Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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ST '' —■ ■ —— 25i —!chau" als Fortsetzung seiner prächtigen Jugenderinnerungen zu verösfentlichen. q * 4 Tragische >M o m en t e. Drei Lebensbilder von Bertha Pappenheim. 1913. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M. Preis Mark 1.20 broschiert, Mark 2.00 gebunden. Gin merkwürdiges Buch, dem .anschauliche Darstellung und trotz einzelner wortreicher Erörterungen dramatisches Leben eignet. Ob sich diese dramatischen Skizzen int Feuer der Bühnen bewähren dürsten, vermag ich nicht zu sagen; sie sind jedenfalls sehr wert, gelesen zu werden. Das erste Bild: Der Student «Urh Gurewitsch erlebt mit seiner 'Geliebten Fella ent fürchterliches Pogrom, wobei ihm nahestehende Frauen geschändet oder getötet werden üv'd'Äb Arzt, nachdem er der Frau des Gouverneurs in ihren Geburtswehen beigestanden hat, nieder, geschossen wird. Zweites Bild: Derselbe, der -mit seiner Frau llnd seinem Kind nach Frankfurt -gekommen ist, ,gerät in Gefahr, auf di-e Denunziation eines gemeinen Unterhändlers hin verhaftet zu werden, vermag aber durch den Verkauf einer von ihm geretteten Thora sich zn befreien und nach Palästina zu reisen. Drittes Bild: Mehr als 25 Jahre später: Ury in Palästina als angesehener Gutsbesitzer lebend, muß zwar auch hier Kämpfe gegen bewaffnete Feinde bestehen, ist aber im ganzen glücklich; freilich erlebt er nicht das höchste -Glück, seinen eben aus Europa heimgekehrten Sohn dauernd in Palästina zu behalten, sondern stirbt, nachdem der Sohn ihm mitgeteilt hat, er wolle mit seiner Braut nach Deutschland zurückkehren. Schott wegen dieser letzterett Idee, daß der europäische Jude, selbst wenn er in Palästina erzogen ist, Europa als seine wahre Heimat, als die Stätte seines Wirkens erkennt, würden wir das Bündchen willkommen heißen. Aber nicht bloß wegen seiner Tendenz, sondern wegen der 'gllten Beobachtung und des geschickten dramatischen Aufbaues soll es freundlich begrüßt werden. L. G. * — Juli tt s B r a u n , Inspektor der hebräischen Sprach- und Bibelschulen in Wien. Leitfaden zur Uebersetzung hebräischer Leyr texte. Heft 1, 2 und 3. Wien, t. k. Schulbücherverlag. Preis 36 h, 50 h, 80 h. Diese Hefte sind von enteilt echten Schulmanne der Schuljugend gewidmet, nicht um ihr die Arbeit zu erschweren, sondern um ihr die Beschäftigung mit dem Hebräischen fast zur Spielerei zu machen. Die Devise des Herausgebers ist, den Schülern den zu lernenden Stoff spielend beizubringen. Die zeilenweise Uebersetzung, die Anmerkungen zu derselben, die einerseits dem Schüler die wörtliche Bedeutung der nn Lehrtexte vortommenden Wörter erläutern, anderseits die Gliederung des Wortes nach Stamm, Bor- und Nachsilben erkenntlich machen soll, bietet aber auch dem Lehrer die weitgehendste Möglichkeit, nach den jeweilig gegebenen Verhältnissen sich streng an das Lehrbuch zn halten oder den Lehrtext zum Ausgangspunkte eingehender Besprechung zu wählen. Die Anmerkungen sind wohl für den Schüler, enthalten aber noch mehr sehr wichtige Winke besonders für den theoretisch ausgebildeten, aber im Praktischen noch tastenden Lehrer. Im ersten Hefte sind die Zeilen mit Ziffern versehen, um den WC-Rekruten das Auffinden der Stellen leicht zu machen. Die Auswahl der Gebete und Segenssprüche kann als sehr gelungen bezeichnet werden. Im Zweiten Hefte fanden als Anhang „Israelitische Hauptlehren" Aufnahme. Das dritte Heft ist für die reifere Jugend, den Bürgerschülern bestimmt und enthält ausschließlich dem Pentateuch entnommene Lehrtexte. Mit diesem Hefte sollten wir uns eingehend beschäftigen, doch die Rücksicht auf den knapp bemessenen Raum, der uns zur Verfügung steht, zwingt uns, in unseren Ausführungen ganz kurz zu sein. Es sei hier auf Seite 33 verwiesen, wo der Verfasser über Elternliebe spricht. Es ist über dieses Thema in Lehr- und Erbauungsbüchern viel geschrieben worden. Es dürfte aber kaum jentand den Weg zum Herzen des Kindes so gefunden haben, wie es unserem Verfasser geglückt. Nicht schulmeisternd, sondern wie ein Freund versucht er das Gemüt des Kindes zu