Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 17 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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199 Die Religionskonfevenz habe das erwähnte Buch einer eingehenden Prüfung unterzogen und sei zu dem Ergebnis gelangt, daß es sich für unsere Schulen nicht eigne. Die Persönlichkeit der Konserenzrabbiner biete die Gewähr für die Nichtigkeit ihres Urteils. Die Petition des Vereins zur Wahrung des gesetzestreuen Judentums wegen Gestattung religiöser Trauungen und Ehescheidungen innerhalb eines Sprengels durch andere badische Rabbiner als den örtlich zuständigen wird nach der Zusage des Oberrats, den Rabbinern tunlichstes Entgegenkommen in dieser Beziehung empfehlen zu wollen, als erledigt erklärt. Ueber eine Petition desselben Vereins wegen, der religiösen Führung der Volksschullehrer wird nach einer Erklärung des Oberratsvertreters unter dem Ausdruck des Vertrauens für den Oberrat zur Tagesordnung ubergegangen. Ein Antrag Kassewitz und Genossen auf Einführung eines vor der Synode tagenden Wahlprüfungsausschusses wird, nachdem der Ministerialkommissar erklärt hat, es könne ohne eingehende Prüfung eine Aenderung der Synodalverfassung nicht in Aussicht genommen werden, im Einverständnis mit den Antragstellern von der Tagesordnung abgesetzt. Petitionen der jüdischen Jugendvereine Badens um Unterstützung und der Gemeinde Randegg um Erwirkung eines Staatszuschusses zum Gehalt eines Rabbiners werden in einem für die Petenten günstigen Sinne erledigt. Nachdem hierauf noch die Wahl des Shnodalausschusses vorgenommen war, sprach Abg. K a s s e w i tz dem Präsidenten und dieser dem Oberrate den Dank der Synode aus; letzterer verband damit eine warme Vertrauenskundgebung für die oberste Leitung der Landessynagoge. Der Ministerialkommissar Ministerialrat S ch w ö r e r dankte auch namens des Oberrats dem Präsidenten für seine vorzügliche Geschäftsführung sowie der Synode für die wohlwollende Erledigung der Vorlagen und erklärte sodann, unter Hervorhebung des allseitig hervorgetretenen Strebens nach Ausgleichung der Gegensätze und Festigung der Einheit der Landessynagoge die 7. ordentliche Tagung der Synode für geschlossen. Mit einem von dem Präsidenten ausgebrachten dreimaligen Hoch auf S. K. H. den Großherzog und das großherzogliche Haus, in das die Versammlung freudig einstimmte, fand die Tagung gegen %lü Uhr abends ihr Ende. Die erlte ooMänMge Ausgabe von Heines^ Sriekm". Von Ludwig Geiger. nch unter G. Karpeles Leitung hat unser Blatt oft und gern über Heine gesprochen. Wir dürfen dieses Beginnen fortsetzen, obgleich allzu bedenkliche Leser es nicht für die Ausgabe eines jüdischen Blattes halten, von einem Schriftsteller zu reden, der seiner Abstammung nach Jude war, den väterlichen Glauben aber verließ. Aber auch die Achtung, die wir für Karpeles hegen, darf uns nicht abhalten, von einer Sammlung zu sprechen, die sich gegen ein Unternehmen von Karpeles richtet und in dessen Einleitung sehr hart über Karpeles Arbeiten gesprochen wird. Dieser hat, wie man weiß, zahllose Briefe Heines in Zeitungen und Zeitschriften drucken lassen, und hat auch in seiner, im Groteschen Verlag veröffentlichten Heineausgabe (zweite Hälfte des 8. Bandes und 9. Band), die bisher vollständigste Ausgabe von Heines Briefen zusammengestellt. Der Unterschied der neuen, gegenüber allen bisherigen Ausgaben besteht darin, daß Friedrich Hirth mit einem ganz außerordentlichen Eifer und einem wunderbaren Findergluck zahllose bisher unbekannte Briefe entdeckt, vor allem aber darin, daß er die Urschriften sehr vieler Briefe mit den bisherigen Drucken verglichen hat. Durch eine solche Verglei- J) Heinrich Heines Briefwechsel. Herausgegeben von Friedrich Hirth. 