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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-04-17 · Heft 16 (17.4.1914) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 16 (17.4.1914)
Date
1914-04-17
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 jüdische Lehrer vor drei Jahren nur noch zwei, vor zwei Jahren nur noch ein Kind und im letzten Jahre überhaupt kein Kind mehr zu unterrichten hatte. Noch ein ganzes Jahr lang ließ man die Schule ohne Kinder bestehen. Nachdem jetzt keinerlei Aussicht mehr besteht, daß in Bremke wieder schulpflichtige jüdische Kinder vorhanden sein wetden, hat sich die Regierung entschlossen, die kinderlose Schule zum 1. April zu schließen und den Lehrer nach dem Regierungsbezirk Kassel zu übernehmen. 22 Homburg v. d. Höhe, 10. April. Der israelitische Holzverein (gegründet 1818) und Verein zur Ausstattung i s r a e l i t s ch e r Mädchen b z w. Ausbildung für einen Lebensberuf (gegründet 1886 von Louis Lehmann s. A.) versendet soeben den Rechenschaftsbericht für das Jahr 1913. Der Bericht konstatiert mit Befriedigung, daß dem Verein auch in diesen! Jahre wieder bei den verschiedensten Anlässen Gaben überreicht worden sind, die es zuzüglich der regulären Einnahmen ermöglichtcn, der Wohltätigkeit in gewohntem Matze zu genügen. Mehr als zwanzig hiesige und nächstbenachbarte Familien konnten mit Winterbrand versorgt werden; in einzelnen besonders dringenden Fällen hat der Verein auch in den Sommermonaten kleinere Zuschüsse b'.willigt. Die Gesamtausgabe für Brennmaterial betrug im Jahre 1913: 899,20 Mark. — Der Mädchenausstattungsverein mußte sich in diesem Jahre mit der Unterstützung eines jungen Mädchens, bei Erlangung eigener Erwerbsfähigkeit, begnügen. Nicht unbeträchtlich ist der Verlust — beziehungsweise die Verringerung an den Reservefonds beider Vereine, infolge niedrigen Kursstandes der Effekten. Der Bericht gedenkt zum Schluß mit warmen Worten der im Lause des Jahres verstorbenen Freunde und Gönner des Vereins. S2 Karlsruhe, 10. April. Im Sitzungsraume der Zweiten Kammer trat am 6. d. M. die 7. ordentliche israelitische Landesshnode zusammen. Sie wurde namens des Oberrates der Israeliten durch den landesherrlichen Kommissar Ministerialrat Schwörer eröffnet, der den Voranschlag der in der israelitischen Zentralkasse zur Verrechnung kommenden Ausgaben und Einnahmen für kirchliche Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinschaft Baden für die Jahre 1914/15 und 1916 und außerdem einen Verordnungsentwurs über die Gewährung von Ruhegehalt an Rabbiner, Religionslehrer und Kantoren und die Fürsorge für ihre Hinterbliebenen vorlegte. Dann brachte der Alterspräsident Kaufmann Zimmern (Mannheim) ein Hoch auf den Großherzog aus. Die Wahlen der Synodalen wurden für gültig erklärt. Zum Präsidenten der Synode wurde Bankier Goldschmidt (Mannheim) gewählt, zum Vizepräsidenten Dr. Pfälzer (Weinheim). In der Nachmittagssitzung am folgenden Tage wurde zunächst einmal die Frage der Aufbesserung geringbesoldeter Religionslehrer diskutiert. Nach Ausführungen zu verschiedenen Positionen wurde der Voranschlag schließlich einstimmig angenommen. Den Anträgen zu der Eingabe des Landesvereins israelitischer Lehrer und den Aenderungen in der Verordnung über die Ruhegehälter der Rabbiner usw. wurde zugestimmt. Eine ausgedehnte Diskussion entspann sich über die Frage, ob israelitische Gemeinden mit eigenen Ortsrabbinern Beiträge zu den Ruhegehältern der Bezirksrabbiner zu leisten hätten. Ein Antrag, die israelitischen Gemeinden mit eigenen Ortsrabbinern von den Beiträgen zu den Pensionen der Bezirksrabbiner zu befreien, wird angenommen. Ueber die Eingabe der Religionslehrer, ihnen eine Vertretung in der Synode zu gewähren, wird zur Tagesordnung übergegangen. Synodalabgeordneter Dr. Kander spricht den Wunsch aus, bei Schulfragen sollten künftig neben den Konferenzrabbinern auch Lehrer gehört werden. Eine Eingabe des Vereins zur Wahrung der Interessen gesetzestrener Juden wegen der Zuständigkeit der Rabbiner bei Trauungen und Ehescheidungen wird durch eine im Sinne der Petition gehaltene Erklärung des Oberrats für erledigt erklärt. Ein Antrag auf Aenderung der Shnodalordnung hinsichtlich der Wahlen wird der Negierung als Material überwiesen. Einem Antrag, es möchten nach Möglichkeit nur Lehrer angestellt werden, die ihre Prüfung an deutschen Seminaren abgelegt hätten, wird zugestimmt. Ein im Sinne einer Eingabe israelitischer Lehrer wegen Reform der Lehrpläne zu dem Religionsunterricht gehaltener Antrag wird einstimmig angenommen. Nach Erledigung einiger Petitionen weniger wichtiger Natur wird der Antrag, die Zahl der Mitglieder des Synodalausfchusses von 4 auf 8 zu erhöhen, dem Oberrat empfehlend überwiesen. Dann wird der Synodalausschuß gewählt und die Synode mit den üblichen Dankesworten und einem Hoch ans den Großherzog um 1410 Uhr abends geschlossen. Gesterreich-Anggrn. 