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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-04-10 · Heft 15 (10.4.1914) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 15 (10.4.1914)
Date
1914-04-10
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Gemeindesynagogen getroffen werden ltnb zwar in jedem Jahr in zwei Synagogen, wofür ein Betrag von 3000 Mark erforderlich ist, den die Versammlung bewilligt. — Der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", dem für die Herausgabe des Werkes: „Anteil der Juden an den Befreiungskriegen" zweimal je 500 Mark Beitrag bewilligt worden sind, wendet sich an die Gemeinde mit dem Gesuch, ihm dafür eine weitere Beihilfe von 5000 Mark zu gewähren. Es wird ans die große Bedeutung der Arbeit für die Juden hingewiesen, die ein Argument von großer Beweiskraft für die staatsbürgerliche Gesinnung der Juden und ihre staatsbürgerlichen Forderungen sei. Nach dreijähriger Arbeit, die alles erreichbare Material ausweist, liegt das Werk jetzt vollendet vor. Die kosten velausen sich auf 12 000 Mark. Der Vorstand der Gemeinde hatte beschlossen, trotz Würdigung der Bedeutung des Werkes doch nur 1000 Mark zu bewilligen. Der Ausschuß beantragte dagegen, zwar die Vorlage des Vorstandes anzunehmen, ihn aber zugleich zu ersuchen, weitere 2000 Mark zu bewilligen. In der Diskussion empfahl Herr Geheimrat Blumenthal aufs wärmste den Allsschußantrag, die Förderung eines solchen Werkes sollte die Aufgabe auch anderer Organisationen wie des Gemeindebundes sein. Herr Prof. Kalischer anerkannte gleichfalls die große Bedeutung des Zentralvereins, verwies jedoch darauf, daß der Ausgabenkreis des Gemeindebundes ein anderer sei, er leider nicht einmal die genügenden Mittel finden könne zur Erfüllung seiner Hauptaufgaben, der Unterstützung leistungsschwacher und leistungsunfähiger Gemeinden. Herr Justizrat L i l i e n t h a l rechtfertigte die Stellungnahme des Gemeindevorstandes. Es dürste dem Zentralverein nicht schwer fallen, auch andere Gemeinden zu Beihilfen für das bedeutungsvolle Werk, das ja allen Juden dienen solle, zu erhalten. Aber auch wenn das nicht der Fall, sein sollte, so sei zu befürchten, daß durch zu große Bewilligungen die Begehrlichkeit bei anderen Stellen gesteigert und wachg-erusen werden konnte. Herr Tr. Mar Ginsberg tritt gleichfalls warm für den Ausschußantrag ein und verweist darauf, daß der Zentralverein keinerlei Subventionen von der Gemeinde erhalte, wie andere Organisationen. Auch Herr Prof. Blaschke erklärte sich für den Ausschußantrag. Er sei Vorstandsmitglied des Zentralvereins und habe deshalb geglaubt, sich an der Debatte nicht zu beteiligen, er möchte aber nicht, daß etwa aus seinem Schweigen ein falscher Schluß gezogen werde, als ob er nicht für die größere Bewilligung einträte. Angenommen wurde schließlich der Antrag des Ausschusses. — Der Jugendverband hatte ebenfalls an die Gemeinde das Ersuchen gerichtet, ihm unter Würdigung der verdienstvollen Arbeit, die er leiste, und unter Berücksichtigung der ungünstigen Finanzlage des Verbandes, die des Näheren dargelegt wurde, einen Beitrag von 2000 Mark zu bewilligen. Der Gemeindevorstand hat indessen beschlossen, nur 500 Mark zu bewilligen. Auch hier wird beschlossen, den Antrag des Vorstandes auf Bewilligung von 500 Mark anzunehmen und den Gemeindevorstand zu ersuchen, dem Jugendverband einen weiteren Betrag von 500 Mark zu gewähren. — Dem Verein Mekize Nirdamim wird für die laufende Etatsperiode ein jährlicher Zuschuß von 100 Mark bewilligt. — Schließlich lag der Versammlung noch ein Antrag vor, der allem Anschein nach von sehr großer Bedeutung werden kann. Herr Emil C o h n beantragt, in einer gemischten Deputation mit dem Gemeindevorstand darüber in Beratung zu treten, ob nicht ein anderes als das bisherige Verfahren bei Vergebung der Plätze in Gemeindesynagogen und Betloknlen eingefnhrt werden könne. Als seine persönliche Meinung führte der Antragsteller aus, daß das gegenwärtige Verfahren seine großen Mängel habe und zll Klagen Anlaß gebe. Solange den jüdischen Gemeinden keinerlei Steuerrecht zust-nnd, vor etwa 200 Jahren, und die Gemeinden sich Einnahmequellen anderer Art schaffen mußten, hatten die Vermietung und Bezahlung der Synagogenplätze ihre Berechtigung. Jetzt, da die Gemeinden das Besteilerungsrecht Hütten, läge im gegenwärtigen Verfahren vielfach doch eine schwere Ungerechtigkeit. Ein Gemeindemitglied mit einem Einkommen von 3000 bis 4000 Mark, das vielleicht 20 bis 25 Mark Gemeindesteuer zahle, müsse den gleichen Betrag noch einnml zahlen, wenn es für sich, seine Frau und ein erwachsenes Kind Plätze an den hohen Festtagen haben wolle. Er wünsche freien Eintritt i n d i e B e t l o k a l e. Er verkenne nicht, daß das seine Schwierigkeiten