Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 78 (1914)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1914)
- Date
- 1914-03-27
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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s schaffen, die die Wohltätigkeitspflege aus der Regellosigkeit in die moderne Regelung und aus dem prüfungslosen Almosengeben zu einer modern-sozialen Hilfsarbeit emporhob. Männer wie Professor S a m uel, Stadtrat Magnus, Max Arndt standen an der Spitze der Zentralarmenkommission, vorübergehend Herr Rabbiner Dr. Vogel st ein, zurzeit Dr. W o l l e n b e r g. J-n der offenen Fürsorge wirken zurzeit 19 Institutionen und Vereine, in der geschlossenen fünf. Barvermögen besitzen 16 von den 19 in der offenen Pflege tätigen Vereine in Höhe von rund 904 000 Mark und drei der fünf in der geschlossenen Armenpflege wirkenden Institute in Höhe von rund über 850 000 Mark. Die Gesamtsumme des Barvernlögens beläuft sich danach auf 1 753 259 Mark. Die Jahresbeiträge der Mitglieder aller Wohltätigkeitsvereine erreichen die Höhe von 78 834 Mark, und die Gesamtsumme der Unterstützungen beläuft sich auf die sehr ansehnliche Summe von 182 658 Mark. Die ganze Bedeutung dieser Höhe der Unterstützungen wird man am besten ermessen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß der Gesamtetat der Gemeinde nur die Höhe von rund 132 OM Mark erreicht. Berlin mit einem Etat von nahezu fünf Millionen bringt nach einer letzthin im Gemeindeblatt bekanntgegebenen Ziffer für Armen- und Wohlsahrtszwecke, einschließlich der Beträge der privaten Vereine usw., etwa 2y Millionen auf. §2 Thorn, 20. März. Der vergangene Sonntag gestaltete sich für die hiesige jüdische Gemeinde als ein Tag des Jubels und der Freude, denn an ihm konnte Herr Rabbiner Dr. Rosenberg auf eine 25 jährige Wirksamkeit als Seelsorger zurückblicken. Mit diesem Feste verband er gleichzeitig die Feier seiner Silberhochzeit. Die Gemeinde hat es sich nicht nehmen lassen, diesen Tag auf das lvürdigste zu begehen. Bormiltags fand in der Aula des Gemeindehauses die Schulfeier statt. 'Eingeleitet wurde'dieselbe durch einen von Herrn Lehrer Silber Pfennig gut eingeübten gemischten Chor. Die Ansprache hielt Herr Lehrer Chaim, in der er den Dank der Lehrer und Schüler in tief empfundenen Worten zum Ausdruck brachte. Auch einige Deklamationen wurden Vorgelragen. Die Feier hat aus den Jubilar einen derartigen Eindruck hervorgerusen, daß er in rührenden Worten auch im Namen seiner Gemahlin dankte. In der Behausung erschienen im Lause des Vormittags Deputierte verschiedener Vereine: Herr Justizrat N a d t sprach im Aufträge des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herr Adolf Jacob als Repräsentantenvorsteher, Herr Sanitätsrat Dr. Wolpe als Vertreter der Gabriel-Rießer-Loge, Herr Dr. Wolfs im Aufträge der ehemaligen Schüler, Herr Rechtsanwalt Wilk für die Jugendloge, Herr Stadtrat S t e r n b e r g, Culmsee, für die dortige Synagogengemeinde. Der westpreußische Gemeiudeverband sandte unter herzlichen Glückwünschen ein prachtvolles Blmuenarrangement. Nachmittags fand in der Synagoge ein Festgottesdienst statt. Herr Rabbiner Dr. Loevy ans Graudenz, der als Deputierter des Deutschen Rabbinerverbandes erschienen war, hielt die Festrede, in welcher er unter Zugrundelegung des Psalms 84 die hohen Verdienste des Jubilars als Rabbiner, als Religionslehrer und Seelsorger in zu Herzen gehenden Worten schilderte. Darauf ergriff Herr Rabbiner Dr. Rofenberg das Wort und dankte in tief bewegten Worten sämtlichen Gemeindemitgliedern, Vereinen, Lehrern und so weiter für die mannigfachen Ovationen, die Zeugnis ablegten von der tiefen Verehrung, deren er sich hier zu erfreuen hat. Außer einem Ehrengeschenk das ihm die hiesige jüdische Gemeinde stiftete, widmeten ihm die jetzigen Schüler eine Standuhr und die ehemaligen I ein kostbares Silbergeschenk. Gratulanten wechselten den ganzen ' Tag ab und haben durch Überreichung von prachtvollen Blumenarrangements und anderen Kostbarkeiten ihrem geistlichen Oberhaupt unb seiner Gemahlin ihre Verehrung erwiesen. Den Abschluß dieses schönen Tages bildete ein vom Männergesangverein „Liederhort" in den Sälen des Artushofes veranstaltetes Konzert. W. Aus der Provinz Posen, im März. Posen. Im Verein liberaler Juden beendigte Rabbiner Professor Dr. Bloch seinen diesjährigen Vortragszyklus mit einem Referate über: „Die Blüte Judäas unter Simon Thassi." Die Vorträge waren jedesmal stark besucht. — Herr Rudolf Petersdorff, hier, welcher ein drittes großes Geschäftshaus in Breslau; eröffnet hat, schenkte den dortigen Armem 2000 