Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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....~.j;■ i/w um» :| Sf2 Königsberg i. Pr., 27. März. Die Pensionskaste für die W Beamten der Synagogengemeinden Ostpreußens hat eine neue Ver- I bessernng für die Versorgung des größten Teiles ihrer Kassen- J Mitglieder gewonnen. Es ist ihr gelungen, mit der dem Kultus- .O Ministerium unterstehenden A l l g e m einen deutsche n I P e n s i o n s a n st a l t f ü r Lehrer und L e h r e r i n n e n i n | 33 c t* I i ii einen Vertrag abzuschließen, wonach alle ihre als f Religionslehrer, Rabbiner, Erzieher, Erzieherinnen und Musiklehrerinnen in Ostpreußen tätigen Mitglieder bei der vorgenannten £ Allgemeinen Lehrerpensionsanstalt zur R ü ck v e r s i ch e r u n g (gebracht werden. Tie Mitglieder gewinnen dadurch folgende Vorteile: l. Das Ruhegeld wird ihnen durch die Allgemeine deutsche Pensionsanstalt gewährt bei Arbeitsunfähigkeit im ei gell e n , das ist im Lehrberufe und nicht, wie es sonst nach den Bestimmungen des Angestelltenversicherungsgesetzes geschehen müßte, erst bei Arbeitsunfähigkeit im allgemeinen. 2. Die Entscheidüng über die P e n s i o n s g e s u ch e dieser Mitglieder er-!. folgt bei der Allgemeinen deutschen Lehrerpensionsanstalt durch | eine Kommission, die nur aus Lehrpersonen besteht, wähf rend die Bewilligung der gesetzlichen Versicherungsleistungen seitens | der Reichsversicherungsanstalt von einem Allsschuß aus Personen E verschiedenster Stände geschieht, denen die näheren Verhältnisse der - Lehrer vielfach unbekannt sind. 3. Bei dem bewilligten Heilk verfahren werden die bei der Allgemeinen deutschen Lehrer-?! Pensionsanstalt rückversicherten Mitglieder den von dieser st a n d e s- | gemäß für Lehrer eingerichteten Erholungsstätten zugewiesen. f 4. Bei Notl a g e n können die bei der Allgemeinen deutschen | Lehrerpensionsanstalt rückversicherten Mitglieder Ermäßigung | beziehungsweise zeitweisen Erlaß der Versicherungsbeiträge und l sonstige Unterstützungen auch aus den besonderen Stif- | t ll n g e n der Allgemeinen deutschen Lehrerpensionsanstalt erhalten. - Tie bei der Allgemeinen deutschen Lehrerpensionsanstalt rückversicherten Mitglieder haben keinerlei Kassenbeziehungen Zu den f zur Reichsversicherungsanstalt gehörenden, ihnen sozial vielfach f nicht zupassenden Personenkreisen, sondern sind sür ihre Verf sorgungssicherung bei dieser Allgemeinen deutschen Lehrerpensionsanstalt n il r m i t S t a n d e s k o l l e g e n v e r b u n d e n. — Eine f Erhöhung der Beiträge für diese Kastenmitglieder tritt nicht ein. ) Ihre Versorgung ist in allem übrigen gleich der bei der Reichsl versieherungsanstalt. Zur besonderen Wahrnehmung der Inter- * essen der Kassenmitglieder der ostpreußischen Pensionskasie bei der Allgemeinen deutschen Pensionsanstalt sür Lehrer und Lehrerinnen - in Berlin ist der ostpreußischen Kasse eine Vertretung im? B e z i r k s a n s s ch n ß der Pensionsanstalt für Ostpreußen zugesichert; während wir für die jüdischen Religionslehrer in Ost- ' Preußen bei den Organen der Reichsversicherungsanstalt keine solche Vertretung besitzen und auch schwerlich erlangen