Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- Seite 250 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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ich will dir nur gestehen, auch innerlich habe ich an meiner Vervollkommnung gearbeitet Um ganz offen zu sein: ich wollte, es sollte dir leid tun, daß du mich nicht geheiratet hast, wenn wir noch einmal wieder zusammenträfen. Nun sage mir, habe ich diesen meinen Lebenszweck erreicht? E d g a r d o : Daß ich mich nicht mit dir fürs ganze Leben verband, tat mir damals, wo ich aus eigenster Initiative auf dich für immer verzichtete, ebenso leid wie heute. Und trotzdem würde ich auch heilte nicht anders handeln wie damals. Es ging eben nicht. G i u d i t t a : Mir scheint, du hast sehr gegen dein Interesse gehandelt, vor deinem Rückzug, der ja von deinem Standpunkt ails berechtigt gewesen sein mag, keine Erklärung über die -Gründe dazu abzugeben. Denn du kannst dir nicht denken, zil welchen Mißdeutungen von seiten guter Verwandter er Anlaß gab. Edgardo: O, ich weiß wohl und dachte es mir schon damals. Zu guter Letzt, bald nach deiner Verheiratung, ließen mir ja die Deinigen durch einen gemeinsamen Bekannten wie gelegentlich erzählen, was für eine „gute" Partie du gewesen, als ob ich mir eine solche Hütte entgehen lassen, im irrtümlichen Glauben, du bekämst nicht viel mit. Giuditta: Aber nach so langen, so entsetzlich langen Jahren kannst du mir doch endlich mitteilen, was denn eigentlich der bestimmende Grund für deinen definitiven Rückzug gewesen. Meine Tante, die mich erzogen und die dich so schätzte, ist hinweggestorben, ohne das Geheimnis zu erfahren. Ich möchte nicht auch aus dieser Welt scheiden, von allen möglichen Zweifeln geplagt. Daß m i ch irgendeine Schuld trifft, glaube ich offen gestanden nicht. Edgardo (macht eine abwehrende Bewegung). G i u ö 111 a : Aber so sprich doch! (Es klingelt. Das Dienstmädchen geht durchs Zimmer, öffnet die Korridortür und herein tritt Edgardos Frau -- Giuditta sehr ähnlich sehend, nur zierlicher, zarter und jünger , mit einem kleinen Mädchen an der Hand.) 4. A u f t r i t t. Giuditta, Edgardo, Valeria, Rachele. Rachele (auf Edgardo zustürmend): Papa, diese Blumen habe ich für dich aus Villa Borghese mitgebracht. (Zuerst erstaunt die fremde Dame ansehend, dann ganz vertraulich zu ihr): Tante, Tante! Edgardo: Hast du denn die Dame schon jemals gesehen? Dll bist doch nicht mehr so klein, daß du zu allen, die zu uns kommen, Tante und Onkel sagst. Rache l e: Das sehe ich doch. Die Tante sieht doch ganz wie Mama aus, nur viel feiner. Die muß eine Schwester oder Cousine oder so etwas von Mama sein. Edgardo: Da hast du dich aber einmal gründlich geirrt, kleiner Schlaukopf. Die Dame ist nur gekommen, um sich nach deiner Miscita, Margherita, zu erkundigen, ob sie gut zil dir war. Tie will jetzt zu ihrer Klemen ziehen. Aber das ist zu langweilig für dich. Geh' nur in die Küche zur Ada unb sieh, was es heute bei uns zu essen geben wird. (Rachele stürmt hinaus.) (Fortsetzung folgt.) Litrrsrikchr Mitteiiungru. — IfcPb 2D v2m Indische Monatshefte. Unter Mitwirkung non Rabbiner Dr. Salonwn Breuer in Frankfurt a. M. Herausgegeben von Rabbiner Dr. P. Kohn in Ansbach. „Entweder rnan muß austreten, oder man darf nicht austreten; ein drittes gibt es nicht im Bereiche der Wahrheit." Das ist die Parole, die Dr. Kvhn, Ansbach, der langjährige Intimus des sel. Dr. Horolvitz in Frankfurt a. M., an dessen Seite er Jahrzehnte hindurch für die Einheit des Judentums eifervoll gefochten hat, jetzt ausgibt, imt> das ist die Losimg dieser neuen Zeitschrift. Kohn geht von der Ueberzengung aus, daß im Rahmen der jüdischen Religion für ein zweifaches Judentum, ein orthodoxes und ein Liberales, kein Platz ist; da die jüdischen Religionsurkunden nur ein einziges Judentum kennen. Die logische Nichtigkeit dieser Behauptung wird niemand bestreiten können. Nun aber die Schlußfolgerung, die Kohn daraus zieht? Nachdem er den Beweis erbracht zu haben glaubt, daß das liberale Judentum einen völligen Abfall von der überkommenen Religion bedeutet, sieht er sich genötigt, den vom „Israelit" im Namen von S. R. Hivsch propagierten