Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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z 60 Zöglinge mit Kleidern imb Schuhwerk versehen, und sind fünf Kinder in die Ferienkolonie entsandt worden. — Der Verein „Chinuch Neorim" hat wiederum für eine große Anzahl von Kindern das Schulgeld gezahlt. Der Bericht schließt mit folgenden Worten: Vier Jahrzehnte waren im Oktober 1913 vergangen, seitdem die Städtische Schuldeputation uns die Benutzung der Räume in der städtischer! Schule Gipsstraße 23a in dankenswerter Weise zugestanden hat. Unser Dank ist um so größer, als während dieser ganzen vierzig Jahre jederzeit unsere Wünsche bereitwilligst erfüllt rvurden, also lange Zeit vor dem Erlaß des Volksschulunterhaltungsgesetzes vom 28. Juli 1906, welches (im § 40) den Kommunen die Sorge für den jüdischen Religionsunterricht zur Pflicht macht. — Berlin, 21. April. Ueber d i e jüdische Frau und M u 1t c x sprach Johanna Meyer im Rahmen eines Vortragsabends der Ortsgruppe Berlin des Jüdischen Frauenbundes im Harmoninmsaal. Tie Vortragende begann mit einer Schilderung des Mädchenklubs, den der Jüdische Frauenbund in Berlin begründet hat, und dessen Ziel eine veredelnde Einwirkung auf die jüdische Frau ist. Solchem Streben Weg und Richtung zu weisen, seien die großen Frauengestalten der Bibel, der jüdischen Sage und Dichtung geeignet. Johanna Meyer brachte dem zahlreichen Auditorium diese Frauengestalten in der Verkörperung der Dichtung nahe. Hat Grillparzer in seiner „Jüdin von Toledo" die schlechten Eigenschaften des Judenmädchens gezeichnet, so zeigt Otto Ludwig die Mutter der Makkabäer in ihrer heroischen Größe. Die Vortragende brachte Leas Klage um ihre sterbenden Söhne mit erschütternder Tragik zu Gehör. Als Gegensatz dazu las sie „Das Buch Ruth", diese Idylle, deren köstlich reine und innige Schlichtheit in der Nachdichtung man Otto Erich Hartleben kaum zugetraut hätte. Ein Seitenstück dazu an Reinheit und Güte ist des Prinzen Schönnich-Earolath „Sulannth". Wie dröhnendes Erz klingen die Balladen im „Buche Juda" von Börries v. Münchhausen. Alle Innigkeit wußte die Vortragende aus Heines Sonetten an seine Mutter anszuschöpsen, die die dem Judentum eigene tiefe Liebe des Sohnes zur Mutter dartun, während Berthold Feiwels „Berurja" die Größe der Hingebung der jüdischen Gattin schilderte, die den rasenden Schmerz und den Tod der Söhne bezwingt, um den Gatten schonend darauf vorzubereiten. Sie brachte dann aus Morris Rosenfelds „Vagabundenlieder" die ergreifende Szene vor Gericht, als der wandernden Mutter die Kinder abgesprochen werden. Die Vortragende schloß mit einem Bruchstück aus den „Memoiren der Glückel von Hameln", jener kräftigen, urwüchsigen Chronistin aus dem 17. Jahrhundert. §2 Königsberg i. Pr., 16. April. Das Israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz zu Königsberg i. Pr. versendet den 53. Jahresbericht. Er enthält über das Verwaltungsjahr 1913 folgende Angaben. Gegenwärtig befinden sich 31 Zöglinge in unserer Pflege: 20 Knaben und 11 Mädchen. Drei davon haben die Schule bereits verlassen und werden unter unserer Leitung für ihren Beruf ausgebildct. Jeder Zögling erhalt eine seinen Fähigkeiten und seinem Fleiße entsprechende Schulbildung. Von den 29 schulpflichtigen Kindern der Anstalt besuchen 18 Volksschulen, 6 Mittelschulen und 5 Realschulen und höhere Mädchenschulen. Unsere Zöglinge kommen in den Schulen im allgemeinen gut vorwärts. Vier von ihnen haben im vergangenen Jahre von ihren Schulen Prämien erhalten. Unser Waisenhaus sucht den Zöglingen außer der allgemeinen Bildung auch noch manche wertvollen Sonderkenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln. In den Sommermonaten werden die größeren Knaben und Mädchen im Gartenbau, im Winter beide Abteilungen in Handarbeiten unterwiesen. Der Gartenbauunterricht, der in unserem Anstaltsgarten stattsindet, ist auch für Kinder ans der Gemeinde freigestellt. Die Anmeldungen dazu haben im April bei unserem Waisenhausdirektor stattzufinden. Der Unterricht wird auch für Kinder außerhalb der Anstalt kostenlos erteilt. Jedes Kind erhält ein kleines Gartenstück zur eigenen Bearbeitung und Bebauung Zugeteilt und darf den Ertrag seines Beetes, Blumen und Gemüse, nach seinem Belieben benutzen. Die Beschäftigung mit der Gartenpflege ist gesund und gibt dem Gemüte des Kindes viel wohltuende Anregung. Einige musikbegabte Kinder der Anstalt erhalten auch Musikunterricht. Dieser wird unseren Zöglingen von den Damen Frau Martha Rosenthal, Fräulein Betty Grumach, Fräulein Lnzie Guberrnann, Fräulein Elisa Schulz und von Herrn