der Durchführung habe, aber wo ein ernster Wille sei, da finde sich auch ein Weg. Die finanzielle Seite ergebe keine Unmöglichkeiten. Air Platzmiete für die Betlokale seien vor zwei Jahren etwa. 74 000 Mark eingekommen, was mache'diese Summe bei einem Steuerertrag von Millionen Mark aus, noch nicht einmal ein Vierzigste! (V40). Die Berliner Gemeinde würde beispielgebend für alle anderen Gemeinden durch ein solches Vorgehen werden. (Der freie Eintritt und die unentgeltliche Hergabe der Syna-gogenplütze bestehen bereits in einzelnen lvestsälischen Gemeinden. Tie Red.) Herr Jnstizrat Lilienthal bittet daraufhin, die Beratung des Antrages, von dem man jetzt erst erfährt, wohin er ziele, zu vertagen. Der Gemeinde - Vorstand müsse doch Zumindest Zeit haben, über die Angelegenheit sich auszusprechen. Nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte wurde der Antrag vertagt, er soll aber aus die Tagesordnung der nächsten Sitzung gesetzt werden. Damit schloß die öffentliche Sitzung, der noch eine geheime folgte. .22 Berlin, 7. April. In eindrucksvollem feierlichen Akte wurde heute die neue Gemeindesynagoge in der Levetzowstraße eingeweiht. Der Polizeipräsident v. Jagow, Reg.-Rat v. Lattorff und einige Polizeioffiziere, Vertreter des Magistrats und der Stadtverordneten von Berlin, eine Reihe weiterer geladener Ehrengäste,' fast sämtliche Vorstandsmitglieder der jüdischen Gemeinde, die meisten Mitglieder der Repräsentanten sowie die Rabbiner und Kantoren hatten sich zu der Feier eingefunden. Das imposante Gotteshaus war auf den Emporen wie im Parterre bis aus den letzten Platz besetzt. Das Innere des Gebäudes ist frei von jedem aufdringlichen Prunk, Architektur wie Ausstattung geben ihm aber einen vornehm einfachen Zug. Die Einweihungsfeier wurde eingeleitet durch ein Orgelpräludium, worauf der Einzug der Thorarollen unter dem Chorgestng des 24. Psalmes, Vers 7 bis 10, .erfolgbe. Dann trug Hauptkantor Klein in klingendem Tenor das Schäna und sangen Chor und Gemeinde das leello Adonai hagduloh. Nach dem Einheben der Thorarollen vollzog Rabbiner Dr. Lewkowitz das Entzünden der ewigen Lampe «und verwies in einer tiefsinnigen Ansprache darauf, daß dem Judentum das Licht sowohl das Symbol dessen sei, was die Religion uns gibt, als das Symbol dessen, was sie von uns verlangt. Nach dem Bortrage des 95. Psalm: „Denn in Deiner Hand ist, was die Erde bringt" durch Frau Vera Go (db e r g-C ono w s.ky und Fräulein Fanny Opfer hielt als Vertreter des Gemeindevorstandes Herr Jlistizrat Breslauer eine feierliche Ansprache. Er begrüßte mit herzlichen Worten zunächst die Vertreter der Kgl. Staatsregierung, die der Gemeinde stets wohlwollend entgegengekommen seien, sowie die Vertreter der Stadt Berlin und alle Erschienenen und führte ans, daß die Körperschaften der jüdischen Gemeinde eingehender Ueberlegung bedurft hätten, ehe sie an den Bau neuer Gotteshäuser heranging. Die einen meinten, man hätte schon zu viel Gotteshäuser, andere wiederum sagten, neue Synagogen wären dringend notwendig. Die jüdische Gemeinde habe sich für die letztere Auffassung entschieden. Berlin hat jetzt 143 000 jüdische Seelen. Sie wohnen nicht, wie vielleicht früher einmal, in bestimmten Stadtteilen dicht beieinander, sie verteilen sich über die ganze Stadt. Da kann die Gemeinde natürlich nicht jedem in seiner Nähe ein Gotteshaus aufbauen. Aber nian wählte für die neue Synagoge hier die Levetzowstraße, weil in deren Umgebung nicht nur viele Glaubensgenossen wohnen, sondern vor allem solche Glaubensgenossen, denen der Besuch eines Gotteshauses religiöses Bedürfnis sei. Nilu freue man sich dieses herrlichen Goteshauses. Dank gebührt den Meistern, die den Bail errichtet. Dank allen Arbeitern am Werke, Dank den Künstlern, die den Plan geprüft und durchdacht haben. Auch den Nichtjuden stehe das Gotteshaus zur Verfügung. Mögen sie sich überzengerl kommen, wie töricht die Märchen sind, die mittelalterlicher Aberglaube ersonnen und Böswilligkeit bis in unsere Zeit weiter verbreitet. Unsere Religion steht rein da, sie ist die erste, die das Wort geprägt hat, „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst". Namens der Gemeinde übergab er dann das Gotteshaus der Benutzung. Nach einem Chorvortrag: „Siehe der Hüter Israels schläft und schlummert nicht" hielt Rabbiner Dr. Bergmann eine eindrucksvolle Predigt. Gerade im 200 jährigen Jubiläumsjahre des ersten Gotteshauses, das die Berliner Gemeinde errichtete, stehe man im Begriff, diese Synagoge einzuweihen. In den zwei Jahrhunderten ist Berlin die führende Gemeinde geworden, von hier gingen die Ideen der Aufklärung ans, auch soziale Hilsswerke von hervorragender Bedeutung. Die Treue und den Opfersinn, die unsere Väter und

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