Separatismus als einen unzureichenden mit Entschiedenheit zu bekämpfen und eine völlige Teilung des Judentums in zlvei verschiedene Konfessionen, bzw. eine Ausschaltung der liberalen Neligionsanschaurmg aus dem Judentum zu fordern. Neben dem Nichtlinienstreite, dem diese Monatschrift ihre Initiative verdankt, ist auch noch der Konflikt innerhalb der Agudath-Jsraelbewegung, der Breuer hier auf den Plan getrieben hat. Bekanntlich hat die Agudathfrage zu einem unversöhnlichen Zerwürfnis zwischen Breuer und dem „Israelit" geführt, was zur Folge hatte, daß Breuer aus der Agudath ausscheiden mußte. Breuer beharrte auf seiner unentwegten Forderung, die nichtseparatistischen Orthodoxen vom passiven Wahlrecht innerhalb der Agudath auszuschließen, was zur Konsequenz haben müßte, daß auch die in Deutschland wohnenden ausländischen gesetzestreuen Juden, denen die separatistischen Gemeinden bekanntlich die Ausnahme verweigern, nur als Juden zweiter Klasse innerhalb des orthodoxen Weltverbandes gelten sollten. Dieses Unrecht, zu dem sich noch so manch andere Inkonsequenz von seiten Breuers gesellt hatte, nötigte 'selbst den „Israelit" zur Stellungnahme gegen Breuer. Den Vertretern des liberalen Judentums, denen die Jnvektiven und Lästerungen des „Israelit" zuweilen sich auf ihre Newell legen, empfehlen wir Breuers Agudathartikel in Nr. 1 dieser Zeitschrift, der von Schmähungen gegen den orthodoxen Weltoerband vollgepfropft ist, als nervenberuhigende Lektüre. Amüsant ist es jedenfalls, daß dem Israelit, dem Zentralorgan der Separatisten, in dieser Zeitschrift ein Opponent entstanden ist; also ein Separatismus innerhalb des S e p a r a t i s m u s. — B i o g r a p h e n w e g e. Reden und Aufsätze von Anton Bettelheim. Berlin. Verlag von Gebr. Paetel (Dr. Georg Paetel). 1913. Dieses schöne Buch kann nicht wegen seines ganzen Inhalts hier berücksichtigt werden. Denn von den 17 in dem Bande vereinigten Aussätzen gehören 10 nicht in unseren Jnterefsenkreis. Diese sprechen von Schriftstellern der neueren Zeit, mit denen der Biograph entweder in persönlicher Verbindung stand oder denen er, wie z. B. Anzengruber, vortreffliche Biographien gewidmet hat. Die Abhandlungen aber, die in den Kreis, der für uns Bedeutung hat, gehören, sind die folgenden: Ein Jugendbrief Joseph Ungers, wo ein kurzes Schreiben, die Befreiung vom Bibliotheksdienste enthaltend, den Anlaß zu einer feinsinnigen Studie über den Redner und Rechtslehrer abgrbt. Sodann fünf Abhandlungen, die Berthold Auerbach gewidmet sind: Rede zur Enthüllung des Berthold-Auerbach-Denkmäls in Cannstatt; Auerbach' und Anzengruber; zum 100. Geburtstag Berthold Auerbachs; die Zukunft Berthold Auerbachs; die Auerbachseier 1912. In allen diesen bereits früher gedruckten Abhandlungen ist Bettelheim, dem wir eine großzügige, leider nicht genug anerkannte und gekaufte Biographie Auerbachs verdanken, so recht der Apostel u n - seres Auerbachs. Ich sage: unseres, obgleich die Juden ihm lange nicht in der Weise die Treue halten, wie er sie ihnen gehalten hat. Ein Apostel Auerbachs ist Bettelheim nicht in dem Sinne, daß er, lvie ein gezwungener Jünger, alles an dem Meister lobt und verherrlicht, sondern in dem, daß er es für Pflicht hält, den mit Unrecht Abgetanenen wieder in seine Rechte einzuschen. Ich gehöre mit Bettelheim zu den verhältnismäßig wenigen, die nicht daran glauben wollen, daß die lebensvollen, wirkungssrohen und zukunftswurdigen Gestalten, die von Auerbach geschaffen worden sind, tot sein sollen. Aber ich habe weniger Vertrairen als er in die Zukunft, wenigstens in die Zukunft literarischer Wertschätzung. Die Mode, die so häufig mit wirklichem Kunstgeschmack nichts zu tun hat, scheint leider über Allerbach weggegangen zu sein. Um so mehr wollen lvir lvenigstens die feinsinnigen Würdigungen, die Bettelheim von Auerbach gibt, in ihrem vollen Wert anerkennen. Endlich sei das hübsche Gedenkblatt erwähnt, das Bettelheim Julius Rodenberg zu seinem 80. Geburtstag gewidmet hat. und aus seinen Ausführungen wenigstens der Wunsch lviederholt, daß es Rodenberg gefallen möge, seine Memoiren, besonders seine Aufzeichnungen über die Redaktion der „Deutschen Rund-