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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-15 · Heft 20 (15.5.1914) · p. Seite 240

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
Seite 240 (sequence 12)
Language
German
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— N osenseld, 9W. Makrikelführer-Stellvertreter der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Die Matrikelführung der Israeliten in Oesterreich nach den bestehenden staatlichen Borschriften. Verlag rk\ Löwit. Wien. Das Erscheinen dieses Werkes ist nur mit Freuden zu begrüßen. Auf dem Gebiete des österreichischen Matriketwesens hatte es bisher an jedem Hilfsbuche gemangelt. Wer die Verworrenheit, die durch die Kompliziertheit des Gesetzes selbst, die Kompliziertheit der verschiedenen erlassenen Verordnungen entstanden ist, und die daraus entstandene Unsicherheit in der Praxis kennt, wer es weiß, welche Unzukömmlichkeiten sich ergaben, wird sich freuen, daß nun ein Kompendium der einschlägigen Gesetze und der bis Januar 1912 erlasseneu Verordnungen in recht übersichtlicher Weise vorliegt. Das Werk wird mit einem „Historischen Ilcberblick" eingeleitet. Hier müssen nur dem Verfasser, der sonst seine Ausgabe tadellos gelöst hat, doch den kleinen Vorwurf machen, daß auch bei den Juden Spuren in bezug auf Anlagen von Matrikelbüchern ziemlich früher anzusetzen sind, als er es annimmt. Was sind denn die Jichusbriese, die Stammbäume jüdischer Familien? Im übrigen könnte selbst der strengste Kritiker an diesem Werke nichts aussetzen. Für alle diejenigen, die beruflich oder aus anderen Gründen das israelitische Matrikelwesen in Oesterreich kennen lernen müssen oder wollen, ist dieses Werk vollständig unentbehrlich. Amitai. Mcheremlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurüüfendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Hagada, Liturgie für die häusliche Feier der Sederabende in deutscher Sprache neu bearbeitet von Rabbiner Dr. E. Seligmann. Mit Bildern aus einer handschriftlichen Amsterdamer Hagada vom Jahre 1788 im Besitz des Herrn Tr. Linel in Frankfurt a. Al. Verlag von I. Kanffmann, Frankfurt a. M 1914. Preis 1,20 Mark. Landesverräter. Schauspiel in drei Auszügen von Hermann Hoppe. Reumark i. Westpr. Selbstverlag des Verfassers. Meziza. Ist sie religiös geboten? Wirkt sie heilend oder schädlich? Von Emarnlet Rosenbaum. Frankfurt a. M. Verlag von Säuger & Friedberg. 1913. Im Kampf um die hebräische Sprache. Herausgegeben vom Zionistischen Aktionskoulitee. (Sechstes bis zwanzigstes Tausend.) Berlin W 15, Sächsische Straße 8. Truck von Siegfried Scholem. Berliu- Schöneberg. Israelitisches Landheim Schwelm in Westfalen. Steinhanserberg 34. Simson oder Scham und Eifersucht. Dramatisches Gedicht in drei Akten von Frank Wedekiud. Dritte Auflage. Verlag von Georg Müller. München 1914. Religion und Feuerbestattung. Protestantismus und Feuerbestattung. Von A. Just, Pastor au St. Salvator in Breslau. Katholizismus und Feuerbestattung. Von Hans Kirchsteiger. Pfarrer und Schriftsteller in Aigen b. Salzburg. Judentum und Feuerbestattung. Von Else Dormitzer-Dorn, Nürnberg. Druck von Will). Tümmels Buchitiib Kunstdruckerci. Nürnberg. Unternehmergewinn und Arbeitslohn im Lichte der neuesten Forschungen. Von Franz Ruff. Zivil-Jngeuieur in Frankfurt a. M. A. H. Ludwig Degener, Verlagsbuchhandlung. Leipzig. Gekrönte Preisarbeit der Gesellschaft für Rasseuhygiene. Die Schädigung der Rasse durch soziales und wirtschaftliches Aufsteigen; bewiesen an den Berliner Juden von Dr. Felix A. Theilhaber. 1914. Verlegt bei Louis Lamm in Berlin. Preis 1 Mark. Die Frau Professorin. Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte von Berthold Auerbach. Mit einer Einleitung von Tr. Eugen Wölbe. Leipzig. Truck und Verlag von Philipp Neelam jun. Novellen von Moritz Heimaun. S. Fischer, Verlag. Berlin 1913. Die zionistische Utopie. Von Dr. Kart Landauer und Dr. Herbert Weil. Hugo Schmidt, München. 1914. Preis: drosch. 1,20 Mark. II Messaggero Israelitico. Rivista Meosile. Gratuito ai contribuenti della Comunitä Israelitica. N. 7, Trieste. 