Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1914)
- Date
- 1914-05-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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78. Jahrgang. Nr. 19 Berlin, 8. Mai 1914 Der Gemeindebote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums. Lorrrhwndm?rn und Kschrichtm. Seutschlsnd. y. Berlin, 3. Mai. Die heutige Sitzung der Repräsentant e n v e r s a m m I u n g wurde von dem Vorsitzenden Herrn Louis Sachs mit einigen geschäftlichen Mitteilungen eröffnet. — Die Repräsentantenversammlung hat au Herrn Prof. M ay b a u m zu dessen 70. Geburtstag kein Beglückwünschnngstelegramm gesandt, sondern gemeinsam mit dem Borstande in einer Adresse die besten Glückwünsche dem Jubilar übermittelt. Dem Beschluß der letzten Repräsentantenversammlung, dem „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" zur Fertigstellung des Werkes: „Der Anteil der Juden an den Befreiungskriegen" außer den bereits bewilligten 2000 Mark weitere 2000 Mark zu gewähren, ist der Gemeindevorstand beigetreten. Insgesamt hat die Gemeinde also 4000 Mark bewilligt. — Zur Annahme gelangten sodann eine Anzahl von Zuwendungen: Frau C ä c i l i e P a r i s e r - M e n d e hat der Altersversorgungsanstalt einen Betrag von 12 000 Mark zur Errichtung einer Paul-und-Eäcilie-Pariser-Mende-Stiftung als Geschenk zur Berfügung gestellt, der verstorbene Kaufmann Siegfried Becker letztwillig 2000 Mark und die verblichene Witwe Hulda Abraham geborene Wurm letztwillig 400 Mark zu Graberhaltungszwecken der Gemeinde zugewendet. Die Versammlung stimmte der Annahme zu, desgleichen der Zulvendung des Herrn Geheimen Justizrats Dr. Hermann Beit L i m o ii im Betrage von 1000 Mark. Von den Borstandsmitgliedern der neuen Synagoge Levetzowstraße sind - für das Gotteshaus von Herrn M. Beer zwei Altartischleuchter, von Herrn B. H e ß zwei Kidduschbecher und von den Herren I. H a m b u r g e r , Dr. Israel und E. P l o t k e je ein Thoramantel zum Geschenk gemacht worden, deren Annahme die Versammlung beschließt, ebenso wird die Zuwendung des Herrn Josef Krause im Betrage von 5308 Mark zur Erhöhung des Grabpflegevermächtnisses seines verstorbenen Bruders Adolf Krause mit der daran geknüpften Bestimmung angenommen, daß die Zinsen, solange sie nicht für die Grabpslege verwendet werden, wohltätigen Zwecken zugeführt werden sollen. Angenommen wird ferner die Zuwendung der Frau Hedwig L a ch m a n n geborene Eltzbacher in Höhe von 5000 Mark zur Vermehrung der Justizrat Dr. Edmund-Lachmann-Stiftung. - - Vom Gemeindevorstand liegt die Antwort auf Resolutionen und Initiativanträge der Repräsentantenversammlung aus dem vorigen Jahre vor. Auf den Beschluß der Versammlung: die Satzungen der Baukommission einer gemischten Deputation zur Vorberatung zu überweisen und dieser Deputation das Kooptationsrecht zu gewähren, teilt der Vorstand jetzt mit, daß die gemischte Deputation ihre Beratungen beendet und deren Beschlüsse nunmehr dem Vorstand vorliegen, der demnächst der Versammlung eine Vorlage Zugehen lassen werde. — Wegen der Sicherung des Vorkaufsrechts auf das Straßenland der geplanten Zumptstraße neben dem Krankenhausgrundstück Exerzierstraße hat der Vorstand mit dem Berliner Magistrat Verhandlungen angeknüpft, die aber noch nicht zu einem Ergebnis geführt^ haben. — Der Antrag der Versammlung vom 30. Januar 1910 auf Einführung geordneter Gemeindefeelforge und Einziehamg, von Gutachten hierüber von den Herren Gemeinderabbinern noch keinen Abschluß erfahren können. Ebenso harrt der Beschluß der Repräsentantenverfalnmlung vom 30. März 1910, in gemischter Deputation über den Antrag auf Einrichtung einer Krankenkasse für sämtliche Beamte der jüdischen Gemeinde, die bis 2000 Mark Gehalt beziehen, zu beraten, noch der Erledigung. Zugestimmt hat der Vorstand dem Beschluß, für die Nebenanlage und die innere Einrichtung des zweiten Waisenhauses in Pankow nur die Summe von 50 000 Mark (statt der ursprünglich geforderten 59 414,38 Mark) zu bewilligen. — Ueber die Verwendung des Grundstücks' des alten Krankenhauses sind von der Versammlung am 14. Dezember vorigen Jahres zwei Beschlüsse gefaßt worden: 1. mit dem katholischen Krankenhaus wegen Verkaufs nicht eher in Verbindung zu treten, bevor ein Angebot sür das geiamte ungeteilte Grundstück vorliegt, und 2. der gemischten Deputation zur Beratung über die Verwendung des Grundstücks zu