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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1914-03-27 · Heft 13 (27.3.1914) · p. Seite 148

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
78 (1914)
Issue
Heft 13 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 wir erdulden, können und wollen wir Hoffnung, Vertrauen und Zuversicht nicht aufgeben: Hoffnung auf die Anerkennung unserer Tätigkeit und unseres Strebens, Vertrauen in die Weisheit der Macht, die die Geschicke der Welt lenkt, Zuversicht auf den Triumph der Gerechtigkeit. Aus den Winterstürmen erhebt sich sieghaft die jugendliche Macht der Lenzeszeit, auf schwere Sklaverei folgt die Zeit der Befreiung — „e s mu ß doch Frühling werden." Gekannte Milche Giandenssenalren i. h e v d o r Philipp M a r c u s, am 30. März 1843 als Sohn frommer Eltern in Frankfurt a. O. geboren, entstammte einer alten deutsch-jüdischen Familie, die schon in der fünften Generation in der Mark Brandenburg ansässig war und viele berühmte Männer, die dem Judentum zur Zierde gereichten, zu den ihrigen zählte. Mit den nötigen Kenntnissen ausgerüstet und von seinem Vater, dem Vorsteher der Frankfurter jüdischen Gemeinde, Abraham Marcus, frühzeitig dem Erwerbsleben zugeführc, erhielt er seine erste kaufmännische Ausbildung im Hause seines OnkelS Bankier Mende, der, wie nur wenigen bekannt sein dürfte, schon damals einer der eifrigsten Verfechter der Idee der Kolonisation Palästinas war. Im Jahre 1861 kam Theodor Marcus in das Bankhaus Gebrüder Veit & Co. in Berlin und ging von hier aus nach Wien, wo er erst Einzelprokurist bei der Firma M.Thvrdsch Söhne war und kurze Zeit darauf zum Direktor der Allgemeinen Böhmischen Bank in Prag gewählt wurde. 1874 kehrte er nach Berlin zurück, etablierte hier die renommierte Bankfirma Marcus & Volkmar und verheiratete sich 1879 mit Fräulein Caroline Fischt, der Tochter des Vorstehers der jüdischen Gemeinde in Prag, Alois Fischl, die ihn in Liebe und Treue drirch das Leben begleitete und seine gemeinnützigen Bestrebungen kräftig unterstützte und förderte. Theodor Marcus, mit allen Fasern seines Herzens dem Väterglauben anhängend, war einer der edelsten und besten Männer unserer Gemeinde, an deren Angelegenheit er, ohne besonders in die Oeffentlichkeit zu treten und, wie es jetzt üblich ist, einer bestimmten Richtung im Judentum anzugehören, den regsten Anteil nahm. Er war ein treuer Anhänger lind Förderer der jüdischen Gesamtheit und ein ausgesprochener Gegner jeder Parteibildung, die nur, wie er mir einst sagte, zur Zersplitterung der Kräfte und somit zum Nachteil der Gesamtheit führe. Mit großem Eifer aber beteiligte er sich an den Arbeiten des Deutsch-israelitischen Gemeindebundes, dessen geschäftsführendem Ausschllß er länger als ein Vierteljahrhundert angehört und zum Segen des Bundes und der ihm angeschlossenen Gemeinden gewirkt hatte. Zugleich bekleidete er eine Reihe von Jahren das Ehrenamt eines Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin und war Begründer und langjähriger Vorsitzender der liberalen Fraktion in der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung, in die ihn das Vertrauen seiner Mitbürger trotz einer sehr häßlichen Agitation von gegnerischer Seite immer wieder berufen hatte. Sein vornehmer, edler Charakter, seine Herzensgüte, Pflichttreue lind Arbeitsfreudigkeit gewannen ihm die Zuneigung und Hochschätzung aller, die ihm näher getreten waren, ganz besonders aber die Herzen seiner Glaubensgenossen, die in ihm einen tapferen, überzeugungstreuen Sohn ihres Stammes und seiner Traditionen verehrten. Er starb am 7. Mai 1908 und hinterließ vier Kinder, die alle in geachteter sozialer Stellung sich befinden und in seinem Sinne leben und wirken. . A. K. Orokrllor Dr. Georg Inschimsthal. m 28. Februar d. I. starb im besten Mannesalter aus der Höhe eines an Erfolgen reichen, ebensosehr der Wissenschaft wie dem Wvhle der leidenden Menschheit gewidmeten Lebens Dr. Georg Joachimsthal, außerordentlicher Professor lind Direktor der Königlichen Universitäts-Poliklinik für orthopädische Chirurgie in Berlin. Er war anr 8. Mai 1863 in Stargard in Pommern als Sohn eines durch seinen Fleiß zu bescheidenem Wohlstand gelangten Kaufmannes geboren. Seine Mutter, eine Schwester des als Arzt und Forscher in Berlin zu großem Ansehen gelangten Geheimen Medizinalrats Julius Wolfs, stammte aus Märkisch- Friedland, dem bekannten, westpreußischen Städtchen, dessen jüdische Bewohner sich schon früh durch ihr Streben nach deutscher Bildung auszeichneten. Auf dem Gymnasium seiner Heimatstadt vorgebildet, studierte er von 1882 an in Berlin Medizin, erlangte 1887 die Doktorwürde und legte 1888 die ärztliche Staatsprüfuilg ab. Während der folgenden zehn Jahre betrieb er die allgemeine ärztliche Praxis, widmete aber nebenbei seine freie Zeit wissenschaftlichen Forschungen, zu denen er die nächste Anregung von seinem Onkel Wolfs erhielt. Nachdem dieser einen Lehrstuhl für orthopädische Chirurgie an der Berliner Universität erhalten hatte, trat Joachimsthal als Assistent in die Universitäts-Poliklinik ein und blieb in dieser Stellung bis 1900. Schon 1897 waren ihm von der Pariser Akademie der Medizin für eine experimentelle Arbeit von grundlegender Bedeutung der Pourot-Preis und der Titel eines „Fruirerll de l’Institut de France" zu teil geworden. 1898 habilitierte er sich als Privatdozent, erhielt j 1902 den Professvrtitel und >908 nach Albert Hoffas Tode j denselben Lehrstuhl, den sein Onkel früher innegehabt hatte, j Hatte er sich schon in der 1900 von ihm begründeten Privatpoliklinik eines großen Zulaufs von Kranken und eines ansehnlichen Zuhörerkreifes zu erfreuen gehabt, so war er von da ab als Leiter der Universitäts-Poliklinik einer der führenden Vertreter seines Faches. Als Lehrer zog er durch die Klarheit und Beredsamkeit seines Vortrages, durch Ausbildung neuer Methoden, durch reiche Erfahrung, durch praktische Unterweisung, der alle modernen Hilfsmittel der Wissenschaft zu Gebote standen, einen auserlesenen Kreis nicht nur deutscher, sondern auch zahlreicher ausländischer Aerzte von weither an. Theodor Philipp^Marcus.

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