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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-05-01 · Heft 18 (1.5.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 18 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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- 2 - tätigkeit geweiht, seine Werke werden die Erinnerung an ihn stets wachhalten und seinen Namen unvergeßlich machen. Um so trauriger traf dann die Gemeinde die Nachricht, daß der unerbittliche Tod ihn uns für immer geraubt hat. Am 21. April um 7% Uhr abends fand dann die Uebersührung nach der Synagoge statt. Seine ehemaligen Schüler übernahmen aus Liebe git ihrem unvergeßlichen Lehrer die Totenwache. Auf besonderen Wunsch des Verstorbenen erfolgte die Beisetzung in seiner Heimatstadt Beuchen, in der auch die Gebeine seiner Vorfahren ruhen. Am 22. April fand in Cnlm um VA Uhr die Trauerfeier in der Synagoge statt, die durch einen von Herrn Kantor Jnttkowski vorgetragenen Psalm eingeleitet wurde. Alsdann sprach Herr Rabbiner Dr. N o sende rg ans Thorn als offizieller Redner. Mit tiefer Innigkeit gedachte er nochnmls der hohen Verdienste des Dahingeschiedenen, schilderte das sonnige Glück, das dem Heimgegangenen in seinetu herrlichen Familienleben leuchtete, und erwähnte nochmals die biedere Lauterkeit und Selbstlosigkeit seines Charakters. x\in Namen des westpreußischen Nabbinerverbandes schloß sich dann Herr Nabbiner Dr. Levy aus Graudenz mit ebenfalls sehr herzlichen Worten an, desgleichen als Vertreter des westpreußischen Synagogenverbandes Herr Nabbiner Dr. Kälter-Danzig, während Herr Nabbiner Dr. Pick-Strasburg für den Allgemeineil Nabbinerverband sprach. Ganz besondere Anhänglichkeit bewies Herr Rabbiner Dr. Samuel ans Essen, der den weiten Weg zurücklegte, um in seiner Heimatstadt seinem Jreunde auf dem letzten Wege noch einige Abschiedsworte tiefer Liebe und Innigkeit znznrnfen. Herr Kantor Jnttkowski sang noch einen Psalm, daun wurden die Türen der heiligen Lade geöffnet, und niit der Thora im Arm sang Herr Kantor Jrttkowski das E l m ole R a ch a in m i m. Darauf folgte die Uebersührung der Leiche zum Bahnhof, der Sarg wurde von den sieben anwesenden Rabbinern sowie vom Vorstand der hiesigen Synagogengemeinde znnl Zuge getragen. Eine Deputation des Vorstandes nnd der Repräsentanten geleitete den Verstorbenen nach Beuchen, wo die Beisetzung am 23. April nachnlittags drei Uhr erfolgte. Das Hinscheiden unseres hochverehrten Rabbiners bcbcutet für unsere Gemeinde einen unersetzlichen Verlust. Seine auf federn Gebiete segensreiche Wirksamkeit hat ihm in den Herzerr seiner Gemeinde ein ewiges Denkiual gesetzt. 22 Posen, 24. April. Am bevorstehenden dritten Jjar (29. April), dem Todestage unseres hochverehrten Herrn Gememderabbiners Dr. Wolfs Feilchenfeld s. A., wird hierorts eine 'vs c f d) i w a lLehranstalt zur Förderung der Thorakenntnis) eröffnet. Das Provisorische Komitee besteht aus den Herren Rabbinatsassessor L. K raufe, Rabbiner Tr. M. S i l b e r b e r g Karifmaurl S. G e l l e r t, Kaufmann A. P i n c z o w e r und Katlftnann A. Rzeszewski. Der Unterricht ist unentgeltlich. Meldungerl sind dis spätestens 1. Silvan (26. Mai) au Herrn Rabbinatsassessor Krause (Posen, St. Adalbertstraße 16, 1) zu richten. Vorbedingung für die Aufnahme ist ein streng religiöser Lebenswandel. W. Posen, 26. April. Der Antiquitätenhändler A von SL)f i ch e l fei erte am gestrigen Sonnabend seinen 76. Geburtstag. Herr Michel ist ans dem Gebiete der Altertumskunde ein knustverstündiger Mann und wegen seiner Jovialität gut bekannt. Zur Zeit der Kaisertage im vorigen Jahre sah man die Prinz liehen Söhne unseres Kaisers im Geschäftsladen des Herrn Michel in traulicher Unterhaltung. Die hohen Gäste ließe!l sich über die ausgestellten Gegenstände Anfklärililg neben und erstanden einige altertümliche Sachen. Herr Michel besitzt nämlich eine große Sammlung davon und ist über unsere Stadt hillaus von Kellnern gerühmt. Der Jubilar ist in Schrimm geboren und Mitbegründer der dortigen freiwilligen Fetterwehr, der er bis zlir seiner Uebersiedellmg nach Posen im Jahre 1882 als tätiges Mitglied anaehörte. Hier trat er ebenfalls der Wehr bei llnd erwarb sich wegen seiner besonderen Leistungen die Anerkennung der hohen Behörde, dir ihn extra anszeichnete. Von der Feuerwehr wurde er zum Ehrenmitglieds ernannt. Vor ungefähr fünfzehn Jahren hat er sich mit die Bildung des Militärvereins ehemaliger Neunzehner von Courbiere mitbemüht. Er gehört dem Vorstande an nnd bewährt sich zu jeder Zeit als tüchtiges Mitglied. Bei der Jahrhundertfeier in Görlitz, an der er teilnahm, wurden ihm große Ehrungen vom Offizierkorps zuteil. Dem Regimentskasino in Görlitz schenkte er