Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 168 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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168 Lur Gründung emesJugkndbundes. Prolog von Rabb. Dr. Salomonski, Frankfurt a. O. enn nach des Frühlings Ankunft das Gestirn Des Tages höher steigt am Himmelsblau, Dann küssen seine Strahlen Gletscherfirn, Und starres Wintereis löst sich zu Tan. Aus tausend Tropfen Wasseradern lockt. Ruft Quelle, Bach und Strom der Sonne Sang. Wie ist der Wald vom Blütenschnee umflockt. Und Blumen sprießen an des Berges Hang. Tie Welt erwacht! Und alle Herzen heben Sich wonnevoll zu einem neuen Leben. Durch Saal und -Kammer geht der Jubelrnf, Ter heil'ge Klang. Vernahm ihn nicht dein Ohr? Groß wie das Wunder, das die Welt erschuf. Tritt, aus dem Dunkel neues Sein hervor. Gefangner Geist sei frei und atme neu Des Daseins Duft! Wir waren alle alt. Zermürbt, gefesselt, doch jetzt lacht der Mai! Da Pulst das Blut mit stürmischer Gewalt. Ein junger Held dnrchmißt der Erde Weiten Und wirbt Gefährten, die gleich wacker streiten. Frühling im Winter! Wer kann das verstehn, Wenn Wind und Regen an die Scheiben schlägt? Auch das ist Leben, auch im.Wetterwehn Tönt hell die Stimme, die das All bewegt. Warum denn blind sein, ward nicht unser Los Ein unvergänglich Blühn im Sturm der Welt? Des Leides Winter macht den Menschen groß, Der Bosheit Toben Judas Stamm erhält! Mag drum der Winde Wut die Krone beugen. Sie richtet stolz sich auf mit starken Zweigen. Wohl splittert hie und da verdorrt Geäst, Saftlos und hohl des Herbstes leichter Raub. Das war ja tot: allein der Stamm bleibt fest, Und immer dichter grünt des Baumes Laub. Er steht gepflanzt in'alle Ewigkeit, Gastlich zu weilen ladet er euch ein! Hier wohnt der Friede, schwindet alles Leid, In seinen! Schatten ist es gut zu sein. O Jugend, kehre ein und Pflück' die Gaben, Die Prangend deiner harren, süß dich laben! Des Baumes Frucht ist Wahrheit, und ihr Kern Heißt Glaube. Beide aber munden nicht. Wenn dem Genüsse Durst und Hunger fern. Und nur der Gaumen sein Begehren spricht. Kein Reiz gewährt, was Liebe kühn erstritt. Das Neue blaßt und welket farblos hin. Zur Ernte bringt den Geist der Liebe mit Und eurer Jugend opferstarken Sinn! So reichet euch die Hand zum heil'gen Bunde, Und Gottes Segen ruh' auf dieser Stunde! Literarische Mitteilungen. Berühmte I u d e n g e m e i n d e n des osmanischen N eiche s. Von Rabbiner W. Reich, Baden bei Wien. Sonderabdruck aus Tr. Blochs „Qesterreichischer Wochenschrift". Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmaun. Preis 1 Mark. Wenn ein historisches Buch aktuell genannt werden kann, so ist es dieses, denn es handelt über die drei Gerneinden, die gerade jetzt besonderes Interesse erregen, Adrianopel, Saloniki, Konstantinopel. Aus die letztere Gemeinde brauchen wir hier nicht einzugehen, da manche Artikel unserer Zeitung davon gehandelt haben und andere in Aussicht stehen. Recht lehrreich sind die den Zwei anderen genannten Genreinden gewidmeten Artikel, die zum Teil auf historischen, zum Teil auf kabbalistischen Quellen fußen und vieles, weiteren Kreisen Unbekannte, besonders aus dem Mittelalter, vom 14. Jahrhundert an erzählen. Der Verfasser verwebt allgemeine mit Literatur- und politischer Geschichte. Da er keine Quellen angibt, vor allem die Quellenstellen, die er benutzt hat, nicht nritteilt, so ist es schwer, wenn nicht unmöglich, seine Angaben zu kontrollieren. In dem Kapitel über Saloniki ist ein besonderer Abschnitt dem Jakob ben Chabib, dern Verfasser des En Jakob, gewidmet. L. G. SxrechsgÄ. Sehr geehrte