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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-15 · Heft 20 (15.5.1914) · p. Seite 234

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 20 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
Seite 234 (sequence 6)
Language
German
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- 234 -- Ä Organisation für die Judenheit bedeute. Herr Dr. Kahn dankt ihm namens der Versammlung für seine bisherige Mühewaltung und treue Arbeit. Da durch den vor längerer Zeit bereits erfolgten Rücktritt des Professors Philippson auch das Amt eines ersten Vorsitzenden neu zu besehen ist, wird als erster Vorsitzender der Zentralstelle Herr Sanitätsrat Dr. W r e s ch n e r und als stellvertretender Vorsitzender Herr Herrn. Aron gewühlt. — Die beantragte« Statutenänderungen, Verlegung des Geschäftsjahres von April zu April, Streichung der veralteten Bezeichnungen „Deutsche Konferenzgemeinschast der „A.J. 11." im Statut der Zentrale und Einfügung eines Zusatzes zu 8 6, daß zur Mitgliederversammlung mit beratender Stimme je ein Vertreter der Grenzbureaus und die Mitglieder eines zur Unterstützung des Vorstandes neu zu schaffenden Beirats zuzuziehen seien, werden angenommen. In den neuen Beirat werden berufen die Herren: Professor P h i l i p p s o n, Dr. Max G i n s b e r g, Dr. B. Kahn, Sanitätsrat Fei lchen selb, Justizrat Meyer, Eugen E a s p a r y, Emil P i n c u s, Redakteur L e v y, sämtlich Berlin und ferner die Herren: B. Feilchenseld, Köln, Kommerzienrat Hey m a n n, Fürth, Lucien Picard, Frankfurt a. M., Paul L a s - k a r, Hamburg, D. W o l p e, Thorn und Senator Fischer, Hannover. Herr Picard, Frankfurt a. M., will die Annahme feiner Wahl von dem erst zu erfolgenden Anschluß Frankfurts abhängig machen. Dr. Neumann macht darauf aufmerksam, daß Frankfurt an die Zentrale Beitrag leiste, daher als Mitglied bereits jetzt zu betrachten sei, somit kein Grlind vorliege, daß Herr Picard die Wahl nicht annehme. Falls eines der gewählten Mitglieder des Beirats die Wahl nicht annimmt, wird dem Vorstand das Recht übertragen, die erforderliche Ergänzung vorzunehmen. Dann folgte das Referat des Herrn Feilchenfeld, Köln, über „Aufgaben und Ziele unserer Organisation". Bier Jahre seien vergangen, als er die Grundsätze für diese Organisation vorgetragen, und die Zentrale geschaffen wurde. Mau habe natürlich die Kinderkrankheiten zu überstehen gehabt. Heute dürfe mau behaupten, daß das Kind lebensfähig und entwicklungsfähig sei. Sowohl mit den inneren wie äußeren Erfolgen könne man zufrieden sein. In ersterer Hinsicht verweist er aus den Rückgang der Durchwandererzahl im Kölner Kassenbezirk, von 1500 früher auf jetzt 800, auf die Steigerung der.Unterstützungsrate von früher 1 bis 2 Mark, auf jetzt 15,50 Mark pro Kopf und auf die Vermehrung der Zahl der Arbeitswilligen von früher etwa 150 auf jetzt 600 Beschäftigte. Arbeitsstätten müßten am Sitze jeder Provinzialkasfe bestehen, wo diese unmöglich seien, wären kornnrunale Arbeitsstätten zu benutzen. Fortschritte nach außen seien gleichfalls erzielt. Es sei gelungen, Wolken, die über Wert und Bedeutung der Zentrale lagerten, zu zerstreuen. Mit Berlin, Halberstadt, Hannover, Bochum seien Besprechungen gepflogen und dadurch, wie er glaube, alle Meinungsverschiedenheiten ausgeglichen. Die Zentralstelle habe ein gutes Stück Arbeit geleistet, und