Mark, Welche Summe sofort zur Verteilung gelangte. - Bromberg. Nach langem schweren Leiden verschied hier die verwitwete Frau Friederike Ascher geborene Rosenfeld im 86. Lebensjahre. Außer den trauernden Hinterbliebenen nahmen viele Bürger der Stadt an der Beerdigung teil. - U n r u h st a d t. Fabrikbesitzer Lichtenstein wurde in der Stadtverordnetensitzung zum Magistratsmitgliede gewählt. — Zerkow. Herr Rentier Samuel Joachimczyk und Gattin feierten im Kreise ihrer Angehörigen das ichone Fest der goldenen Hochzeit. Seitens der Bürgerschaft wurden dem Jubelpaars viele Ovationen zuteil. Herr Bürgermeister Krause überreichte im Aufträge des Herrn Regierungspräsidenten die Ehejubiläumsmedaille. Beide Eheleute sind geistig und körperlich noch sehr rege. — Mogilno. Hier starb die älteste Bewohnerin unserer Stadt, die verwitwete Frau Aronsohn, im hohen Alter von 94 Jahren und 8 Monaten. Die Dahingesch'iedene war im wahren Sinne des Wortes eine echt jüdische Frau zu nennen, sowohl in religiöser Beziehung wie im sozialen Umgänge mit ihren Nebenmenschen. Kein Wunder, daß alle Bürger der Stadt es für eine Pflicht hielten, der Heimgegangenen den letzten Ehrendienst zu bezeigen. — Bamtet, 20. März. Die Jubiläumsfeier für den hiesigen Rabbiner Herrn Dr. Wreschner, die aus Anlaß seiner 25jährigen Amtstätigkeit am 15. März stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Verehrung und Wertschätzung, die der Jubilar in feinem gesegneten Walten sich über den Kreis seiner Glaubensgenossen hinaus erworben hat. Den Anstatt bildete die Feier in der jüdischen Volksschule am Sonnabend nachmittag unter Leitung des Herrn Lehrer Katz. Nach dem Vortrag von Gedichten und Liedern hielt Herr Katz -eine Anrede und überreichte dem Jubilar das Geschenk der Schule: eine prächtige Originalradierung von Professor Struck. Am Sonntag vormittag nahm der Jubilar in seiner Wohnung die Gratulationen und Geschenke der zahlreich erschienenen Deputationen entgegen. Um yA Uhr nachmittags fand die Feier in der mit festlichem Grün prachtvoll ans geschmückten Synagoge statt. Außer der vollständig versammelten Gemeinde nahmen daran teil: Herr Bürgermeister Pfau im Namen des Magistrats, Herr Schulrat Lindner für die Kreisschulbehörde, Herr Direktor Schau b für die Landwirtschaftsschule, viele Rabbiner der Provinz Posen, Vertreter der Syuagogengemeinden Wronke, Obornik, Obersitzko, Pinne, Posen und Schildderg, Herr Justizrat K i r s ch n e r - Posen für den Zentralverband Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und viele andere Vertreter von auswärtigen wissenschaftlichen und humanitären Vereinen, zu denen Herr Dr. Wreschner in engen Beziehungen steht. Die Feier wurde durch einen a eapolla-Ehvr würdig eingeleitet, worauf Herr Dr. Cohn-Rawitsch in einer groß angelegten Festpredigt die segensreiche Wirksamkeit des Jubilars pries. Ein Gesang des Herrn Kantor Gelb schloß sich an. Dann bestieg der Jubilar selbst die Kanzel und sprach bewegte und tief zu Herzen gehende Worte von dieser geweihten Stelle aus. Der ewig junge Choral „Die Himmel rühmen" beschloß die erhebende Feier, der abends ein Festbankett folgte. 20 Wickrath (Kreis Grevenbroich), 22. März. Jnc hohen Alter von fast 81 Jahren wurde am 19. d. M. Herr Jakob St ein Wasser zu Grabe getragen, nachdem er die letzten Jahre seines Lebens bei seinen auswärts wohnenden Kindern zugebracht hatte. Der Verstorbene, der über vierzig Jahre hier ansässig war, erfreute sich in weiten Kreisen größter Beliebtheit; er war ein guter, überzeugungstreuer Jude, ein ausgezeichneter Familienvater und ein stets hilfsbereiter, von Lebensfreude erfüllter Mensch. Wie zwei Brüder, die ihm im Tode vorangingen und wie sein Vater, der die Freiheitskriege als Freiwilliger mitkämpste, diente auch er dem Baterlande in schwerer Zeit und nahm ehrenvollen Anteil an den Kriegen der Jahre 1866 und 187 0. Die Bestattung erfolgte unter zahlreicher Teilnahme mit militärischen Ehren. Am Grabe sprachen Herr Lehrer Moses, Rheydt, und Herr Rabbiner Dr. Grabowski, Barmen, als Freund des Verewigten tiefempfundene Worte. Seesen a. Harz, 23. März. In den Tagen vom 19. bis 23. d. M. fand an der hiesigen Jacobsonschule (Realschule und Realgymnasium mit Erziehungsheim) unter dem Vorsitz des herzoglichen Kommissars Herrn Schulrat Prof. Dr. Beckurts aus Braunschweig die Schlußprüfung statt. 19 Prüflinge der Realschule und 10 des Realgymnasiums haben dieselbe mit Erfolg bestanden und sich damit die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst beziehungsweise die Reife für die Obersekunda einer Oberrealschule beziehungsweise ein-es Realgymnasiums erworben.