Redaktion! Zu meinem Bedauern sehe ich mich genötigt, ganz gegen meinen Wunsch ans die in dem Schreiben des Herrn Professor Berliner in Nr. 12 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums", das erst gestern zu meiner Kenntnis gelangt ist, besprochene Angelegenheit nochmals zurückzukommen, da das Schreiben einige unrichtige Angaben enthält. Der „Bericht" wurde im „Gemeindeblatt" nicht „wiederholt", vielmehr ist er dort ja original. Herr Professor Berliner erklärt den „Schlußpassus von Anfang bis Ende unrichtig". Dagegen ist zu bemerken, daß die Zurückziehung der Subvention eine nnbestrittene Tatsache ist und daß es sich lediglich lim die Frage handelt, ans welchem Grunde die Zurückziehung erfolgt ist. Ich habe Herrn Professor Berliner nicht den Wunsch ausgesprochen, die Sache so zu behandeln, wie er es nunmehr getan hat, sondern ich habe ihm, noch ehe ich in der Lage war, meinen Gewährsmann, der erst verreist und dann erkrankt war, zu hören, da Herr Professor Berliner sich sehr ungeduldig zeigte, die Frage gestellt, ob er nicht den Weg für geeignet halten würde, eine Berichtigung in seinem Sinne der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" zu senden, „des Inhalts, daß die Zurückziehung der Subvention nicht aus dem in dem Referat angegebenen, sondern ans dem und d e m Grunde e r - folgt sei und daß daher von Intoleranz keine Rede sein könne." Diesen Vorschlag wiederholte ich unter Bezugnahme auf die soeben angeführten Worte am 4. Marz, erklärte „mich aber auch zu einem anderen lriodus proeedendi bereit." Herr Professor Berliner hat nun aber, ohne mir den von mir ausdrücklich erwarteten Bescheid zu geben, geglaubt, eine Stelle aus einem nicht für die Oefsentlichkeit bestimmten Briefe aus dem Zusammenhang reißen zu dürfen und darin das Geständnis zu erblicken, daß mein Gewährsmann nicht zuverlässig war. Herr Professor Berliner verschweigt, was dieser Briefstelle vorangeht und auf sie folgt. Ich habe ihm die darin erwähnten wesentlichen Aeußerungen, durch die mein Gewährsmann zu seiner Ueberzeugung gelangt ist, mitgeteilt, unter anderem die, daß „einige Herren, die mit den Verhältnissen vertrant sind", ihm wörtlich gesagt hätten: „Was für einer: Vorteil werden Sie haben, wenn S i e s i ch a n d i e G e m e i n d e w e n d e n? S i e w i r d Ihnen 1000 Mark geben und die (bisherigen) 1000 Mark w erden zurückgezogen werde n"; ich habe weiter bemerkt, daß mein Gewährsmann behauptet, eine bestimmte Information zu haben und hinzngesügt: „Aber ich glaube, von dem Verlangen einer Namensnennung absehen zu sollen, und lasse mich lediglich von dem Wunsche leiten, die Sache auszugleichen." Damit ist deutlich genug gesprochen, daß mein Gewährsmann nach wie vor behauptet, daß die Sache aus Wahrheit beruhe, daß ich aber darauf verzichte, sie weiter zu verfolgen und bereit bin, dem Wunsche des Herrn Professor Berliner entgegenzukommen. Mich leitete hierbei lediglich die Rücksicht aus seine Person. Ich habe seinen Namen nicht genannt, ihm wiederholt geschrieben, daß mir nichts ferner lag, als ihm eine Unannehmlichkeit zu bereiten, und daß ich die Sache nicht so aufgefaßt habe, als ob die Zurückziehung auf seine Initiative hin erfolgt wäre. Herr Professor Berliner hat aber noch niemals das, worauf es eigentlich ankommt, erklärt, daß keiner der Spender den Beitrag aus dem mir mitgeteilten Grunde zurückgezogen habe. Solange eine solche unzweideutige Erklärung nicht vorliegt, bin ich außerstande, mich mit der Angelegenheit weiter zu befassen. In jedem Fall steht Behauptung gegen Behauptung. Berlin, 24. März 1014. Hochachtungsvoll Professor Dr. Kalischer.