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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-04-03 · Heft 14 (3.4.1914) · p. Seite 160

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
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160 erzenen Legaten durchführen ließ, und in dicseur zweiten Prozeß wurden die Jude» für unschuldig an dem Tode des Knaben erklärt. Tiefe Korrektur des früheren Prozesses aber haben die antisemitischen Fälscher unterschlagen, und der ihnen gesinnungsvcrwandte „Auswärts" folgt diesem würdigen Beispiel. Uebrigens hat eine Anzahl von Päpsten die ganze Blutanklage zurückgewiesen. So nennt sie Papst Paul III. in einer Bulle vo>n Jahre 1540, also nach dem Trienter Fall, eine Ausgeburt von Haß und Neid, von verblendeter Habsucht, um sich die Habe der Juden aueigncn zu können, und verbot die Erneuerung dieser Anklage unter Androhung der schwersten kirchlichen Strafen. Pfarrer Frank sagt in seinem Buch als Ergebnis seiner Untersuchungen: „Es ist unmöglieh, paß ein Jude, der bei gesundem Verstände ist, den Ritualmord j billigen, ein Jude, der sein göttliches Gesetz nicht vollständig abz leugnen will, einen Ritualnrord verüben kann."! der griechischen Schule Nukas geliehen hatte, diesen Platz zurück. Die Griechen lärmten dagegen, stürzten sich auf vorbeiziehende Mitglieder des Makkabivereins und brachten zwei Mitgliedern des letzteren Messerstiche bei. Statt sich, für diese Ungebühr zu entschuldigen, trat das antisemitische Blatt „ T h a r r o s " mit heftigsten Schimpfworten gegen die Juden auf, die sie als e i n g e s ch I i ch e n e fremdländische Elemente bezeichnete. Die jüdische Presse, der es verboten war, über den Vorfall selbst zu sprechen, besonders die „Jndependante", wies darauf hin, daß nicht die Juden, sondern die Griechen Einwanderer seien, die Juden vielmehr zu dem Flor Salonikis viel beigetragen hätten. Hoffentlich hat dieser Preß-hader keine weiteren Folgen. Aus Italien wird uns geschrieben: Am 22. März empfing König Viktor Emanuel III. in seinem Palast auf dem Quirinal eine aus drei Mitgliedern bestehende Deputation der jüngst in Rom stattgefundenen dritten Zusammenkunft der sogenannten jungen Juden (Terzo convegno giovanile cbraico) Italiens, darunter auch den Oberrabbiner Roms, Dr. Sacerdoti. Der König zeigte großes Interesse für die auf der Zusammenkunft kundgegebenen Bestrebungen zur Neubelebung des Judentums, erzählte, was ihm von den einzelnen jüdischen Gemeinden Italiens und des Orients (wie Jerusalem) bekannt war und gedachte auch seines persönlichen Freundes, des verstorbenen Kriegsministers Ottvlenghi. Er wußte auch, daß ein Borfahre desselben zu den von Napoleon I. nach Paris berufenen Synedrion gehört hatte. ■& Aus Kope n h a g e n ur e l - det die „OL I. K.": Die Juden Dänemarks rüsten sich, die h u n d e r t st e Jahreswende ihrer E ma n z i P a - lion feierlich zu begehen. Am 29. Mürz dieses Jahres werden es nämlich 100 Jahre, seit ihnen durch ein Dekret des Königs Friedrich VI. die Bürgerrechte verliehen worden sind. Aus diesem Anlaß gibt die Dänemarkloge des Ordens B^nei B'rith eine Festschrift heraus, und die jüdische Genreinde in Kopenhagen veranstaltet eine Gedenkfeier in der Synagoge mit anschließendem Bankett. Es sollen auch wohltätige Stistungen zur Erinnerung an den denkwürdigen Tag errichtet werden. Diese Festschrift ist uns eben zugegangen. Wir kommen demnächst auf sie zurück. * Bei den Wahlen zur D e p uti er t e n k amm er in der Türkei ist in Konstantinvpel, Smyrna. Bagdad je ein Jude gewählt worden. Während in der Türkei sich die Verhältnisse für die Juden günstig gestalten, gab es in Saloniki zwischen der griechischen und jüdischen Bevölkerung Streitigkeiten. Da die antisemitischen deutschen Blätter davon Notiz nehmen, sei der Vorfall nach der „Aurore" hier dargcstellt: Am 7. März beanspruchten die ehemaligen Schüler der jüdischen französisch-deutschen Schule, die ihren Fußballplatz Jacob pleßner: Büste des Großen Rurfürsten. LMHauer Jarob Oletzner. Von Ludwig Geiger. Unter unseren jüngeren Künstlern ist der Bildhauer Jacob Pleßner wert, daß die öffentliche Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt wird. Er ist am 18. August 1871 zu Berlin als Sohn des Kaufmanns Moritz Pleßner geboren. Sein Großvater war der bekannte Gelehrte Salomon Pleßner. Nach verschiedenen Versuchen, seine künstlerischen Neigungen praktisch zu betätigen, landete Jacob Pleßner bei der Bildhauerei, die er praktisch für Bauten bei Ernst Westpfahl iin Berlin vier Jahre lang (1892—1896) erlernte. Gleichzeitig bereitete er sich in Abend- und Sonntagskursen auf der Handwerkerschule und im Kunstgewerbemuseum unter Professor Manzel für die Akademie vor, die er von 1896 bis 1901 besuchte. Er studierte dort unter Jamensch, Herter, Breuer Porträt und Akt und machte bei Paul Meyerheim sowie auch im Zologischen Garten zeichnerische und plastische Tierstudien. Paul Meyerheim interessierte sich besonders für ihn und veranlaßte ihn zunächst, bei Keller & Reiner auszustellen, wo seine ersten Tierstudien, ein Löwe und ein Asfenrelief, vom Fürsten zu Wied angekaust wurden. 1899 stellte er zum erstenmal auf der Großen Kunstausstellung aus. 1901 erhielt er den Michael-Beer-Preis, der 1902 auf ein weiteres Jahr gewährt wurde, so daß er fast zwei Jahre in Italien weilen durfte, die zu seiner Ausbildung von großer Wichtigkeit waren. Einzelne seiner dort erstandenen Arbeiten erlangten große Anerkennung; die Gruppe der „Bettelweiber aus Perugia" wurde von der Königin Wilhelmine von Holland erworben. Seit einigen Jahren schuf Pleßner eine Anzahl Porträtbüsten, zum Beispiel der Frau Minister v. Studt, der Schauspielerin Maria Holgers und des Schauspielers Fritz Richard. Zwei seiner Porträtbüsten werden hier in Abbildung gebracht. Die eine stellt den -allverehrten langjährigen Vorsitzenden der Repräsentantenversammkung, den im Dienste der Stadt Berlin seit langer Zeit Tätigen, den großzügigen Philanthropen L o u i s S a ch s, die andere den gleichfalls in weitesten Kreisen bekannten, im Dienste der Gemeinde bewährten.

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