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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-15 · Heft 20 (15.5.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Portionen Mittagstisch .ebensoviele Abendbrote, 24 Flaschen Wein, mehrere Kistchen Zigarren, 220 Apfelsinen usw. Möge das gute Werk all denen, die an ihm beteiligt 'waren, die Befriedigung erzeugen, die zu neuen Werken der Liebe airspornt. Oesterreich-Ungarn. K. Wien, 8. Mai. Die hiesige Tagespresse veröffentlicht das Kondolenzschreiben, das der Wiener Verein zur Abwehr des Antisemitismus an die Familie des kürzlich verstorbenen Präsidenten der Akademie der Wissenschaften Eduard Such gerichtet hatte. Dieses Schreiben lautet unter anderem: „In uns allen waltet das Gefühl vor, daß nicht nur Ihre werte Familie, sondern die ganze Welt einen unersetzlichen Verlust durch den zu frühen Heimgang Ihres unvergeßlichen Herrn Vaters erlitten hat. Indem wir uns der schier endlosen Reihe der Tieftrauernden anschließen, glauben auch wir einen leisen Trost bieten zu dürfen dadurch, daß wir beteuern, daß unsere Anteilnahme ebenso innig wie schmerzlich ist. Verehrten wir doch in dem Verblichenen den zielbewußten Ethiker und Sozialpolitiker wie kaum einen anderen, kurz, den Menschen in des Wortes edelster Bedeutung, wie nicht minder den unerschrockenen Kämpfer für Freiheit und Fortschritt. Als Anfang der neunziger Jahre die Schmutzwoge des Rassenhasses aus dem Auslande auch in unsere Metropole eindrang, da war es der gefeierte Gelehrte^Eduard Sueß, der mit anderen Koriphüen der Wissenschaft und der Gesellschaft sich in die Bresche stellte und 1892 durch den Eintritt in den Vorstand unseres Vereins einen weithin hallenden Protest gegen dieses ruchlose und zerstörende Treiben hinaussandte, und später wiederholt in zündender Rede gegen diese Bewegung auftrat/' Es wäre zu wünschen, daß die Reden dieses großen Gelehrten gegen den Antisemitismus gesammelt und in Buchform herausgegeben werden, denn sie verdienen in der Tat der Vergessenheit entrissen zu werden. — Vor einigen Tagen kam es in der. öffentlichen Sitzung des Wiener Gemeinderates Zn einem heftigen Zusammenstoß zwischen dein christlichsozialen Stadtverordneten Biehlolawek und dem liberalen Ignatz Fischer. Auf eine Anrempelung der Juden seitens des christlichsozialen Biehlolawek rief ihm Gemeinderat Fischer zu: „Schämen Sie sich! Die Juden sind auch Steuerzahler." Abgeordneter Biehlolawek:. „Ich wollte Sie gar nicht beleidigen. Ich habe gar nicht gewußt, daß Sie ein Jude sind. Auch die Juden haben das Recht, zu kandidieren und in den Stadtrat zu kommen. Aber es gibt kein Gesetz, daß wir sie wählen müssen!" Cs ist dies das System Luegers, das er einige Jahre vor seinem Tode erfand. Und damit hat> wie es scheint, die christlich'soziale Clique noch immer nicht gebrochen. — Der König von Bayern weilte vor einigen Tagen mit Gefolge in Eiwanowitz, einem kleinen-Städtchen in Mähren, wo er begütert ist. Unter den Festesten, die die hohen Herrschaften begrüßten, befand sich auch eine Deputation der jüdischen Kultusgemeinde von Eiwanowitz unter Führung des Vorstehers Pollak, der, an den erhabenen Monarchen eine längere Ansprache richtete. Der König dankte dem Vorsteher für seine Begrüßung und ersuchte ihn, seinen königlichen'Dank der gesamten jüdischen Bevölkerung in Eiwanowitz übermitteln zu wollen. Zur Festtafel, die darauf stattfand, wurden zwei Glaubensgenossen mit Einladungen ausgezeichnet. OMstins. " Jaffa, 3. Mai. In letzter Zeit sind neue Einwanderungs-- gruppen aus dem Jemen in Jaffa eingetroffen und haben in der Baracke, die der jüdische Nationalfonds voriges Jahr.Hier erbaute, Unterkunft gefunden. Sie kamen aus Sannaa, der Hauptstadt des Jemen. Rach ihren Angaben sind nach dem Passahseste noch weitere große Trupps zu erwarten. Als Grund geben sie die Verschlechterung der ökonomischen Lage an. Leider ist es bis jetzt noch nicht gelungen, für die einwandernden Jemeniten genügend Wohnungen zu bauen. Die Wohnungsfrage wird wieder aktuell werden, und der Sommer mühte gehörig ausgenützt werden! Der Verein junger Jemeniten "in Jaffa hat im letzten Jahre für die geistige Hebung seiner Mitglieder vieles geleistet. Vor einigen Wochen veranstaltete der Verein in der Aula des hebräischen Gymnasiums einen Unterhaltungsabend, ' der sich durch seinen echt orientalischen Anstrich sehr vorteilhaft von den ähnlichen Veranstaltungen abhob. Auch, im Turnerischen waren die Leistungen befriedigend. Diese jungen Jemeniten, die