Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 161 (sequence 5)
- Language
- German
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161 Chef des großen Handelshauses, Herrn Oscar Tietz, dar. — Um von dieser jüdischen Gegenständen gewidmeten Kunsttätigkeit Pleßners einen Begriff zu geben, sei auch die Aufnahme der in goldig leuchtender Bronze ausgeführten Bar- Kochba-Statuette gedacht, welche zum jüngsten Geburtstag des Predigers Herrn Dr. Levin ihm von Herrn und Frau Minden als Ueberraschung in sein Heim gestellt wurde. Der Künstler schreibt darüber: „Ich versuchte, Bar-Kochba darzustellen, wie er unter dem Zeichen des Sternenbanners die Juden zum Kampfe gegen die Römer aufrust." Von öffentlich ausgestellten Arbeiten sei noch erwähnt: das Erbbegräbnis für Julius und Jenny Tietz in Weißensee und Jacob pleßner: Büste von Louis Sachs. das für Raphael Baum in Ohlsdorf; ein Wandbrunnen im jüdischen Kinderhort in der Gipsstraße, der in etwas veränderter Form als freistehender Brunnen im Wintergarten der Loge Kleiststraße aufgestellt ist; ferner zwei Wandbrunnen in der offenen Halle des Brüdervereins. Ueber zwei hier wiedergegebene Kunstwerke sei folgendes bemerkt: das eine ist die Porträtbüste des Großen Kurfürsten, die durch die Munifizenz Georg Mindens der Jüdischen Gemeinde verehrt worden ist und die vor einiger Zeit in dem Saal der Repräsentanten Aufstellung gefunden hat. Ueber diese Büste gibt die Stiftungsurkunde Georg Mindens dankenswerte Aufklärung. „Der mit mehreren Büsten preußischer Könige geschmückte Sitzungssaal der Repräsentantenversammlung entbehrt bis jetzt eine bildliche Darstellung des Großen Kurfürsten, welcher durch das Edikt vom 21. Mai 1672 die aus fremden Landen vertriebenen jüdischen Familien in seine Knrmark berief und dadurch die Stiftung unserer Religionsgemeinde veranlaßte. — In der Ueberzeugung, eine patriotische Pflicht der Indischen Gemeinde ihrem Begründer gegenüber zu erfüllen, stifte ich die in Bronze gegossene Büste des erhabenen Hohenzollernfürsten zur Aufstellung in diesem Saale. Ich glaubte, mit der Herstellung dieses Kunstwerkes einen in Preußen geborenen Künstler jüdischen Bekenntnisses betrauen zu sollen, damit er durch sein Werk dafür Zeugnis ablege, daß unsere Glaubensgenossen, wie an allen anderen Kulturaufgaben, so auch an der bildenden Kunst tätigen Anteil nehmen. Ich war mir bewußt, den Künstler vor eine schwierige Aufgabe zu stellen, da der Vergleich mit dem jedem Berliner von Jugend auf vertrauten Schlüterschen Monument für den Jacob pleßnec: Büste von Oscar Tietz. ■W-" ’w ji späteren Bildner gefährlich ist. Aber ich glaube, daß Jacob Pleßner die Aufgabe, nicht sowohl den lorbeergekrönten Kriegshelden als den von Güte und Wohlwollen für seine Untertanen erfüllten Landesvater darzustellen, gelöst hat. In der Hoffnung, daß die vor diesem Bildwerk gepflogenen Beratungen stets von religiös-sittlichem Gemeinsinn und von Vaterlandsliebe getragen sein mögen, übergebe ich es der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Berlin, 26. Mai 1913. Dr. zur. Georg Minden. Endlich sei eine Gedenktafel wiedergegeben, die Pleßner im Aufträge der Stadt Berlin und des Herrn Oscar Tietz geschaffen hat. Sie ist bei Gladenbeck gegossen und soll in der nächsten Zeit der Oeffentlichkeit übergeben werden; sie ist für das Portal des Erweiterungsbaues Tietz am Königsgraben bestimmt. An der Inschrift wurde in letzter Stunde das Wort: „dichtete" in „beendete" umgewandelt.