1. Marzo 1914. Direzione Rabb. Magg. Prof. Dr. H. P. Chajcs. Ammimstrazione Achillie Curiel Via Coroneo 29. Un Numero, 20 Centesimi. Biographische Charakterbilder aus der jüdischen Geschichte und Sage von Albert Katz. Zweite erweiterte Ausgabe. Verlegt bei R. Jacobsthal & Co., Berlin-Schöneberg. Preis geb. 3,50 Mark. Heinrich Heines Briefwechsel. Reich vermehrte Gesamtausgabe aus Grundlage der Handschriften. Gesammelt, eingeleitet unb erläutert von Friedrich Hirth. Mit fünfzig Bildern und fünf Faksimiles. Erster Band. 1914. München und Berlin bei Georg Müller. Vom Ghetto ins Land der Verheißung. Von Mary Antin. Autorisierte Uebersetzung von M. und U. Sieindorff. Memoiren-Brbliothek, V. Serie. Zweiter Band. Verlag Robert Lutz, Stuttgart. Chad Gadja. Das Pefsachduch. Herausgegeben von Hugo Herrmann. Berlin. 1914. Jüdischer Verlag. Sprrchsaal. An die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" Berlin. Sehr geehrter Herr G e h e i m r a t! Als langjähriger Leser Ihres sehr geschätzten Blattes und als Bewunderer Ihrer Feder speziell erlaube ich mir, Ihnen folgende Mitteilung zu machen, die sich vielleicht, eine größere jüdische Allgemeinheit interessierend, zur Aufnahme in Ihr geschätztes Blatt eignet. „In den letzten Jahren ist viel über die Befähigung des Juden als Soldat und seine Qualifikation zum Offizier in der Oeffentlichkeit wie in den Parlamenten und -der Presse, als auch in privaten Kreisen hin und her debattiert worden, und leider gibt es auch in unserer jüdischen Gemeinschaft, und nicht zum wenigsten in der „besseren Gesellschaft", Stimmen, die glauben, mit der bekannten jüdischen Selbstironie und zersetzenden Selbstverspöttelnng auch hierüber ihre „Witze" machen zu müssen. So hört man ja öfter: „Es Jüdchen konn ka Pulver riechen" und dergleichen. Wie sehr solche Vorurteile den Tatsachen widersprechen, mögen, abgesehen von den Tausenden von Beispielen jüdischer Tapferkeit aus der Vergangenheit, wie sie auch in diesem Blatte des öfteren ausgeführt waren, folgende authentische Berichte aus der allerjüngsten Vergangenheit demonstrieren: 1. In Fla ui ershei tu, 23 Kilometer von Bonn entfernt, erneut rheinischen Flecken mit zirka 900 Einwohnern, darunter zirka 15 bis 20 jüdische Familien, haben in den letzten Jahren vier Militärpflichtige ihrer Dienstzeit bei den Berliner G a r d e r e g i m e n t e r n genügt bzw. sind noch bet denselben in Dienst (1 Garde-Augusta-, 1 Garde-Füsilier-, 1 Garde-Train-, 1 Garde-Jnfanterie-Regiment). Einer muß erst im Herbst eintreten. Von Juden aus der Umgebung, die bei der Garde gedient haben (meist „Gezogene", nicht „Freiwillige"), sind mir aus den letzten Jahrzehnten noch drei bekannt. Der Prozentsatz der jüdischen Gardisten von allen Rekruten aus der Gegend übersteigt den der christlichen demnach in den letzten Jahren bei weitem. Dies zur Illustration der Frage, vb der jüdische Soldat körperlich weniger tauglich als der christliche ist. Pflanzt die jüdische Jugend atlss Land, beschäftigt sie mit muskelkräftender Arbeit, tvie als Mctzgerburschen, Landwirte, Schmiede usw., und ihr werdet wieder ein körperlich starkes Geschlecht heranziehenl 2. Ein Freund von mir, der Bulgare Stojan Georgieff aus Stara Zagora, machte als Freiwilliger im 5. bulgarischen Balkanregiment die beiden Feldzüge 1912/13 mit und wurde im zweiten Kriege von einer griechischen Kugel verwundet. Ich hatte schon vielfach gelesen, wie die jüdischen Soldaten und Offiziere sich auf Leiden Seiten der kriegführenden Parteien tapfer geschlagen, z. B. wie der serbische Jude Abrahamsohn durch seine Kaltblütigkeit eine Schanze bei Kumanowo erstürmen hals und für feine Heldentat von Kronprinz Georg auf dem Schlachtselde belohnt wurde. Ich schrieb nun an Georgieff und bat ihn um unparteiische Mitteilung, wie die bulgarischen Glaubensgenossen sich gehalten. Da betaut ich dieser Tage einen Brief von ihm, in dem es wörtlich heißt: „daß meine Glaubensgenossen sich sehr tapfer geschlagen, kann keiner abstreiten. Ich weiß solches selbst von unserm Regiment. Na, wenn Du kouunst, werde ich Dir alles erzählen. Ich kann nur sagen, man kann sicher (im Brief unterstrichen) stolz sein, wie die Leute sich geschlagen haben. Auch die jüdischen Offiziere haben sich sehr ausgezeichnet." Und trotzdem wagen die „Allteutschen" noch von der „Judenangst" zu sprechen, und unsere „Gesellschaft" witzelt vielfach weiter. Mit Hochachtung ergebenst Dr. Oster.

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