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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-04-03 · Heft 14 (3.4.1914) · p. Seite 159

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 14 (3.4.1914)
Date
1914-04-03
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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- 159 - Söhnen er zählt, zum Ruhme gereichen. Mögen dem verehrten Jubilar, von dem man mit dem Dichter sprechen darf: „Ein edler Mensch zieht edle Menschen an und weiß sie festzuhalten", noch viele lebensfrohe, vom Segen des Allgütigen gekrönte Jahre beschieden sein — zur Freude seiner Gattin und seines Sohnes und nach -dem Wunsche seiner zahlreichen Freunde, die ihn gleich uns schätzen und lieben. Albert Katz. Vir Woche. Berlin, 31. März 1914. s ist kein Aprilscherz, wenn wir am Anfang dieser Uebersicht, die in den ersten Tagen des April erscheint, berichten, daß Lessing einmal wieder der Bestechlichkeit beschuldigt wird. Die Zeitschrift „Aus Vorposten", die mir früher regelmäßig zugeschickt wurde, seit einiger Zeit nicht mehr, so daß ich sie schon selig entschlafen wähnte, leistet sich das mit folgenden Worten: „Wahrscheinlich klingt seine Bestechung durch jüdisches Geld. Schon bei Lebzeiten wurde ihm von einem Gegner vorgeworsen, die Amsterdamer Juden hätten ihm 1000 Dukaten für eine Schrift gezahlt. Lessings Ableugnung klingt nicht sehr glaubwürdig. Auch der Kriegsrat Merck in Darmstadt, Goethes Freund, warf Lessing Bestechlichkeit vor. Wenn man berücksichtigt, daß Lessing schon als junger Student tief verschuldet vor seinen Gläubigern aus Leipzig floh, daß er später ein leidenschaftlicher Glücksspieler war, der große Summen im Kartenspiele verlor, so klingen diese Beschuldigungen nicht imberechtigt." Derartiges ernst zu widerlegen, lohnt sich nicht, und es war kaum möglich, wie die „Mitteilungen des Abwehrvereins" dies tun, darauf hinzuweisen, daß selbst Lueger und Adolf Bartels Lessings sittliche Hoheit und Unbestechlichkeit anerkannten. * Die kleinen antisemitischen Parteien im Reichstag haben sich zu einer Partei zusammengeschlossen. Dies war in allen Zeitungen zu lesen. Die „Vossische Zeitung" gibt bei dieser Gelegenheit folgende lehrreiche Zusammenstellung: Ein Zusammenschluß der antisemitischen Parteien zu einer „deutschvölkischen Partei" ist in einer Versammlung von 200 Vertrauensmännern der deutsch-sozialen Partei und der deutschen Resormpartei erfolgt. Der Vorsitzende der neuen Partei ist der frühere Reichstagsabgeordnete Amtsgerichtsrat Lattmann, sein Stellvertreter der Reichstagsabgeordnete Oberlehrer Dr. Werner (Gießen), beide aus der deutsch-sozialen Partei. Versuche, die Antisemiten zu einigen, sind früher wiederholt gemacht worden. 1889 wurde die deutsch-soziale Partei, 1899 die antisemitische Volkspartei gegründet. Beide schlossen sich, nachdem 1893 nach der Auflösung des Reichstags 16 Antisemiten gewählt waren, mit Ausnahme von Ahlwardt zu einer Reichstagsfraktion der deutschsozialen Reformpartei zusammen. Schon bald kamen Absplitterungen einzelner Abgeordneten. Im September 1900 erfolgte aus einem Parteitag in Magdeburg wegen des Verhältnisses zum Bund der Landwirte wieder eine Spaltung. Liebermann v. Sonnenberg bildete eme deutschsoziale Partei. Die deutschsoziale Reformpartei unter Führung von Zimmermann nahm bald daraus den Nmnen deutsche Reformpartei an. Bei den Wahlen von 1903 wurden sechs Vertreter der deutschen Reformpartei: Böckler, Bruhn, Fröhlich, Gräfe, Krösell und Werner und vier Mitglieder der deutschsozialen Partei gewählt, die in der Wirtschaftlichen Vereinigung Anschluß fanden: Lattmann, Liebermann v. Sonnenberg und Gras Reventlow. Im Laus der Legislaturperiode erhielten die Vertreter der deutsch-sozialen Partei bei Ersatzwahlen Zuzug durch die Abgeordneten Herzog, Raab und Schack, sowie durch den Abgeordneten Krösell, der von dem Zimmermannschen zum Liebermannschen Flügel hinüberwechselte. Auch dem Führer der deutschen Resormpartei Zimmermann gelang es, bei einer Ersatzwahl wieder in den Reichstag zu kommen. 