dürften. — Der I Vorstand der Allgemeinen deutschen Pensionsl a n st a l t f ri r Lehrer lind Lehrerinnen inBerlin bei steht zurzeit aus: 1. Ministerialdirektor, Wirkl. Geh. Rat v. B r e m e n , Exzellenz, Berlin; 2. Wirkl. Geh. Rat, Oberf regierungsrat Altmann - Berlin; 3. Geh. Regierllngsrat : M eher- Berlin als Vertreter des Königlich p r e u ß i -; s ch e n U n t e r r i ch t s m i n i st e r s; 4. König!. Versicherungsi revisor M a r m e t s ch k e - Berlin; 5. Kaiser!. Geh. Regierungs-! rat W e y m a n n - Berlin; 6. Professor Dr. Schmidt-Berlin als B e r t r e t e r des Königlich p r e u ß i s ch e n M i n i - * st e r iums d e s I n n e r n; sowie: 7. Fräulein Auguste Spreu- - g e l - Berlin; 8. Provinzialschulrat D o b l i n - Berlin; 9. General- -- konsul Paul v. M e n d e l s s o h n - B a r t h o l d y - Berlin; 19. Freifräulein Ellh v. Rüssingen- Berlin; 11. Frau Direktor > Klockow - Eharlottenburg; 12. Direktor Ohmstede - Berlin. --- Tie der ostpreußischen Pensionskasie zugehörigen Gemeinden l und Beamten haben keinen direkten Verkehr mit der Allgemeinen s deutschen Pensionsanstalt, vielmehr geschieht aller geschäftlicher Verf kehr mit der Rückverstcherungskasse allein durch die ostpreußische i Kaste. Die Mitglieder der ostpreußischen Pensionskasse erhalten h außer den Leistungen der Allgemeinen deutschen Penstonsanstalt f noch die Pensionszuschüste der eigenen Hilfskasse, f- Y. Graudenz, 27. Rcärz. Am 1. Mai des vergangenen Jahres f konnte das Caspev Lachmannsche Provinzialwaisent haus aus eine zehnjährige Wirksamkeit zurückblicken. In diesem \ Zeitraum haben bereits 31 Zöglinge ihre Erziehung erhalten, von denen sich acht Knaben dem Kaufmannsstand, neun dem Handwerk zugewandt, während ein besonders befähigter Zögling zurzeit die Technische Hochschule in Charlottenburg besucht, um Ingenieur zu werden. Außerdem haben 13 Mädchen, von denen sechs die Hauswirtschaft erlernten, zwei Kindergärtnerinnen wurden, zwei kaufmännische Berufe ergriffen und drei sich dem Putzfach und der Schneiderei zuwandten. Am 1. Januar 1913 befanden sich in der Anstalt 35 Zöglinge (20 Knaben und 15 Mädchen), am 1. Oktober 32, von denen fünf in die vom Waisenhaus eingerichtete Lehrlingsstation Aufnahme fanden, die damit voll besetzt ist. lieber Art und Methode der Erziehung der Zöglinge gibt in dem soeben ansgegebenen elften Rechenschaftsbericht Herr Inspektor Blnmenfeld eine interessante Darstellung, die erkennen läßt, daß hier in dem Waisenhaus ein ganz vorzügliches Erziehnngswerk geleistet wird. Auch nach Entlastung aus dem Waisenhaus werden die Zöglinge noch im weiteren Leben von der Sorgfalt und Aussicht des Waisenhauses begleitet. An Veränderung in der Zusaminensetznng des Kuratoriums nn Berichtsjahre wird nur des Ausscheidens des Herrn D. Wolff-Thorn (zugleich mit der Niederlegung des Amtes als erster Vorsteher der Gemeinde Thorn) und der Frau Dr. Erich Levy aus dem Dameukomitee mit herzlichen Worten des Dankes für die treu geleistete selbstlose Arbeit gedacht. An größeren Stiftungen, die der Anstalt auch im letzten Jahre wieder zugewandt wurden, seien angeführt diejenigen der Herren E i s e r t - Graudeuz in Höhe