zur Sammlung verschiedene Gegenstände, wie Abbildungen preußischer Soldaten aus den Nuhmestagen 1813/14. Auch der hiesigen Bibliothek spendete er wertvolle Bücher zum Angedenken. Die Wohnung des Jubilars war mit Blumen und kostbaren Geschenken reichlich geziert, Deputationeit verschiedener Vereine überbrachteu ihm Glückwünsche. Zuerst der Militärverein, eine Abordnung unter Führung des Vorsitzenden Herrn Kaufmann Georg Goldner, der eine kernige Ansprache hielt und von der Ernennung zunt Ehrenmitgliede Mitteilung machte. Das Diplom ist künstlerisch ansgesllhrt. Dann folgte die Feuerwehr. Auch der Vereiu der Schummer war durch den Vorsitzenden Lehrer Hermann Wolfs vertreten, der die Gratulation übermittelte. Der Jubilar dankte allen mit herzlichen Worten. 2. Breslau, 24. April. Dem von Herrn Rabbiner Dr. Rose nthal erstatteten 64. Jahresbericht der Religionsunterricht s a n st a l t I zufolge ist die Anstalt nach den großen Veränderungen, die durch die Einführung des jüdischen Religionsunterrichts in den Volksschulen und in manchen Mittelschulen verursacht wurden, nun zu einer ruhigen und gleichmäßigeu Stetigkeit gelangt. Die letzte Parallelklasse ist im vorigen Jahre aufgehoben. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen hat gegen das Vorjahr trotzdem zugenommen. Sie betrug am 1. Februar 1913 (gegenüber 330 Schülern im vorgehenden Jahr) 350, nnd zwar 2 09 Knaben und 141 Mädchen. Die Gesamtfrequenz des letzten Jahres betrug 433. Der Bericht, der im übrigen eine interessante Uebersicht über die im Schuljahr 1913/14 durchgenommenen Pensa enthält, gedenkt in anerkennenden Worten des aus dem Lehrerkollegium ausgeschiedenen Herrn Dr. L e w i n, der einem Rufe als zweiter Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Leipzig gefolgt ist, und widmet dem am 1. Oktober vorigen Jahres in das Amt ols stellvertretender Gemeinderabbiner und Dirigent eingetretenen Herrn Dr. Simonsohn einige biographische Notizen und Begrüßungsworte. Er ist ein Zögling des Breslauer Gymnasiums zu St. Elisabeth, der Neligionsunterrichtsanstalt I, an der zu wirken er nun berufen ist, und des Breslauer jüdisch-theologischeu Seminars. Mit einigen weiteren Schulpersonalien schließt der Berichb. M. Oldenburg, 24 April. Unter dem Vorsitz des Großherzoglichen L a n d r a b b i n. e r s Dr. Mau n h e i m e r fand am Sonntag, 19. April, die diesjährige Sitzung des Jüdischen Landesgemeinderntes tut Sitzungszimmer zu Oldenburg statt, bei welcher einige gesetzliche Beschlüsse gefaßt wurden, welche von allgemeinem Interesse sind. Der Landesgemeinderat beschloß: 1. Hat ein Kind nach Ablauf der Schulzeit (si 2 I> infolge unregelmäßigen Schulbesuchs oder beharrlichen Unfleißes das Schulziel nicht erreicht, so kann es nach Beschluß der Schulkommission noch bis zu einem Jahre in der Schule zurückbehalten werden. Bei Schülern der Religiousschulen findet diese Bestimmung nur dann Anwendung, wenn das betreffende Kind auch die nichtjüdische Schule weiter besucht. Der Vorsitzende erklärt, daß sei-tens der Regierung gegen diesen Paragraphen keine Bedenken vorliegen. 2. Der Landesgemeinderat faßte folgende Resolution: „Der Jüdische Landesgemeinderat für das Herzogtum Oldenburg spricht sein tiefes Bedauern und seine Mißbilligung aus über die vor kurzem in den nichtjüdischen Tageszeitungen veröffentlichte „Erklärung" einer Anzahl Inden, welche geeignet war, das Ansehen dev deutschen Juden in den Augen Andersgläubiger herabzusetzen (dem müssen wir entschieden widersprechen. D. Red.) u.nd den Zwiespalt innerhalb der Jud-enheit zu erweitern und zu verschärfen." 3. Gemeindemitglieder, welche wiederholt beim Gottesdienst durch unangemessenes Betragen Aergernis erregt haben, können auf Beschluß des Synagogengemeinderates zeitweilig vom Besuche des Gottesdienstes ausgeschlossen werden. Der Vorsitzende erklärt, daß gegen diesen Beschluß von seiten der Regierung keine Bedenken erhoben werden. Die Verteilung des Staatszuschusses für die einzelnen Synagogengemeinden des Herzogtums wurde in der vom Vorsitzenden beantragten Weise vorgenommen. Durch diesen Staatszuschuß werden 12 Religionsschulen erhalten, es werden Lehrer selbst hr, die entlegensten. Dörfer mit ein bis zweijüdischen Kindern zum Religionsunterricht gesandt. Außerdem wurden wieder zwei Waisenkinder vom Waisenverein ttntergebracht. Es wurde lobend betont, daß unsere religiösen und Gemeindeverhältnisse sehr gut geordnet seien, daß durch die Opferwilligkeit der Genteinden die kleinen Gemeinden auf Kosten der großen erhalten werden, und daß die religiösen Verhältnisse, besonders in der Hauptgerneinde Oldenburg, sich in hervorragender Weise entwickelt haben. Nach der

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