wenn noch nicht alles erreicht 'sei, so liege das an den Verhältnissen, die oft. stärker sind als wir. Er spricht dem „D. I. G. B." Dank aus für die unentgeltliche Hergabe der Bureauräume und die sonstige Förderung der Zentralstelle. Das nächste und wichtigste Ziel sei die Gewinnung Frankfurts und die Organisierung Süddeutschlands: großen Nutzen für alle erwarte er auch von der diesmaligen Anteilnahme an den Beratungen seitens der russischen Herren und des Herrn Sekretärs Dr. Fleischer, Wien. Mißstände bedauerlicher Art Hütten sich nur von den Grenzen des Kölner Bezirkes gezeigt, die auf das Fehlen einer Organisation der Pfalz zurückzuführen seien. Bezüglich des Weges zur Organisierung Süddeutschlands schlügt er vor, sie nicht von Berlin aus, sondern von Frankfurt aus in die Wege zu leiten und in Frankfurt a. M. eine zweite Zentralstelle zu schaffen, allein, für Süddeutschland und für die hiernach erforderliche Statutenänderung, eine außerordentliche Generalversammlung einzuberufen. Frankfurt ist nach anderen Prinzipien organisiert, der Eigenart solle man Rechnung tragen. .Auch die etwa noch in der Ablehnung verharrenden Kreise der streng gesetzestreuen Richtung müßten durch Aufklärung für die Sache gewonnen werden. Er stellt bezüglich Frankfurts und Süddeutschlands dementsprechende Anträge. Der Vorsitzende verweist darauf, daß damit ein verhängnisvoller Dualismus in die Organisation hineingetragen würde. . Allein, man solle erst den weiteren Vortrag Dr. Tänzers entgegennehmen, der ja im Zusammenhang mit der Frage stehe. Herr Dr. Tänzer spricht dann über „Die Einbeziehung Süddeutschlands". Er verstehe unter Süddeutschland im engsten Sinne Südbayern, Württemberg, Baden und Elsaß-Lothringen. In seiner achtjährigen Kassentätigkeit habe er festgestellt, daß der Weg der meisten Wanderer durch seinen Bezirk von Wien nach Paris gehe, und zwar hauptsächlich über die Orte Wien, Linz, Salzburg, München, Augsburg, Stuttgart, Karlsruhe,. Mannheim, Straßburg. Er gibt eine sehr instruktive statistische Uebersicht über die Zahl der Durchwanderer durch die genannten Orte, die eine bemerkenswerte Abnahme im Jahre nach der Begründung der Zentralstelle aufweist, die er aus die Wirksamkeit der Zentrale zurückführen möchte. Ferner ergibt sich, daß, da die Höhe der Unterstützungen die ziemlich gleiche geblieben, die Abnahme der Wanderarmen den Kassen zugute gekommen sei. Da die Wanderer in Süddeutschland nicht der Kontrolle unterliegen, wie in Norddeutschland mit seiner Organisation, so wenden sie sich in größerer Zahl nach dem Süden, daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Ausdehnung der Organisation auf Süddeutschland im eigenen Interesse auch Süddeutschlands. Er schildert feine höchst anssichtsvollen Bemühungen für diesen Anschluß, den er für erreichbar hält, wenn man jetzt energisch die Angelegenheit betreibe. Ueberall habe er Verständnis für die Sache gefunden, »vielfach aber völlige Unkenntnis der Ziele und der Zwecke der Zentralstelle. Er schlägt vor: Abfassung einer ausklärenden, in ganz populärem Tone gehaltenen Broschüre und deren Massenverteilung, Appell des „D.J. G.B." an die ihm angeschlossenen Gemeinden Süddeutschlands zum Beitritt, Einflußnahme der Logen zur Förderung des Anschlusses an die Zentralstelle, persönliche Propaganda, Versammlungen der Gemeinden mit Sitze der zu schaffenden Proviuzialkasfen in München, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim mtb Straßburg. Mit dem 1. Oktober des Jahres könnte daun Süddeutschland angeschlosfen sein. Ein Verlangen nach einer zweiten Zentralstelle für Süddeutschlaud sei dort gar nicht vorhanden, wohl aber Geneigtheit zum Anschluß. Er beantragt eine Beschlußfassung im Sinne stiller Vorschläge. In der Debatte wendet sich Herr Laskar, Hamburg, mit aller Entschiedenheit gegen die Schaffung einer zlveiten Zentralstelle, das wäre verhängnisvoll für die ganze Organisation, denn damit würde ein perrnauenter Zlviespalt geschaffen werden müssen. Es wäre verkehrt, eine Mainlinie, die nach Tänzers Allsführungen nicht besteht, erst einzurichten. Die Errichtung von Provinzialkassen in den genannten Städten gehe nicht an, das müsse den Herren dortselbst überlassen bleiben. Auch Dr. Ros en ak, Bremen, ist gegen die zweite Zentralstelle, desgleichen Stadtrat Schleyer, Posen. Professor Philippson verweist darauf, daß Frankfurt selbst eine zweite Zentrale gar nicht wolle, da es einen solchen Vorschlag selbst ablehnte. Mas Dr. Tänzer vorgeschlagen, solle man anuehmen, mit Ausnahme jenes, der die Einrichtung von Provinzialkaffen durch Versammlungsbeschluß heute verlange. Senator Fischer ist im Prinzip auch gegen zwei Zentralen, obwohl das Beispiel des Abwehrvereins, des Frauenbundes usw. zeige, daß man an die Einrichtung zweiter Geschäftsstellen wohl denken kölme, die Fusion mit Frankfurt müsse vollzogen werden. Man müsse mit dem kategorischen Imperativ operieren, denn die Zlvillgende Notwendigkeit liegt vor. Er schlägt vor, die Anträge Tänzers und Feilchenfelds in eine gemeinsame, etrvas generellere Form zll kleiden. Die redaktionelle Bearbeitung lvird dell Herren Antragstellern und Senator Fischer übertragen. Herr Justizrat Meyer, Berlin, führt noch aus: Unsere Organisation nmß in unserem deutschen Vaterlande eine einige sein, jeder Gedanke einer Zweiteilung sei indiskutabel. Auch die Errichtung einer zweiten Geschäftsstelle gehe nicht an, die Einheit der Zentrale müsse unter allen Umständen gesichert fein. Nachdem noch die Herren Eschwege, Hannover, Ehaim, Köln, Sandler, Königsberg, gesprochen, und Herr Picard, Frankfurt, als seine persönliche Meinung dahin geällßert hatte, daß Frankfurt gar nicht eine Zentrale wolle, Berlin durchaus freundlich gegenüberstehe und tutr Vorschläge erwarte, die den angeschlossenen Gemeinden genehm sind, werden die Anträge Feilchenfeld-Tänzer nach der Frühstückspause in folgender gemeinsamer Resolution einstimmig angenommen: 1. „Die Versammlung anerkennt in Dankbarkeit die Verdienste der Berliner Zentralstelle um die Wanderarmenorganisation, erachtet indessen deren sofortigen weiteren Ausbau, namentlich die Gewinnung der noch ausstehenden süddeutschen Bezirke mit Provinzialkassen bzw. Landeskassen in München, Würzburg, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Straßburg i. E., für notwendig. 2. Der „D.J.G.B." und die Großloge sollen ersucht werden, die Borstände der ihnen angeschlossenen Gemeinden und Logen die Errichtung dieser imd anderer Provinzialkassen als unaufhaltbar notwendig zu empfehlen. 3. Neben der persönlichen Propaganda soll durch Massenverbreitung populärer Schriften Verständnis und Interesse für die Wanderarmenorganisation geweckt werden. 4. Zwecks Ermöglichung des bringend nötigen und m

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