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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-04-17 · Heft 16 (17.4.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 16 (17.4.1914)
Date
1914-04-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 zulegen und auf die segensreiche Tätigkeit des Vereins „Esra" hinzuweisen. Redner hob hervor, daß der „Esra" der älteste jüdische Kolonisationsverein Deutschlands ist, der seit nahezu 30 Jahren unbekümmert um Politische und sonstige Parteitendenzen ausschließlich bemüht ist, jüdische Flüchtlinge aus dem Osten Europas im Heiligen Lande als Bauern und landwirtschaftliche Arbeiter anzusiedeln. Die unmittelbare Folge dieser warmen Ausführungen war, daß noch am selben Abend ein Komitee zur Einführung des Vereins „Esra" in Frankfurt a. O. gebildet wurde. Dasselbe besteht aus den Herren Rechtsanwalt Aron heim, Adolf Biram, L. Broh, Rabbiner Dr. Salomonski, Stadtrat L. Simon und Struck jr. — Königsberg (Nerrmark), den 13. April. Unter großen Ehren und Anteilnahme der ganzen Bevölkerung wurde am letzten Freitag Sanitätsrat Dr. Pehser in Königsberg in der Neumark, wo er seit mehr als vierzig Jahren praktiziert hatte, zur letzten Ruhe bestattet. Von Jugend an hatte er neben seinen Berufspflichten öffentliche Pflichten auf sich genommen. Er war Ratsherr, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Begründer der freiwilligen Feuerwehr und wirkte teils anregend, teils ausführend bei fast allen Fragen des Gemeinwohls und der Gesundheitspflege mit. Lange Zeit war er auch Kreiswundarzt. Politisch liberal in dem Sinne, daß gleiche Pflichten nicht nur gleiche Rechte, sondern gleiche Rechte ebensolche Pflichten bedingen, ist er vielfach hervorgetreten; bei den vorletzten Wahlen war er Kandidat der Fortschrittlichen Volkspartei. Er hat an den Kriegen 1866 und 1870/71 teilgenommen und gehörte seit vielen Jahren der Aerztekammer Berlin-Brandenburg an. Noch vor wenigen Tagen hat er an einer Sitzung des Kammervorstandes, dem er angehörte, teilgenommen; am andern Tag fuhr er nach Haufe und wurde des Nachts von einem Schlaganfall betroffen. W. Aus der Provinz Posen, im April. Posen. Der jüdische Männergesangverein feierte unter Leitung seines Dirigenten Herrn Musikdirektor Berggruen das achte Stiftungsfest. Der Abend wurde mit der von der Kapelle des 46. Regiments vortrefflich gespielten „Oberon"-Ouvertüre eröffnet. Es folgte ein interessanter hebräischer Männerchor „Uwnucho jornar" von Lewandowski, in welchem Oberkantor Lilienthal sehr eindrucksvoll das Solo sang. Die schon oft gewürdigte Kunst der bekannten Konzertsängerin Hedwig Berggruen-Kristeller feierte mit der Wiedergabe der großen Arie der Agathe aus der Oper „Der Freischütz" neue Triumphe. Das überaus zahlreich erschienene Publikum nahm sämtliche Darbietung mit Begeisterung auf und spendete stürmischen Beifall. — Der Schriftsteller Franz Jäger von hier hatte im Aufträge des Bezirks WestpreUßen vom Reichsverband der deutschsozialen Partei eine Versammlung in Thorn einberufen. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Generalsekretärs Henningfen-Hamburg über die Judenfrage. Zur Versammlung waren etwa 70 Personen erschienen. Während des Vortrags bat der anwesende jüdische Kaufmann Aron um Auskunft, ob die Versammlung eine geschlossene oder öffentliche sei, worauf Henningsen erwiderte: „Juden haben hier keinen Zutritt!", und den Leiter der Versammlung ersuchte, den Herrn aus dem Saale zu verweisen. Der Angeklagte forderte nunmehr den Kaufmann Aron auf, den Saal zu verlassen. Aron entfernte sich und stellte später Strafantrag gegen Jäger, weil er darin sich beleidigt fühlte, daß er als unbescholtener Staatsbürger aus einer öffentlichen Versammlung hinausgewiesen worden sel. Vor dem Schöffengericht wurde er als Nebenkläger zugelassen. Das Urteil lautete dem Anträge des Amtsanwalts gemäß auf Freisprechung. Bei der Urteilsbegründung wurde erwähnt, daß der Angeklagte wegen Hinausweisung des Nebenklägers aus subjektiven Gründen freizusprechen wäre. Für weitere Beleidigungen hätte die Verhandlung keinen Beweis erbracht. Gegen dieses Urteil hat der Nebenkläger Berufung eingelegt. — Herr Kaufmann Kaskel Kozminski beging in erfreulichem Gesundheitszustand seinen 70. Geburtstag. Seitens der Synagogengemeinde überbrachte Herr Rabbiner Blum die Glückwünsche für den Jubilar, ebenso Herr Kaufmann Aranasse Werner, Vorsitzender des Waisenhauses für jüdische Mädchen, und andere mehr. Auch einzelne Mitglieder der jüdischen Gemeinde waren erschienen, um dem allgemein geachteten Mann Aufmerksamkeit zu erweisen. — Bromberg. Der Verein „jüdisches Altersheim" hielt seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Aus dem erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl des Vereins um rund 30 auf etwa 200 gestiegen und daß das Vereinsvermögen auf ca. 46 000 Mark angewachsen ist, sodaß in absehbarer Zeit an die Errichtung eines eigenen Heims gedacht werden könne. Bisher ist das Heim in Mieträumen untergebracht und mit sechs Insassen voll belegt, kann aber dem vorhandenen Bedürfnis nicht vollauf gerecht werden. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der statutengemäß ansscheidenden Vorstandsmitglieder Fabrikbesitzer Aron, Rechtsanwalt Silberstein und Kaufmann Schendel sowie die Neuwahl des Rentiers Jacoby und der Kaufleute Adolf Berger und Adolf Marcus. — Nakel. In der letzthin stattgehabten Stadtverordnetenversammlung wurde Herr Ratsherr Kaufmann David Jtzig durch Herrn Bürgermeister Riedel in sein Amt eingeführt und vervflichtet. z. Breslau, 10. April. Das jüdische Brockenhaus „Peah" hat auch in den letzten Jahren, wie wir einem soeben zur Ausgabe gelangten Bericht entnehmen, sich erfreulich entwickelt. Man hätte diesen Eindruck auch dann gewonnen, wenn sich die statistischen Daten nicht über einen vier- bzw. fünfjährigen Zeitraum, sondern nur über einen einjährigen erstreckt hätten. Die vom jüdisch-sozialen Gesichtspunkte aus unzweifelhaft sehr wertvolle und verdienstliche Arbeit dieser Institution kann keinem Zweifel unterliegen, ihre Förderung und Unterstützung ist nur zu empfehlen. In der Herrichtungswerkstatt der mehr als 11 000 Eingänge (in fünf Jahren) konnten an festangestellte Handwerker über 34 000 Mark Löhne gezahlt werden. Bon dem Ueberschusse des Brockenhauses konnte ferner im August 1909 eine Holzspalterei eingerichtet werden, wo ortsansässige Arme und Durchwanderer gegen angemessene Entlohnung in 61218 Arbeitsstunden insgesamt 15 304 Mark an Lohn erhielten. Auf Bestellung stellt die „Peah" auch Teppichklopfer, Kohlenträger und Leute Zu Umzugs- und Ausräumungsarbeiten. Mit der Durchwandererkommission der Gemeinde steht sie in enger Fühlung, von dem Inspektor der „Peah" werden die Abreisenden zum Zuge gebracht und ihnen vor der Abfahrt Fahrschein und Zehrung übergeben. Die Einnahmen des Brockenhauses beliefen sich von 1908 bis 1913 auf 67 875,43 Mark, die Ausgaben auf 51 392,76 Mark, so daß ein Bestand von 16 482,67 Mark sich ergibt. Die Einnahmen der Arbeitsstätte, die mit dem Bestand des Brockenhauses von 16 482,67 Mark sich von 1909 bis 1913 auf 39 390,87 Mark beliefen, sind nicht voll verbraucht. Die Ausgaben beliefen sich auf 35 100,93 Mark, so daß die „Peah" am Schlüsse des Jahres 1913 an Effekten und Barbestand noch 4289,94 Mark zur Verfügung hatte. Elberfeld, 10. April. Unter reger Beteiligung aus fast allen Städten und Gemeinden der Rheinprovinz wurde hier ein Verbandstag jüdischer Jugendvereine abgehalten. Im Geschäftsbericht wurde das stete Anwachsen der Mitgliederzahl hervorgehoben. Eine lebendige Anteilnahme zeigte besonders auch das platte Land. Ein Stellennachweis sei im Ausbau begriffen. In der Generaldebatte wurde u. a. die Frage der Umgestaltung der Organisation des Gesamtverbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands besprochen, und dazu eine Resolution angenommen, die den Vorstand des westdeutschen Verbandes beauftragt, in Verbindung mit einer aus fünf Mitgliedern bestehenden Kommission Vorschläge für den nächsten Delegiertentag des Verbandes zu machen. Dem Taufjudentum und der Mischehe wurde der Krieg auf Leben und Tod erklärt. An die Erledigung der internen geschäftlichen Angelegenheiten schlossen sich drei Vorträge an. Der Vorsitzende Dr. Ist Kahn verlangte in seinem Vortrage über religiöse und soziale Postulate der jüdischen Jugend, daß auch dem jüdischen jungen Manne die Möglichkeit geboten werden müsse, den Sabbath zu halten, den Gottesdienst am Sabbath zu besuchen und an den hohen Feiertagen Dispens von jeder geschäftlichen Arbeit zu erhalten. Mit Nachdruck forderte er dies besonders von den jüdischen Chefs. Rechtsanwalt Dr. Krombach-Essen sprach über die Teilnahme der jüdischen Jugend am Kampfe um die Gleichberechtigung und forderte von den Jugendvereinen eine gründliche staatsbürgerliche Ausbildung. Im dritten Vortrage verbreitete sich P. I. Brünell-Köln über den Stand der augenblicklichen Leistungen aus dem Gebiete des Manderns und Turnens. Die nächstjährige Verbandstagnng soll in Bonn abgehalten werden. ^2 Rosenalt bei Werden a. d. Ruhr. 13. April. Das von der D. Fleckschen Stiftung in Düsseldorf errichtete Erholungsheim für Frauen und Mädchen geht seiner Vollendung entgegen und soll zum 1. Mai seiner Bestimmung übegeben werden. Ein schmucker.

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