetzbuch kennt, und dies ist flJH rD'33 die Täuschung o h n e schädigende Absicht. Wir verweisen Herrn Chamberlain, der den Talmud zu kennen vorgibt, bloß auf Chulin k. 94a und die dort angeführten Beispiele . Es wäre zu wünschen, daß Chamberlain und Konsorten das, was der Talmud über niT33 lehrt, beherzigen mögen, dann können wir versichert sein, daß er nicht mehr durch falsche Behauptungen das deutsche Volk täuschen und das Judentum verleumden werde. Zwittau (Mähren). Dr. Felix Kanter. * Erklärung. In Nr. 13 S. 156 haben wir den Aufruf des jüdischen Turnvereins „Bar-Kochba" betr. die Eröffnung eines neuen Sportplatzes Aufnahme gewährt. Auf vielfache Anfragen müssen wir erklären, daß es sich bei dieser Sache nicht um eine allgemein jüdische, sondern um eine speziell zionistische Angelegenheit handelt. Die neueste Nummer der „Jüdischen Rundschau" erklärt ganz offen: Für uns Nationaljuden bedeutet dieser Platz eine gewonnene Position. Den starken Zuwachs an Mitgliedern, den der „Bar-Kochba" von der neuen Einrichtung erhofft, wird den Reihen des Nativ n a l j u d e n t u rn s eine Schar Zuverlässiger Mitstreiter zuführen, die von Jugend auf gelehrt werden, sich für unser jüdisches Ideal einzu setzen. Es ergeht also an alle, die mit dem N a t i o n a l j u d e n t u m und dem jüdischen Ideal des Zionismus nichts zu tun haben wollen, und die dieses Hineintragen zionistischer Ideen in unsere Jugend nicht billigen, die dringende Warnung vor dieser Gründung. Die Red.