1907 wurden 14 Mitglieder der beiden antisemitischen Parteien gewählt: drüben Bindewald, Bruhn, Gabel, Gräfe, Werner, Zimmermann, hüben Böhme, Hanisch, Herzog, Köhler, Lattmann, Liebermann v. Sonnenberg, Raab, Schack. Beide Parteien wurden führerlos durch den Tod von Zimmermann und Liebermann v. Sonnenberg. Dieser Verlust wurde für sie noch empfindlicher, als bei den letzten Wahlen auch Lattmann unterlag. Bei den Wahlen von 1912 wurden von der Deutschen Resormpartei nur Bruhn, Gräfe, Werner (Hersfeld) und von der deutschsozialen Partei nur Herzog, Rupp und Dr. Werner (Gießen) gewählt. Diese beiden Dreigespanne, die bisher wiederholt nach verschiedenen Richtungen strebten, wollen nunmehr in der deutsch-völkischen Partei geschlossen und einig das gleiche Ziel erreichen. * Von einer seltsamen M y st i f i k a t i o n berichtet die „Deutsche israelitische Zeitung": „Im vorigen Jahre ist dem Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen eine Eingabe zugegangen, in welcher gegen die Bestätigung von ausländischen Inden als Kultusbeamten in den Gemeinden protestiert, gegen die Ausländer die Verdächtigung, sie seien Verbreiter revolutionärer Ideen, ausgesprochen, und ihre Ausweisung angeregt wurde. Die Eingabe war unterzeichnet: Deutscher Kantorenverband, gez. Hahn. Ermittelungen ergäben alsbald, daß gleiche Eingaben auch den Oberprüsidenteu in Danzig und Breslau und dein Polizeipräsidium in Berlin zugegangen waren. — Es war offenbar, daß die bestehende Organisation der Kultusbeamten, der „Allgemeine deutsche Kantorenverband", diesen Eingaben völlig sernstand, und die sofortigen Ermittelungen des Verbandes ergaben, daß der angegebene Einsender der Eingaben überhaupt nicht existierte. Es handelte sich um eine Fälschung und um eine grobe Mystifikation der Staatsbehörden. Nun wird uns von verschiedenen Seiten geschrieben, daß auch an außerpreußische hohe Staatsstellen ähnliche Eingaben gelangten, welche mit allerlei Namen unterschrieben sind. Es läßt sich auch in diesen Fällen leicht feststellen, daß es sich um groben Unfug handelt. Wenn die Behörden an den angeblichen Absender eine Antwort richten, so wird diese Antwort als unbestellbar zurückkommen." * Recht zeitgemäß, zugleich tapfer und warm ist folgender Artikel der „Frankfurter Zeitung": „Die Ritualmord - lüge": Der „Aufwärts", als Organ des St. Josefs-Vereins zur „Verbreitung guter Schriften", der auf dem Titelblatt besonders verzeichnet, daß er von Papst Pius X. gesegnet sei, und ferner eine Empfehlung des Bischofs von Trier abdruckt, gibt sein Febrnar- Mürz-HefL zur Auswärmung einer der zahlreichen Lügen über den angeblichen jüdischen Ritualmord her. Für diese Nummer ist noch eine besondere Propaganda getrieben worden; so ist sie, wie uns aus Mainz berichtet wird, dort in vielen Exemplaren vor die Haustüren gelegt worden. Die Fälschung, deren erneute Verbreitung in Nachahmung der längst entlarvten Vorläufer aus dem antisemitischen Lager das Blatt sich angelegen sein läßt, ist der angebliche Ritualmord an dem Knaben Simon von Trient im Jahre 1475. Die Geschichte ist schon unzählige Male klargestellt, und auch die kirchlichen Autoritäten haben die Behauptung eines Ritualmordes deutlich und entschieden zurückgewiesen. Um so ungeheuerlicher ist es, daß das Organ des St. Josess-Vereins es wagt, die Dinge so zu erzählen, als handle es sich um einen gerichtlich einwandfrei festgestellten Ritualmord, wobei alle die früheren Fälschungen, einschließlich der Daten, unbekümmert um die späteren berichtigenden Feststellungen, dreist wiederholt werden. Demgegenüber sei auf folgendes hingewiesen, wobei wir uns auf eine für Katholiken gewiß einwandfreie Quelle beziehen, nämlich aus das Buch des frühereu Zentrumsabgeordneten Pfarrers Frank „Der Ritualmord vor den Gerichtshöfen der Wahrheit und der Gerechtigkeit" (I. G. Mauz, Regensburg). Wegen der Ermordung des Simon von Trient wurde allerdings vom Bischof Hinderbach ein Ritualmordprozeß gegen mehrere Juden auf Grund ganz vager Angaben eingeleilet und eine Verurteilung duvck^esetzt, aber uur nachdem nach sünfzehntägigen schlimmsten Folterungen von den Eingekerkerten Geständnisse erpreßt waren, die nachher widerrufen wurden. Die Führung dieses Prozesses machte einen so schlimmen Eindruck, daß Papst Siegmund IV, einen zweiten Prozeß anordnete und durch seinen 1 * ii ■I \

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