Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 18 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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MÜÜÜ Sitzung besichtigte der Landesgemeinderat die neue prachtvolle „Heilige Lade" in der Synagoge zu Oldenburg, welche dem Herrn Landrabbiner anläßlich seines 50. Geburtstages gespendet wurde. — Anläßlich der Sitzung des Jüdischen Landesgemeinderates fand am Sonntag, 19. April, nachmittags in Oldenburg ein „Judentag" statt, welcher von Damen und Herren aus allen Gemeinden des Herzogtums sehr zahlreich besucht war. Auf ein Huldigungstelegr-amm, welches, die Versammlung an den in Bad Kissingen zur Kur weilenden Großherzog abzusenden beschloß, traf abends folgende Antwort des Großherzogs ein: „Für den mir namens der jüdischen Gemeinden des Herzogtums dargebrachten. Huldigungsgruß und die guten Wünsche für meine Gesundheit spreche ich meinen herzlichsten Dank ans, Friedrich August. e/t> Nürnberg, 24. April. Der soeben erschienene elfte Jahresbericht des Vereins Israelitisches Mädchenstift E. V. (Max und Eli'se Heünsche Stiftung) in Nürnberg konstatiert zunächst, daß das abgelau.fene Vereinsjahr in der fortschreitenden Entwicklung des Israelitischen Mädchenstiftes als ein günstiges bezeichnet werden kann. Durch die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse, durch den gewaltigen Aufschwung, den Handel und Industrie genontmett haben, sucht besonders die jüngere Generation beider Geschlechter ihren Lebensunterhalt in den großen Verkehrszentren, woselbst durch das Zusammenströmen so vieler Stellungsuchender Zustände entstehen, welche für die jungen Leute, insbesondere die irr Stellung befindlichen alleinstehenden« Mädchen, große Gefahren in sich bergen. Aus solchen Erwägungen haben die Stifter der Anstalt, der verstorbene Herr Max Heim in Frankfurt und seine noch dortselbst lebende Frau Gemahlin Elise Heim, in verständnisvoller Weise den Grundstock zur Errichtung eines Stifts für israelitische Mädchen, die in Nürnberg in Stellung sind und sornit des elterlichen Schutzes entbehren, gelegt. Die sich immer mehr steigernden Gesuche mit Aufnahme beweisen die Notwendigkeit und Wohltat der Anstalt. Die im. Stift vorhandenen 23 Plätze waren stets besetzt; gegenwärtig befinden sich darin 6 Handelsschülerinnen, 11 Kontoristinnen, 1 Kassiererin, 1 Anwaltsbuchhalterin und 4 Verkäuferinnen; 21 Pfleglinge sind aus Bayern, 2 aus Württemberg. Die Vorsteherin, Frau Bertha Gol'dschmid t, bemüht sich, Mutterstelle an den ihr anvertrau-ten Pfleglingen zu vertreten, ihnen Schutz und Beistand zu gewähren, mit verständnisvollem Rat an die Hand zti gehen, wenn sie solchen bedürfen, sie anfzurichten, wenn sie durch irgendeine Sorge gedrückt sind, und die Mädchen in ihren freien Sttrnden zu einer nützlichen Beschäftigung anzuhalten. Die Damen der Verwaltung besuchen im Turnus regelmäßig das Stift, besonders zur Essenszeit, um sich von der richtigen Führung des Hauswesens zu überzeugen. Die Pfleglinge werden angehalten, den Gottesdienst für Angestellte am Freitag abend zu besuchen, ebenso leisten sie den Einladungeti zu. den Unterhaltungsabenden der Maimonidesloge Folge. Der Gesundheitszustand der Pfleglinge war im abgetan fenen Vereinsjahr ein recht günstiger. Herr Hofrat Dr. Frankenburger hat auch während dieser Zeit den Mädchen seinen ärztlichen Beistand in aufopfernder Weise zuteil werden lassen, wofür ihm der Bericht den Dank der Verwaltung ausspricht. An Geschenken flössen dem Stift im abgelausenen Jahre 2075 Mark zu, wofür den Spendern herzlichster Dank zum Ausdruck gebracht wird. Der Bericht schließt mit der Hoffnung, daß die Entwicklung der Anstalt auch weiterhin sich in aussteigemder Linie vollziehen wirb, da hierzu alle Borbedingung,en gegeben sind. Der Kassenbericht schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 18 2 66,06 Mark ab. Das Vereinsvermögen beträgt 150 168,98 Mark. J. Frankfurt a. M., 24. April. Den Umfang eines stattlichen Büchleins hat der Bericht, den der Verein „Weibliche Fürsorge" über die Wirksamkeit seiner zahlreichen sozialjüdischen Institutionen, die alle von ihm ressortieren, während der letzten zwei Jahre erstattet. Mit Recht wird betont, daß die Entwicklung, die der Verein gerade in diesen beiden letzten Jahren genommen hat, zu den bedeutsamsten gehört, die nach dem Stande des modernen Vereinslebens je eine Vereinsorganisation zu verzeichnen haben kann. Die „Weibliche Fürsorge" ist in dieser Zeit ein freier, unabhängiger Verein geworden, und war mit der Erlangung der Rechte einer juristischen Person in den