von 5000 Mark und Carl F ü r st e n b e r g - Berlin in Höhe von 2000 Mart, sowie der Frau Mathilde G o l d b e r g - Danzig in Höhe von 1000 Mark. Die Gesamteinnahmen betrugen einschließlich des Kafsakontovortrags per 1. Januar 1913 in Höhe von 9123 Mark insgesamt 36 867 Mark, die Gesamtausgaben 29113,50 Mark, so daß der Kassabestand sich Ende des Berichtsjahres ititf 7753,50 Mark belief. Unter den Einnahmen figurieren die Beiträge mit 12 465 Mark und die Zinsen mit 10 519 Mark als die höchsten Posten. Das Vermögen der Anstalt beläuft sich einschließlich des Grundstücks, der Einrichtung, der Stiftungen, des Reservefonds, der verzinslich angelegten Werte und des Kassabestandes auf insgesamt 459 395 Mark. Tie Anzahl der Stiftungen des Waisenhanfes beträgt zurzeit 28. Für entlassene Zöglinge betrug der aus beit Zinsen von Stiftungen errichtete Fonds 2827 Mark am 1. Januar 1913. Verausgabt wurden 1420 Mart, und hinzukamen die Zinsen in Höhe von 720 Mark, so daß sich am Schluß des Berichtsjahres ein Fondsbestand von 2119 Mark ergab. Von den westpreußischen Synagogengeme'inden leisten 32 regelmäßige Jahresbeiträge in Beträgen von 10 bis 1000 Mark. Das finanzielle Ergebnis der letzten zehn Jahre, so resümiert sich der Bericht, entsprach leider nicht den Erwartungen. ,,Die Zinsen aus dem Kapitalfonds und aus den Stiftungen reichen bei weitem nicht aus für die Unterhaltung der Anstalt, und wir bleiben noch immer 'iit erster Reihe darauf angewiesen, von den westpreußischen Gemeinden und von ihren Mitgliedern Jahresbeiträge und Spenden zu erbitten." W. Posen, 27. März. Der Geheime Kommerzienrat Herz gedachte in der letzten hier stattgehabten Repräsentantensihung des vor kurzem verstorbenen Rentiers Samuel Silberberg, der seit 1892 dem Vorstande und 1890 dem Rabbinatskollegium der Synagogengemeinde angehört hat. Aus dem erstatteten Jahresberichte ist zu entnehmen, daß die Ausgaben pro 1912/13 ein Mehr von 16400 Mark gegen den Gemeindeetat Nachweisen. Die Ausgaben sür das Rohrsche Kranken- und Siechenhaus beliefen sich.auf 153022 Mark, wofür 142100 Mark vorgesehen waren. Dahingegen überstieg die Einnahme diese Position um mehr als 6000 Mark. Eine geringere Einnahme, etwa 1100 Mark ergab sich aus der Schlachtgebri.hr für Rindvieh und Geflügel. Die direkte Steuer der Gemeinde bei 1891 Zensiten brachte 148 732,71 Mark, im Steuerjahre vorher rund 135 000 Mark. Die Shnagvgengemeinde verfügt über ein Vermögen von 59 566,95 Mark. Der Depositenbestand, der verschiedene beträchtliche Stiftungen in sich schließt, beziffert sich in Summa auf 2 366 676,72 Mark. Die erforderlichen Ausgaben für die Jnstandhq^tung der Friedhoss-Predigthalle mit 1493,62 Mark wurden bewilligt. Die Legate von der verstorbenen Frau Rebekka Jaffe in Breslau mit 1000 Mark und dem verstorbenen Kaufmann Max Krayn, ersteres sür die Synagogengemeinde und letzteres für die Ritsche-Flatausche Waisen-Erziehungsanstalt für jüdische Mädchen wurden von der Versammlung durch Beschluß angenommen. Ein Betrag für die Rabbiner Dr. Feilchenseld-Stistung zur Verteilung von Bücherprämien an Zöglinge der Talmud-Tora- Schule wurde der Gemeinde überwiesen. Die Einnahmen und Aus-