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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-04-17 · Heft 16 (17.4.1914) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 16 (17.4.1914)
Date
1914-04-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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78. Jahrgang. Nr. 16 Berlin, 17. April 1914 Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums. korrelpondrn?rn unv Mschrichtrn. Deutschland. ^.Berlin, 14. April. Die Witwen- und Waisenkafse der Rabbiner Deutschlands hat im verflossenen Jahre wegen der durch das Inkrafttreten der Reichsversicherung der Angestellten für manche Rabbiner neugeschaffenen Lage Verhandlungen mit dem Kaiserlichen Aufsichtsamt geführt, die nunmehr zu einem Ziele gelangt siyd und eine Satzungsänderung erfordern, die der nächsten Generalversammlung obliegen wird. Worauf es nach den in der letzten Mitgliederversammlung gegebenen Anregungen ankam, war, durch Einführung einer Bruchteilversicherung die Möglichkeit zu schaffen, daß auch solche Rabbiner, die der Reichsversicherung angehören müssen, Mitglieder der Kasse bleiben oder werden können. Des weiteren hat das Kuratorium einer Anregung folgend, einen neuen Zuschnhtarif aufgestellt, der den Mitgliedern neue Vergünstigungen bietet. — Die Zahl der ordentlichen Mitglieder der Kasse ist im Berichtsjahre bedauerlicherweise fast die gleiche geblieben, nur ein neues Mitglied ist zu verzeichnen. Es gehören der Kasse 21 ordentliche, 39 Einzelpersonen, 12 Gemeinden und 2 Gemeindeverbände als außerordentliche Mitglieder an. Die Einnahmen beliefen sich auf 19 856,25 Mark, die Ausgaben auf 7119,25 Mark (davon Rentenzahlungen 1725 Mark), so daß sich ein Gewinn von 12 736 Mark (in 1912 11 780,75 Mark) ergeben hat. Der Abschluß wäre noch günstiger, wenn die Kasse nicht einen Kursverlust ihrer Effekten in Höhe von 4744,95 Mark gehabt hätte. Die Bilanz pro 1913, die diesen Kursverlust berücksichtigt, schließt mit 401 327,05 Mark ab. Als erfreulich und bemerkenswert verdient schließlich hervorgehoben zu werden, daß von den Gemeinden die meisten einen Teil, einige sogar den ganzen Jahresbeitrag für ihre Rabbiner auf ihren Etat übernommen haben. Berlin, 14. April. Der Verein f ü r Arbeitsnachweis (begr. von den Berliner Logen U. O. B. B., Berlin N., Monbijouplatz 10) schreibt uns: Die Frühjahrsmonate haben für viele Zweige der hauptstädtischen Industrie eine Belebung und Befestigung der Konjunktur und insbesondere für die Textilbranche eine gewisse Hebung des Geschäfts im Gefolge gehabt. Diese Auswürtsbewegnng blieb aus die Gestaltung des Arbeitsmarkts naturgemäß nicht ohne Einfluß, und wenn auch Angebot und Nachfrage sich noch immer nicht die Wage hielten, so konnte von 584 Bewerbern, welche im Februar und März die für alle Teile kostenlose Vermittlung unseres Vereins in Anspruch nahmen, 475 Pet-enten (22 Stellen mit S ab ba t h e i l i g u n g) die geeignete Arbeitsgelegenheit nachgewiesen werden. Im einzelnen sind 141 männliche, 172 weibliche Handlungsgehilfen und 162 gewerbliche Angestellte in Stellung gebracht worden. Die Abteilung Schreibstube konnte zur Erledigung der Aufträge eine größere Zahl stellungsloser Bewerber heranziehen; aber es wäre sehr zu wünschen, wenn dieser Einrichtung umfangreichere handschriftliche und Schreibmaschinenarbeiten, Vervielfältigungen, Adressierung.und Versendung von Propagandaschriften und Reklamen usw. übertragen werden würden. Durch Gewährung vorübergehender Arbeit in der Abteilung Schreibstube kann oftmals der dringendsten Not abgeholsen werden. §2 Berlin, 14. April. Die W o h l t ä t i g k e i t s z e n t r a l e der Berliner Kaufmannschaft hielt in diesen Tagen ihre diesjährige Mitgliederversammlung unter Leitung des Vorsitzenden, Herrn Heinrich Grünfeld, ab. Den Geschäftsbericht über das Jahr 1913 erstattete die Geschäftsführerin. Die Wohltätigkeitszentrale hat im abgelaufenen Jahre ihr Hauptaugenmerk auf den inneren Ausbau der Organisation gerichtet und insbesondere die Mitglieder zu tatkräftigerer Anteilnahme an den Bestrebungen heranzuziehen versucht. Es ist in dieser Beziehung ein durchaus erfreulicher Erfolg zu verzeichnen, da in mehr als 2700 Fällen (gegen etwa 1900 im Vorjahre) die Mi!