1. Bd. 1914. Reichvermehrte Gesamtausgabe auf Grundlage der Handschriften. Gesammelt, eingeleitet und erläutert von Friedrich Hirth. Mit 50 Bildern und fünf Faksimiles. Erster Band. München und Berlin, bei Georg Müller. (643 S.) chung war es möglich, in zahllosen Schriftstücken Zusätze und Aenderungen herzustellen, die in den bisherigen Drucken oft geradezu sinnentstellend waren. Dies galt besonders von den Briefen an Mitglieder der Heineschen Familie und denen an Campe. In jenen war bisher alles getilgt, was gegen ein Mitglied der Heineschen Familie oder gegen die Gattin Mathilde und ihre grenzenlose Verschwendung gesagt war! in diesen viele Bemerkungen gegen zeitgenössische Personen, Schriftsteller u. a., und die zahllosen Stellen, in denen dieser Schriftsteller sich über die unwürdige Behandlung seitens des Verlegers und über das schmähliche Honorar beklagte. Es ist geradezu empörend, wenn man erfährt, daß Heine in der Zeit seines schweren Siechtums, während deren der Verleger sich an den Werken bereicherte, nur 1200 Mark jährliche Rente erhielt, daß er für seinen „Atta Troll" nur ein Honorar von 1000 Mark empfing, und daß er das Entsetzen des Buchhändlers hervorrief, da er für sein großes Werk „Lutezia" 6000 Mark Honorar verlangte. Auch die Briefe an Jmmermann erhalten vielfache Ergänzungen, freilich unerfreuliche, aber wenn man Platens Angriffe kennt, begreifliche Wendungen gegen diesen ritterlichen Dichter. Um von den bisher ungedruckten Stellen an Campe einen Begriff zu geben, sei die folgende angeführt (1841): „Sagen Sie mir daher einmal die Wahrheit — nicht wieviel Exemplare Sie gedruckt, dassagenSiejadoch nicht — aber in wieviel Zeit ich auf die zweite Auflage rechnen kann?" In den Drucken war die gesperrte Stelle ausgelassen. Schuldig an solchen Auslassungen und an den zahllosen Fehlern, die zum Teil geradezu sinnlos wirken, sind die meisten Herausgeber, besonders Lumilla Assing, Maximilian Heine und viele andere. Der letztere hat zum Beispiel die Stelle (1837): „Zur Zeit, als ich von Krankheit und unverschuldetem Unglück bis zur äußersten Bitterkeit gestimmt war, schrieb ich an Onkel in einem Tone, der ihm eher Mitleiden als Zorn einflößen mußte, und der dennoch nur seinen Zorn erregte, so daß er die ungerchte Behandlung gegen mich ausübte — eine Handlung, die in Paris meine Ehre und sogar meine materiellen Verhältnisse aufs unleidlichste beschädigte." In dem Abdruck Maximilians ist nur der letzte Passus von den Worten „eine Handlung" an, stehen geblieben. Statt der ersten Ausführung druckte der Herausgeber, „am meisten schmerzte mich die Meinung der Welt, die sich die Härte meines Oheims nicht anders erklären kann, als durch irgendeine schlechte Handlung, die man in meiner Familie mir etwa vorwirft und dem Publikum verschweigt". Wenn Heine schrieb: „Mit der Familie stehe ich gut genug, auch mit Onkel Heine: er gibt mir jährlich 4800 Frank, ungefähr das Drittel von dem, was ich brauche", so druckte Maximilian, um den Onkel nobler und den Neffen verschwenderischer erscheinen zu lassen: „8000 Frank" und „die Hälfte dessen, was ich brauche". Aber auch die anderen Herausgeber haben vielfach gesündigt. In einem Briefe an Varnhagen von Ense lesen wir in den bisherigen Drucken: „Aber die Ursachen dieser Sorgen entstanden ans dem allgemeinen Zweikampf"; ein offenbarer Unsinn, denn ein Zweikampf kann nie allgemein sein, sondern muß zwischen zwei Personen stattfinden; die Handschrift liest statt dessen sehr verständlich: „Zeitkamps". In einem Briefe an Robert steht zu lesen: „Ich leide nämlich an einem hohlen Zahn und an einem hohlen Herzen, leider habe ich nicht die Courage, mich der heilsamen Operation zu unterziehen, ich meine inbetreff des Herzens"; natürlich muß es heißen Zahnes. Ein Herausgeber läßt Heine (Brief an Eduard v. Schenk) „jetzt erst einige Monate zur Besinnung kommen", selbstverständlich ist zu lesen: „Momente", und wenn Heine an Lewald schrieb, „daß die rosigen Wangen ihn noch immer so gewaltig umbrausen", ist selbstverständlich „Wogen" zu lesen. Aohnlich ist es, wenn ein Herausgeber Heine schreiben