Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1914)
- Date
- 1914-05-15
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 dieser Veranstaltung entgegenbrachte. Am 20. April, vormittags 9 Uhr, begann die Generalversammlung, Neben einer größeren Anzahl von Kantoren aus allen Gegenden des Deutschen Reiches hatten sich die Vertreter der Nürnberger Gemeindeverwaltung, die Rabbiner, Vertreter des „Verbandes der Deutschen Juden", des „Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes" und anderer größerer Korporationen eingesunden. Nachdem das von F a b i s ch - Göttingen kompovierte Begrüßungslied verklungen war, begrüßte der Vorsitzende, Oberkantor Heule aus Hamburg, die Versammlung, und gab m längeren Ausführungen ein Bild von den Bestrebungen, die der A. D. K. V. verfolgt. In den acht Jahren ihres Bestehens hat diese Berufsorganisation sich eine achtbare Position innerhalb der deutschisraelitischen Verbände geschaffen. Der Würde des Standes entsprechend vertritt sie in maßvoller und vornehmer Form ihre Interessen, und ist unablässig bemüht, die Bildungsbestrebungen innerhalb des Kantorenstandes zu fördern. In herzlichen Worten bekundeten Iustizrat Held, der erste Vorsitzende der Gemeinde, Rabbiner Dr. F r e u d e n t h a L und alle anderen Vertreter ihre starken Sympathien für den Verband und seine Arbeiten. Dem Geschäftsbericht der letzten zwei Jahre, den Kantor Fa b i s ch-Güttingen gab, schloß sich eine sehr eingehende Debatte an, die insbesondere die Stellungnahme des A. D. K. V. zur Frage der Zulassung von Ausländern im Kultusdienst behandelte, und deren Endresultat die in voriger Nummer dieser Zeitung veröffentlichte Resolution bedeutet. Im Mittelpunkt der Tagung stand ein Vortrag von Kirschner- München über das fachwissenschaftliche Thema „Einiges über mittelalterliche hebräische Poesien und ihre Singweisen". Forschungsarbeit im schönsten Sinne wurde hier geboten, die dem Fachmann Anregung zu weiterer Arbeit reichhaltig gegeben wurde. Die starken Beifallskundgebungen, die diese interessanten Ausführungen lohnten, waren berechtigt. Vor Eintritt in die Wahl gedachte der Vorsitzende der durch den Tod dahingegangenen beiden verdienstvollen Kollegen B l rt u st ein- Bromberg und Leibowitz - Posen. Der Gesamtansschuß des A. T. K. B. wurde wiedergewählt, neu gewühlt wurde T a v i d s o h n - B e r l i n. Ein solennes Souper mit anschließendem fröhlichem Kommerse beschloß die Generalversammlung. Manche Rede, die da gehört wurde, bedeutete ein Programm für den Kantorenberuf. Was Tr. F r e u d e n t h a l - Nürnberg und Oberkantor Davidsohn-Berliu über die Bedeutung des Kantorenstandes von einst und jetzt zu sagen hatten, verdiente wohl in beteiligten Kreisen die höchste Beachtung. Am 21. April wurde die Tagung durch Kommissionssitzungen und Besichtigung der Stadt beschlossen. Möge der A. D. K. V. weiter wie bisher im ideellen Sinne am Werke sein, damit in den jüdischen Gemeinden Deutschlands kein Mangel an wahrhaft würdigen Kantoren zu verzeichnen ist. 22 Hörde (Westfalen), 8. Mai. Nach kurzem, schwerem beiden starb hier am 6. d. M. der Vorsitzende des Vorstandes der hiesigen Synagogengemeinde Julius lldewald, nachdem ihm erst vor fünf Wochen sein ältester Sohn, der im benachbarten Dortmund praktizierende Arzt Dr. Fritz lldewald im Tode vorangegangen war. 20 Jahre hindurch hat Julius lldewald dem Vorstande unserer Gemeinde angehört und mit hoher Intelligenz, lebendigem Eifer und unermüdlicher Tatkraft ihre Geschicke geleitet. Die Errichtung unserer schönen großen Synagoge und die Anlage des neuen Friedhofes sind dem rastlosen Streben des Entschlafenen zu verdanken. Allen Fragen des jüdisch religiösen Lebens brachte er verständnisvolle Teilnahme entgegen, zahlreichen jüdischen Vereinen und Organisationen war er begeisterter Führer und Förderer. Im kommunalen und politischen Leben der Stadt Hörde wurde seine Mitarbeit hoch geschätzt und der Handelskammer in Dortmund war er ein tätiges Mitglied. Die Beerdigung fand am Freitag nachmittag aus dem hiesigen Friedhof statt. Eine gewaltige Zahl von Freunden und Bekannten gab dem Entschlafenen das letzte Geleite. Die Spitzen der Behörden befanden sich im Trauergefolge. Am Grabe hielt Herr Prediger Rosenthal die Gedächtnisrede, in der er dem reichen Lebenswerk des zu früh Verstorbenen hohe Anerkennung zollte und ihm den herzlichen Dank der Gemeinde ins Grab nachrief. Im Namen der Märkischen Loge zu Dortmund, deren Präsident der Entschlafene zeitweilig war, widmete Herr Rabiner Dr. Jakob dem Toten dankbare Abschiedsworte. Mit Gebet und Segen schloß die ernste Feier. Der hart geprüften Familie, die in so kurzer Zeit zwei treffliche Menschen