> glieder um Rat und Auskunft über Gesuche, gebeten hatten, die für wohltätige Zwecke aller Art bei ihnen eingegangen waren. Bon diesen Gesuchen sind nach Kenntnis der Geschäftsstelle etwa 1800 durch die Firmen berücksichtigt worden. Diese Zahl stellt eine ganz erhebliche Leistung der Kaufmannschaft dar, wenn berücksichtigt wird, daß grundsätzlich von den Mitgliedern der Wohltätigkeitszentrale Bitten um Tombola- und Basarspenden abgelehnt werden, und daß unter diesen Abgelehnten sich häufig gerade solche Vereine befinden, die auf andere Weise nicht versuchen würden, an die Kaufmannschaft heranzutreten, da jegliche Berechtigung dafür fehlt. Sehr interessant ist aus den statistischen Zusammenstellungen, daß der Anteil der Gesuche um Tombola- oder B as a r g e g e n st ä n d e aus 10,7 Prozent der Gesamtzahl z u r ü ck g e g a n g e n r st, während er im Jahre 1911 ein Drittel und im Jahre 1912 noch ein Viertel betrug. Die ständige Abnahme dieser Gesuche gibt den Beweis, daß es der Wohltätigkeitszentrale gelingt, für die sowohl im eigenen Interesse wie in dem einer wirklich nutzbringenden Wohlfahrtspflege liegenden Grundsätze; der Kaufmannschaft Achtung u n d A n e r k e n n u n g zu erringen. Neben der Auskunftserteilung über Gesuche auf Grund besonderer Anfragen läßt sich die Wohltätigkeitszentrale eine allgemeine Beratung der Mitglieder angelegen sein. Es ist zu diesem Zweck eine erhebliche Anzahl von Rundschreiben erlassen worden, die entweder Warnungen vor bedenklichen Unternehmungen enthielten, oder aufklärende Mi 1 teilungen, mit dem Zweck, wertvolle Wohlsahrtse i n r i chtu n g en vor s ch ädl ich e n V er w ech s lu n g e n zu schützen, oder Anregungen zu bestimmten allgemeinen Sammlungen beizutragen. Wie in den früheren Jahren, sind auch im Jahre 1913 wieder aus einer ganzen Anzahl anderer deutscher Städte, wie Mainz, Trier (seitens des Oberbürgermeisters), Königsberg i. Pr., Dresden, Frankfurt a. M., Anfragen nach der Wirksamkeit der Wohltätigkeitszentrale gekommen. Die Geschäftsstelle ist mehrfach von auswärtigen Interessenten besichtigt worden. In der Diskussion wurden aus dem Kreise der Vertreter von Wohlfahrtsorganisationen seitens Exzellenz v. Eucken-Addenhausen der dringende Wunsch ausgesprochen, die wertvollen Gedanken der in der Wohltätigkeitszentrale vereinigten Kreise, ihre Stellungnahme gegenüber den Tombola- und Basarveranstaltungen in weitesten Kreisen bekanntzmnachen. Bon kaufmännischer Seite würdigte Herr Direktor Bach vom Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser den zweifellos bereits fühlbaren Einfluß der Wohltätigkeitszentrale in der Abnahme bzw. anderartigen Ausgestaltung der Feste, der wachsenden Zustimmung kaufmännischer Kreise usw., die er auch durch einen von Geschäftsfreunden rnitgeteilten Vorgang aus einer württembergischeu Stadt belegen konnte. T. Frankfurt a. £>♦, 10. April. Der von Herrn Rechtsanwalt Aronheim geleitete hiesige Jugendverein veranstaltete am Donnerstag, den 2. d. M., in den Räumen der „Aktien-Brauerei" zugunsten des Vereins „Esra" eine Mitgliederversammlung, zu deren Besuch sämtliche Gemeindemitglieder von einigen hiesigen Persönlichkeiten öffentlich eingeladen wurden. Nachdem Herr Rechtsanwalt A r o n h e i m den Redner des Abends, Herrn B. B l i tz, sowie die im Aufträge des Zentralkomitees des „Esra" zum Vortrage erschienenen Herren begrüßt hatte, entrollte Herr Blitz in seinem 1% stündigen Vortrag über die jüdische Kolonisation Palästinas ein farbenreiches Bild von dem Leben und Treiben der jüdischen Kolonisten im Heiligen Lande, ihrer Tatkraft, ihrem Selbstbewußtsein, und ihrer großen Opfersreudigkeit. Von den hohen Steuern, welche namentlich die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung Palästinas zu entrichten hat, wandert der allergrößte Teil nach Konstantinopel, so daß für die lokalen Bedürfnisse des Landes fast nichts übrigbleibt. Dennoch sind die Gemeindeinstitutionen, insbesondere die Bildungsanstalten, in fast allen Kolonien mustergültig. Die Unterrichtssprache in allen von den Kolonisten selbst errichteten Schulen ist Hebräisch. Schon dieses allein beweist, daß die Behörden sich um die Inneren Angelegenheiten der Kolonien so gut wie gar nicht kümmern, so daß diese in bezug auf die innere Verwaltung de facto nahezu völlige Autonomie genießen. Reicher Beifall folgte den von zahlreichen Lichtbilllern illustrierten Ausführungen des Redners. Hierauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Salomonski das Wort, um die große Bedeutung der jüdischen'Kolonisation Palästinas für das gesamte Judentum dar-

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