empfehlen, die Errichtung eines jüdischen Vereinshauses in Erwägung zu ziehen. Von dem ersten Beschluß hat der Vorstand Kenntnis genomm-eii, den zweiten der gemischten Deputation überwiesen. — Von Herrn Geheimen Baurat Professor Dr. Th. Landsberg ist au den Vorsitzenden der Versammlung das folgende Schreiben gelangt: „Hierdurch teile ich der Repräsentantenversaminlung ganz ergebenst mit, daß ich durch meinen Gesundheitszustmid leider gezwungen bin, das A ut t a l § A e l t e st e n st e l l v e r t r e t e r i rn G e m e i u d e v t> r st a n d u i e - de x z u l e g e n. Bei dieser Gelegenheit ist es nur ein Bedürfnis, den geehrten Herren Repräsentanten. meinen herzlichsten Dank auszusprechen für das mir seinerzeit durch die Wahl erwiesene Vertrauen und für das freundliche Eutgegeukommeu in meiner Wirksamkeit." Herr L o u i s Sachs nimmt Veranlassung, Herrn Landsberg, namens der Gemeinde den herzlichsten Dank für seine stets bereite uneigennützige Arbeit im Dienste der Gemeinde abzustatten. Er rühmt die vorzüglichen Eigenschaften des nun aus dem Amte Zu rücktretenden und spricht den Wunsch aus, daß der nun Scheidende in seiner Gesundheit bald wieder gekräftigt sein möge, um, wenn nicht in dem alten Ehrewa inte, so doch iveirigstens in anderer Weise sich im Dienste der Gemeinde betätigen zu können. Für die Neuwahl eines Vorstandsstellvertreters, die durch den Rücktritt des Herrn Gehe im rat Landsberg nötig ist, wird ein vorbereitender Ausschuß eingesetzt, rn den die Herren Geheimrat B l u m e n t h a l, Louis S a ch s , Dr. M i n d e n, D r. Ignatz C v h ii, Oskar Tietz , Professor B l a s ch k e und Professor Kalischer gewählt werden. Der Ausschuß trat sofort nach der Sitzung zu einer ersten Beratung zusammen. — In der vorigen Sitzung war der Antrag Emil Cohn, betreffend ein anderweitiges Verfahren bei Vergebung der Plätze in den Gemeindesvnwgogen und den Betlokalen, vertagt worden. Die Versammlung stimmt heute dem Antrag, in gemischter Deputation darüber zu beraten, zu, nachdem Herr Justizrat Breslauer mitgeteilt hatte, daß auch der Vorstand sich dahin schlüssig gemacht hat, in eine Beratung über diese Frage einzutreten. In der Begründung seines Antrages führt Herr Emil Cohn aus, daß die Gemeinde nicht nur für die Einrichtung von Gottesdienst zu sorgen habe, sondern auch dafür, daß der Besuch des Gottesdienstes den Gemeindemitgliedern leicht und bequem gemacht werde. In anderen Gemeinden, zum Beispiel Westfalens, bestehe bereits das, was sein Antrag loolle, und was dort möglich sei, sollte sür Berlin keine Unmöglichkeit sein. Im übrigen fei das, was sein Antrag wolle, ein sehnlicher Wunsch eines großen Teiles der Genieindemitglieder. Herr Benas Levy hält die Anregung des Antrages zwar sür dankbar, die Ausführung aber für unmöglich. Bei der Gelegenheit loolle er der Versammlung von einer Zusammenstellung Mitteilung machen, die er vorgenommen habe. Danach waren in den Synagogen und Betlokalen im Jahre 1906 24 860 Plätze, 1909 bereits 29 800 und 1913 33 000 Plätze vorhanden. Er hofse, daß es in absehbarer Zeit noch besser damit werde. Auch Herr L e lo i n s k i wie Herr I u st i z r a t C o h n hatten die Durchführung des Antrages für unmöglich, schon aus finanziellen Erwägungen, aber auch aus anderen Gründen. Schließlich wurde der Antrag, lvie schon erwähnt, einer gemischten Deputation überwiesen. — Bezüglich der geschenkweisen lleberlassung des von Professor Traub seinerzeit im alten Krankenhaus eingerichteten pneumatischen Kabinetts an die Landwirtschaftliche Hochschule bestand, wie seinerzeit berichtet, eine Differenz zwischen dem Beschluß des Vorstandes und der Repräsentanten nach der Richtung, daß der Vorstand die „Erwartung", die Repräsentantenversaininlung aber die „Bedingung" an die Schenkung knüpfen lvollten, daß den im jüdischen Krankenhaus tätigen Aerzten das pneumatische Kabinett zu .Versuchszwecken kostenfrei auch in Zukunft zur Verfügung stehen solle. Der Vorstand hält an seiner Auffassung fest und ersucht in einer heute vorliegenden Vorlage die Versammlung, seinem Beschlüsse beizntreten. Der Ausschuß I, sür den Herr Dr. M. Ginsberg referiert, beantragt hingegen, die Versammlung möge den Vorstandsantrag ablehnen und an die Schenkung die „Bedingung" knüpfen, da eine Erwartung nicht immer berücksichtigt zu werden braucht. Herr Dr. Ginsberg fragt zugleich an, ob es wahr sei, daß, wie ihm berichtet,