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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-04-17 · Heft 16 (17.4.1914) · p. Seite 186

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 16 (17.4.1914)
Date
1914-04-17
Page
Seite 186 (sequence 6)
Language
German
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186 ihn von hier einige Wochen fernhält, im Vorstandszimmer des Krankenhauses, das mit seinem Bildnis geschmückt ist, um die laufenden Geschäfte zu erledigen. Auch andere Wohltätigkeitsanstalten wissen seine Mitarbeit wohl zu schätzen, wie die Alterversorgungsanstalt, das vor einem Jahre eröffnete Siechenhaus, die erste und zweite Brüdergesellschaft, verschiedene Kommissionen innerhalb der Gemeindeverwaltung u. a., die ihn gern als führendes Vorstandsmitglied erwählt haben und auf seinen weisen, abwägenden Rat gern hören. Was der Jubilar für wahr und recht erkannt hat, das weiß er mit seltener Energie zu vertreten und durchzusühren. Auch höheren Orts wurden seine Verdienste um Verwaltung und Krankenhaus durch Verleihung des Kronenordens vermerkt. Ihre Majestät die Kaiserin hatte es sich nicht nehmen lassen, seinerzeit das Krankenhaus durch ihren Besuch auszuzeichnen und ihr Wohlgefallen über alle Einrichtungen auszudrücken.—Möge es Herrn Eduard Sachs noch lange vergönnt sein, wie bisher in gleicher Frische des Geistes und Körpers seiner ihm anvertrauten Aemter zum Wohle unserer Gemeinde zu walten. Breslau, 7. April 1914. M. Ser Landhunger drr jüdischen Kolonisten Urgentinirns. Von Arturo'Bab. u wiederholten Malen, zuletzt in der Nummer 47 (7. November 1913), ist in dieser Zeitung mit Verwunderung darüber gesprochen worden, daß die jüdischen Kolonisten Argentiniens von derKolvnifationsgesellschaft so große Landstächen zum Verkauf erhalten, ganz besonders im Verzleich zu denen, welche die jüdischen Bauern Palästinas bebauen. In folgenden Zeilen sei es daher gestattet, in kurzen Worten die diesbezüglichen Verhältnisse aufzuklären. Es wird jedem, auch der Landwirtschaft Fernstehenden, einleuchten, baß ein Landwirt, der im Rheingau zwischen Wiesbaden und Frankfurt ansässig ist, sich mit einer geringeren Anzahl Morgen begnügen kann wie sein Berufsgenosse zwischen Tilsit und Gumbinnen in Ostpreußen. Im ersten Falle Hochkultur — Wein, Obst, Gemüsebau — bei mildem Klima, fruchtbarem Boden ununmittelbarem Absatz in den benachbarten Großstädten, im zweiten mühsames Gedeihen von Hafer, Roggen, Kartoffeln mit strengen Wintern und der Notwendigkeit, die Produkte verhältnismäßig weit bis zu den Konsumzentren zu senden. Ist dies schon in einem alten Kulturlande wie Deutschland der Fall, so sind dieselben und andere Gründe in viel stärkerem Maße in dem jungen La-Plata-Lande stichhaltig. Zunächst ist Argentinien ungefähr fünfmal so groß wie Deutschland, und die jüdischen Kolonien liegen in fünf verschiedenen Provinzen zerstreut. Don der südlichsten „Narcisse Leven" bis zur nördlichsten--„Dora" sind es in gerader Linie über tausend Kilometer, und von dort bis zur östlichsten „San Antonio" fast siebenhundert. Das heißt aus europäische Verhältnisse übertragen, daß die erste bei Genua, die zweite bei Hamburg und die dritte vor den Toren Warschaus liegt. Es kommt dazu, daß die argentinische Landwirtschaft fast ausschließlich für die Ausfuhr arbeitet. Sämtliche Häsen, mit einer später zu erwähnenden Ausnahme, liegen aber am westlichen Ufer des unteren Paranastroms und seiner Erweiterung, dem Rio de La Plata (Rosario, Buenos Aires usw.) Dort konzentriert , sich auch über die Hälfte der Bevölkerung der Republik, dieser Userstrich — Litoral genannt — ist also auch der größte Binnenmarkt, und die landwirtschaftlichen Produkte sind am Erzeugungsort um so billiger, je weiter sie vom Litoral entfernt liegen. Derselbe Landstrich ist aber zur gleichen Zeit der durch Boden und Klima am meisten begünstigte Teil Argentiniens; je weiter davon entfernt, desto weniger günstig sind beide. Die beiden südlichsten Kolonien — „Narcisse Leven" und „Baron Hirsch" — haben zwar einen näher gelegenen Exporthasen — Bahia Blanca genannt — doch wird dadurch das über Boden und Klima Gesagte, nicht eingeschränkt. Sie sind sogar die beiden am wenigst begünstigten Kolonien, da sie vom Rio de la Plata und Parana an fünfhundert Kilometer in Luftlinie entfernt liegen, das heißt so weit wie Straßburg von der Nordsee. Im Litoral — in welchem sich keine der jüdischen Kolonien befindet — kann heute ein Bauer mit 25 bis 30 Hektar eigenem Lande bestehen; je weiter vom Strome entfernt, desto mehr Land braucht er, und desto billiger ist auch das Land im Preise. Es gibt Gegenden, wo heute anerkanntermaßen ein einfacher Farmer mit nicht weniger wie 1250 Hektaren existieren kann. Diese Darstellung ist natürlich schematisch und ist Ausnahmen unterworfen. Dort, wo es im Innern Flüsse gibt — es ist dies aber selten der Fall — ist der Boden der Flußufer oft sehr fruchtbar. Ist es nun gar möglich, dort künstliche Bewässerung in die Wege zu leiten — was allerdings Millionen verschlingt — so kann man in diesen begünstigten Distrikten mit ebensowenig oder weniger Land auskommen wie im Litoral. Dies ist bei der jüdischen Kolonie „Dora" der Fall, wo jeder Bauer 25 Hektar (ä 470 Mark) erhält. In der Kolonie „Montefiore", in welcher man jedem Kolonisten 75 Hektar, (ä 190 Mark) zumißt, gibt es zwar keine künstliche Bewässerung mehr. Der Boden eignet sich aber für Luzerne, die, einmal ausgesäet, dort viele Jahre vorhält und infolge des milden Klimas selbst im Winter etwas wächst. In den übrigen Kolonien, wo die vor einigen Jahren angesiedelten Farmer vor einigen Jahren 150 Hektar erhielten, zahlen dieselben 45 bis 75 Mark pro Hektar, und nach Erklärung er- Eduard Sachs, Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengemeinde Breslau.

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