ein Leben harter Arbeit führen, sind merkwürdig flink und geschmeidig. Es ist noch ein gut Stück Naturkraft in ihnen. Der erzielte Reingewinn des Abends wurde ihrenr Fonds für Erbauung eines Vereinshauses zugewiesen. Der Verein zählt jetzt vierzig Mitglieder. Tie Jaffaer Iemenitensamilien haben einen Häuserbauverein mit dem Zweck gegründet, auch in Jaffa ein sauberes Iemeuitenviertel zu errichten. Von Sah und jfern. — Tie Generalversammlung des Arbeitsamtes für jüdische A k a d e m i k e r fand am 3. d. M. in Berlin statt. Rach ergänzenden Bemerkungen und Erklärungen, die der Sekretär zu dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht gab, wurde dem Vorstand Entlastung erteilt. Bei der daraus folgenden Vorstandswaht wurde der bisherige Vorstand, in den im Berichtsjahr, die Herren Sanitätsrat Dr. Brauer und Stadtrat a. D. Gimkiewicz eingetreten sind, einstimmig wiedergewählt. Das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm wie in den Vorjahren Herr Geheimer Sanitütsrat Dr. Maretzki. Mit der Führung der Geschäfte wurde gleichfalls der bisherige Sekretär betraut. — Herr Kommerzienrat M a x i m i l i a n Stein in Berlin, der durch seine rege Anteilnahme an jüdischen Interessen in weiten Kreisen bekant ist, ist vom Kaiser von Oesterreich durch Verleihung des Franz - Josefs- Ordens ausgezeichnet worden. — In einem Verwaltungsstreitverfahren vor dem Bezirksausschuß zu Potsdam wurde neulich bekannt, daß der Berliner jüdische Friedhof in Weißensee in etwa 10 Jahren belegt sein dürfte. Von zuständiger Seite sind deshalb schon jetzt Verhandlungen wegen Ankaufs eines umfangreichen Geländes in Gatow eingeleitet worden. Am 7. d. M. ist Herr Richard Sachs, Mitglied der Waisenkommission der hiesigen jüdkschen Gemeinde, dahingeschieden. Der Gemeindevorstand ehrt das Andenken des Entschlafenen durch folgenden Nachruf: Seit 15 Jahren widmete sich der Heimgegangene mit größter Hingebung den Arbeiten der Kommission und versah viele Jahre hindurch das Schriftführeramt. Den ihm anempfohlenen Pfleglingen bewies er jederzeit liebevolles und eingehendes Interesse. Sein Andenken bleibt zum dauernden Segen. — Seit April dieses Jahres erscheint das offizielle Organ des Verbandes selbständiger jüdischer Handwerker Deutschlands, „Handwerk und Gewerbe", in neuer, ansprechender Form im Verlage von Dr. Basch u. Co., G. m. b. H., Berlin-Wilmersdorf, Nassauische Straße 24. — Das Kriegsgericht der 36. Division in Danzig verhandelte kürzlich gegen den aus der Festungshaft vorgeführten Musketier Much, der an Sabbaten den Dienst verweigerte, da er sich als strenggläubiger Adventist bekannte. Diese Weigerung hielt er auch vor versammelter Mannschaft ausrecht. Seinerzeit erhielt Much drei Monate Gefängnis. Während der Verbüßung der Strafe weigerte sich Much aber auch, am Sabbat Dienst zu tun. Das Kriegsgericht verurteilte ihn nun zu vier Monaten Gefängnis. — Aus Czarnikau wird geschrieben: Aus Anlaß der fünfzigjährigen Wiederkehr des Tages der Erstürmung der Düppeler Schanzen wurde der einzige in unserer Stadt noch, lebende Veteran, der daran teilgenommen hat, Herr Samuel Nathan von den hiesigen Landwehr-, Krieger- und Militärvereinen durch Veranstaltung eines Festabends geehrt. — Der Kreis Neustadt O.-S., hat die Errichtung eines Kindererholungsheims im Eichhäuseler Forst beschlossen. Zur Durchführung dieses Planes hat der Kreis von Kommerzienrat Frankel 150000 Mark, Herrn und Fr. Kommerzienrat Pin tu s 50 000 Mark, Geh. Kommerzienrat Pinkus 25 000 Mark, Fr. Kommerzienrat Emilie Fr ä n ke l 25 000 Mark überwiesen erhalten. Die Zinsen von 100 000 Mark sollen zur Deckung der laufenden Unterhaltungskosten des Kinderheims verwendet werden. — Der Mitinhaber und Gründer des Bankhauses A. E. Wassermann in Bamberg AngeloWasserm ann ist am 6. d. M. im Alter von 79 Jahren gestorben. Mit ihm verliert die Stadt Bamberg einen hervorragenden Bürger und die israelitische Kultusgemeinde ein verdienstvolles Mitglied. — Der jüdische Frauenvere in in Witten feierte in recht schöner Weise das Fest seines 50 jährigen Bestehens. Gründer des Vereins ist Herr Lehrer I. Ostwald, der gegenwärtig in Schöneberg bei Berlin wohnt und dortselbst an der goldenen Jubelfeier seiner Gründung lebhaften geistigen Anteil nahm. — Das für 300 000 Mark auf den Ruhrhöhen bei Werden errichtete Erholungsheim für israelitische Frauen und Mädchen ist am Dienstag voriger Woche feierlich eröffnet worden. Das Heim soll den weiblichen

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