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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-04-03 · Heft 14 (3.4.1914) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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' ' ——- 3 - gaben der israelitischen Krankenverpflegungs- und Beerdigungsgesellschaft im Jahre 1913 verteilen sich wie folgt: Bestand am 1. Januar 1913 5970,12 Mark, 12 Spenden in Einzelbeträgen bis 500 Mark — 3223 Mark, laufende Beiträge der Gesellschpstsmitglieder 6038,50 Mark, weitere Einnahmen einschließlich im ganzen 37 961,97 Mark; nach Abzug aller Ausgaben verblieb ein Bestand am Schlüsse des Rechnungsjahres von 5669,22 Mark. Die Gesellschaft umfaßt mehr als 1000 Mitglieder. M. Hamburg, 27. März. Das Repräsentantenkolle - g i u m der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt rm Gemeindebureau eine Versammlung unter dem Vorsitze des Herrn Jakob Al ex an der ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung legte der Vorsitzende das Schreiben eines Architekten vor, der seine Dienste für den Bau eines Gemeindehauses anbietet sowie ein Schreiben des Mekor-Chajim-Vereins, welcher mitteilt, daß er den Gemeindevorstand um Gewährung einer Subvention gebeten habe, und ersucht, das Kollegium möge das Gesuch unterstützen. Sodann spricht der Vorsitzende dem Mitgliede des Kollegiums, Herrn Bachra ch. die Glückwünsche der Repräsentanten zu seinem 70. Geburtstage aus und wünscht, daß der Jubilar noch lauge Jahre in ungeminderter Kraft zum Wohle der Gemeinde wirken möge. Herr Bachrach dankt dem Kollegium für die erwiesene Ehrung. Darauf stellte Herr Berlin namens des Vereins der jüdischen Handwerker und Gewerbetreioenden eine Anfrage an die Verwaltung des Siechenhauses betreffend die Vergebung von Lieferungen. Er bittet, bei Vergebung von Arbeiten und Aufträgen seitens der Gemeindeinstitutionen doch mehr als bisher die Vereinsmitglieder zu berücksichtigen. Die Anfrage wird von Herrn Dr. Plaut zufriedenstellend beantwortet. Eine Besprechung der Interpellation wird nicht gewünscht. Der nachfolgende Antrag des Herrn O e t t i n g e r wird einstimmig angenommen und zum Bestandteil der Geschäftsordnung gemacht: „Ist der vollständige Wortlaut des Protokolls einer Sitzung allen Mitgliedern des Kollegiums zugesandt worden, so bedarf es der Verlesung in der nächsten Sitzung nicht. Das Protokoll gilt als genehmigt, wenn von keinem Mitgliede des Kollegiums bis zum Schluß dieser Sitzung mündlich oder schriftlich Einspruch erhoben worden ist." Darauf berichtete Herr Mathiason über die schon mehrfach behandelte Frage der Waisenpflege und regte nochmals die Errichtung eines Fürsorgeheims für solche Kinder, die in den hiesigen jüdischen Waisenhäusern keine Aufnahme finden können, an. Ein großer Teil der Schwierigkeiten der Frage wäre auch erledigt, wenn die Leitung des Knabenwaisenhauses sich entschließen würde, auch uneheliche Kinder aufzunehmen. Da in den letzten Sitzungen mehrfach die Anstellung der Sekretärin der israelitischen Töchterschule von dem Repräsentantenkollegium beanstaudet worden war, hat der Gemeindevorstand iu einem ausführlichen Schreiben einen Bericht über die Tätigkeit des Lehrkörpers und der anderen Angestellten der Schule gegeben. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen und die Angelegenheit für erledigt erklärt. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildet der Antrag auf Bewilligung eines Jahresbeitrages von 200 Mark an den Verband der jüdischen Jugendvereine. Herr L i p p rn a n n befürwortet den Antrag mit Rücksicht aus die Ziele des Verbandes und dessen neutrale Haltung. Herr Bach rach bemängelt die Arbeiten des Verbandes, hat aber gegen die Bewilligung der Subvention nichts einzuwenden. Da aber in letzter Zeit an die Gemeinde verschiedene Gesuche um Subventionen und dergleichen herangetreten wären, welche den Etat belasteten, und da in Zukunft die Aufgaben der Gemeinde immer größer und natürlich auch kostspieliger werden würden, so bitte er die jüngst gewählte Kommission zur Reorganisierung der Gemeinde, möglichst schnell ihre Arbeiten fortzuführen, damit die mit der staatlichen Einziehung der Gemeindesteuern voraussichtlich verbundene Besserung der Finanzen möglichst bald eintreten kann. Der Antrag auf Subventionierung des Verbandes der Jugendvereine wurde daraus angenommen. An die öffentliche Versammlung schloß sich eine geheime Sitzung des Kollegiums an. g/7> Hamburg, 27. März. Eine Nordlandreise für rituell lebende Juden wird zum erstenmal im Juni dieses Jahres veranstaltet werden. Das ist eine Neuerung auf dem Gebiete der Touristik, die erwähnt zu werden verdient, weil sie eine große Lücke ausfüllt und von vielen lebhaft begrüßt werden wird. War es doch bisher allen rituell lebenden Juden unmöglich, eine Nordlandreise zu machen. Sie hätten sonst ihre Lebensgewohnheiten