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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-08 · Heft 19 (8.5.1914) · p. Seite 227

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 19 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
Seite 227 (sequence 11)
Language
German
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227 verlangte er liberale Einrichtungen. Der wahre und sichere Fortschritt läge nicht in einem Bevormundungssystem, sondern in der Selbsttätigkeit, die geweckt werden müsse. Freie Selbstentschließung müsse das -einzig Entscheidende sein. Es sei ihm nicht angenehm, manche Vorlagen der Regierung zu tadeln, aber er müsse seinem Gewissen folgen. „Es ist keine Freude und Annehmlichkeit des Lebens" — so sagte er wörtlich — „in Opposition gegen Staat und Regierung zu stehen." Doch trat er bei manchen Anlässen, bei denen die Regierung, auf dem richtigen Wege zu wandeln glaubte, für dieselbe mit Feuereifer-ein. Dies tat er zum Beispiel als Referent für einen von der Regierung eingebrachten Gesetzentwurf, betreffend die Ermächtigung der Bank, ihre Filialen auf deutsche Handelsplätze auszudehnen. Er erkannte in diesen Instituten einen Hebel zur Einheit auf Politischem Gebiete und beleuchtete die aus dem Bankgesetz notwendig hervortretenden Vorteile mit größter Klarheit. Im Gegensatz zu der Linken des Hauses betonte er nachdrücklich, daß er in der Vorlage die Wahrung des Landesinteresfes erblicke und daß in einem solchen Falle alle Parteibedenken schwinden müßten. In dem Norddeutschen Reichstage 1867 gehörte er zur Fraktion der Nationalliberalen, die aus dem 1866 für Preußen siegreichen Krieg die Konsequenzen zogen und mit den geschichtlichen Tatsachen rechneten, indem sie auf der gegebenen Grundlage die Einheit deutschen Landes zur Macht und Freiheit Herstellen wollten. Mit einem schönen treffenden Wort des bereits erwähnten Rektors Dr. Kirfchstein, an der Bahre Leonor Reichenheims gesprochen, sei hier die Skizze abgeschlossen: „Der Tod mit seiner Weihe hat das große, reiche Lebensbild des Verblichenen geheiligt und verklärt und es von seinen irdischen Trübungen befreit. In diesem heiligen, reinen Glanze wollen wir ihm unvergängliche Liebe bewahren. Er lebe fort in unserem Busen uns ermahnend, daß wir allesamt brüderlich vereint an dem höchsten Lebensglücke, an den edelsten Lebensgütern, an der höchsten menschlichen Vollendung rastlos tätig sein und arbeiten sollen." Mach swansig stahren! Schauspiel in einem Aufzug von Ermanno Loevinson. _ Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt. Alle Rechte, auch das der Uebersetzung, Vorbehalten. Das Aufführungsrecht erteilt einzig und allein der Verfasser Ermanno Loevinson. Personen: Giuditta. Edgardo. Valeria, seine Frau. Kachele, ihr Töchterchen. Ada, Dienstmädchen. Ort der Handlung: Rom. Zeit: Die Gegenwart. Erster Austritt. Giuditta. Ada. Giuditta (vom Korridor aus vor Ada ins Zimmer tretend): Also Sie meinen, es wäre ganz unbestimmt, wann die gnädige Frau zurückkommt. Ich hätte aber dringend nötig, sie zu sprechen. Ada: Soll ich vielleicht den Herrn rufen? Der ist gerade zufällig zu Hause. Sie sagten doch draußen, es handle sich nur um eine Auskunft. Vielleicht kann der sie Ihnen auch geben. Giuditta (nachdenkend): Nein!... Ja!... Nein! ... Ach ja, vielleicht könnten Sie ihn doch rufen, wenn's ihn beim Arbeiten nicht stört. Sagen Sie nur, wenn er nicht gleich kommen will, eine Dame ist da; die will wissen, wie die Herrschaften mit dem vorigen Kindermädchen, der Marghevita, zufrieden gewesen sind. Ada: Der Herr kümmert sich nicht um Wirtschaftsangelegenheiten, aber so viel wird er Ihnen doch wohl sagen können. (Geht durch eine andere Tür, als durch sie gekommen, ab.) Zweiter Auftritt. Giuditta allein. Giuditta: Also in diesem einfachen Heim lebt er glücklich! Wie geschmackvoll sie aber auch alles angeordnet hat! Und so sauber und ordentlich! Sie muß wirklich die reizende Person sein, als die man sie mir geschildert hat. Ach, wenn ich doch mal in seinem Bücherschrank herumstöbern könnte, ob denn gar nichts mehr darin ist, was an mich erinnert! (Sie errötet leicht.) Das sind seine Schritte, er hat noch denselben Gang von damals. DritterAuftritt. Giuditta. Edgardo. Edgardo (hereintretend und sie bemerkend. Mit erstauntem Gesicht): Sie hier, gnädige Frau, wie kommen Sie hierher? Hätte ich das gewußt . . . Giuditta: Sagen Sie nur ruhig die Wahrheit, Herr Professor; dann wären Sie nicht hereingekommen und hätten mich durch das Mädchen auf anständige Weise vor die Tür setzen lassen. Edgardo: Das wohl nicht, aber... aber... meine Frau hätte Ihnen die Auskunft über das Kindermädchen ja auch schriftlich geben können. Giuditta: Warum denn aber das? Haben Sie denn wirklich noch immer solche Angst vor mir wie vor 20 Jahren, als Sie Ihre arme Schülerin so mir nichts dir nichts plötzlich sitzen ließen? Ich bin doch nun seit zehn Jahren verheiratet und habe vier Kinderchen! Die ersten zehn Jahre nach unserer Trennung habe ich allerdings vergeblich auf meinen Lehrer gewartet, der mir den Kopf so ganz verdreht hatte. Edgardo: Sage das nicht so leicht hin, Giuditta. Es könnte doch sein, d u bist der Teil gewesen, der es denr anderen angetan. Was blieb mir da übrig? Wollte ich dich nicht heiraten, — und ich werde wohl meine guten Gründe dafür gehabt haben — so blieb mir eben nichts anderes übrig als die Flucht. Giuditta: Warum haben Sie denn aber, bevor Sie sich von mir für immer zurückzogen, jede Aussprache vermieden? Ich armes Wesen hatte doch wohl ein Anrecht, wenigstens über die Gründe des eiligen Rückzuges aufgeklärt zu werden. Weniger das Verlassenals das im ungewissen Gelassenwerden hat mich so unendlich unglücklich gemacht und mir die schönsten Jahre meines Lebens zerstört. Selbst heute bin ich noch im ungewissen, ob Sie eigentlich nur mit mir gespielt und kokettiert oder mich je wirklich geliebt haben. Einen Beweis dafür habe ich eigentlich nie gesehen. Edgardo: Zu einer Aussprache oder auch nur schriftlichen Auseinandersetzung mit dir und den deinigen fühlte ich mich nicht stark genug: Ihr hättet doch recht behalten, das heißt, mein Gefühl hätte über den Verstand gesiegt, und das wollte ich auf jeden Fall vermeiden. An Beweisen, wie sehr ich Sie, Giuditta, auch nach unserer Trennung geliebt, ja wie sich diese Neigung gerade dadurch fast zur wahnsinnigen Verehrung gesteigert hat, würde es mir nicht fehlen. Erst seit meiner Verheiratung, also erst seit sieben Jahren, erst seitdem ich die beste Frau der Welt sein eigen nenne, hat meine Gesundung begonnen.

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