verlieren mußte, wird allgemein herzliche Teilnahme entgegengebracht. Im Sinne Julius Udewalds zu wirken, wird der hiesigen Synagogengemeinde eine schöne Pflicht der Dankbarkeit sein. =±= Crainfeld, 8. Mai. Der Fruchthändler Abraham Stein, Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, ist, wie bereits mitgeteilt, das Opfer eines Raubmordes geworden. Außer ihm wurden feine Frau und Kinder von..den werruchten Mördern durch Beilhiebe schwer verletzt. Das Befinden "der ^Verletzten, die im Lanterbacher Krankenhaus liegen,.ist leider nicht zum besten. Die Frau, die älteste Tochter und der jüngste Sohn sind, noch nicht außer Lebensgefahr. Dem Letztgenannten ist noch das linke Auge ausgelaufen. Tie Verletzungen sind meist derart, daß das Gehirn freiliegt, so daß von hinzutretender und schwer zu verhindernder Entzündung das Schlimmste befürchtet wird. Der älteste Sohn wird wahrscheinlich gerettet, die jüngste Tochter befindet sich außer Gefahr. Eine große Trauergemeinde versammelte sich in Crainfeld zu der Beerdigung des Opfers. Nähere und entfernte Verwandte aus ganz Oberhessen und Frankfurt und Mainz sowie viele Geschäftsfreunde waren herbeigeeilt, um dem auf so schreckliche Weise ums Leben Gekommenen die letzte Ehre zu erweisen. Vorher fand in der dichtgesüllten Synagoge eine schlichte, aber herzergreifende Feier statt, die dem Gebet für die Verletzten galt. Der Großherzogliche Prov.-Rabbiner Dr. Hirschfeld von Gießen und die Kultusbeamten der Nachbargemeinden waren gleichfalls anwesend. Die zahlreiche Gemeinde brach in Schluchzen aus, als der junge Lehrer und Kantor, der mit der ältesten Tochter verlobt ist, mit tränenerstickter Stimme die Gebete sprach. Sämtliche jüdischen Einwohner von Crainfeld hatten den Beerdigungstag zum Fasttag bestimmt, um Der Trauer um das furchtbare Vorkommnis Ausdruck zu verleihen, llm 2 Uhr am Nachmittag versammelte sich eine gewaltige Menge vor dem Trauerhaus, das einen furchtbaren Anblick bot. Sämtliche Bewohner von Crainfeld, Männer und Frauen, waren zu der letzten. Ehrung herbeigeeilt, aber auch die gesamten Nachbarorte, insbesondere deren jüdische Gemeinden, waren vollständig vertreten. Ober- und Niederseemen, Wenings, Gedern, Lauterbach n. v. a. Ter Sarg wurde aus dem Hause getragen, und der Rabbiner rief dem Dahingeschiedenen die letzten Grüße nach. Zn bezwingender, zu Herzen gehender Rede malte er das Schicksal des Unglücklichen, rief er den Beistand des Herrn herab für die armen noch, lebenden, schwer leidenden Opfer. Es war ein wahrhaft erschütterndes Bild. Der einfache Sarg im Angesicht der Trümmer des Hauses und Hunderte ungekünstelter Menschen, die ihn schluchzend umstanden. Es herrschte aufrichtige Trauer, die dem Verstorbenen das beste Zeugnis ausstellte, und die derben Wünsche der ländlichen Bevölkerung, die dem unbekannten Tätern galten, spotteten jeder Wiedergabe. Der lange Trauerzug bewegte sich dann nach dem herrlich gelegenen Höhenfriedhof, wo die Gebete gesprochen wurden und Herr Lehrer Bader- Oberseemen aufrichtige und warme Worte des Andenkens und Trostes fand. Dumps sielen die Schollen ins offene Grab, während ein fernes Gewitter seinen Groll verkündete. L. Frankfurt a. M., 8. Mai. Den eifrigen Bemühungen und der werktätigen Hilfe des bekannten hiesigen Philanthropen, Herrn Lajsar Lewisohn, ist es auch in diesem Jahre wiederum wie stit vielen Jahren gelungen, den bei der Marine dienenden jüdischen Mannschaften in jeder Beziehung würdige und den Anforderungen der Religion, angemessene Sederabende zu verschaffen. Aus Wilhelmshaven wird berichtet, daß von den 25 Israeliten — sieben waren beurlaubt — 18 an der Sederfeier bis zwei Uhr in der Frühe Teilnahmen und an ihr das größte Interesse bekundet haben. Die Leute, die während des Dienstes so seltenan die Bräuche ihrer Religion und an die Gepflogenheiten ihrer Häuslichkeit erinnert werden, glaubten wie im Elternhause sich zu befinden. Sie äußerten sich, daß sie das schöne Passahsest höchst angenehm verlebt hätten, zumal ihnen während der acht Tage vorzügliche Osterkost verabreicht wurde. Auch aus Kiel wird ähnliches gemeldet. Dort wurde für 21 Mann gesorgt. Vielleicht interessiert es die Leser zu wissen, aus welchen Gegenden unsere jüdischen Marinesoldaten stammen, es seien deshalb hier ihre Heimatorte genannt: Berlin, Hannover, Briefen, Busen, Swinemünde, Bornhagen (Rheinland), Heinsheim (Lothringen), Schweidnitz, Hildburghausen, Schleusingen, Altchausen, Sandersleben, Braunsberg, Moerchingen, Posen, Wartenskirch, Grajewv, Landshnt (Bayern), Neu Haldensleben, Wernigerode. In Kiel wurden während des Osterfestes im ganzen verabreicht: ISO Portionen Kaffee mit Mazoth und Eiern, zirka 200