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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-15 · Heft 20 (15.5.1914) · p. Seite 237

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
Seite 237 (sequence 9)
Language
German
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237 dortiger Aufenthalt ein unfreiwilliger. Denn also kündet dieser Prophet: „Israel habe ich heraufgeführt aus Aegypten, die Philiftäer aus Kaphthor und Arain aus Kir." Aus dieser Weissagung des Propheten geht deutlich hervor, daß Kaphthor nicht das ursprüngliche Vaterland der Philiftäer gewesen ist; ebensowenig wie Aegypten, Israels'). Nach Deut. 2, 23 haben die Kaphthorim in Kaphthor gewohnt, und es ist wahrscheinlich, daß diese die Philistäer, die zu jener Zeit noch in K a s l u ch i m wohnten, durch Krieg und Sieg als Gefangene nach Kaphthor deportiert haben. Somit ist es meines Erachtens mehr als wahrscheinlich, daß der Ursitz der Philistäer Kaslnchim war, von wo sie dann infolge der Deportation über Kaphthor nach Kanaan gekommen sind'). Der Lrsieher mutz von der rechten Art lein. oll von Eindrücken des Schönen und Guten, das gesagt wurde, voll von Reflexionen über die Kritik, die geübt wurde, kehrte wohl jeder von der I. Erziehungskonferenz nach Hause zurück. Aber mit Theobald Ziegler möchte ich sagen: „Stets, wenn man an Reformen denkt, wird statt aus die Menschen ans die Methode ein übertriebenes Gewicht gelegt." So auch hier: Wie soll man strafen? Durch Hafersuppe oder schlechten Anzug, durch einen Klaps oder durch Verweigerung des „Gute Nachtsagen"? Das sind ganz persönliche Ansichten. Aber darin stimmt wohl jeder mit mir überein, daß die Strafe gerecht sein muß, daß für ein schwereres Vergehen eine schwerere Strafe zu folgen hat, aber auch daß die Gemütsanlage eines jeden Kindes berücksichtigt werden muß, so daß selbst für die gleiche Handlung nicht stets dieselbe Strafe zu folgen braucht. Sehr wohl fühlen Kinder auch dann noch das Gerechte der Strafe, wenn sie nur von der inneren Liebe des Erziehers überzeugt sind. Ist diese innere Liebe des Erziehers stets vorhanden? — Und wir müssen den Gründen nachgehen, warum dies nicht immer der Fall ist! Da ist ein begabter Sohn, der gern Arzt oder Techniker werden möchte; doch dazu reichen vielleicht die Geldmittel nicht aus. Etwas Besseres soll er werden, als der Vater war, und so wird „beschlossen", daß er Lehrer werde. An jeder Präparandenanstalt, an jedem Seminar gibt es wohl Stipendien, und der Familie ist daher nun für 6 Jahre ein Teil der Last zur Ausbildung des Sohnes genommen. Also ohne innere Neigung, ohne viel Liebe zu der Jugend entsteht hier ein Lehrer, der mit Fleiß und Eifer einst vielleicht den Kindern etwas beibringen kann, dem aber die seelische Fähigkeit zum wahren Erzieher nur zu oft fehlt; denn „es gibt keine währe Erziehung ohne Hingabe des Herzens". Nicht nur die Pflicht darf den Erzieher.zur treuen Pflichterfüllung treiben, sondern auch die Stimme des Herzens. Aus Neigung zu der ihm anvertrauten Jugend muß er mit ihr spielen, muß der ältere Freund sein, nicht der Aufsichtsbeamte. Er soll mitlausen und sich mitverstecken, soll den Schlitten ziehen und sich selbst darauf setzen und sich von den Kindern ziehen lassen. Liebe und Verehrung soll die Kinder an ihn fesseln und soll sie seine Worte befolgen lassen, nicht Furcht vor seiner Strenge. „Sein Ansehen leidet nicht, wenn er mit dem Kinde Kind ist." (Dir. h w-ircrr pKö Tpb:n Kibrt ♦TS» .0*1*1 unsoo 4) Nach einigen Erklärern ist unter Kaslnchim Kolchien und nach Ebers, die Umgegend des Mons Castus zu verstehen. Vgl. auch Müller: „Orient!. Literaturzeitmrg" und Genesius. Spanier.) Hierzu geht vielen die Fähigkeit ab, viele aber wollen es gar nicht. Sie »vollen Lehrer, Dozenten, sein, aber nicht Erzieher. So sagte ein Herr: „Ich muß mich ja vor meinen Bekannten genieren, zu sagen, daß ich auch Erzieher bin." Wer vor der Tätigkeit des Erziehers so »venig Achtung hat, beweist, daß er vor seiner eigenen Kinderstube keine Achtung haben kann. Eine andere Forderung des Herrn Dir. Guttinann war: „Der Erzieher soll init den Kindern mitessen," am selben Tisch, dasselbe Essen. Wie wenige tun das? Wie viel weniger »vollen das tun?! Und doch, erst durch das Mitspielen, Mitessen und Mitfeiern »vird die Anstalt zur Fainilie, „»wenn nur die Erwachsenen von der rechten Art sind". (Frl. Werner.) Die Exainina sind hier von nur geringein Werte; denn erziehen kann inan, soll »nan nicht nach eingelernten Regeln. Also nur der soll Erzieher »verden, der von der rechten Art ist. Hier »nttßte eine Refvrin einsetzen! Es »väre nötig, daß die Senrinaristen, »venn sie „abspringen" »vollen, nicht zurückgehalten »vürden. Man kann auch in anderen Berufen Idealismus belveisen. Es ist ein Verkennen der Sachlage, zu sagen: „Jeder, der Lehrer »vird, ist ideal." Es »nnß heißen: „Zunr Lehrer brauchen »vir ideale Jünglinge." Deshalb sollte den Seininaristen die Möglichkeit geboten »verden, 2 bis 3 Jahre vor den: Exanren sich das Einjährig-Freiwillige erringen zu können. So inancher, den nicht das Herz zum Lehrer »nacht, »vürde dann einen anderen Berns ergreifen und dort mit Hingabe arbeiten können, während er so Lehrer »verden in u ß. Dann erst »vürden die Lehrer und Erzieher von der rechten Art sein. „Folge also dein Wink der Vorsehung und »vidine dich dein Geschäft, zu dem du dieh berufen fühlst. Tu »virst es mit Vergnügen treiben, es gut ansrichtcn und damit viel Gutes stiften. Wolltest du hingegen ferner der Erziehung dich »veihen, so würdest du dir und deinen Pflegesöhnen das Leben verleiden und bei dem besten Willen ihrem Charakter eine schiefe Richtung geben. Firrdest du aber, daß der Uirrgang mit Kindern dir Freude »nacht, daß sie an dir rnit ganzem Herzen hängen, daß du sie mit Leichtigkeit lenken kannst, dann glaube, daß der Weltregicrer dich zur Erziehung derselben berufen habe. Folge seinem Rufe mit Freudigkeit und sei versichert, daß der Lohn deiner Berufstreue sehr groß sein werde." (Salzmann.) Dr. F. R e i ch. Mach?wanM Jahren! Schauspiel in einem Aufzug von E r in a n n o L v e v i n s o n. <1 Fortsezmng.) d g a r d v : Das letztere natürlich. Mußt ich doch, ich »nüßte endlich vor dir kapitulieren, falls ihr im Ge- »vissen über meine Gedanken gelvescn »väret. Aber selbst, als die Sirene mich init Hilfe des spanischen Gesandten in ihre Netze zu verstricken suchte, gelang es nrir, ihr zu entlvischcn. Giuditta (errötend): Woher weißt du denn, daß ich ein- »nal zum Empfang auf der spanischen Gesandtschaft gewesen bin? Edgardo: Das kanr so! Obwohl ich dort nie Besuch gemacht, oder auch nur meine Karte abgegeben hatte, erhielt ich eines Tages eine Einladung zum Empfang, den ein neu angekommener Vertreter beim Ouirinal geben sollte. „Wie kommt der Mann dazu?" denke ich. „Der Grund kann doch unmöglich der sein, daß ich unter anderein auch einmal etwas über

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