Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1914)
- Date
- 1914-05-15
- Page
- Seite 236 (sequence 8)
- Language
- German
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236 Sein lebhaftes Interesse für die von ihm bevorzugten wissenschaftLichell Bestrebungen fand in Fachkreisen gebührende Würdigung, so daß viele wissenschaftliche Vereine ihn in ihren Vorstand beriefen, wo er Gelegenheit fand, sich die Hochschätzung berühmter Gelehrten zu erringen. Insbesondere verbanden ihn mit Rudolf Virchow engere Beziehungen, die in der Gleichheit ihrer politischen Ideale, in gemeinsamem Eintreten für eine liberale Gestaltung unserer öffentlichen Verhältnisse ihre Festigung fanden und bis ans Grab anhielten. Seit dem 26. Mai 1872 lebte Julius Jsaac in glücklicher Ehe mit seiner Gattin Helene, der Tochter des Herrn Kommerzienrats Simon. Als das würdige Paar, umgeben von seinen drei Kindern, 1897 die silberne Hochzeit beging, zeigte sich in der allseitigen freudigen Teilnahme, welcher weiter Freundeskreis dieses Hauses umgab, in dem feinster Kunstsinn und jüdischer Geist in harmonischer Weise eine Stätte gefunden hatten. Es war ein jüdisches Haus, in dessen vornehmen, mit auserwühlten Kunstschätzen geschmückten Räumen sich, der freundlichen Einladung des Hausherrn folgend, so oft die Vertreter des Judentums zu ernsten Beratungen zusammenfanden. In diesem Hause fand im Jahre 1892 die erste vertrauliche Versammlung jener, zum großen Teil dahingegangenen Männer statt, die den „Verein zur Abwehr feindlicher Angriffe" ins Leben riefen, sowie die konstituierende Sitzung des kurze Zeit darauf entstandenen „Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens". Noch ist die Zeit nicht gekommen, über die segensreiche Wirksamkeit "des erstgenannten Vereins öffentlich zu berichten. Für heute sei nur das eine mitgeteilt: Julius Jsaac hat an den Arbeiten dieses Vereins den regsten Anteil genommen, für seine Zwecke des öfteren größere materielle Opfer ge¬ Aeber den Arüh der Mililtser &;v>%. Rommerzienrat Julius Jsaac. Von Rabbiner Dr. H ei s z - S i s s ek. ie geographische Lage des Landes der Philistäer- \ J die Topographie der in der Bibel erwähnten Städte und Dörfer, haben schon oft, da die biblische Angabe nicht ausreichte, die Aufmerksamkeit der gelehrten Forscher gefunden. Auch die moderne archäologische und ethnologische Wissenschaft bringt hier und da einige Aufklärung über den Ursitz der Philistäer. Aber die Meinungsverschiedenheit läßt auch hier keine genaue Feststellung zu. Es werden nämlich verschiedene Länder und Inseln angegeben, die der biblischen Ortsbezeichnung adäquat sein sollen. So wird z. B. das biblische Kaphthor — -Iinaa. wo die Philistäer gewohnt haben sollen, auf verschiedenen Inseln des Mittelländischen Meeres gesucht'). Auch der jüngste Naturforscherkongreß brachte uns eine Fülle von ethnologischen Berichten und Vorträgen, die viel neues und interessantes Material zutage förderten. „lieber die Herkunft der Philister" sprach Dr. H. Alghoghi und kommt in seinen Ausführungen zu folgendem Ergebnis: „Das jüdische Kaphthor entspricht vollkommen dem spätäghptischen Kaptar, dessenLage allerdings ebenfalls noch unbekannt ist. Da nach einem Berichte Ramses III. die Philister „inmitten des Meeres" (des Mittelmeeres) wohnten und Kaphthor eine Insel war, so unterliegt eS keinem Zweifel, daß es sich bei Kaphthor um eine Mittelmeerinsel handeln muß. Was liegt aber nun näher als der Gedanke, daß Kaphthor — Kaptar der griechischen Insel Karpathos, ungefähr in der Mitte zwischen den Inseln Kreta und Rhodos gelegen. bracht und so zu seinen Erfolgen nicht unwesentlich beigetragen. Nicht minder großes Interesse bekundete er für den ein Jahr früher begründeten Verein für jüdische Geschichte und Literatur, dessen Vorstand er vom ersten Tage an angehörte, ferner für den Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland, dessen Bestrebungen er in großzügiger Weise förderte, und für die jüdische Lesehalle, der er zuerst in seinem Hause ein kostenloses Obdach gewährte und unter großen materiellen Opfern eine gesicherte Wirkungsstätte bereitete. Zugleich beteiligte er sich eine Reihe von Jahren an der Verivaltung der Berliner jüdischen Gemeinde und wirkte segensreich als Mitglied des geschäftsführenden Ausschusses des D. I. G. B„ wo er seine Kraft besonders der Propaganda gewidmet hatte. Julius Jsaac, wegen seiner kaufmännischen Verdienste einige Jahre vor seinem Tode mit dem Titel eines Königlichen Kommerzienrats ausgezeichnet, starb am 13. Dezember 1869, betrauert von den Seinen und einem großen Kreis von Freunden rind Verehrern, die in ihm einen der edelsten und besten seiner Zeitgenossen schätzten. Er war, wie sein Biograph mit Recht hervorhebt, ein liberaler Jude und hat zu seinem Teile im Sinne der liberalen Auffassung an den Aufgaben seiner Zeit mitgearbeitet. A. K. entsprechen müsse, welches durch Buchstabenumstellung (Methathesis), wie das im Griechischen häufig der Fall ist, aus dem ursprünglichen Kaphthors entstanden sei. Das biblische Kaphthor und das spätägyptische Kaptar decken sich nun mit Kaphtharos geradezu Buchstabe für Buchstabe (mit der vorauszusetzenden ursprünglichen Namensform). Somit wivd die biblische Angabe, daß Kaphthor eine Insel sei, vollkommen bestätigt. Der Hauptstamm der Philister ist demnach von der Insel Karpathos — für ursprüngliches: Kaptharos — in Palästina eingewandert." Meines Erachtens aber bleibt der Ursitz der Philistäer, trotz dieser interessanten und geistreichen etymologischen Erklärung, immer noch ein „Terra incognita“. In Genes. 10, 14 und 1. Ehron. 1, 12 heißt es ausdrücklich, daß die Philistäer aus Kasluchim — hervorgegangen sind und nicht aus Kaphthor'). Aus Amvs 9, 7 ist wohl zu entnehmen, daß die Philistäer in Kaphthor gewohnt haben, jedoch war ihr >) Heber Kaphthor vgl. Gesen., Thes., Ebers u. Dillmann u. Müller. Kreta, Kappadozien und Kaptür werden für “firiBE angegeben. 2) NX1 DTltt&B EÜÖ 1X2' -IVX tTl^ÖE N81 D'D'inB flKI .onnsa