Chordirigenten Badrian unentgeltlich erteilt. -- Die Verwaltung der Anstalt hat im vergangenen Jahve zwei, verdienstvolle Vorstandsmitglieder durch den Tod verloren: Herrn Professor Dr. Louis Saalschutz und Herrn Sanitätsrat Dr. Kamnitzer, Allenstein. — Ein freudiges Ereignis für die Anstalt im vergangenen Jahre war der 80. Geburtstag unseres Ehrenmitgliedes, der Frau Geheimen Kommerzienrat Henriette Becker in Berlin. Die Jubilarin ist mit uns durch eine Fülle von großen Spenden und Beweisen innigsten Interesses für unsere Anstalt und ihre Zöglinge aufs engste verbunden. — Die diesjährige Generalversammlung fand am 29. März statt. W. Posen, 16. April. Die Repräsentantenversammlung der Shnagogengemeinde hielt unter Vorsitz des Herrn Geheimen Kommerzienrats Herz eine Sitzung ab. Herr Stadtrat Schleyer referierte über den Gemeindeetat 1914/16. Der Etat balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 423 959,33 Mark (im Vorjahre 369 343,20 Mark). Der Etat für die Synagoge A. beläuft sich in den Einnahmen auf 23 872 Mark, im vorigen Jahre 22199,50 Mark; die Ausgaben sind mit 25 170 Mark vorgesehen (23 584 Mark). Die Synagoge 6., deren Haushaltnngsplan im Gesamtplan mitgerechnet wird, enthält eine Einnahme von 24 740 Mark, dagegen beträgt die Jahresausgabe 25 360 Mark. — Für das Jüdische Kranken- und Siechenhaus (Rohrsche Stiftung) sind 141 957 Mark (133 795 Mark) in Einnahme und 153 412 Mark (148 651 Mark) in Ausgabe aufgeführt. Unter Titel „Friedhof", Beerdigungswesen und Gärtnerei ist bei. 40 460 Mark Einnahmen und 31 760 Mark Ausgaben ein ungefährer Ueberschuß von 9000 Mark zu erwarten. Aus den Einnahmen für Grundstücke ergeben sich 2759 Mark (3734 Mark), hingegen die Ausgaben 10 890 Mark (10 503 Mark). Der Titel für Allgemeine Verwaltung wirft eine Einnahme von 7162,58 Mark (1414,70 Mark) und eine Ausgabe von 153 656,33 Mark (136 077,20 Mark) aus. Für das Extraordinarium werden 4872,05 Mark genannt. Es müssen demnach durch direkte Steuerbeiträge 171108 Mark (147 000 Mark) aufgebracht werden. Im Steuerjahre 1913 betrug das Staatssteuersoll 362 000 Mark. Durch die Wirkung des Generalpardons in hiesiger Stadt wird ein Wehrertrag von annähernd 150 000 Mark anzunehmen fein, wovon, da die jüdischen steuerpflichtigen Bürger etwa 22 Prozent der Steuern ausbringen, etwa 30 000 Mark auf die jüdische Bevölkerung entfallen. Da die Shnagogengemeinde bei dem erhöhten Steuersoll 171108 Mark zu erheben hat, erfolgt ein Zuschlag von 45 Prozent der Staatseinkommensteuer. y. Breslau, 15. April. Der 71. Jahresbericht der Gemeinde- R e l i g i o n s u n t e r ri ch t s a n st a l t II, erstattet von Professor Dr. I. Guttmann, enthält in seinem Hauptteile einen ungemein interessanten historischen Ausschnitt aus der Geschichte der Breslauer Gemeinde und ihrer Bemühungen zur Begründung einer Religionsunterrichtsanstalt aus Grund aktenmäßiger Darstellung von Rabbiner Dr. S. Levi. Den Schulnachrichten ist zu entnehmen, daß die Schülerzahl in dauernder Abnahme begriffen ist und deshalb auch die letzten halbjährigen Klassen im kommenden Schuljahr zu einer ganzjährigen vereint werden sollen. Im Laufe des Schuljahres wurde die Anstalt von im ganzen 261 Zöglingen besucht (171 Knaben und 90 Mädchen); außerdem nahmen 24 Mädchen und 4 Knaben an dem hebräischen Kursus teil. Am 1. Februar dieses Jahres betrug die Zahl der Schüler und Schülerinnen an der Religionsunterrichtsanftalt II noch 236 (137 Knaben und 76 Mädchen) und die Zahl der Teilnehmer am hebräischen Kursus 23. — Mit dem Beginn des neuen Schuljahres waren 25 Jahre verflossen, seitdem Herr Schönfeld in das Lehrerkollegium der Anstalt eingetreten ist. Der Jahresbericht gedenkt dieses Ereignisses mit ehrenden Worten für den Jubilar, der sich während eines Dierteljahrhunderts mit wahrhaft vorbildlicher Berusstreue und idealer Begeisterung seiner Aufgabe gewidmet und sich die Hochachtung seiner Kollegen wie die Liebe und Verehrung der Zöglinge in hohem Maße erworben hat. Hamburg, 16. April. Der Israelitische Mieteverern von 1 8 2 8 hielt im Sitzungssaal der Synagoge Kohlhöfen eine Mitgliederversammlung unter Vorsitz des Herrn Martin Heilb u t ab. Nach Erstattung des Jahresberichts, aus dem hervorging, daß der Verein auch im verflossenen Jahre seine segensreiche Tätigkeit in großem Maße ausgeübt hat, wandte man sich dem Hauptgegenstand der Beratung, der Statutenänderung, zu. Der Vorsitzende hob bei Begründung der Statutenvorlage hervor, daß der Vorstand bei den Aenderungen sich hauptsächlich von dem Gedanken habe leiten lassen, daß es angebracht erscheine, den Verein allmählich