anfgeben oder sich große Entbehrungen auserlegen müssen. Diesem Ilebelstande soll nun abgeholfen werden. Die Initiative hierzu geht von dem bestens bekannten Reisebureau von Walter Bam berger, hier, Neuerwall 91/93, aus. Dieses Bureau, welches alljährlich Gesellschaftsreisen nach Norwegen veranstaltet, hat sich entschlossen, m der Zeit vom 3. bis 19. Juni eine ähnliche Reise für rituell lebende Juden zu organisieren. Dem uns vorliegenden, interessanten und bilderreichen Programm entnehmen wir, daß diese Reiseveranstaltung unterspezielle Aufsicht des Hamburger Oberrabbiners Dr. Spitzer gestellt worden ist, und daß eine von diesem ernannte Vertrauensperson offiziell an der Reise teilnehmen wird. Für die Reise, die in Hamburg beginnen und enden wird, ist der erstklassige norwegische Touristendampfer „Kong Harald" gechartert worden, der ausschließlich für jüdische Teilnehmer bestimmt sein wird. Der Reiseplan rst derartig Zusammengestellt, daß die schönsten Gebiete Westnorwegens aufgesucht werden. Die Teilnehmer werden demnach neben den bekannten Fjorden südlich von Trvndhjem auch die Gebiete nördlich des Polarkreises kennen lernen: also das eigentliche Land der Mitternachtssonne. Es ist anzunehmen, daß neben rituell lebenden Inden auch aus anderen jüdischen Kreisen sich Zahlreiche Teilnehmer melden werden. Da die Teilnehmerzahl nur eine beschränkte sein kann — der „Kong Harald" hat erstklassige Kabineneinrichtungen für zirka 100 Personen — so ist Interessenten zu empfehlen, sich bei dem genannten Bureau recht bald für die Reise eiuschreiben zu Lassen. Von dort kann auch das ausführliche Programm der Reise gratis nub franko bezogen werden. L2 Nürnberg, 30. März. Am 20. April d. I. findet hier die Generalversammlung des Allgemeinen D e it t f ch e n K ci n t o r c n Verbandes statt, für welche eine ebenso wichtige wie interessante Tagesordnung ausgestellt ist. Aus der Fülle der einzelnen Punkte sei niir ans den Vortrag des Herrn Kirschner, München: „Einiges über mittelalterliche, hebräische Poesien und ihre Sangweisen", aufmerksam gemacht. Durch die Munisizeuz der hiesigen Gemeindeverwaltung ist es möglich geworden, der Tagung einen schönen Rahmen zu geben. Sonntag, den 19. April findet im großen Adlersaale ein Vortrag des Herrn Frankel, Nürnberg, über „Traditionelle Shnagvgenmusik mit stilistischer Erläuterung und gesanglicher Vorführung statt und abends Uhr ein Synagogenkonzert mit dem Programm „Moderne Synagogenmusik". Nach der Sitzung findet Montag abend Kommers mit voransgehendem Festessen statt und Dienstag werden den auswärtigen Gästen gratis alle Sehenswürdigkeiten Nürnbergs gezeigt werden. Da die Beteiligung an dem Nürnberger Kantorentage voraussichtlich eine recht große sein wird, so wäre es dem Ortskomitee sehr erwünscht, wenn die Herren Kantoren im eigenen Interesse möglichst umgehend ihren Besuch amnelden würden, damit für Wohnung, Essen usw. aufs beste gesorgt ist. Anmeldungen wolle mau bitte an Herrn Manes, Keßlerplatz 11, richten. Y. Wiesbaden, 27. März. Der Israelitische U n t erst ü tz ung s v e r e i n in Wiesbaden versendet soeben seinen 43. Jahresbericht. Der Bericht stellt die bemerkenswerte Tatsache an die Spitze, daß zum erstenmal seit dem Bestehen des Vereins die Ausgaben im Jahre 1913 die Einnahmen überschritten haben. Wenn es sich bei dieser Ueberschreitung auch nur um einige wenige hundert Mark handelt, so gibt dies dem Berichterstatter doch Anlaß zu ernsten Erwägungen. Die Not der jüdischen Kleinbevölkerung sowohl auf dem platten Lande wie in der Stadt steigt fast täglich. Es werden Anforderungen an den Verein gestellt, die, so berechtigt sie auch manchmal seien, weitaus die Kräfte des Vereins übersteigen. Einen großen, ja den größten Teil unserer Pfleglinge iu Wiesbaden stellt die zunehmende Einwanderung russischer und galizischer Glaubensgenossen. Für diesen Andrang reichen die Erwerbsmöglichkeiten unserer Stadt nicht aus. „Wir richten deshalb an unsere Mitglieder das dringende Ersuchen, nicht durch besondere Gaben den Zuzug noch zu stützen, sondern in allen Fällen aus unsere Mitwirkung zurückzugreisen. Nur so wird es möglich, wenigstens die einheimische jüdische Kleinbevölkerung vor der äußersten Not zu schützen und fte nicht geradezu auf die Landstraße zu werfen." — Aus dem Rechnungsabschluß ergibt sich, daß Einnahmen und Ausgaben gegenüber dem Vorjahre um rund 2500 Mark gestiegen sind. Sie balancieren 1912 mit 16 036 Mark und im verflossenen Jahre 1913 mit 18 510 Mark. Die Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen sind gleichfalls gestiegen, um ca. 260 Mark, die Geschenke um rund 250 Mark. Demgegenüber sind allerdings auch die Ausgaben zum Teil sehr wesentlich gewachsen. Die einmaligen Gaben an Einheimische erforderten im Berichtsjahre eine Steigerung

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