22 Meran, 10. April. Am 25. v. M. fand die VI. Generalversammlung des Vereins „Asyl für mittellose kranke Israeliren" in Meran in Gegenwart des landesfürstlichen Kommissärs, k. k. Bezir'kskommissärs, des Herrn Dr. Georg Baron Dipauli, statt. Ein ungemein zahlreiches, distinguiertes Publikum von Gönnern, Freunden und Mitgliedern des Vereins hatte sich eingefunden und .folgte mit regem Interesse den Berichten des Vorstandes. Präsident Herr Dr. med. M. Koref begrüßte die Erschienenen, konstatierte die ordnungsgemäße Einberufung und Beschlußfähigkeit der Versammlung und gedachte in warmen Worten der durch den Tod dem Verein entrissenen Gönner. Frau Dr. Rosa Her sch, die geschästsführende Vizepräsidentin, gab in ihrem Tätigkeitsbericht eine ausführliche Ueber sicht über die geschäftliche Tätigkeit des Vereins unbewußte durch die klare und sachliche Berichterstattung die fortschreitende gedeihliche Entwicklung des Genesungsheims zu veranschaulichen, so daß allgemeiner, anhaltender Beifall ihren Ausführungen folgte. Dem Kassenbericht des Kassierers, Herrn Gustav Katze,nstein und dem Revisionsbericht des Herrn Heinrich Gutmann bewies die Versammlung die größte Aufmerksamkeit und wurde mit großer Befriedigung die umsichtige und genaue Führung der finanziellen Agenden seitens der genannten Herren zur Kenntnis genommen. Einstimmig wurde hierauf dem Vorstände das Absolutori'um ausgesprochen. Der Primarius des Genesungsheims, Herr Dr. M. Kores, erstattete sodann seinen ärztlichen Bericht. Die äußerst günstigen ärztlichen Erfolge, welche das Genesungsheim aufzuweisen hat, erregten allseits große Befriedigung, und ergaben die statistischen Daten der laufenden Saison sowie der verflossenen fünf Jahre den besten Beweis für die Notwendigkeit einer solchen humanitären Anstalt, die sich den vielen Anfragen gegenüber noch immer als viel zu klein, erweist. Die Versammlung dankte Herr Dr. M. Koref für sein langjähriges menschenfreundliches Wirken im Dienste der armen Kranken, indem sie ihm als Arzt und Menschen unter stürmischem Beifall wärmste Anerkennung und vollstes Vertrauen ausfprach. Bei den sodann vorgenommenen Wahlen wurde das kooptierte Vorstandsmitglied Herr Sigismund Schwarz aus Bozen einstimmig bestätigt, Frau Dr. Rosa Hersch, deren vierjährige Funktionsdauer abgelaufen war, unter Akklamation zum Vorstandsmitglied und geschäftsführenden Vizepräsidenten wiedergewählt, Herr Direktor Verth old Fleischer in Mevan als' Schiedsrichter einstimmig bestätigt. Nach Durchführung der weiteren Programmpunkte, die einstimmig angenommen wurden, schloß die VI. Generalversammlung, nachdem Herr Dr. R. Schafs aus Lemberg den einzelnen Vorstandsmitgliedern den herzlichsten Dank aussprach für deren ersprießliche Tätigkeit. Das rege Interesse, das die zahlreichen Anwesenden dem Wirken des Ashlvereins entgegenbrachten, berechtigt zu der sicheren. Erwartung, daß da's Genesungsheim dank seiner vielen.Gönner und Freunde auch weiterhin die vollste Unterstützung und Förderung in den weitesten Kreisen finden werde. K. Wie«, 10. April. Die Oberlehrerstelle an der hiesigen Volksschule im ersten Bezirk soll nun endgültig durch einen israelitischen Lehrer besetzt werden. Es ist dies eine seit Jahren umstrittene Stelle. Vor etwa fünf Jahren wurde sie mit einem katholischen Oberlehrer besetzt. Da aber diese Schule eine jüdische Schülermajorität hatte, erhob die Wiener jüdische Kultusgemeinde gegen diese Besetzung Einspruch, mb der Verwaltungsgerichtshof gab auch dem Rekurse Folge, weshalb diese Stelle nunmehr neuerdings, und zwar diesmal für einen jüdischen Bewerber zur Besetzung ausgeschrieben wurde. Dem bisherigen Oberlehrer wird sodann eine andere erledigte Oberlehrerstelle zugewiesen werden. Damit endigt ein langjähriger Streit zwischen Magistrat und Kultusgemem.de, der alle Instanzen beschäftigt hatte. Derselbe wäre leicht zu vermeiden, wenn der Wiener Gemeinderat — sagen wir — mehr objektiv vorgegangen wäre. — Vor einigen Tagen beging einer der angesehensten und verdienstvollsten Wiener Architekten, der Stadtbaumeister Wilhelm Frankel, seinen 70. Geburtstag. Fränkel, in Oberglogau in Preußisch-Schlesien geboren, ist in Wien seit dem Jahre 1868 als Architekt und Stadtbaumeister tätig. Stadtbaumeister Fränkel, der Schöpfer vieler Momumentalbauten in Wien, ist auch der Erbauer der berühmten Synagogen von Raab und Szegedin in Ungarn, die zu den schönsten israelitischen

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