Stand gesetzt, die hochherzige Gabe der Frau Louise Goldschmidt in Höhe von 30 000 Mark anzunehmen. Das Kinderhaus der „Weiblichen Fürsorge" hat sich unter Beibehaltung seines Namens als selbständiger Verein entwickelt. Als Ergänzung der Kinderschutzkommission der „Weiblichen Fürsorge" wurde nach verschiedenen Konferenzen mit dem Almosenkasten der jüdischen Gemeinde die Bildung einer „Sozial-religiösen Kinderkommission" erwirkt. Das Zusammenarbeiten mit dem Almosenkasten, mit der jüdischen Sammelvormundschast und dem Israelitischen Hilssverein hat sich immer besser entwickelt. Nach wie vor sind zwei Damen des Vorstandes in die Verwaltung der Schulküchenkommission delegiert. Im Verein zur Bekleidung israelitischer Schul- und Lehrmädchen üben zwei Damen des Vereins „Weibliche Fürsorge" Kontrolle aus. Im Aufträge des Jugendgerichts hat der Verein ferner zwei Pflegschaften und zwei Schutzaufsichten, im Aufträge des Pestalozzi-Vereins eine Schtttzaussicht übernommen. Auf dem Gebiete der Gefangenenfürsorge (14 Fälle mit 24 Besuchen) hat der Verein des weiteren sehr Ersprießliches geleistet. In dem Burgstraßen- Lokal, das 85 durchreisenden Frauen und Mädchen Unterkunft gewährte, und zu dessen Unterhaltung die „Weibliche Fürsorge" mit anderen jüdischen Frauenvereinen beisteuerte, ist ein weiterer Zweig der Vereinstätigkeit zu verzeichnen gewesen. Als Ergebnisse der Jugendfürsorgearbeit verdienen die Gründung einer neuen Kommission für Wohnräume und die Gründung der Kommission für Berufsberatung hervorgehoben zu werden. Aus der Zusammenarbeit mit interkonfessionellen Vereinen ist zti berichten, daß die „Weibliche Fürsorge" sich beteiligte an der Protestversammlung gegen die Errichtung öffentlicher Häuser, an der Petition um Zulassung der Frauen als Schöffen zu den Jugendgerichten, an der Petition, die Staatsangehörigkeit der Frau betreffend, an der Petition um hauswirtschaftlichen und gewerblichen Fortbildungsschulzwang für Mädchen und an einem Antrag wegen der Beschäftigung der in längerer Behandlung befindlichen Patientinnen des städtischen Krankenhauses und schließlich an der Wahlarbeit für die Lrtskrankenkasfenwahlen. Ein besonderer eingehender Bericht behandelt das Heim des Jüdischen Frauenbundes, das 36 Neuaufnahmen (6 Ausländerinnen und 30 Deutsche) zu verzeichnen hatte. Leider sind die Finanzen des Heims derart, daß, wie der Bericht selbst feststellt, das Heim nicht ganz nach den nötigen sozialen Grundsätzen geführt werden kann. Es ist nicht möglich, alle diejenigen Aufnahmegesuche, bei denen kein Pflegegeld ausgebracht werden kann, zu berücksichtigen, obwohl diese Fälle meist die 'dringendsten sind. Die Erbauung eines zweiten Hauses watdringend nötig. Man begann damit im Sommer 1913, jetzt geht es seiner Vollendung entgegen. J. W. Stratzbrrrg, 24. April. Wie verlautet, soll von den drei Konsistorien unseres Landes demnächst wiederum eine Eingabe au den Königlichen Oberschulrat gerichtet werden in Sachen' der Dispensierung der jüdischen Lehrer an Rosch haschanal) und Zorn Kippur. Bekanntlich wurde diese Angelegenheit seinerzeit von der Behörde abschlägig beschieden, weil sich in der Praxis zti große Schwierigkeiten ergaben. Alan sollte jedoch meinen, wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, so daß vielleicht bei eingehender Prüfung und genauer Erwägung eine allseits befriedigende Lösung sich dennoch ermöglichen ließe. Bei dieser Gelegenheit sollte auch für den Besuch der israelitischen Schüler an den Feiertagen eine neue Verordnung erlassen werden, da die seit etwa 20 Jahren bestehende in vielfacher Hinsicht zti Unzuträglichkeiten führt, namentlich bei den Schülern, deren Eltern nicht am Orte wohnen, in dem sich die Lehranstalt befindet. Am besten wäre es, wenn, wie in Württemberg, die israelitischen Schüler an den Feiertagen überhaupt vom Unterrichte befreit würden. Es mag an dieser Stelle auch daran erinnert werden, daß in Bayern, Frankfurt, Hamburg, Berlin und wohl auch noch in anderen Städten die israelitischen Schüler auf Wunsch ihrer Eltern nicht nur an den Feiertagen, sondern auch an den Sabbaten vom Schulbesuch dispensiert werden können. Warum sollte das bei uns nicht möglich sein? Gefterretch-Nngsrn. K. Wien, 24. April. Der Privatdozent für medizinische Radiologie an. der hiesigen Universität Dr. Leopold Freund hat eine Berufung als Leiter des Röntgenstrahlendepartements am Michael-Reese-Hospital in Chicago erhalten. Es ist dies, wie hiesige Blätter berichten, eine der größten Krankenanstalten Chicagos, die sowohl wegen ihrer musterhaften Einrichtungen als auch wegen