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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-04-10 · Heft 15 (10.4.1914) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 15 (10.4.1914)
Date
1914-04-10
Page
Seite 5 (sequence 17)
Language
German
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5 ist interessant, daß, während die Juden außerhalb Irlands, zum Beispiel in Amerika, in so intimen freundschaftlichen Begehungen zueinander leben, daß diese irisch-jüdische Freundschast förmlich sprichwörtlich geworden und einen amerikanischen Poeten sogar zu einer schwungvollen Lobeshhmne auf diese Freundschaft angeregt hat, in Irland selbst piese eingeborenen Irländer die Juden nicht besonders freundlich empfangen und in einem recht kühlen Verhältnis zu ihnen stehen. In den Städten haben die Juden durch Fleiß und Redlichkeit sich eine Position zu erringen verstanden, und gerade in Velfast, dem Mittelpunkte der gegenwärtigen kritischen Ereignisse, wurde vor kurzem ein Jude znm Bürgermeister gewählt. Auf dem Lande und in den kleinerey Städten hingegen.hat der irische Bauer oder Kleinbürger, der abgeschlossen von der Außenwelt, vielleicht niemals über die Gemarkung seines Heimatsortes hinausgekommen ist, die wunderlichsten Anschallungen über die Juden. Besonders bezeichnend hierfür sind zwei Anekdoten, die David Werner Amvam in seinem Aufsätze „Century of Jewish Lite in England“ erzählt: Ein jüdischer Geschäftsreisender, der einen Kaufmann im südlichen Irland besuchte, wurde von diesem gefragt: „Nicht wahr. Sie sind Jude?" — „Ja," antwortete der Reisende. — „Ich wußte es wohl," sagte nun der Jrishman, „aber was ich jetzt wissen möchte ist bloß, was für ein Jude Sie sind? Ein katholischer oder ein protestantischer Jude." Nicht minder bezeichnend ist die zweite Erzählung, deren Heldin die Lady of Limerick ist, die, als sie 70 Jahre alt geworden, einen ihr bekannten jüdischen Großkaufmann ersuchte, ihr einen hebräischen Lehrer zu empfehlen. Als der jüdische Kaufmann verwundert fragte, wozu die hohe Dame in so vorgerücktem Alter hebräisch zu lernen wünsche, antwortete diese offenherzig: „Gerade weil ich mich schon alt fühle und nicht mehr lange zu leben habe, mochte ich noch rasch Hebräisch lernen, damit, wenn ich von dieser Welt abberufen werde und vor den Richterstuhl meines Schöpfers treten muß, ich in der Lage bin, mit seiner Allmacht in seiner eigenen Sprache zu sprechen." Erwähnt sei hier bloß noch, daß sowohl an der Dubliner Universität als auch jetzt an der nationalen Universität von Irland ein Lehrstuhl für die hebräische Sprache und Literatur besteht. Von Mh und sfern. Aus Posen wird uns geschrieben: Der 18 58 gegrüudete Tarlehnsvereiu, der eine Förderung des Kreditwesens zum Besten des jüdischen Mittelstandes erstrebt, hat im verflossenen Geschäftsjahre Darlehen im Gesamtbeträge von 40 990 Mark an Handels¬ und Gewerbetreibende gewährt. Die Bilanz ergibt bei einem Bereinsvermögen in Höhe von 40 748 Mark in Einnahmen ilnd Ausgaben den Betrag von 59 828,47 Mark. Der auf zehn Mitglieder verstärkte Vorstand, an dessen Spitze Herr Rechtsanwalt Dr. Kol lens che r steht, sowie die Aussichtsratsmitglieder Kaufmann Wolfs Jaffe, Stadtrat S ch l e h e r und Kaufmann Ata nasse Werner wurden einstimmig wiedergewühlt. — Für Verdienste um den Staat wurde am 24. v. M. dem Kaufmann Herrn Markus Fei dusch aus Solbad Hohensalza das Allgemeine Ehrenzeichen in Silber allerhöchst verliehen. Herr Feibus'ch hat den Krieg gegen Frankreich im Jahre 1870 mithemachk. — Am 16. d. M. begeht der Vorsitzende des Vorstandes der Synagogengemeinde Breslau, Herr Eduard Sachs, seinen 6 -Zimmer-Wohnung mod. Anthrazit-Heiz., elekt. Licht, Warmwasser, in Herrschaft!. Hause, Schmivftratze 3, nahe Untergrundu. Stadtbahn. sofort zu verm. Näh, b. Wirt, 1 Tr. Neue Königstr. 15, l .-HI.Et.,3—6 Zim.. 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