beeinflussen. Auch zur Ehrfurcht vor dem Lehrer weiß der Verfasser in sehr geschickter Weise zu ermahnen. Im Anhänge sind die allernotwendigsten grammatischen Formen behandelt. Nach den gleichen Prinzipien hat der obengenannte Schulmann „Ausgewühlte Gebete der Israeliten, Hebräischer Text mit deutscher Uebersetzung und sprachlichen Erklärungen für die 1. Klasse der Mittelschulen und verwandter Anstalten" im Verlage bei R. Löwit, Wien 1912, erscheinen lassen. Dieses Heftchen verdient die gleiche Würdigung wie die drei erstgenannten Lehrtexte. Diesen Lehrbehelfen wäre eine recht schnelle Verbreitung nur zu wünschen, damit die Gegner des hebräischen Unterrichts in den öffentlichen Schulen einsehen mögen, daß der Unterricht nicht schwer ist, wenn er nach den Prinzipien eines Schulmannes, wie es der Verfasser ist, gehandhabt wird. Amitai. Bücherrinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Lvlksschristen über die jüdische Religion. Herausgegeben von Dr. I. Ziegler, Karlsbad. II. Jahrg. IV. Heft. Der Talmud. Von Dr. Simon Bernfeld, Charlottenburg. Frankfurt a. M. I. Kaufsmann. 1914. Sterben und Tod. Predigt, gehalten am 8. März 1914 zur Feier des 10(1 jährigen Bestehens des Israelitischen Krankenpflege- und Beerdigttngsvereins in Elbing. Bon Rabbiner Dr. H. Auerbach. Schwestern. Erzählung von Maria Jakob. Preis: drosch. 1,50 M., geb. 1,80 M. Leipzig. Max Hesses Verlag. 1910. Marie Vaerting. Das Leben. Roman. Albert Langen, München. Halb-Maske. Aus dem Leben und dem Jenseits des Lebens. Eine tragische Philosophie in Bekenntnissen. Bon K. W. Goldschmidt. Preis 2,80 Mark. Leipzig. 1914. Walter Markgraf. Aus zwei Quellen. Von Jakob Loewenberg. Egon Fleischet & Eo. Berlin. 1914. Rosa Bonheur. Ein Lebensbild von Theodore Stanton. Dnrchgesehene und erweiterte Ausgabe. Uebertragen von E. v. Kraatz. Mit 65 Abbildungen. Halle a. d. S. Verlag von Edgar Thcunm. 1914. Harfe und Posaune. Festreden, gehalten im Gotteshause der jüdischen Reformgemeinde in Berlin. Bon Dr. M. Levin, Prediger der Gemeinde. II. Teil. Berlin. Verlag von M. Poppelaner. 1914. Zionistische Kolonisationspolitik. Bericht an den XI. Zionistentongreß. Bon Dr. Arthur Ruppin. Leiter des Palästinaamtes in Jaffa. 1914. Jüdischer Verlag, Berlin W 15. Sprechsaal. In dem stenographischen Bericht betreffend Einstellung eines Betrages an nicht genügend leistungsfähige Synagogengemeinden, beantragt von den Abgeordneten Gaffel und Dr. v. Campe, ergriff der erstere das Wort, um den von ihm wiederholt eingebrachten Antrag in einer eingehenden und äußerst wirksamen Rede zu begründen. Nach ihm sprach der zweite Antragsteller und nahm unter anderem Bezug auf eine Acußerung des Abgeordneten Hofsmann: „Nur eine Bemerkung möchte ich chm gegenüber machen. Wenn der Herr Abgeordnete Hofsmann erklärt hat: „Eine Kirche, die Gottvertrauen hat,, die besteht, und eine Kirche, die das nicht hat, die ivird untergeben", so muß ich doch sagen, daß eine solche Bemerkung ans dem Munde des Herrn Hosfmaun sich zum mindesten recht eigentümlich ausnimmt." Wen erinnert aber solche Acußerung nicht unwillkürlich an den Ausspruch Rabbi Jochanans in den Pirke Abot 4, 14: ll'LV DirS nrstPi .cpnnb naiD crac «vw rrpiB dB JD^pnnS nSID pX"Jede Nersaumuung int Namen Gottes wird zuletzt bestehen; geschieht sie aber nicht im Namen Gottes, so wird sie nicht bestehen." Ob dem Herrn Abgeordneten Hofsmann dieser Ausspruch eines jüdischen Weisen, seines Zeichens ein ehrsamer Schuhmacher, bekannt war oder ihm vorgeschwebt hat, bleibe dahingestellt. Jedenfalls ist solche Ilebereiustimmung gerade des Herrn Hofsmann mit Rabbi Jochanan höchst auffallend. Ja, es geschehen noch Zeichen und Wunder merkwürdig, sehr merkwürdig! Worms. O. # Wir werden tun Aufnahme folgenden A usrnfs ersucht: Leipzig, den 27. April 1914. An die Förderer der Wissenschaft und Kunde des hebräischen Schrift- und Buchwesens. Die Kulturgeschichtliche Abteilung unserer Weltausstellung für Buchgewerbe und Graphik verfolgt den Zweck, die kulturellen Grundlagen, welche die jeweiligen Formen von Buchgewerbe und Graphik aller Zeiten und Völker bedingten, möglichst anschaulich m 1 i -